Seit dem März 2002 bieten interfilm und das Kino Babylon Mitte monatlich Perlen aus der internationalen Kurzfilm-Produktion. Die Auswahl steht immer unter einem thematisch Dach: mal explizit politisch, mal eher auf private Themen wie Liebe und Rollenmuster in der Familie konzentriert, zum Teil auch mit Fokus auf bestimmte Regionen und Länder.
Im sehr gut besuchten großen Saal des Kinos am Rosa-Luxemburg-Platz feierte das Team in dieser Woche schon die 100. Auflage: Zum Jubiläum boten sie den Zuschauern einen bunten Strauß ihrer persönlichen Favoriten aus der vergangenen Dekade mit vielen preisgekrönten Animations- und Kurzfilmen.
Diesmal stand zum Geburtstag vor allem der Unterhaltungswert im Vordergrund. Ausdrückliche Bezüge zu den wichtigen politischen Streitfragen gab es diesmal nicht, aber das wird sicher in den nächsten Ausgaben dieser Reihe wieder der Fall sein.
Beim Publikum kamen vor allem der deutsche Beitrag Lauf über die fragwürdigen Marketingstrategien einer Ferienpension, die finnische Romeo und Julia – Version mit animierten Würsten, der ästhetisch sehr ansprechende Zeit-Scratching-Film Spin aus den USA mit seiner Reflexion über die große Wirkung kleiner Abweichungen und die ungarische Trickfilmreihe Log Jam über das musizierende Trio im Wald sehr gut an.
Die kurzweilige Auswahl der Filme weckte den Appetit auf die Fortsetzung, die bei der 101. Auflage zum vielversprechenden Thema Shorts and the City am 24.8. stattfinden wird. Dank des Engagements von interfilm haben sich die Kurzfilme, die meist nur in den Nischen des Spätprogramms von 3sat oder arte oder den Nebenreihen von Festivals zu sehen sind, einen festen Platz mit erstaunlichem Zuschauerinteresse im Berliner Kulturleben erobert.
Mit Neukölln assoziiert man in der Regel die schrillen Auftritte des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, der vor Parallelgesellschaften warnt und anarchische Zustände an der Rütli-Schule. Eine ganz andere Seite zeigt der Problembezirk im Freiluftkino Hasenheide.
Sobald man den unwirtlichen Hermannplatz und die Kleindealer am Parkeingang hinter sich gelassen hat, wird man durch eine fast schon amphitheaterartige Waldbühne mitten im Großstadttrubel überrascht, die während der Sommermonate fast täglich ein spannendes Programm mit den Höhepunkten des abgelaufenen Kinojahres und älteren Perlen anbietet.
Zu Beginn dieser Woche zeigte das Freiluftkino Hasenheide einen kleinen, aber feinen Indie-Film aus den USA, der Ende Oktober 2009 in den deutschen Kino anlief, sehr gute Kritiken bekam, aber an den Kassen im Schatten von Blockbustern wie Avatar eher ein Schattendasein fristete.
In (500) Days of Summer rekapituliert die Hauptfigur, ein unsicherer junger Mann, die vergangenen 500 Tage mit all ihren Höhen und Tiefen: Er hat sich auf den ersten Blick in die junge PR-Assistentin Summer verliebt, die sich ihrer Wirkung auf Männer voll und ganz bewusst ist, aber kein Interesse an einer Bindung hat.
In kurzen Rückblenden, die ohne Chronologie zwischen den einzelnen Phasen dieser Liaison hin- und herspringt, entfaltet sich das Bild dieser unmöglichen Liebe: Zärtliche Annäherung, schroffe Zurückweisung, neue Signale der Nähe, kurze Momente des Glücks. Die Mauer, die Summer um sich herum errichtet, bleibt aber letztlich stabil, bis sie Hals über Kopf einen anderen Mann kennen lernt und nach kurzer Zeit heiratet.
Die Handlung des Films hört sich zunächst nach der x.ten Wiederholung einer „Junge liebt Mädchen“ – Story an, ist aber doch raffinierter gemacht. Die beste Szene des Films ist die Situation, als Tom nach einem gemeinsamen Tanz und der Einladung zu Summer´s Party neue Hoffnung schöpft: Die Leinwand wird in der Mitte geteilt. Links sieht man seine „Erwartungen“ an diesen Abend, rechts läuft parallel ab, wie der Abend in „Wirklichkeit“ abläuft.
Zur Webseite des Films (500) Days of Summer
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