Die Kandidatin

11. Aug 2005 | von | Kategorie: Politisches Buch

cover_merkel.jpgIn wenigen Wochen wird gewählt. Es ist gewiss kein Zufall, dass eine weitere Merkel- Biographie, diesmal schon in zweiter Auflage erschienen ist. Der Zusatz: DIE KANDIDATIN ist Programm. Von Wolfgang Mehlhausen

Wie es der Zufall wollte, fielen dem Verfasser gleich zwei Biographien in die Hand, die erste von Gerd Langguth "Angela Merkel" und das zu besprechende Buch in 2. Auflage. Ein Vergleich beider Bücher drängte sich zwangsläufig auf. Streiten kann man auch über den Wert von Biographien von Zeitgenossen, die erst dabei sind, vielleicht Großes zu leisten , nur Mittelmaß werden – oder auch zu versagen. "Richtige" Biographien, ob Eigenwerke oder Lebensbeschreibungen von Sachkundigen sind doch eigentlich solche, die ein Leben oder eine Laufbahn nach deren Ende beurteilen.

Die "politische" Biographie

des Universitätsprofessors und langjährigen Journalisten Wolfgang Stock ist wörtlich zu nehmen, denn hier wird vorrangig Politisches, kaum Persönliches behandelt. Die meisten Bundesbürger kennen Angela Merkel nur aus den Medien, doch wer ist diese Frau wirklich? Um es gleich vorweg zu nehmen, auf diese Frage wird in diesem Büchlein keine Antwort gegeben, Es beginnt mit Auslassungen zur Frage "Angela Merkel in der Verantwortung" und beleuchtet dann ihre Tätigkeit im "Demokratischen Aufbruch". Wir erfahren ein wenig über das Leben der Angela Merkel, die als Angela Kasner auf die Welt kam. Dies blieb sie, bis zu ihrer ersten Eheschließung. Dass Wolfgang Stock der Frau Merkel sehr wohl gesonnen ist, fällt bereits nach einigen Seiten Lektüre unangenehm auf, doch dies scheint Langguth auch zu sein, der jedoch viel kritischer mit ihrem Lebensweg bis zur "Wende" umgeht.

Viele Behauptungen und dürftige Beweise

Die Vorzüge der Frau Merkel werden stets einfach und manchmal thesenartig vorgetragen. "Merkel kann Zusammenhänge schnell erfassen und verarbeiten". Das mag so stimmen. Die Feststellung "Angela Merkel liebt es, gegen den Stachel zu löcken" wurde untersetzt durch die umfängliche Schilderung einer halb legalen Reise durch die UdSSR im Jahre 1984. Auch finden wir die Feststellung: "Merkel ist nicht vom Ehrgeiz zerfressen, aber die Chancen ergreift sie nach ruhiger Überlegung beherzt". Hier verzichtet man wohl sehr bewusst auf umfängliche Erläuterungen ihrer wohl wichtigsten Charaktereigenschaften.

Angela im Widerstand?

Sehr kurz wird ihre FDJ-Karriere gestreift. Mit gerade 14 Zeilen ist das Thema für den Autor abgehakt. Durch Absingen des christlichen Liedes "Es ist ein Ros entsprungen" ist ihre Karriere als Theaterkartenorganisatorin beendet. Politisch Interessierte werden hinterfragen, warum eine Pfarrerstochter überhaupt in die "Kampfreserve" der Partei eingetreten ist und sogar Leitungsfunktionen übernahm.

Dazu findet man kein Wort, natürlich auch nicht im Lebenslauf, wo hingegen eine "anti-sozialistische Kulturstunde" erwähnt ist, die fast – und eben nur fast – zum Schulverweis geführt hätte. Wir finden auch kein Wort über ihren Vater und seine Stellung in Kirche und Staat.  Sehr wortreich wiederum wird ein Anwerbungsversuch der "Stasi" beschrieben, den sie, so wie viele DDR-Bürger leicht abwehren konnte, ohne dass ihr dadurch drastische Nachteile erwuchsen.

Frau Merkel selbst hat nie den Versuch unternommen, sich als "Widerständler" in Szene zu setzen, sie führte wie Millionen andere Menschen in der DDR ein normales Leben, sie passte sich an, wo es zwingend war und nutzte Freiräume, wo man es konnte, eben so wie fast alle anderen Leute in dieser Diktatur, was ihr bei den "Ossis" zweifellos Sympathie einbringt.

Fakten, Fakten, Fakten

begleiten uns über ihre Entwicklung nach der "Wende". Diese sind professionell recherchiert und zusammengestellt, doch sie beantworten nicht die Frage: Wie konnte die "Pfarrerstochter", Physikerin, "graue Maus" so eine wahrhaft kometenhafte Karriere in 15 Jahren machen, dass sie nun Vorsitzende der CDU und Kanzlerkandidatin der Unionsparteien wurde? Auf diese Frage finden wir nicht einmal im Ansatz eine Antwort.

Wie ruppig sie mit Menschen umgehen konnte, die ihr im Wege standen, finden wir ebenfalls nur als Fakten, ohne Analyse und Hintergründe. Wir lesen allerdings, dass die Aufsteigerin nicht wie Schröder "nur" an die Macht (will), sondern auch als Kanzlerin zielstrebig verändern will. Wir erfahren als Motiv dafür vom Autor: "35 Jahre Leben in der DDR haben zu einem Hunger nach Verbesserungen geführt. Merkel will ihren Machtanspruch inhaltlich beweisen". Nun, warten wir es ab, möchte man ergänzen. oder wie in der Mathematik: Was zu beweisen wäre…

Schöne Fotos von "Angie" – und Interview mit Helmut Kohl

Schwarzweißfotos gibt es in Hülle und Fülle. Frau Merkel strahlt auf dem Cover des Buches und im heruntergekommenen Stralsund des Jahres 1990, ebenso wie neben de Maizi


Optionen: »Die Kandidatin« bewertenArtikel drucken | Artikel per E-Mail versenden

Kommentar hinterlassen

Twitter Nutzer - Mit deinem Twitteraccount bei /e-politik.de/ anmelden: