Am Berliner Maxim Gorki Theater gingen in der Textfassung des Intendanten Armin Petras und des Regisseurs Jan Bosse leider viele wichtige Stränge von Leo Tolstois epischem Gesellschaftspanorama und seinen Reflexionen über das vorrevolutionäre russische Zarenreich verloren.
Geblieben ist ein Abend über die Sehnsucht nach und das Scheitern von Liebe. Auf der Setzkasten-Bühne mühen sich die Figuren ab, ihr Glück zu finden. Vor allem über der letzten Stunde nach der Pause liegt eine bleierne Schwere, als die Titelfigur Anna Karenina erkennt, dass nach der Trennung von ihrem Mann auch der Liebhaber Wronski nicht das erhoffte stabile Glück bringt.
Vor der Pause lebt das Stück vor allem von seinen beiden Stars: Fritzi Haberlandt als Anna Karenina und Milan Peschel als Wronski bieten eine Nummernrevue voller Kabinettstückchen ihres schauspielerischen Könnens. Das ist unterhaltsam, ansonsten bleibt einiges auf der Strecke.
Das Maxim Gorki Theater: www.Gorki.de
Um es vorwegzunehmen: ein Absturz bleibt Martina Schwarzmann an diesem Abend, als sie mit ihrer Gitarre aus Überacker nach Berlin kommt, erspart. Dafür hat sie eine viel zu gute Beobachtungsgabe, die sie in ihre oft sehr spöttischen, gar sarkastischen Texte einfliessen lässt. Sie beherrscht ihr Handwerk und kann das Publikum gut unterhalten.
Die Besucher der traditionsreichen Bühne "Die Wuehlmaeuse" verzeihen ihr auch den Einstiegsgag über die Autos, die in den vergangenen Nächten vor allem im sonst so beschaulich-bürgerlichen Berliner Westend in Flammen aufgingen.
Martina Schwarzmann bot eine sehr solide Vorstellung. Bissige Pointen, eingängige Melodien, auch wenn sich die Akkordfolgen zu oft wiederholten, und ihr zupackender Charme brachten das Publikum zum Schmunzeln und oft auch zum Lachen.
Der letzte Funke sprang aber nicht über, im neuen Programm "Wer Glück hat kommt" fehlten die Nummern, die sich so tief im Gedächtnis eingraben wie die Highlights ihres ersten Programms, als das Publikum über ihren frischen, frechen Ton staunte. Ausserdem verhedderte sich Martina Schwarzmann diesmal in deutlich zu langen Zwischen-Monologen. Statt Überleitungen entstanden kuriose Geschichten, die manchmal im Nirgendwo versandeten.
Auf das dritte Programm dürfen wir nun gespannt sein. Sie hat das Potenzial, sich dauerhaft als erfolgreiche Kabarettistin auch ausserhalb des Weisswurst-Äquators zu etablieren.
Die Kabarettistin Martina Schwarzmann
Die Wühlmäuse
In der Reihe Neuer deutscher Film wurde gestern im ausverkauften Kino Babylon in Berlin-Mitte die Dokumentation Godmother of Punk vorgestellt. Die Koproduktion des rbb mit arte und dem Schweizer Fernsehen wühlte sich intensiv durch die Archive und förderte zahlreiche Perlen aus Nina Hagens turbulentem Leben zu Tage.
Allein schon die Parodien auf Schlager-Stars wie Mireile Mathieu, die Nina Hagen als Teenager im DDR-Fernsehen der siebziger Jahre bot, sind das Eintrittsgeld wert. Das Publikum kann in einem bunten Bilderbogen schwelgen, der Hagens künstlerische Entwicklung nachzeichnet. Die Klassiker wie Du hast den Farbfilm vergessen, o Michael, mit dem sie zum Star wurde, ihr skandalträchtiger Auftritt in der ORF-Talkshow Club 2, ihre Besuche beim Guru in Indien und ihre aktuelle Hinwendung zum Christentum dürfen in der Dokumentation natürlich nicht fehlen.
Ein Höhepunkt des Films ist die kurze Interviewpassage mit Wolf Biermann, der bis zu seiner Ausbürgerung Nina Hagens Stiefvater war. Er schildert eindrucksvoll, wie Nina Hagen sich als junges Mädchen in gewohnt exaltierter Art über seine Kritik an Staatschef Walter Ulbricht empört hat.
Im Anschluss an den Film beantwortete Nina Hagen in gewohnt schrillem Outfit noch einige Fragen der Regisseurin und stimmte acapella einige Lieder an. Mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Eva-Maria Hagen, lieferte sie sich noch einen Schlagabtausch voller verbaler Spitzen. Ganz so, wie man es von ihr erwartet.
Die Dokumentation ist am kommenden Dienstag, 16.8., ab 21.30 Uhr auf arte zu sehen.
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