DHL zieht um und Leipzig liegt gut im Rennen
Brüssel wird in Zukunft nicht mehr das europäische Luft-Drehkreuz der DHL sein. Doch wo wird der neue Standort sein – in Leipzig oder im französischen Vatry? Aus dem Unternehmen ist zu hören, dass Leipzig sehr gut im Rennen liegt, entschieden wurde aber noch nicht offiziell. Eine Zusammenfassung der Entwicklung von Stephan Radomsky
DHL gibt den Standort Brüssel endgültig als überregionales Drehkreuz auf. Nachdem das Logistik-Unternehmen monatelang mit der belgischen Regierung und den betroffenen Regionen über seine Wachstumspläne verhandelt hatte, erklärte das Unternehmen die Gespräche in der vergangenen Woche für gescheitert. "Wir haben mittlerweile einen Punkt erreicht, an dem wir einsehen müssen, dass es in Belgien keine politische Unterstützung für dieses Vorhaben von DHL gibt“, sagte der Vorstand von DHL Express Europe, Peter Kruse. Der bisherige Standort, der Flughafen Zaventem, soll bis 2008 schrittweise nur noch als regionales Luftdrehkreuz genutzt werden. Die Beschränkung der Zahl von Nachtflügen, sowie die Auflage belgischer Politiker, nur noch Großfrachter einzusetzen, verhinderten einen Ausbau der Aktivitäten. Dadurch fallen rund 2.000 Arbeitsplätze weg. Die belgischen DHL-Beschäftigten reagierten mit Protesten auf die Absage.
Die europaweite Standortsuche der Logistiker hatte bereits vor längerer Zeit begonnen, da sich ein Konflikt zwischen den Wachstumsplänen der Firma und dem Standort Brüssel bereits abgezeichnet hatte. Für beide Bewerber-Regionen würde die Ansiedlung von DHL einen enormen wirtschaftlichen Zugewinn bedeuten: Von bis zu 3.000 neuen Arbeitsplätzen und einem Investitionsvolumen von 350 Millionen Euro ist die Rede.
"Ausgeprägte Pro-DHL-Stimmung“ in Sachsen
Der Flughafen Leipzig/Halle hat enorme Anstrengungen unternommen, um als Drehkreuz ins Gespräch zu
kommen. Mit dem Neubau einer 3.600 Meter langen Start- und Landebahn Süd, die parallel zur bestehenden Nordbahn verlaufen soll, will Leipzig für DHL die Möglichkeit der zeitgleichen Nutzung beider Bahnen rund um die Uhr schaffen. "Wir haben ein sehr konkurrenzfähiges Angebot abgegeben, das einen 24-Stunden-Flugbetrieb sowie den weiteren Ausbau des Flughafens ermöglicht“, so Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt. Unterstützung findet der Flughafen nicht nur bei der sächsischen Landesregierung, sondern auch beim Bund, der regionalen Wirtschaft und der Gewerkschaft Verdi. "Wir haben partei- und gremienübergreifend eine ausgeprägte Pro-DHL-Stimmung. Sachsen wäre stolz, die neue Heimat von DHL zu werden. Ich werde mich weiter intensiv für eine Entscheidung zu Gunsten von Leipzig einsetzen“, betonte Milbradt.
Das Vorhaben hat aber nicht nur Befürworter. Mehr als 3000 Bürger haben beim Regierungspräsidium Leipzig Einwände gegen das Ausbauprojekt vorgebracht. Insbesondere befürchten sie eine starke nächtliche Lärmbelästigung. Der Flughafen ist durch Lärmschutzmaßnahmen und Umsiedlungsangebote jedoch um einen Ausgleich mit den Anwohnern bemüht.
Nun hoffen die Beteiligten, dass Dr. Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post World Net, und der DHL-Chef Peter Kruse Leipzig zum neuen Standort küren. Nach dem vorzeitigen Aus der Olympiapläne Leipzigs könnte die Ansiedlung von DHL der mitteldeutschen Wirtschaft und der ganzen Region neue Impulse geben. “Die Ansiedlung hätte Ausstrahlung auf ganz Mitteldeutschland“, so Martin Rosenfeld vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Leipzig oder Vatry – Entscheidung "so gut wie sicher“
So setzten sich Leipzig und das französische Vatry einer Reihe von Mitbewerbern bis in die Endrunde durch. Mit einer Entscheidung von DHL ist voraussichtlich im November zu rechnen.
Derzeit liegt das Hauptfrachtaufkommen von DHL westlich des Rheins – zunächst ein Vorteil für Vatry. Die Entscheidung, Brüssel als Regionalflughafen von DHL für die Regionen Benelux, Westdeutschland und Nordfrankreich zu erhalten, dürfte die Chancen allerdings schmälern. Das steigende Frachtaufkommen in Mittel- und Osteuropa dagegen, lässt den Flughafen Leipzig/Halle als die zukunftsorientiertere Möglichkeit erscheinen. “Für Leipzig spricht ein uneingeschränkter 24-Stunden-Betrieb”, sagte Kruse. Zudem seien qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar. Die EU-Kommission hatte außerdem bereits im April 70,8 Millionen Euro staatliche Beihilfen für den Standort Leipzig genehmigt. Nach Angaben aus projektnahen Kreisen sieht es für Leipzig gut aus: “Die Entscheidung für Leipzig ist so gut wie sicher”, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus diesen Kreisen. Dennoch hält sich DHL offiziell weiter alle Verhandlungsspielräume offen.
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Foto: Deutsche Post World Net
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