Das Festival Around the world in 14 films hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als exzellente Fundgrube für hoch interessante Filme im Schatten des Mainstreamkinos. Wie die Trüffelschweine sucht das Organisationsteam nach Perlen auf den internationalen Filmfestivals: Oft sind hier kleine Meisterwerke zu entdecken, die einen frischen Blick auf Themen werfen, neue Erzählformen ausprobieren oder in fremde Kulturen entführen, aber auf dem deutschen Markt leider keinen Verleih fanden.
Als einer der ersten Filme der 5. Festival-Auflage, die mit Unterstützung von arte und dem Auswärtigen Amt wieder im Berliner Kino Babylon Mitte stattfindet, wurde Valhalla Rising des Dänen Nicolas Winding Refn gezeigt. In der Hauptrolle des Einäugigen weckte Mads Mikkelsen Vorfreude, der aus so unterschiedlichen Filmen wie Adams Äpfel und Casino Royale bekannt ist.
Laut Programmheft erwartete die Zuschauer "eine filmische Meditation über den Ursprung und died Grenzen menschlicher Existenz", "eine geheimnisvolle Reise ins spirituelle Herz der europäischen Zivilisation". Geht es auch eine Nummer kleiner?
Auf der Leinwand entpuppt sich das Ganze über weite Strecken als wortkarges, aber umsp brutaleres Gemetzel: Därme werden rausgerissen, Blut spritzt. Zwischendurch wabert minutenlang dicke Nebelsuppe um das Wikingerschiff.
Auch die zitty schrieb über "faszinierende Bilder" und ein "düster, beeindruckendes Werk", dessen langsamer Rhythmus immer stärker ins "Metaphysische gleitet". In meinen Augen handelt es sich um einen überbewerteten, furchtbaren Film, vor dessen Blutrünstigkeit und pseudotiefgründiger Attitüde wir zum Glück in den Kinos außerhalb dieses Festivals bisher verschont blieben.
Das Festival "Around the world in 14 films"
Die Bildrechte liegen bei Wild Bunch und Tiberius Film.
Mit großem Publikumserfolg läuft seit Anfang Herbst Die Legende vom 60/40-Gemisch in der Bar des Deutschen Theaters: Eine Annäherung von fünf "Wessis" und zwei Schweizern an einen der bekanntesten Filme der DDR-Geschichte, Die Legende von Paul und Paula.
Mit Mut zu hässlichen Frisuren (Ole Lagerpusch mit einem seltsam undefinierbaren Wischmopp und Elias Arens als King vom Prenzlauer Berg mit Atze Schröder-artiger Pudelfrisur) und altbackenen Kleidern (Katrin Wichmann und Barbara Heynen) spielen einige junge Mitglieder des DT-Ensembles eine Laienspielschar, die sich bemüht, den Film für die Bühne zu adaptieren.
Moritz Grove gibt den hysterischen Regisseur, der von seinen Ideen absolut überzeugt ist und sich vor allem mit Katrin Wichmann Schreiduelle liefert, wie das Stück gespielt werden soll. Dazwischen schaltet sich immer wieder Bernd Stempel ein, der einzeige Ostdeutsche im Team, der seine Mitstreiter aufklärt, dass es so nun überhaupt nicht geht.
So entsteht ein durchaus unterhaltsamer Abend, an dem die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Lust an trashigen Facetten ausleben dürfen und dazwischen immer wieder Lieder aus der untergegangenen Deutschen Demokratischen Republik zum Besten geben, v.a. von den Puhdys, die mit diesem Film ihren Durchbruch feierten.
Die Silvester-Vorstellung ist bereits ausverkauft, für einige Dezember-Vorstellungen gibt es noch Karten.
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Hinter diesem merkwürdigen Titel verbirgt sich das neueste Stück von Roland Schimmelpfennig, laut Dramaturgin des Deutschen Theaters der momentan auf deutschsprachigen Bühnen meistgespielte zeitgenössische Autor.
Im Stil von Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? oder Yasmina Rezas Der Gott des Gemetzels verhaken sich zwei Paare aus dem Bildungsbürgertum: Statt angeregter Konversation endet das Wiedersehen nach sechs Jahren in gegenseitigen Schuldzuweisungen und Verzweiflung.
Anders als in den beiden oben genannten Salon-Tragikömodien mischte Schimmelpfennig seinem Plot noch etwas Weltpolitik bei: Bei ihm geht es nicht um tote Hamster oder Unikarrieren, sondern ein Bürgerkrieg in Afrika bringt die wohlgeordnete Abendunterhaltung durcheinander: Carol und Martin stießen bei ihrer idealistischen Arbeit dort an ihre Grenzen. Sie haben sich wohl mit HIV infiziert, fürchten sich aber davor, in einem Test Gewissheit zu bekommen. Ihre Beziehung ist brüchig, aber sie haben auch nicht den Mut zur Trennung. Ihr Adoptivkind ließen sie vor Ort zurück und stehen nun vor der schweren Aufgabe, wieder Halt zu finden.
Recht banal kreist die Konversation um die Schuldgefühle der beiden Paare: Was ist die richtige Haltung? Hierbleiben, ab und zu spenden und Bonos Medien-Charity-Maschinerie irgendwie gut zu finden? Oder sich vor Ort in einem Krankenhaus engagieren und in den Konflikten den Überblick zwischen "Gut" und "Böse" verlieren? Wie Brangelina ein armes Mädchen adoptieren und dann doch zurücklassen?
Maren Eggert, Ulrich Matthes, Sophie von Kessel und Norman Hacker wirken von diesem Stoff unterfordert. Sie sehen nicht besonders glücklich aus, recht lustlos lassen sie nach der knappen Stunde auch noch den Schlussapplaus über sich ergehen.
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Stefan Kaminski hat sich in den vergangenen Jahren eine
treue Fangemeinde erarbeitet. Wenn das ehemalige Ensemblemitglied des Deutschen
Theaters mit einem neuen Live-Hörspiel zu Gast ist, ist ein ausverkauftes Haus
in den Kammerspielen garantiert.
Nach seiner Adaption des Blockbusters King Kong und einer
skurrilen Hörspielfassung von Richard Wagners Ring-Tetralogie brachte
Kaminski mit seinen beiden Musikern Sebastian Hilken und Stefan Brandenburg in
diesem Herbst mit Es kam von oben einen Science-fiction-Stoff auf die Bühne.
In verschiedenen Stimmlagen lässt er eine Kleinstadtszenerie
in Sandberg Zitty, irgendwo in den USA, vor dem geistigen Auge des Publikums
erstehen: Der Knall eines großen Einschlags verunsichert die Bewohner, als dann
mehrere Einwohner, u.a. der angesehene Professor für Astronomie und sein
Praktikant, spurlos verschwinden, gerät alles aus den Fugen.
Der Hobby-Journalist und Amateur-Astronom Rick Hudson ist
bald überzeugt: Es handelt sich nicht um einen Meteoriteneinschlag, sondern
waschechte Aliens hat es bei einer Notlandung auf die Erde verschlagen. Vom
Establishment wird er für diese gewagte These zunächst ausgelacht. Der
schmierige Sheriff hat es dagegen vor allem auf Hudsons Freundin abgesehen,
deren zartes Stimmchen und unschuldige Naivität an frühere Kaminski-Abende
erinnern.
Voller Spielfreude treibt Kaminski on Air die aberwitzigen
Volten des Plots voran: Gestaltwandler dürfen ebenso wenig fehlen wie ein
Großaufgebot von Einsatzkräften des Pentagons. Mit ironischen Anspielungen auf
E.T.s „Nach Hause“-Telefonaten entsteht ein vergnügliches Genre-Stück, bei dem
das Stammpublikum auf seine Kosten kommt. Stefan Kaminski zeigt in gewohnter
Manier sein breit gefächertes Repertoire. Der einzige Wermutstropfen: Nach
sieben Jahren gibt es kaum neue und unerwartete Akzente, viele Muster sind
schon aus den früheren Kaminski on Air-Inszenierungen bekannt.
In der aktuellen Ausgabe der Matinee-Reihe Gregor Gysi trifft Zeitgenossen war Wolfgang Kohlhaase im Deutschen Theater zu Gast: Dem preisgekrönten Drehbuchschreiber sieht mein sein stattliches Alter von fast 80 Jahren nicht an. Vergnügt plaudert er sich zwei Stunden lang durch sein bewegtes Leben.
Durch eine Reihe von Zufällen und mit viel Chuzpe, nach dem Motto "Hier bin ich und möchte einen Job", startete Wolfgang Kohlhaase als junger Mann aus Adlershof in den unmittelbaren Nackriegswirren ins Berufsleben. "Irgend was mit Medien" würde man heute wohl sagen.
Mit viel Selbstironie schildert Kohlhaase seine ersten missglückten Versuche, als Teenager einen Kriminalroman zu schreiben. Von da an ging es steil bergauf und schnell wurde er Kulturredakteur beim FDJ-Organ Junge Welt mit Schwerpunkt Filmkritiken. Mit Anfang 20 wechselte er dann bereits als Drmaturgieassistent zu den DEFA-Filmstudios nach Potsdam-Babelsberg, bevor er ab 1952 als freiberuflicher Drehbuchschreiber das Kino der DDR und des vereinten Deutschland nach 1990 prägte.
Sein am italienischen Neorealismus jener Jahre geschulter Stil sorgte für Furore und gefiel den Funktionären der DDR-Kulturbürokratie so gut, dass er bereits mit 23 Jahren mit dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde. Der große Karriereknick kam 1965: Das berüchtigte XI. Plenum des ZK der SED sorgte für Eiszeit im kulturellen Leben. Filme verschwanden reihenweise in den Schubladen. Dieser Verbotswelle, die mit Spur der Steine ihren Höhepunkt erreichte, fiel auch Kohlhaases Film Berlin um die Ecke zum Opfer.
Nach einigen Jahren als Prosaschriftsteller arbeitete Kohlhaase eng mit dem Regisseur Konrad Wolf zusammen. Aus dieser produktiven Phase gingen vor allem das Kriegsdrama Ich war Neunzehn (1968) und Solo Sunny hervor: Der frische Ton dieses Films begeisterte 1980 das Berlinale-Publikum und überraschte mit neuen Einblicken. Statt der üblichen Neubau-Milieus, die im sozialistischen Realismus dominierten, zeigte dieser Film eine lebenslustige junge Frau in den damals verfallendenden Gründerzeit-Bauten des Prenzlauer Bergs, die unbeirrbar ihren Weg geht.
Im Gegensatz zur großen Mehrheit der ostdeutschen Künstler wurde Kohlhaase auch nach 1990 von Kollegen, Publikum und Kritik geschätzt: Sein jüngster Erfolg als Drehbuchschreiber zeigt exemplarisch seinen lakonischen Dialogstil. In Andreas Dresens Sommer vorm Balkon hat er Nadja Uhl und Co. einige der besten Drehbuchsätze des aktuellen deutschen Kinos in den Mund gelegt, z.B. als sie ihren One-Night-Stand ganz entschieden mit den Worten "Ist ohne Frühstück. - Ist auch ohne Diskussion." hinauskomplimentierte.
Hinter dem Namen "Emanuel and the fear" verbirgt sich eine Indie-Rockband aus Brooklyn, die an der Bar des Deutschen Theaters zu Gast war und über die vorab in einigen Blogs als möglicherweise "nächstes großes Ding" geraunt wurde.
Nach der Vorankündigung auf der Webseite des Deutschen Theaters konnte man tatsächlich gespannt sein: Wie klingt eine Band, die Beethoven, Rachmaninow, Arcade Fire und Daft Punk als Vorbilder nennt?
Auf den ersten Blick fällt vor allem die üppige Lockenmähne des Frontsängers auf. Das ist dann wohl Emanuel. So besonders fruchteinflößend treten aber weder er noch seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter mit Violine, Cello, Querflöte oder Schlagzeug auf. Eher wie nette US-College-Boys und -Girls.
Leider waren die Verstärker für den intimen Raum der Bar zu laut aufgedreht, so dass viele melodische Nuancen in einem Klangbrei untergingen und auch die Texte nur schwer zu verstehen waren.
Abzuwarten bleibt, ob "Emanuel and the fear" mit ihrer Mischung aus melodiösem Pop, großen orchestralen Klängen und abrupt einsetzenden Elektroklängen auf Dauer mehr als nur eine Nische besetzen können.
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