Bilder als Waffen

10. Mai 2005 | von | Kategorie: Museen und Bibliotheken

Karrikatur.jpgWorte sind Waffen – und Bilder auch. Beides zusammen als Karikatur kann also doppelt gefährlich sein. Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig zeigt noch bis zum 3. Oktober eine wahre Fülle dieser kreativen Bomben in der Ausstellung Unterm Strich, die sich mit Karikaturen in der DDR beschäftigt. Von Stefan Niklas

Wenn wir heute eine Karikatur in der Zeitung sehen, so handelt es sich meist um eine kleine,  oft recht krakelige Zeichnung, die sich mit giftigem Bleistift irgendein tagespolitisches Geschehen vornimmt. Wie es sich in einer gesunden Demokratie gehört, darf auf diese Weise alles und jeder auf die Schippe genommen werden. Wie aber ist es um Karikaturen bestellt, die nicht in einer Demokratie, sondern beispielsweise unter dem wachen Auge der SED entstanden sind?

Die Ausstellung Unterm Strich im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig gibt einen umfassenden Einblick. Der Bedarf am karikaturistischen Strich war zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich groß. Dies spiegelt sich im ausgestellten Material insofern wieder, als dass es besonders viele Zeichnungen aus den späten 40er Jahren – diese befassen sich vor allem mit der deutschen Teilung – und den 70ern gibt, als die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit der DDR deutlicher wurde.

Gegen wen soll´s denn gehen?

Die besondere Doppel-Position der Karikaturisten in der DDR war, dass sie einerseits, wie auch das Kabarett, versuchen konnten, auf möglichst dezente Weise ihren eigenen Staat zu kritisieren. Das ging natürlich nicht so mit dem Holzhammer, wie es in der BRD möglich war und ist, sonst geriet man an die Zensur und die schönen Karikaturen landeten dann eben Unterm Strich. Vielmehr mussten geschickte Umwege gefunden werden, um das Gemeinte versteckt auszudrücken. Andererseits waren diese kreativen Köpfe aber auch Teil der anti-westlichen Propaganda des DDR-Regimes. So bekam besonders Adenauer als "Brandstifter Nr.1" (Bild oben), wie ihn Kurt Poltiniak titulierte, sein Fett weg.

Zwischen Kunst und Politik

KarrikaturII.jpgKarikaturen sind immer politisches Statement und kontextabhängig. Aber manchmal sind sie überraschenderweise derart ausgearbeitet, dass man sie eher für "richtige Kunstwerke" hält. Wer denkt, in dieser Ausstellung gebe es nur kleine Bleistiftkritzeleien, wird spätestens beim Anblick der "Plastikaturen" – so etwas wie kleine, satirische Skulpturen – überrascht die Augen öffnen. Hier verwischt der Unterschied zwischen Kunst und politisch motivierter Äußerung völlig. Ein absoluter Knaller dieses Genres: die "BLA BLA Schreibmaschine" (Bild links) von Willy Moese – ästhetische Satire oder satirische Ästhetik, wie man sie als Laie gar nicht erwarten würde.

Keine Abstriche

Es lohnt sich also das Flanieren durch Leipzigs Innenstadt mal für ein halbes Stündchen zu unterbrechen, um sich ein Bild von diesen originellen Bildern zu machen. Die Ausstellung wird auch didaktischen Ansprüchen gerecht: alles ist schön chronologisch geordnet und kleine Täfelchen an den Exponaten geben einem gegebenenfalls hilfreiche Informationen, um den Kontext dessen, was man da vor sich sieht, zu verstehen. An der Ausstellung gibt es also wenig auszusetzen; sie ist durchaus lehrreich und vor allem sehr unterhaltsam.

 

Unterm Strich
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Grimmaische Str. 6
04109 Leipzig
Öffnungszeiten: Di-Fr 9-18 Uhr, Sa&So 10-18 Uhr
Eintritt frei


Die Bildrechte liegen beim Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig.


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