Andere Plattform

11. Jan 2005 | von | Kategorie: Innenpolitik

demo1.jpg"Fördert die Integration von Ausländern!“ "A little less conversation – a little more action please!“ "Erlasst anderen Ländern die Schulden – wir haben´s ja!“ Das sind Themenvorschläge für die Demonstrationsplakate eines einzigen jungen Mannes vor dem Berliner Reichstagsgebäude. Initiiert wurde diese Aktion von der Werbeagentur Sassenbach Advertising mit Sitz in München. Auf der Homepage www.mein-demontrant.de kann man einen ersten Überblick über das Projekt bekommen. Carmen Wiegand gab Auskunft.

/e-politik.de/: Was ist www.mein-demonstrant.de genau? Wie läuft die "Demonstration“ ab?

Carmen Wiegand: Jeder kann auf die Website gehen. Dort gibt es eine Eingabemaske für einen Slogan. Jeder kann seine Meinung äußern. Der Slogan landet dann bei uns in der Redaktion. Wir wählen jeden Tag die vier besten aus und stellen sie am nächsten Tag von neun Uhr morgens bis zum übernächsten Tag neun Uhr (also 24 Stunden) zur Abstimmung ins Netz. Der Spruch mit den meisten Stimmen wird dann dem Demonstranten per sms mitgeteilt. Er demonstriert den gewählten Spruch dann sofort ab 10 Uhr vor dem Reichstag.

/e-politik.de/: Wer demonstriert vor dem Reichstagsgebäude? Warum macht er das?

Carmen Wiegand: Der Demonstrant ist fest angestellt bei Sassenbach Advertising. Insgesamt haben wir drei Demonstranten, wobei einer seit längerer Zeit krank ist. Abwechselnd geben die Demonstranten von 10 bis 17 Uhr täglich die Meinung der Internetnutzer kund.

/e-politik.de/: Wie kam es zu dieser Aktion?

Carmen Wiegand: Die Idee hatte Thomas Sassenbach, der Chef von Sassenbach Advertising, schon vor längerer Zeit. Wir sind eine Werbeagentur, deren Zielgruppe junge Leute sind. Oft bekommt man zu hören, dass Jugendliche keine Meinung zu etwas haben und sich auch nicht für irgendetwas interessieren. Wir wollen den jungen Leuten auf diese Art eine Plattform bieten, ihre Meinung zu äußern.

/e-politik.de/: Wie lange gibt es "Mein Demonstrant“ schon?

Carmen Wiegand: Seit Mitte August – wie lange noch, ist nach oben offen.

/e-politik.de/: Wie ist die Reaktion aus dem Bundestag?

Carmen Wiegand: Die Abgeordneten halten sich natürlich zurück. Fast kam es beim Tag der offenen Tür zu einem Zusammentreffen mit dem Bundeskanzler. Er hatte den Demonstranten zwar registriert, dann aber keine Zeit mehr. Die Bundestagsabgeordneten sind geteilter Meinung. Die einen finden die Idee gut, die anderen wollen den Demonstranten gerne loswerden.

/e-politik.de/: Welche Probleme gab es bereits? demo2.jpg

Carmen Wiegand: Jemand vom Grünflächenamt wollte den Demonstranten nicht vor dem Reichstagsgebäude stehen haben. Er hat ihm eine Verwarnung ausgesprochen und gedroht, einen Bußgeldbescheid zu schicken, was aber bis heute nicht passiert ist. Schließlich ist der Slogan auf dem Plakat die freie Meinungsäußerung einer Person und keine Demonstration. Das Grünflächenamt konnte demnach nichts unternehmen.

/e-politik.de/: Hat ein Slogan schon etwas bewirkt?

Carmen Wiegand: Ich glaube eher nicht. Die Plakate werden hauptsächlich von den Passanten gelesen. Eigentlich sind die Plakate an die Abgeordneten gerichtet. Aber bis jetzt wurde nichts erreicht. Doch die Hauptsache ist, dass der Demonstrant überhaupt wahrgenommen wird.

/e-politik.de/: Gibt es Slogans, die aussortiert werden?

Carmen Wiegand: Es sind viele gute dabei, aber wir können nicht alles nehmen. Generell keine radikalen Sachen. Auch keine persönlichen Grüße. Das Thema sollte politisch angehaucht sein.

/e-politik.de/:Wie stark wird die Website genutzt?

Carmen Wiegand: Das ist unterschiedlich und abhängig davon, wie gerade über den Demonstranten berichtet wird. Zwischen 30 und 50 Vorschläge gehen jeden Tag in der Redaktion ein.

/e-politik.de/: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Raili Münke.


Weiterführende Links:

Die Webseite zur Aktion: www.mein-demonstrant.de

Die Werbeagentur im Internet: www.sassenbachadvertising.de


Die Bildrechte liegen bei Carmen Wiegand.


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