Der große Ausverkauf

27. Jun 2004 | von | Kategorie: Politisches Buch

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Der amerikanische Ökonom Paul Krugman hat seine gesammelten Kolumnen aus der New York Times veröffentlicht. Schonungslos kritisiert er darin vor allem das Team der wirtschaftlichen Berater von Präsident Bush. Von Michael Kolkmann.

Wie konnte es geschehen, dass innerhalb weniger Jahre der Überschuss des US-Haushalts in Höhe von 230 Milliarden Dollar zu einem Minus von 520 Milliarden Dollar geworden ist? Warum hat der oft als Guru bezeichnete Notenbankchef Alan Greenspan seit Amtsantritt von Präsident George W. Bush versagt? Warum ist nicht (nur) der 11. September 2001 für die schlechte wirtschaftliche Lage der USA verantwortlich, sondern auch und vor allem die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bush-Regierung? Antworten auf diese Fragen liefert der amerikanische Ökonom und Princeton-University-Professor Paul Krugman in seinem neuen Buch "Der große Ausverkauf", in dem er seine Wirtschaftskolumnen aus der New York Times zusammengefasst hat.

Krugman ist Außenseiter

Es gereicht zu Krugmans Vorteil, dass er die politische Situation in Washington als ein – im besten Sinne des Wortes verstandener – Außenseiter beurteilen kann. Er gehört, wie er selbst schreibt, keinem "Washingtoner Klüngel" an, sondern kann von seinem Büro in New Jersey aus ebenso vorurteilslos wie vorbehaltlos die Versäumnisse und Fehler der gegenwärtigen Regierung kritisieren.

Und das tut Krugman nicht zu knapp. Je intensiver Krugman sich mit der Politik der aktuellen Regierung auseinandersetzt, desto stärker erkennt er, dass es nicht ausreicht, die Wirtschaftspolitik der "Bushies" nach rein ökonomischen Gesichtspunkten zu beurteilen. So geht Krugman im Laufe seiner Kolumnen dazu über, mehr und mehr die politischen Aspekte der Bushschen Wirtschaftspolitik zu beleuchten. Dabei kritisiert er anhand mehrerer Beispiele nicht zuletzt die anwachsende Macht der religiösen Rechten in der Republikanischen Partei, die nicht nur im Kongress, sondern sukzessive auch im Weißen Haus den Ton angeben.

Veraltetes Programm

Darüber hinaus kritisiert Krugman, dass das Wirtschaftsteam Bushs die ersten drei Jahre an der Regierung dazu benutzt, ein Wirtschaftsprogramm mit Steuersenkungen und Sozialabbau umzusetzen, das im Laufe des Jahres 1999, also auf dem "Höhepunkt einer überhitzten Konjunktur" (O-Ton Krugman), formuliert worden war: "Noch weit stärker beunruhigt, dass in unserem politischen System und speziell an der Spitze der Exekutive einiges faul ist. Das verantwortungsbewusste Handeln, das wir in den neunziger Jahren kennen und schätzen gelernt hatten, war offenkundig nicht viel mehr als ein glücklicher Zufall, der daraus abgeleitete Vertrauensvorschuss vollkommen ungerechtfertigt. Die Konservativen jedenfalls hatten nichts, aber auch gar nichts dazugelernt." Dass ein solches Konzept wie das oben skizzierte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erst recht nicht funktionieren kann, liegt für Krugman auf der Hand.

Die Verantwortung des Präsidenten

"Der große Ausverkauf" ist, wie Krugman im Vorwort schreibt, eine Chronik der Jahre um den Jahrhundertwechsel, "eine Chronik jener Jahre, als – wieder einmal – alles zu kippen begann und der fröhliche Optimismus Ende der neunziger Jahre einem gewaltigen Kater wich." Krugman fragt sich, "warum ein Land mit einem so großen Potenzial dermaßen plötzlich heruntergewirtschaftet werden konnte. Im Kern geht es um die Führung – eine unglaublich schlechte, politisch wie wirtschaftlich verantwortungslose Führung, um es vorwegzunehmen."

Im Mittelpunkt der Kritik steht eindeutig George W. Bush, der derzeitige Präsident. Nun habe es immer wieder einmal schlechte Präsidenten gegeben, so Krugman, nur komme im aktuellen Fall erschwerend hinzu, dass "heute im Gegensatz zu früher nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt unter der Inkompetenz oder den Fehlern amerikanischer Präsidenten leidet".

Information und Unterhaltung gleichermaßen

Dass es dem Buch durch seinen Kolumnencharakter an einer gewissen Kohärenz und Leitfaden fehlt, macht Krugman durch kurze, kluge Zwischentexte wett, in denen er die jeweiligen Kolumnen in den richtigen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang rückt. Eine ausführliche Einführung beleuchtet zudem die Ausgangsbasis seiner Kolumnen, die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung Clinton, und entwirft eine Handvoll Arbeitshypothesen, die in den dann folgenden fünf Kapiteln näher spezifiziert werden.

Positiv zu Buche schlägt außerdem, dass Krugman weniger als Wirtschaftsprofessor schreibt, sondern als Wirtschaftsjournalist. Entstanden ist so ein äußerst lesenswertes Buch über die derzeitige Wirtschaftslage der USA, das an manchen Stellen polemisch, immer aber informativ und gründlich recherchiert ist.

Paul Krugman:"Der große Ausverkauf. Wie die Bush-Regierung Amerika ruiniert",aus dem Englischen von Birgit Hofmann und Herbert Allgeier,Campus Verlag, Frankfurt/New York 2004,274 Seiten, 21,90 Euro,ISBN: 3-593-37437-4.


Weiterführende Links:Homepage von Paul Krugman: http://www.wws.princeton.edu/~pkrugman/Die Homepage des Verlages: http://www.campus.de


Das Copyright des Bildes liegt beim Campus Verlag.


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