Slowenien und die EU: das Land der “Ausradierten”
In Slowenien leben etwa 90 Prozent ethnische Slowenen. Den Rest der Bevölkerung bilden verschiedene ethnische Gruppen, offiziell waren es im Jahre 2001 knapp zwei Prozent Kroaten und Serben sowie etwa ein Prozent Bosniaken. Zur Zeit der Ausrufung der slowenischen Unabhängigkeit 1992 waren die Zahlen noch höher. Nicht der Krieg war die Ursache – dieser dauerte nur zehn Tage – sondern "staatliches Versagen".
Was war passiert? Der Staat hat diejenigen, die bis zum 26. Februar 1992 die slowenische Staatsbürgerschaft nicht bekommen haben, einfach aus den staatlichen Registern "ausradiert". Die Zahl der Betroffenen schwankt zwischen 18.000 und 29.000 Personen. Zu diesem Zeitpunkt lebten und arbeiteten diese Menschen, seitdem "Ausradierte" ("izbrisanci") genannt, in Slowenien. Die "Ausradierten", meistens handelt es sich dabei um Personen mit niedrigem Bildungsgrad, haben offenbar eine von den Behörden festgesetzte Frist zur Beantragung des slowenischen Passes verpasst und wurden dadurch aus dem Bevölkerungsregister gestrichen. Dadurch hat man sie aller Rechte und Ansprüche beraubt. Über Nacht wurden sie zu Fremden im eigenen Land und einige landeten in Ausländerzentren.
Nach Angaben des Vereins der Betroffenen haben inzwischen etwa 11.000 Personen das Land verlassen. So gut wie keine Aufmerksamkeit erhielt dieses Problem seitens der Medien, der einheimischen Intellektuellen sowie der slowenischen Öffentlichkeit.
Referendum bestätigt Ressentiments
Erst als sich ein ehemaliger Richter des slowenischen Verfassungsgerichtes 1998 für die "Ausradierten" einsetzte und das Verfassungsgericht sich endlich für diesen Fall zu interessieren begann, änderte sich langsam die Situation in der Öffentlichkeit. Im Jahre 2003 sprach sich das slowenische Verfassungsgericht für eine Erteilung der Staatsbürgerschaft an die Betroffenen aus. Doch bis heute ist nichts passiert. Stattdessen wurden Stimmen laut, ein Referendum abzuhalten.
Anfang April dieses Jahres war es dann soweit: Mit überwältigender Mehrheit lehnten die Slowenen das Recht auf Staatsbürgerschaft für die "Ausradierten" ab. Offenbar aus Angst vor Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe. An dem Referendum nahm jedoch nur ein Drittel der Stimmberechtigten Slowenen teil. Trotzdem, so einige Menschenrechtsorganisationen, könnte dies ebenfalls als ein Signal des ansteigenden Nationalismus und Xenophobie gedeutet werden. So erregte auch eine Debatte um den Bau einer Moschee in der Hauptstadt Ljubljana die städtischen Gemüter. Ob es in dieser Frage eine Volksbefragung geben wird, ist noch offen. In einer Zeit, in der die EU auf die Achtung der Minderheitenrechte setzt, zeigt Slowenien als eines der reichsten EU-Beitrittsländer starke Defizite. Es bleibt zu hoffen, dass mit dem EU-Beitritt die slowenischen Minderheiten mehr Aufmerksamkeit erhalten - auch seitens der EU. Der EU-Musterschüler sollte sich seiner Verantwortung bewusst werden.
Hintergrundinformationen zu Slowenien
Staatsform: Republik (seit 1991)
Hauptstadt: Ljubljana
Einwohnerzahl: 1,9 Millionen
Fläche: 20.256 km2
Sprachen: Slowenisch
Nationalitäten: Slowenen (87,8%), Kroaten (2,8%), Serben (2,4%), Bosnier (1,4%)
Religionen: Katholiken (90%), Muslime (0,3%)
Arbeitslosenquote: 7,5%
Copyright liegt bei der Europäischen Kommission.
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Diese Themenserie entstand in Zusammenarbeit mit: www.europaspiegel.de .

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