Der Kampf ums Wasser
Umweltdegradation und knapper werdende natürliche Ressourcen werden seit Jahren immer wieder als zwei nicht zu unterschätzende Entwicklungstrends ausgewiesen. Sie forcieren internationale Wasserknappheit und spielen unter anderem in Afrika eine Konflikt anfeuernde Rolle. Von Julia Kreutziger.
In der sudanesischen Krisenprovinz Dafur hängt rund 60 Prozent der einheimischen Bevölkerung von natürlichen Ressourcen als Einnahmequelle ab. Sie benötigen Wasser für das Weideland, Gras fürs Vieh, Brennholz und Holzkohle zum Kochen. Jedoch hat sich die jährliche Niederschlagsmenge in den letzten 40 Jahren um durchschnittlich 200 Millimeter reduziert. Es herrscht Wassermangel. Die Konkurrenz um knappe Ressourcen ist groß. Auch das ist ein Grund für den Krieg.
Afrikanische Tragödie
1,2 Milliarden Menschen sind weltweit von Wasserknappheit betroffen, hauptsächlich in den Staaten Nord- und Zentralafrikas. Bis 2025 droht diese für potentiell 80 Staaten, in denen 40 Prozent der Weltbevölkerung leben. Die Folgen sind verheerend: Regionale Nahrungsmittelproduktionen schrumpfen, Hungerkatastrophen entstehen. Gebiete fallen zudem als Siedlungsräume ganz aus, was einen hohen Abwanderungsdruck zur Folge hat. Die Anzahl der Toten aufgrund wasserbezogener Krankheiten steigt an. Darüber hinaus verstärken sich bereits bestehende politische Spannungen.
Sicherheitspolitische Relevanz
Bisher hat es keine reinen Wasserkriege gegeben. Einige Politologen halten sie sogar für unwahrscheinlich, weil sie in wasserarmen Regionen eher Flucht- als ein Kampfverhalten beobachten. Jedoch ist Umweltflucht auch ein soziales und politisches Folgeproblem, das sich mitunter schwerwiegend auswirkt: Flüchtlinge können in umliegenden Gebieten dort wiederum auf Mangelsituationen stoßen bzw. diese hervorrufen, da mit der Bevölkerungszahl die Wassernachfrage steigt. Dieser Existenz gefährdende Mangel kann zu Verteilungskonflikten führen, die bei einer möglichen Eskalation wiederum in eine Spirale der Umweltzerstörung und damit ihrer Degradation mündet.
Politischer Handlungsbedarf
Internationale Erfolge zur Eindämmung der Umweltdegradation (z.B. FCKW-Verbot) und zur gerechten Verteilung von Ressourcen (z.B. Prinzipien von Dublin 1992) sind bisher nur partiell erfolgt und werden dem politischem Handlungsbedarf nicht gerecht. Es fehlt hauptsächlich an einer globalen Umweltinteressenvertretung, innerhalb derer eine Bereitschaft zur Eindämmung staatlicher Souveränität zugunsten von Weltordnungsbedürfnissen erkennbar ist.
Eine nachfrageorientierte Wassernutzungsstrategie, die zu Einschränkungen, Effizienzsteigerungen und Umlagerungen in Landwirtschaft, Industrie und Privatkonsum führt, würde zusätzlich in die richtige Richtung weisen. Doch mangelt es auch hier an einer großflächigen und einstimmigen internationalen Kooperation.
Konvention mit Tücken
Eine 1997 entstandene UN-Konvention zur Wassernutzung unternimmt den ersten Schritt. Doch fällt die gleichzeitige Beachtung der festgelegten Prinzipien schwer: Eine optimale und nachhaltige Wassernutzung steht in einem spannungsvollen Gefüge mit ernsthaft konkurrierenden Staaten. Auch das in der Konvention verankerte Prinzip der beschränkten Souveränität aufgrund der Rücksichtnahme auf die Interessen anderer Staaten kann und wird nicht immer eingehalten. Die Rücksichtnahme ist unter Umständen mit einem Verzicht der Realisierung eigener Interessen verbunden. Befinden sich Staaten zudem selbst in einer Mangelsituation, werden eigenstaatliche Interessen zuerst verfolgt, die nicht selten mit einer Sicherung und einhergehenden Abriegelung der knappen Ressource verbunden sind. Ist die Staatlichkeit gar nicht bzw. wie im Sudan nur schwach ausgeprägt, kommt es erst gar nicht zu einer Erwägung der Einhaltung internationaler Abkommen und Konventionen.
Da die UNO-Konvention zur Wassernutzung in Konfliktfällen zwar ein Vermittlungsverfahren, aber keine Sanktionen vorsieht, beruhen Lösungen vorrangig auf freiwilliger Kooperation im Rahmen regionaler Regime. Diese kooperativen Strukturen müssen aber auch auf internationaler Ebene greifbar werden. Denn weitere internationale Maßnahmen im Bereich der Umweltpolitik würden nicht nur einer Degradation und Mangelsituation präventiv entgegenwirken, sondern darüber hinaus Konflikte im Vorfeld potentiell eindämmen. Durch die Aufnahme umweltpolitischer Aspekte in die Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe können Staatszerfallsprozesse, die nicht selten in eskalierende Gewalt münden, ebenfalls eingedämmt werden. Wassermangel könnte vielleicht so seinen potentiellen Beeinflussungsgrad gewaltsamer Konflikte verlieren.
Weiterführende Links:
Frischwasseraktivitäten des United Nations Environment Programme:
http://www.unep.org/themes/freshwater/
Bericht 2001 des Intergovernmental Panel on Climate Change:
http://www.grida.no/climate/ipcc_tar/
Weiterführende Bibliografie:
BMZ (Hrsg.): Wasser – Konflikte lösen, Zukunft gestalten, Berlin: 1999.
Kostenlos anzufordern unter poststelle@bmz.bund.de.
Copyright des Bildes liegt bei http://www.brot-fuer-die-welt.de.
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