Familie 2004: Wann können wir wieder Kinder kriegen?
Kinder kriegen - jetzt? Ist es nicht besser zu warten, bis die finanzielle Absicherung stimmt? Und was, wenn der richige Partner fehlt, wenn es so weit ist? Diese Fragen der jungen Generation und an die junge Generation sind wichtig und berechtigt, genauso wie die Frage nach der richtigen Familienpolitik. Schließlich werden die Deutschen immer älter. münchenPolis versuchte in seiner jüngsten Diskussionsrunde diesen Fragen gerecht zu werden. Von Sabine Busse.
“Offener Salon” - so war es an der Tür zu lesen. Zielstrebig folgten rund 50 Interessierte der implizierten Aufforderung, den “Offenen Salon” mit Leben zu füllen. Mit Blick auf das abendliche München und im Halbdunkeln der dezenten Baratmosphäre leiteten Marie Oetker und Nikolaus Röttger die Diskussionsrunde zum Thema “Familie 2004 – Wann können wir wieder Kinder kriegen?”.
Bereits zum fünften Mal lud die Münchner Denkfabrik münchenPolis zu einem offenen Gedankenaustausch. Das Konzept ging erneut voll auf. Die anwesenden Mit-Zwanziger bis Mit-Dreißiger gönnten den vier “Familienexperten” auf dem Podium keine Verschnaufpause. Besonders die Frage nach der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf, und damit verbunden die finanzielle Situation junger Familien, standen im Mittelpunkt der Diskussion.Zwischen Standardlebensentwurf und flexibler Erziehung
Prof. Irene Gerlach (Universität Münster) hielt dem Publikum einen Spiegel vor und erklärte anhand des Opportunitätskostenansatzes die Lebensplanung der jungen Generation: Paare müssen sich bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches für finanzielle Nachteile und den Karriereverzicht eines Partners entscheiden. Das Kinderkriegen wird also verschoben, bis die finanzielle Absicherung stimmt. Ist diese dann gegeben, fehlt meist der entsprechende Partner. Ein Standardlebensentwurf – mit Papa, Mama, Kind und Hund – wird kaum mehr gelebt. Ein Szenario, das Simone Vosswinkel (Familienpartei Deutschland) nach der Wertigkeit im Leben fragen ließ. Dr. Bettina Ensslin (Betapharm) erläuterte daraufhin ihren persönlichen “Emil-Service”- die Betreuung des Sohnes in Absprache mit ihrem Mann und mit Hilfe der flexiblen Arbeitszeitgestaltung innerhalb des Unternehmens -, der ihr einen schnellen Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichte. Mirtan Teichmüller (Waldkindergarten Bad Tölz) schilderte im Anschluss seine Motivation zur Gründung eines Kindergartens. Zwischenrufe und Nachfragen forderten die Referenten. Von verfehlter Familienpolitik über die Verantwortung von Unternehmen bis hin zum Zusammenbruch des Generationenvertrages reichten die Diskussionsbeiträge. Ein typisch deutsches Streitgespräch? Nicht ganz; der weitgehend negativen Ausgangsanalyse schloss sich ein engagiertes Plädoyer eines Zuhörers an, das Aufbruchstimmung verbreitete. Der Appell an uns, die junge Generation, stand plötzlich im Raum: Kriegt Kinder, habt Spaß am Leben und schaut nicht nur auf den persönlichen finanziellen, sondern auch auf den menschlichen Wohlstand. Nehmt das Leben selbst in die Hand und werdet aktiv. Zustimmung auch auf dem Podium.Kinder kriegen - jetzt!
Damit hat der “Offene Salon” tatsächlich erneut Raum geschaffen für einfache und nahe liegende Lösungen. Und auch die sich im Laufe des Diskurses abzeichnende Wandlung der zunächst unbeteiligten Zuhörerschaft hin zu einer betroffenen Gemeinschaft unterstreicht Ziel und Zweck der Veranstaltung: Aufmerksamkeit erregen und Sensibilität schaffen für die Themen der jungen deutschen Generation. Das Fazit stimmt hoffnungsvoll: Habt Lust auf Kinder kriegen – jetzt!Die Autorin Sabine Busse ist Mitglied von münchenPolis. Als Medienpartner von münchenPolis berichtet e-politik.de regelmäßig über die Veranstaltungen des Münchner Netzwerks.
Weiterführende Links: Homepage von münchenPolis
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