Wenn die beiden Berliner Kleinkünstler Tetta Müller und Lo Malinke, besser bekannt als Malediva, die Premiere eines neuen Programmes feiern, kommt traditionell nur das tipi in Frage. Nur einen Steinwurf vom Kanzleramt, wo am gestrigen Mittwoch noch einige Bürolampen brannten und Angela Merkels Referenten über der Lösung der Euro-Krise brüteten, luden Malediva zur PyjamaParty ein.
Wer die früheren Programme kennt, wird schon nach wenigen Minuten das Strickmuster und die Zutaten der bisherigen Erfolge wiederekennen: Malediva zicken sich an, breiten ihre Beziehungsprobleme und den Unmut über die Schwiegermutter aus, lästern über befreundete Paare wie Peter und Sabine, Florian Ludewig begleitet am Klavier.
So entsteht eine kurzweilige Mischung aus kleinen Boshaftigkeiten, melodiösen Liedern über Beziehungsalltag, Streit und Versöhnung, garniert mit Schlagfertigkeit. Bei der Premiere hakte es aber leider noch an einigen Dialog-Passagen. Als Lo Malinke seine Hänger hatte, streute sein Bühnen- und Lebenspartner Tetta Müller genüßlich Salz in die Wunde.
Unter großem Beifall endete ein Kabarettabend, der den meist treuen Fans im Premierenpublikum gute Unterhaltung ohne große Überraschungen bot.
Weitere Informationen und Termine
Seit 2003 gibt es am Deutschen Theater immer wieder Sonntags eine feste Institution: Gregor Gysi, der Talkshow-Dauergast und Fraktionschef der Linken, lädt interessante Köpfe aus Politik oder Kultur zu einem zweistündigen Gespräch ans Deutsche Theater Berlin ein. Die Matinee ist fast immer ausverkauft. Die interessantesten Gespräche erschienen nun in einem Sammelband.
Aus diesem Anlass wechselte Gregor Gysi diesmal die Seiten und ließ sich von Jakob Augstein, dem Verleger der sehr lesenswerten Wochenzeitung Der Freitag befragen. Erwartungsgemäß hatte es Augstein trotz seiner unbestrittenenen Eloquenz an manchen Stellen schwer, im Redefluss des Linken-Frontmanns zu Wort kommen, so dass er sich mehrmals mit Handzeichen bemerkbar machen musste.
Gysi wurde in einer privilegierten Familie in der DDR geboren. Sein Vater war als überzeugter Kommunist im Widerstand gegen die Nazis in Frankreich und Berlin aktiv. Er half beim Aufbau des real existierenden Sozialismus mit, ging zum Stalinismus mehr und mehr auf Distanz, blieb aber als Staatssekretär für Kirchenfragen und Botschafter in Italien dem SED-Machtapparat letztlich loyal. Im Hause Gysi gingen neben Politikern auch Künstler ein und aus: seine Tante ist die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, seine Schwester ist umstrittene Dramaturgin an der Berliner Volksbühne.
Gysi berichtete ausführlich über die engen Spielräume als Rechtsanwalt zu DDR-Zeiten, wo er sich vor allem auf die Finessen des Prozessrechts spezialisierte, um für seine Mandanten etwas zu erreichen. Die von den Medien ausführlich diskutierten Prozesse gegen die Regime-Gegner Bahro und Havemann waren an diesem Abend ebenso Thema wie die seit fast zwei Jahrzehnten tobende Prozess-Schlacht um die Frage, ob er in Stasi-Tätigkeiten verstrickt war.
Augstein und Gysi schlugen den Bogen schließlich in die jüngere Vergangenheit: Die PDS war schon fast abgeschrieben und nur noch mit den beiden Direktmandats-Gewinnerinnen Petra Pau und Gesine Lötzsch im Bundestag vertreten, bis ihr die Proteste gegen Schröders Agenda 2010 und die Einführung von Hartz IV neuen Zulauf und Rekordergebnisse bei der Bundestagswahl 2009 bescherten.
Gysi zeigte sich sichtlich ungehalten über den innerparteilichen Grabenkrieg in seiner Partei, die seitdem in den Umfragen abstürzte und fand deutliche Worte zu den ungeschickten Aktionen des Parteivorsitzenden-Duos sowie dem Hang zur Selbstbeschäftigung und Selbstzerfleischung von strömungs-Protagonisten momentan in den Medien eher belächelt wird. Zur Frage, die am Wochenende die Medien bewegte, ob Sahra Wagenknecht als Frontfrau des linken Parteiflügels demnächst zu seiner Co-Vorsitzenden in der LINKEN Bundestagsfraktion gewählt wird, äußerte er sich auch hier nur sehr reserviert und ausweichend.
Ayn Rand ist eine hochinteressante Figur der US-amerikanischen Philosophie. Der Guru der Finanzmärkte, der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan, berief sich ebenso auf ihre Thesen wie Julian Assange, das Idol der Open Data-Bewegung und Wikileaks-Kopf. Auch in einem feuilletonistischen Beitrag der Süddeutschen Zeitung über den Überraschungs-Coup, mit dem die Piraten das Abgeordnetenhaus von Berlin, enterten, durfte ihr Name nicht fehlen.
Sie wurde bekannt als Vertreterin eines libertären Individualismus, der die Freiheit des Einzelnen ins Zentrum des Handelns rückt. Vor allem in den USA prägt sich auch heute, fast dreißig Jahre nach ihrem Tod, die politische Landschaft, da die Tea Party ihr in vielen Punkten nahe steht.
Die Auseinandersetzung mit dieser in Deutschland nicht so bekannten Denkerin drängt sich also förmlich auf und verspricht spannende Reibungspunkte. Leider ging das Konzept des Regieduos Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, der dem Berliner Publikum durch seine Volksbühnen-Monologe bekannt ist, nicht auf. Das ältere Ehepaar neben mir zog am Ende das Fazit: "Wie langweilig!"
Interessante Ansätze gab es allerdings durchaus. Wie bei Kuttner als Stilmittel üblich liefen zu Beginn Videoschnipsel in Endlosschleife über die große Leinwand vor der Bühne: Ayn Rand sprach in alten Schwarz-Weiß-Interview-Aufnahmen über ihre Weltsicht. Furios war sicher auch der Schlussappell des Hauptdarstellers Daniel Hoevels, der ein weiterer Lichtblick des Abends war und hoffentlich noch öfter in wichtigen Rollen am Deutschen Theater Berlin zu sehen sein wird. In diesen wenigen Minuten lernte man das Gedankengebäude von Ayn Rand etwas besser kennen.
Dazwischen lag aber fast drei Stunden lang eine theatralische Fassung ihres Romans The Fountainhead, die in grauer Vorzeit des Hollywood-Kinos auch schon melodramatisch mit Gary Cooper verfilmt wurde. Mit zahlreichen Verfremdungseffekten in Brechtscher Tradition und skurrilen Auftritten von Jürgen Kuttner als schwarzer Witwe schleppte sich die Erzählung über den Architekten Howard Roark, der sich nicht anpassen, sondern seine künstlerischen Ideen 1:1 umsetzen möchte, wie Gerhard Schröder sagen würde, eher zäh hin.
Eine der besten und unterhaltsamsten Kinokomödien dieses Jahres beschäftigt sich pünktlich zum Papst-Besuch mit dem Kulturschock, wenn verschiedene Lebensstile und religiöse Weltanschauungen auf einander treffen.
Marcus H. Rosenmüller hat sich bereits als Regisseur intelligenter Komödien wie Wer früher stirbt, ist länger tot einen Namen gemacht. Gemeinsam mit der Drehbuchautorin Ursula Gruber gelang ihm mit Sommer in Orange ein unterhaltsamer Film, der sehr genau hinschaut und tief in die Milieus, die er beschreibt, eintaucht. Es gelingt ihnen sicher auch deshalb, der Gefahr zu entgehen, sich über ihre Figuren nur als Klischee-Abziehbilder lustig zu machen, weil die Autorin Erfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit einfließen lässt.
Sommer in Orange zeigt die Schwierigkeiten der Kreuzberger Großstadtpflanze Lili, sich im oberbayerischen Talbichl einzuleben, wo die Welt zwischen Sonntagsbraten, Kirchgang und Kreuz bei der CSU noch ganz übersichtlich geordnet erscheint. Das gilt aber nur, bis die Sannyasin-Kommune aus Kreuzberg inklusive Lilis überforderter Mutter auf dem Bhagwan-Selbsterfahrungstrip auf einem Bauernhof ankommt und die Nachbarschaft mit ihren Ritualen und dem Plan, ein Religions- und Kulturzentrum aufzubauen, aus der Fassung bringt.
Die Drehbuchautorin, die Anfang der 80er Jahre selbst in einer ähnlichen Kommune im oberbayerischen Hohenschäftlarn aufwuchs, zeichnet das Leiden, die Anpassungs- und Abgrenzungsbemühungen des Mädchens und viele kuriose, komische Beobachtungen dieses Clash of Cultures einfühlsam nach.
Sommer in Orange startete am 18. August bundesweit in den Kinos.
Einer der Höhepunkte des Internationalen Literaturfestivals Berlin war der Auftritt von Gary Shteyngart auf der Großen Bühne des Festspielhauses.
Sigrid Löffler würdigte ihn in ihrer kompetenten Einführung als einen der interessantesten und komischsten Autoren der Gegenwart. Nachdem er gemeinsam mit seinen Eltern 1979 von den USA aus der Sowjetunion freigekauft worden war, widmete er sich in seinen beiden ersten Büchern dem Untergang des Sowjet-Imperiums.
Verfall und Abstieg haben es ihm auch in seinem dritten Buch angetan: Super Sad True Love Story widmet sich dem Defizit des US-Haushalts und den Ängsten einer verunsicherten Nation vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte.
Bemerkenswert ist, dass Shteyngart bereits 2006 mit der Arbeit an seinem satirischen Zukunftsszenario begann und schneller als erwartet von der Realität eingeholt wurde. Die Passagen in seinem Buch über die Kritik der chinesischen Zentralbank, dass es mit dem US-Schuldenberg so nicht weitergehen könne, erinnern sehr an tatsächliche Medienberichte aus diesem Krisensommer, als das Buch längst veröffentlicht war und bereits für Furore sorgte.
Etwas unglücklich gewählt waren allerdings die Textausschnitte, die bei dieser Autorenlesung vorgetragen wurden. Darin kam der besondere Reiz des Buches nicht gut zur Geltung.
Selten sieht man bei kulturellen Veranstaltungen ein so junges und buntes Publikum wie am vergangenen Wochenende im Kino Moviemento beim Filmfestival Asian Hot Shots Festival.
Der Kontinent erwies sich wieder mal als Fundgrube für hochinteressante und ungewöhnliche Entdeckungen. Beeindruckend war z.B. die Experimentierlust und der Mut des Abschlussfilms Madame X. In einer Bonbon-grellen Ästhetik und voller Zitate der Superhelden-Mythen und asiatischer Kampftechniken streitet der Film gegen Fundamentalismus und für Transgender-Rechte. So gelang dem indonesischen Regisseur Lucky Kuswandi eine Verbindung aus unterhaltsamer Popkultur und politischem Anspruch.
Nicht ganz so stark waren die experimentellen Kurzfilme, die am Sonntag Nachmittag vor dem großen Gewitter gezeigt wurden. Vieles wirkte dort eher erwartbar und unfertig.
Alles in allem hat sich das Festival in seiner vierten Auflage fest im Berliner Kulturkalender etabliert. Nur der Termin Anfang September direkt nach der Sommerpause ist eher ungünstig, weil das Festival dann mit besonders vielen anderen Ereignissen konkurriert, wie ExBerliner zurecht schrieb.
Mit sehr schwerer Kost konfrontierte das Deutsche Theater sein Publikum
zum Auftakt der neuen Spielzeit: Drei Stunden lang deklamieren fünf
Schauspielerinnen die bedruckenden Text-Wüsten aus Elfriede Jelineks
jüngstem Werk Winterreise. Die einzigen fröhlichen Kontrapunkte sind
ihre Sommerkleider und die Blumenwiese, über die sie spazieren.
Wie bei Jelinek mittlerweile üblich, gibt es keine klaren Rollen oder einen roten Handlungsfaden. Die schauspielerinnen tragen abwechselnd einen Teil der wütenden Monologe vor. Die Kolleginnen verletzten sich im Hintergrund selbst mit Messern oder Scheren und quälen sich am Klavier durch Franz Schuberts titelgebenden Liederzyklus. Diese Motive aus Jelineks Biographie kennt man bereits aus ihrem Roman Die Klavierspielerin und der Haneke-Verfilmung mit Isabelle Huppert.
Auch sonst kommt einem vieles bekannt vor: Jelinek leidet erstens an sich selbst, zweitens an ihrer dominanten Mutter, drittens am demenzen Vater, viertens an Österreich und fünftens an der ganzen Welt. Die sprachgewaltigsten Passagen widmen sich wieder mal der Abrechnung mit Österreich. Vom Fall Kampusch zeigt sie Linien der Verachtun bis zum Massentourismus und der Zerstörung der alpinen Landschaften.
Ins Obere Foyer des Festspielhauses haben die Veranstalter des ilb zu
einer Diskussion unter dem Titel Berlusconisierung Europas? geladen. Die
Debatte in der Reihe Reflections war zwar mit Freitag-Herausgeber
Jakob Augstein, dem ungarischen Publizisten György Dalos und Dramatiker
Moritz Rinke interessant besetzt, scheiterte aber an der Konzeptlosigkeit. Vor allem die Moderatorin wirkte indisponiert, wie meine beiden Nachbarinnen mehrfach murmelnd monierten.
Schon nach wenigen Minuten kritisierte Augstein der wie gewohnt scharfsinnig argumentierte, dass hier zu viele Phänomene miteinander verrührt wurden und das eigentliche Thema der nachmittäglichen Runde nicht trennscharf definiert wurde.
So hüpfte man auf dem Podium von Berlusconi über Ungarn zum Freiherrn Karl-Theodor Guttenberg und zurück, bevor man immer mal wieder bei Strauss-Kahn. Deshalb hat die Diskussion wenig Gewinn für die Zuhörer gebracht: dass Berlusconi inzwischen auch den Italienern peinlich wird, war schon vorher klar. In Deutschland haben wir keine vergleichbaren Phänomene. Die fleissigen Aktenleser dominieren die politische Bühne, der schillernde Freiherr scheiterte schnell an seinen Plagiaten und durchsichtigen Inszenierungsstrategien. Besorgniserregend bleibt die Situation in Ungarn, wo die rechtspopulistische Regierung im Schatten der Euro-Krise rechtsstaatliche Standards schleift. Das Problem ging aber auf diesem Podium eher unter.
Wie eine solche Veranstaltung besser gelingen kann demonstrierte am gestrigen Montag Gabriele von Arnim, die in ihrer gewohnt souveränen Art Raoul Schrott über sein Werk und seine Gedankenwelt befragte. Auf dem Podium entwickelte sich ein ruhiges Gespräch, das Schrotts eigenständigen Kosmos innerhalb des hektischen Literaturbetriebs reflektierte, und genug Raum für Nachfragen ließ. Schrott wurde vor einigen Jahren durch seine Thesen zur Entstehung von Homers Werken bekannt, mit denen er die Fachwissenschaft zum Teil heftig gegen sich aufbrachte. Aktuell bereitet er einen epischen Text über seine Grenzerfahrungen u.a. in der Wildnis von Nordwest-Kanada vor, aus dem er erste Notizen und Fragmente vortrug.
Interessant war auch das Gespräch des Sinologen Tilman Spengler mit Jung Chang über die fast 1.000seitige Mao-Biographie, für die sie international viel Lob bekam, die aber in China der Zensur zum Opfer fiel. Gemeinsam mit ihrem Mann zeichnet sie darin akribisch Maos Lebensstationen und Leseerfahrungen nach. Vor allem dekonstruiert sie einige Mythen, die in der KPCh immmer noch gepflegt werden. Jung Chang wurde international durch ihren vielgelobten Roman Wilde Schwäne bekannt, worin sie ihre autobiographischen Erlebnisse während der Kulturrevolution verarbeitet.
der Zielgeraden nicht richtig in Gang.
Gut, dass nun immerhin der in Berlin und Brandenburg weltberühmte Kabarettist Rainald Grebe etwas Schwung in die Angelegenheit bringt: am Maxim Gorki Theater führt er in etwas mehr als zwei Stunden durch die Untiefen des Berliner Kommunalwahlkampfs. Völker schaut auf diese Stadt nennt er sein neues Programm in Anspielung auf Ernst Reuter. Der aktuelle Amtsinhaber und potenzielle NachfolgerInnen kommen an diesem Abend nicht ganz so gut weg: Grebe und seine Kollegen sprechen und spielen die Originaltexte der Kandidatenauftritte nach und legen mit karikierendem Spott den Finger in die Wunde mancher Stilblüten.
Der Abend leidet unter einer Schwierigkeit: Wie kann eine Parodie noch zünden, wenn der Wahlkampf selbst schon mit schrägen und fast unglaublichen Einlagen ein eigenständiges Gesamtkunstwerk darstellt? Gegen die Live-Auftritte der Kandidaten des bunten Gewimmels
kleiner Parteien im rbb vor einigen Tagen mit der unfreiwilligen Komik, als nicht mehr klar war, wer hier der Satiriker Martin Sonneborn ist und wer seine Thesen ernst meint, kommt auch ein Mann vom Kaliber Grebes nicht so einfach an. Vor allem, wenn er im Vergleich zu seinen Soloprogrammen so ausser Form wirkt wie an diesem Abend, an dem auch noch eine Kollegin krankheitsbedingt ausfällt.
Dennoch gelingen manche schöne Momentaufnahmen. Vor allem die nachgestellten Interviews mit einem Rentner, der sich in Berliner Schnauze immer weiter in eine Wutrede auf den Regierenden Bürgermeister reinsteigert, und die Schlussparodie des hoffnungslosen FDP-Wahlkämpfers am Kotti, an dem die Passanten vorbeilaufen, sind sehenswert. Aber warum räuchern Rainald Grebe und seine Kollegen den Theatersaal mit ihrem Zigarettenqualm ein? Das ist eine der offenen Fragen nach diesem ungewöhnlichen Theaterabend.
Zum Auftakt des Internationalen Literaturfestivals Berlin, das in diesem Spätsommer zum 11. Mal stattfindet, führte Sigrid Löffler im Saal des Deutschen Theaters durch einen gelungenen Abend zu Ehren von José Saramago.
Der streitbare portugiesische Autor wurde hierzulande 1998 einem breiteren Publikum bekannt, als er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr machte er mit geschliffenen, gescellschaftskritischen Novellen und Romanen sowie mit seiner harten Kritik an Sarkozy, Berlusconi und Co. in Interviews und Blogs auf sich aufmerksam.
Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler, langjährige Antipodin von Marcel Reich-Ranicki, gab eine sehr kurzweilige und fundierte Einführung in Leben und Werk Saramagos. Im Vergleich zu früheren Jahren war dies ein sehr gelungener, informativer Einstieg, der als Standard hoffentlich auch in den kommenden Festivaltagen eingehalten wird.
Höhepunkt des Abends war die Lesung von Sven Lehmann mit seinem charakteristischen Timbre, mit dem er seit Jahren auf der Bühne des Deutschen Theaters vor allem als Mephisto, aber auch in vielen Fernsehfilmen zu erleben ist. Er las einige Passagen aus Saramágos letztem Roman Kain: Der Kommunist und Atheist erzählt darin den biblischen Mythos des Brudermords neu. Der alttestamentarische Gott wird bei Saramago als grausam und despotisch dargestellt, wie Sven Lehmann mit seiner Stimme gut nuanciert herausarbeitet.
Das Internationale Literaturfestival Berlin ilb
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