Die Fakten dahinter
"Parolen in der Politik" – egal, ob von rechts oder links. Inwiefern übernehmen die Medien diese Parolen und was ist der Beitrag der Journalisten dazu? Wie sollen sich die Medien dabei verhalten? Aufklären oder ausblenden? Von Nina Wieczorek
Fragen über Fragen zu einem Thema, verflochten mit vielen verschiedenen Bereichen: Medien, Politik, Wirkungsforschung, Rechtsradikalismus, und so weiter. Drei zu eins sind sie gekommen, zum "Medientreffpunkt Mitteldeutschland", um genau über diese Fragen zu diskutieren: Die drei Medienvertreter Wolfgang Storz, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Kenntemich, Chefredakteur Fernsehen beim MDR und Michel Friedman, Moderator bei N24. Dazu ein Repräsentant aus der Politik: der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU). Doch so unterschiedlich das Podium sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammensetzte, so einig waren sich die Teilnehmer sowohl bei den Problemen, als auch bei deren Lösungen.
Probleme der Berichterstattung
Sowohl für die Printmedien, als auch für die elektronischen wurden wiederholt zwei Kritikpunkte genannt: Einmal die bloße Ereignisberichterstattung und dann die Praxis der Vereinfachung. Berichterstattung, die sich lediglich auf Ereignisse ab einer bestimmten Reizschwelle beschränke, gepresst in 30, 60 oder 90 Sekunden, könne keine nachhaltige Information leisten und erkläre zu wenig. Dasselbe gelte für die vereinfachte Darstellung von Themen und Ereignissen. Aber: "Vereinfachung gehört zum Geschäft", so Storz. Überspitzung und Vereinfachung seien immer möglich und auch nötig, denn dies schaffe Orientierung. "Vereinfachung hat aber nichts mit Parolen zu tun." Die Vereinfachung in den Medien und die Parolen radikaler Parteien hingen strukturell zusammen. "Rechtsradikale sind besonders stark, wenn es kurz ist, denn sie leben von Parolen", so Storz. Da in den Medien immer weniger Platz und Zeit für ein Thema sei, unterstützten diese in ihrer Struktur diese Parteien. Die kurze Form der Beiträge, die Beschränkung auf Statements verstärke einfach das "Parolendenken", so Friedman. Heißt das nun, Holger Apfel zur besten Sendezeit auf allen Kanälen?
Strategie der Medien
Die Frage nach einer Strategie der Medien im Umgang mit (Rechts-)Radikalen stellt sich. Für Wolfgang Storz müssen die Medien schnell reagieren und viel Platz und Raum für eine differenzierte Diskussion bieten. Zunächst müssten die Journalisten klären wo genau das Problem liegt und dann wissen wie es funktioniert. Danach erst könnten sie zum folgenden Schritt gehen und sich fragen: "Wie bekommen wir eine differenzierte Diskussion mit der richtigen Aufmerksamkeit?". "Wenn differenziert nachgehalten wird, dann entlarven wir die Parolen."
|
| Friedmann (links) und Kenntemich: Differenziertere Berichterstattung. |
Er spreche nicht von Springerstiefelträgern, ihm gehe es um alltägliche Äußerungen [-]. Auf etwa 20 Prozent hier in Deutschland träfe eine solche Geisteshaltung zu. Keine, die man als rechtsradikal einstufen würde, sondern eine, die im Alltag den Anfang dafür bilden könne. "Worüber reden wir in den Medien das ganze Jahr?" Eine kontinuierliche Berichterstattung müsse sich mit diesen 20 Prozent beschäftigen, jeden Tag, im Alltag.
Die Aufgabe der Journalisten
Auf die Frage, ob er einen Holger Apfel in seiner Sendung interviewen würde, meint Friedman: "Natürlich. Ich hatte schon weitaus intelligentere Gäste in meiner Sendung." Kein entsetztes Wegschrecken, kein Ignorieren, sondern Öffentlichkeit geben? "Es muss differenziert und vor allem sachlich berichtet werden", meint Storz. Wenn man die Rechtsradikalen lächerlich mache, stärke man sie und schweiße sie zusammen. Durch eine differenzierte Berichterstattung zerlege man sie jedoch. Außerdem sei es nicht die Aufgabe der Journalisten einen Kampf gegen Rechts zu führen, sondern zu informieren und offen zu legen. Auch Friedman forderte "eine aufklärerische Demaskierung durch die Fakten, die hinter den Parolen stehen. Das wirkt viel stärker."
|
| Dieter Althaus (CDU) |
Über die sächsischen Landtagsabgeordneten, die aus Protest gegen die NPD den Landtag verließen, meinte Thüringens Regierungschef Althaus: "Wer raus geht, muss auch wieder rein gehen. Ansonsten suggeriert dies fehlende Argumente."
Ausblenden oder aufklären?
Die Antwort ist klar: Aufklären. "Wir müssen die Auseinandersetzung suchen, und dafür ist Wissen nötig", sagte Althaus.
Zurück zum Dossier.
Die Bildrechte liegen bei Nina Wieczorek.
Artikel in sozialen Netzwerken teilen:

