Der Michel aus Brünnau
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| Gedenken an Rot-Grün |
Schenkt man den aktuellen Umfrageergebnissen zur Bundestagswahl glauben, kehrt der Gedanke an Abschied ein. In unserer Serie zur Bundestagswahl greift /e-politik.de/ jeden Mittwoch das auf, was Deutschland am meisten vermissen könnte, wenn morgen gestern ist.
(4) Der Michel aus Brünnau Von Max JagdschildWenn der schwedische Michel aus Lönneberga etwas ausgefressen hatte, dann sagte seine Mutter: “Ímmer dieser Michel” und sperrte ihn in einen Holzschuppen. Das war lustig, deshalb schrieb Astrid Lindgren mehrere Bücher über den Schlingel. Wir wissen nicht, ob der fränkische Michel aus Brünnau auch manchmal in einen Schuppen gesperrt wurde, aber trotzdem wäre es sicher lustig, seine Geschichte einmal in einem Schelmenroman zu erzählen. Denn ein Lausbub ist er schon gewesen, in seiner Zeit an der Spitze der CSU-Landesgruppe im Bundestag.
Michael Glos, seit 1993 ist er Chef der Landesgruppe und damit Vizefraktionsvorsitzender der Union. In einer Eloge zu seinem 60. Geburtstag bezeichnete ihn die Passauer Neue Presse einmal als “Stoibers Strippenzieher” und nannte ihn den “einflussreichsten Bayern im Bundestag”. Einfluss übt Glos zur Freude seines Publikums immer wieder recht lautstark aus: Aufgabe eines Vizefraktionsvorsitzenden ist es schließlich, verbal kräftig hinzulangen. Dafür ist Glos bekannt und nachdem er sich 1998 auf die Oppositionsbank setzen musste, hat er zum Hinlangen sogar noch mehr Gelegenheiten als vorher. Schließlich muss er als Opposition die Regierung nach Kräften kritisieren. Zwei Legislaturperioden lang hat er das getan und er ist damit einer der wenigen Kontinuitätsfaktoren der Regierung Schröder. Man kann sagen, dass Michael Glos die schwarze Seite von Rot-Grün ist.
Besonders gerne hat er sich immer mit seinem Lieblingsfeind angelegt – dem Fischer, Joschka, der dem Glos, Michael in verbaler Schlagkraft durchaus ebenbürtig ist. Zumindest war er das, als er selbst noch in der Opposition war. Neulich hat Michael Glos den Außenminister einen Zuhälter geheißen, wegen der Prostituierten, den ukrainischen, und der Visa-Affäre. Später hat er sich dafür entschuldigen müssen. Aber so richtig böse kann man Glos nicht sein, weil man ja weiß, dass so etwas irgendwie zu seinem Job gehört. “Immer dieser Michel”, mag sich manch einer gedacht haben. Die Sache mit dem Zuhälter würde auf jeden Fall in einen fränkischen Schelmenroman gehören.
Nach der Wahl 2005 wird es für solche Romane wohl nur noch wenig Stoff geben: Wenn die Union gewinnt, dann wird Michael Glos Minister oder Fraktionsvorsitzender oder bekommt ein andere wichtiges Amt und dann sind die parlamentarischen Flegeljahre vorbei. Es ist ein bisschen wie in Lönneberga: Dort ist der Michel irgendwann Bürgermeister geworden. Die Geschichte seiner Bürgermeisterjahre hat aber niemand aufgeschrieben – vermutlich weil sie nicht unterhaltsam waren.
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