333 – Bei Issos Keilerei
Regisseur Oliver Stone hat es geschafft einen Film zu machen, der dem Mythos eines der größten Eroberer der Menschheit gerecht wird. Eine historisch genaue Dokumentation sollte man mit Alexander aber nicht erwarten. Von Philipp Hess
Eine große Geschichte braucht eine große Leinwand und vor allem viel Zeit. Der neue Film von Regisseur Oliver Stone (Platoon, JFK – Tatort Dallas) nimmt sich beides, knapp drei Stunden und die gesamte Kinoleinwand für einen der größten Eroberer in der Geschichte der Menschheit.
Ptolemaios (Anthony Hopkins) erzählt als alter Pharao das gesamte Leben von Alexander (Collin Farrell). Der wächst als Sohn des Philipp (Val Kilmer) und Tochter von Olympias (Angelina Jolie) auf. Früh muss er seinen Vater als König von Makedonien ersetzen, als dieser ermordet wird. Endlich kann der junge König seine Visionen verfolgen. Er will die gesamte damals bekannte Welt erobern, von Griechenland bis nach Indien. Er will die Länder sehen, die er nur aus Erzählungen und Sagen kennt. Im Laufe seines Lebens wird er über 35.000 Kilometer zurücklegen und viele Jahre unterwegs sein.
Der Film besticht durch authentische Darstellungen der antiken Schlachten, der Zuschauer bekommt keine geschönten Schwertkämpfe zu sehen, bei denen fast kein Blut fließt, wie man es aus anderen Hollywood-Produktionen kennt. Stone bereitete die Schauspieler in Trainingslagern auf die Kampfszenen vor. Übertrieben brutal wirkt das aber zu keiner Zeit. Es gehört genauso dazu wie die prunkvolle Ausstattung der Königspaläste. Dennoch sollte man keine historisch genaue Dokumentation erwarten.
Hin und her gerissen zwischen Macht, Ruhm und Liebe
"Das Schöne an Alexander ist, dass er immer gesiegt hat", so fasst Regisseur Stone die Person Alexander zusammen. In seinem Film zeigt er aber viel mehr als einen Eroberer, der von Schlacht zu Schlacht zieht. Der Zuschauer sieht einen Mann, der einerseits alles für die Vergrößerung seiner Macht und seines Ruhmes bereit ist zu tun, aber andererseits weiß, dass Gewalt nicht der einzige Weg ist.
Alexander wird geprägt durch die Helden seiner Jugend, Achilles und Herakles, denen er immer versucht nachzustreben. Über die Feinde Alexanders erfährt man nicht viel. Umso mehr aber über alle Personen, die ihn sein gesamtes Leben beeinflussen. Das sehr intensive Verhältnis zu seiner Mutter Olympias, die Beziehung zu seinem besten Freund Hephaistion (Jared Leto) aber auch die Ablehnung durch seinen Vater Philipp hatten eine große Wirkung auf ihn.
Starrkopf, Wirrkopf oder Genie?
Gegen den Rat seiner Generäle zieht Alexander in Schlachten gegen übermächtige Feinde. Er gewinnt jede noch so aussichtslose Schlacht. Jahre lang zieht er weiter nach Osten Richtung Indien. Er ist weise genug, die dort heimischen Völker nicht zu sehr zu unterdrücken, er macht sie zu seinen Verbündeten.
Doch auch Alexander stößt schließlich an seine Grenzen. Seine Truppen beginnen den Gehorsam zu verweigern, verschwörerische Generäle wollen ihn vergiften. Nach der letzten Schlacht in Indien reist er zurück nach Babylon, seiner neuen Heimat. Doch seine Stellung als König ist nicht mehr so mächtig wir früher. Zu lange war er fort von zu Hause, zu lange haben Statthalter sein Reich verwaltet.
Untergang eines Helden
Die 150 Millionen Dollar Produktion, gedreht in London, Marrakesch und Thailand, zeigt wirklich Alexander den Großen. Keine weichgespülte Heldengeschichte, mit blitzsauberen Kostümen und frisch frisierten Liebhaberinnen. Es ist genau der richtige Film für die Feiertage, an denen man sich die Zeit nehmen sollte, sich diesen Film anzusehen und zu verstehen. Verstehen, wie ein König vor über 2300 Jahren 90% der bekannten Welt erobern konnte, letztendlich aber an der Kurzsichtigkeit seines Gefolges scheiterte.
Filmografie (Auszug):
1986 Platoon
1989 Geboren am 4. Juli
1991 JFK – Tatort Dallas
1995 Nixon
1999 An jedem verdammten Sonntag
Alexander
Start: 23.12.04
Regie: Oliver Stone
Buch: Oliver Stone, Christopher Kyle, Laeta Kalogridis
Produktion: Thomas Schühly, Jon Kilik, Iain Smith, Moritz Borman
Mit: Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Anthony Hopkins
Länge: 176 min
Weiterführende Links:
Seite zum Film: http://www.alexander.film.de.
Die Bildrechte liegen bei Constantin Film.
Artikel in sozialen Netzwerken teilen:

