Wunsch Weißes Haus

14. Nov 2003 | von | Kategorie: Wahlen und Demokratie

Ein Mann mit einer Mission: Joseph Lieberman möchte Kandidat der Demokraten für die amerikanische Präsidentschaftswahl 2004 werden. Doch dabei gibt es unvorhergesehene Probleme. Michael Kolkmann berichtet von den Vorwahlen in den Vereinigten Staaten.

lieberman.jpgNach der knapp und umstritten verlorenen Präsidentschaftswahl 2000 galt der damalige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten, Senator Joseph Lieberman aus Connecticut, als Favorit für die Nominierung für die Wahl 2004, sollte Al Gore nicht erneut antreten wollen. Die politischen Beobachter in Washington wundern sich: Al Gore hat sich nun bereits vor geraumer Zeit entschieden, auf eine Kandidatur für 2004 zu verzichten, aber trotzdem ist Lieberman derzeit alles andere als der Frontrunner. Woran liegt's?

Das Timing

Ein erster Grund ist beim Timing zu suchen. Derzeit ist das Feld der demokratischen Kandidaten relativ groß: nach dem Ausscheiden von Senator Bob Graham aus Florida vor wenigen Wochen wollen immerhin noch neun Kandidaten die Nominierung der Demokraten für die Präsidentschaftswahl im nächsten November erringen. Die ersten Vorwahlen finden allerdings erst Ende Januar 2004 statt, und Meinungsumfragen zeigen, dass der demokratische Wahlkampf um die Nominierung außerhalb der ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire momentan nur wenige potenzielle Wähler interessiert. Daher ist über die Chancen der einzelnen Kandidaten nur wenig Gehaltvolles zu sagen. Anderen, weithin unbekannten Kandidaten, wie etwa Dennis Kucinich, Mitglied im US-Repräsentantenhaus in Washington, oder dem New Yorker Lokalpolitiker Al Sharpton gelingt es derzeit fast ebenso gut und häufig, wie Lieberman für Schlagzeilen zu sorgen. Erst nach den ersten wichtigen Vorwahlen läßt sich Genaueres über die Wahlaussichten der Favoriten sagen.

Der Dean-Faktor

Ein weiterer Grund ist bei seinem Mitbewerber Howard Dean, dem ehemaligen Gouverneur von Vermont, zu suchen, der derzeit den Nominierungswettstreit so stark dominiert wie kaum ein Zweiter. Dean setzt bei seinem Wahlkampf konsequent auf das Internet und hat auf diesem Wege freiwillige Wahlkampfhelfer in allen Bundesstaaten rekrutieren sowie erkleckliche Geldsummen sammeln können. Konsequenterweise hat Dean kürzlich angekündigt, als erster Demokrat überhaupt auf öffentliche Wahlkampfgelder verzichten zu wollen. Damit ist er nicht an die damit einher gehende Obergrenze gebunden, kann also so viel Geld eintreiben und ausgeben, wie er will. Dies dürfte im Fall seiner Nominierung sehr wichtig sein, da ihm mit Präsident Bush ein Amtsinhaber gegenüber steht, der sich keiner finanzintensiven Vorwahl stellen muss und bereits seit Monaten auf prall gefüllten Geldkoffern sitzt.

Unterstützung der Gewerkschaften

Dean hat zudem Anfang November die Unterstützungszusage zweier wichtiger Gewerkschaften, nämlich der “American Federation of State, County and Municipal Employees (AFSCME)” und der “Service Employees International Union (SEIU)”erhalten. Beide Gewerkschaften verfügen zusammen über drei Millionen Mitglieder und planen, im nächsten Präsidentschaftswahlkampf mehrere zehn Millionen US-Dollar auszugeben. Die übrigen demokratischen Kandidaten zeigten sich, vorsichtig gesagt, überrascht von dieser verhältnismäßig frühen Festlegung der Gewerkschaften.

Hausgemachte Probleme

Der wichtigste Grund für Liebermans Schwäche ist allerdings bei ihm selbst zu suchen. Im Wahlkampf zeigen Kandidaten gerne Spots mit Informationen über die Person des Kandidaten: woher er stammt, wo er groß geworden ist, was ihn geprägt hat. Bevor man über seine politische Positionen informiert, soll der Kandidat zunächst als sympathisch und kompetent dargestellt werden. Interessanterweise hatte Liebermans erster Wahlwerbespot in New Hampshire seine Zustimmung zum 87-Milliarden-Dollar-Irakpaket von Präsident Bush zum Inhalt – und das zu einer Zeit, in der die Zustimmung zur Irakpolitik von Präsident Bush von Tag zu Tag schwindet. Das schaut nicht gerade politisch klug aus, zudem Lieberman von seinen Konkurrenten vorgehalten wird, dass er bereits zuvor den Kriegskurs von Präsident Bush im Irak unterstützt hatte. In einer Zeit, in der, wie CNN berichtete, 51 Prozent der Befragten einer Umfrage angaben, dass sie mit der Irakpolitik Bushs nicht einverstanden sind, könnte sich diese Haltung noch als schwere politische Hypothek erweisen.

Vor wenigen Tagen hat Lieberman zudem angekündigt, bei der Vorwahl in Iowa nicht antreten zu wollen, um seine Ressourcen auf New Hampshire zu konzentrieren. Dort allerdings liegt er weit hinter den Favoriten zurück. Es ist gut möglich, dass Liebermans Kampf um die Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat schneller vorbei ist als viele politische Beobachter, aber auch er selbst, für möglich halten. Die Ratlosigkeit Liebermans in diesem Wahlkampf kam Anfang November bei einer Wahlkampfveranstaltung in Manchester/New Hampshire beispielhaft zur Anschauung. Als sich ein Student erhob, um Lieberman zu fragen, was er als seinen größten persönlichen Triumph und seine größte persönliche Niederlage halte, war alles, was Lieberman einfiel: “Lassen Sie mich eine Minute darüber nachdenken”. Sieger sehen anders aus.

Lesen Sie im zweiten Teil des Artikels mehr über den Werdegang von Joe Lieberman. weiter

Copyright des Bildes liegt bei der Internetseite von Senator Lieberman, http://lieberman.senate.gov.


Unser Autor Michael Kolkmann begleitet für Sie mit seiner Kolumne Road To The White House in regelmäßigen Abständen den Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2004 in den USA. 


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