Der Tod für die Idee

23. Feb 2005 | von | Kategorie: Politischer Film

Am 22. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst von den Nazis hingerichtet. Marc Rothemund hat sich in seinem neuen Film Sophie Scholl – Die letzten Tage mit den letzten Lebenstagen aus der Sicht von Sophie Scholl auseinandergesetzt. Herausgekommen ist ein eindringliches Porträt einer starken Persönlichkeit. Von Thomas Bertz

Plakatmotiv Sophie Scholl_teaser.jpgGestützt hat sich Drehbuchautor Fred Breinersdorfer so weit es ging an den historischen Fakten. Dabei nutzte er als einer der ersten die Vernehmungsprotokolle Sophie Scholls als Grundlage. Diese hatte die Gestapo zwar kurz vor Kriegsende in München vernichtet, die Kopien der Akten waren in der DDR aber unter Verschluss gehalten worden.

Dies erklärt den markanten Unterschied zu den bisherigen Filmen über die Widerstandsgruppe „Die weiße Rose”. Michael Verhoevens gleichnamiger Film schilderte die gesamte Entwicklung der Gruppe. Die Verhaftung und die Gerichtsverhandlung nahmen dagegen nur einen geringen Teil ein. Percy Adlons „5 letzte Tage” beschäftigte sich zwar genau mit dem gleichen Zeitraum wie Marc Rothemunds Film, der Fokus aber war ein anderer: Adlon erzählte aus der Sicht von Else Grebel, Sophie Scholls Zellengenossin.

Konsequente Sicht auf Sophie Scholl

Marc Rothemund und Fred Breinersdorfer hingegen legen ihren Schwerpunkt eindeutig auf Sophie Scholl. Beginnend mit der Flugblatt-Aktion in der Münchener Universität über Verhaftung und Verhör bis zur Gerichtsverhandlung und der Hinrichtung. Keine Vorgeschichte, keine Nebenhandlung, nur dies: Sophie.jpgSophie Scholl und ihre letzte Lebenszeit. Der Zuschauer kann die letzten fünf Tage im Leben der aufrechten Widerstandskämpferin haargenau miterleben.

Es ist aber weniger die Hinrichtung und auch nicht die Ruhe, mit der die überragende Julia Jentsch Sophie Scholl zum Schafott schreiten lässt, die dem Zuschauer in Erinnerung bleiben werden. Es sind vor allem die Verhörszenen zwischen Sophie Scholl und dem Gestapo-Beamten Robert Mohr (Alexander Held), die den Film ausmachen und ein neues Bild der Widerstandskämpferin zeichnen.

Langes Leugnen der Taten – dann Schutz der Mitwisser

Denn im Verhör leugnet Sophie Scholl zunächst jede Beteiligung am Widerstand und der Flugblattaktion. Mit einem Gerüst aus Lügen gelingt es ihr sogar den Vernehmungsprofi Mohr zu täuschen. Das führt soweit, dass sie sogar wieder entlassen werden soll. Dann aber finden die Nazis erdrückende Beweise, die Sophie Scholl dazu bringen zu gestehen – aber ihre Moral bricht nicht.

Im Verlauf des Verhörs lügt Sophie Scholl weiter, nimmt Schuld auf sich, um Mitstreiter und Freunde zu schützen. Mit dieser Willensstärke, vor allem aber mit ihrer Überzeugungskraft scheint Sophie Scholl auch Robert Mohr zu beeindrucken, baut er ihr doch eine „goldene Brücke” zum (Über-)Leben: Wenn sie ihre Überzeugungen verleugne, gäbe es eine Chance. Sie schlägt sie aus, nimmt den Tod für die Idee der „Weißen Rose” in Kauf.

Diese bewundernswerte Stärke hat Sophie Scholl und die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe zum Inbegriff für Zivilcourage werden lassen. Die Kraft, mit der die junge Studentin im Angesicht und der Bedrohung des Todes für ihre Überzeugungen eintritt, begeistert heute noch – auch dank des emotionalen Spiels von Julia Jentsch.

Die anderen nicht vergessen

Auch wenn die Hauptdarstellerin die Zuschauer in ihren Bann zieht und die Geschichte von Marc Rothemund und Fred Breinersdorfer – der übrigens zeitgleich zum Filmstart ein Buch über die Weiße Rose herausbringt – auf 06_Sophie_und_Hans_Scholl_im_Gericht.jpgSophie Scholl begrenzt ist, gilt die übrigen Mitglieder Weißen Rose, aber auch von anderen Widerstandsbewegung nicht zu vergessen. Sie bleiben im Film in Hintergrund, dürfen aber nicht in Vergessenheit geraten. Denn auch wenn die Handlung des Filmes mehr als 60 Jahre alt ist, das Thema Zivilcourage ist noch immer aktuell. Und genau dort kann der Film helfen ein Vorbild zu finden: Sophie Scholl und ihre Stärke in den letzten Tagen.


Sophie Scholl – Die letzten Tage (Deutschland, 2004)

ab dem 24. Februar 2005 in den deutschen Kinos

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Produzent: Christoph Müller, Sven Burgemeister, Marc Rothemund, Fred Breinersdorfer

Regie: Marc Rothemund.

Mit: Julia Jentsch (Sophie Scholl)

Fabian Hinrichs (Hans Scholl)

Alexander Held (Robert Mohr)

Copyright der Bilder liegt bei X-Verleih.


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Ein Kommentar
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  1. ih bewuunderee so lüd.
    sie zeiged ihri meiinig i de öffneltiichkeit und setztet sogar ihres läbää. *respeekt*

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