Vom Melodram über Science-Fiction bis zum Musical – im 33. Jahr ihres Bestehens steht Generation auf einem breiten filmischen Fundament. „Es gibt nicht die eine Kindheit oder Jugend, und es gibt viele Wege, einen Film darüber zu machen“, sagt Sektionsleiterin Maryanne Redpath mit Blick auf die 56 Kurz- und Langfilme im Programm von Generation.
Der Wettbewerb Generation 14plus eröffnet mit dem indischen Off-Bollywood-Film Road, Movie. Dev Benegal würdigt den Ort, an dem Leinwand, Licht und Menschen zu einem magischen Ereignis verschmelzen, in einer im Sinne des Wortes bewegenden Hommage an die mobile Kinokultur seiner Heimat.
Mit Alamar wird erstmals eine Dokufiktion zum Auftakt des Wettbewerbs Generation Kplusgezeigt. Im Rhythmus von Wasser, Wind und Wellen entführt Pedro González-Rubio in das Naturreservat der mexikanischen Karibik und dokumentiert hautnah eine Beziehung zwischen Vater und Sohn.
Spektakuläre Welten erobern gleich zwei japanische Animes. Das Animationshaus Aniplex (TEKKONKINKREET, Generation 2007) kehrt mit dem intergalaktischen Uchū Show e Yōkosovon Koji Masunari nach Berlin zurück. In SUMMER WARS von Kultregisseur Marmoru Hosada (The Girl Who Leapt Through Time) verpflichtet eine asiatische Großfamilie ihre digitalen Avatare auf analoge Traditionen.
Talent Campus-Alumna Rusudan Pirveli aus Georgien wurde mit ihrem Spielfilmdebüteingeladen: Susa ist einer der zahlreichen „All-Ager“ in Generation. Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio, regelmäßig im Forum zu Gast, widmen sich mit Sukunsa viimeinen erneut dem indigenen Volk der Nenzen am nördlichen Polarkreis. Wie die junge Neko aus Tradition dem Druck der sowjetischen Assimilation zu widerstehen versucht, wird gleichermaßen Jung und Alt berühren.
Insgesamt 28 Beiträge umfassen die beiden Kurzfilmwettbewerbe. Spike Jonze (Wo die wilden Kerle wohnen) zeigt mit seinem neuesten Werk I’m Here, dass auch Roboter leidenschaftlich lieben können. Pures Arthouse für Kinder sind die animierten und inszenierten Kurzfilme, die beiGeneration Kplus schon Zuschauer ab vier Jahren in die Berlinalekinos locken.
„Generation begeht das Jubiläum der Berlinale mit einem Programm der starken Gegensätze. Wir wollen diese Vielfalt feiern“, freut sich Maryanne Redpath. Und weil der chinesische Jahreswechsel mitten in die Berlinale fällt, versprechen besonders die Weltpremieren vonEchoes of the Rainbow von Alex Law und Dooman River von Zhang Lu ein festliches neues Jahr.
Das Programm von Generation umfasst 28 Langfilme (darunter zehn Weltpremieren und fünf Internationale Premieren) und 28 Kurzfilme aus 31 Ländern:
Generation Kplus - Spielfilme
Alamar von Pedro González-Rubio, Mexiko 2009
Bestevenner (Rafiki) von Christian Lo, Norwegen 2009 (IP)
Boy von Taika Waititi, Neuseeland 2010
Iep! (Eep!) von Ellen Smit, Niederlande/Belgien 2009 (WP)
Knerten von Åsleik Engmark, Norwegen 2009 (IP)
La Pivellina von Tizza Covi & Rainer Frimmel, Österreich/Italien 2009
Shui Yuet Sun Tau (Echoes of the Rainbow) von Alex Law, Hongkong, China 2009 (WP)
Sukunsa viimeinen (Last of the Line) von Anastasia Lapsui & Markku Lehmuskallio, Finnland 2010 (WP)
Superbror (Superbrother) von Birger Larsen, Dänemark 2009 (IP)
Susa von Rusudan Pirveli, Georgien 2010
This Way of Life von Thomas Burstyn, Neuseeland/Kanada 2009 (IP)
Uchū Show e Yōkoso (Welcome to THE SPACE SHOW) von Koji Masunari, Japan 2009 (WP)
Yeo-haeng-ja (A Brand New Life) von Ounie Lecomte, Republik
Yuki & Nina von Nobuhiro Suwa & Hippolyte Girardot, Frankreich/Japan 2009
Generation Kplus – Kurzfilme
Apollo von Felix Gönnert, Deutschland 2010
Avós (Grandmothers) von Michael Wahrmann, Brasilien 2009
Burvīga diena (Wonderful Day) von Nils Skapāns, Lettland 2010
Derevo Detstva (Childhood Mystery Tree) von Natalia Mirzoyan, Russische Föderation 2009
Drona & ik (Drona & me) von Catherine van Campen, Niederlande 2009
Fløjteløs (Whistleless) von Siri Melchior, Dänemark/Großbritannien/Schweden 2009
Franswa Sharl von Hannah Hilliard, Australien 2009
I-Do-Air von Martina Amati, Großbritannien 2009
Indigo von Jack Price, Großbritannien 2009
Jacco’s Film von Daan Bakker, Niederlande 2009
Kozya Hatka (Goat’s House) von Marina Karpova, Russische Föderation 2009
Masala Mama von Michael Kam, Singapur 2009
Munaralli (The Egg Race) von Kaisa Penttilä, Finnland 2009
Sinna Mann (Angry Man) von Anita Killi, Norwegen 2009
Sol skin (Sun shine) von Alice de Champfleury, Dänemark 2009
The Six Dollar Fifty Man von Mark Albiston & Louis Sutherland, Neuseeland 2009
Generation 14plus - Spielfilme
Bran Nue Dae von Rachel Perkins, Australien 2009
Dooman River von Zhang Lu, Republik Korea/Frankreich 2009 (WP)
Gentlemen Broncos von Jared Hess, USA 2009
Joy von Mijke de Jong, Niederlande 2010 (WP)
Les Nuits de Sister Welsh (Sister Welsh’s Nights) von Jean-Claude Janer, Frankreich 2009 (WP)
Neukölln Unlimited von Agostino Imondi & Dietmar Ratsch, Deutschland 2009 (WP)
Os famosos e os duendes da morte (The Famous And The Dead) von Esmir Filho, Brasilien/Frankreich 2009
Retratos en un mar de mentiras (Portraits In A Sea Of Lies) von Carlos Gaviria, Kolumbien 2009 (WP)
Road, Movie von Dev Benegal, Indien/USA 2009
Sebbe von Babak Najafi, Schweden 2010 (IP)
SUMMER WARS von Mamoru Hosoda, Japan 2009
Te extraño (I Miss You) von Fabián Hofman, Mexiko/Argentinien 2010 (WP)
Vihir (The Well) von Umesh Vinayak Kulkarni, Indien 2009
Youth in Revolt von Miguel Arteta, USA 2009
Generation 14plus – Kurzfilme
Älä kuiskaa ystävän suuhun (Whispering in a Friend’s Mouth) von Hannaleena Hauru, Finnland 2009
Az Bad Beporsid (Ask The Wind) von Batin
Corduroy von Hugh O’Conor, Irland 2009
I’m Here von Spike Jonze, USA 2010
Juzipi de wendu (The Warmth Of Orange Peel) von Huang Ji, Volksrepublik China 2009
Megaheavy von Fenar Ahmad, Dänemark 2009
Mi otra mitad (My Other Half) von Beatriz M. Sanchís, Spanien 2009
Ønskebørn (Out of Love) von Brigitte Stærmose, Dänemark 2009
Poi Dogs von Joel Moffett, USA 2009
Redemption von Katie Wolfe, Neuseeland 2010
Siemiany von Philip James McGoldrick, Belgien 2009
Zero von Leo Woodhead, Neuseeland 2010
Aus über 2600 Kurzfilm-Einreichungen werden in fünf Programmen 25 Filme aus 15 Ländern im Wettbewerb präsentiert, die um den Goldenen Bären, die Nominierung für den European Film Academy Kurzfilm 2010 und das DAAD Stipendium konkurrieren. Darüber hinaus wird Akai Mori no Uta (The Song of Red Forest) von Akihito Izuhara aus Japan außer Konkurrenz gezeigt: eine Animation, in der zwei mystische Wesen über den Zustand der Welt singen.
Neben Filmen aus u.a. Peru, Südafrika, Italien und Korea ist die Spannbreite von Produktionen aus Rumänien beeindruckend, erstmals ist aus Osteuropa auch Kroatien vertreten, mit Zvonimir Jurićs Žuti mjesec (Yellow Moon).
Berlinale Shorts hat sich etabliert als Ort für Künstler und Filmemacher, wo das Experiment und der Mut einen Raum haben. Nicolas Provost aus Belgien ist mit Long Live the New Fleshvertreten und wird parallel in der Galerie Haunch of Venison in Berlin seine Arbeiten präsentieren. Shelly Silver zeigt den experimentellen Film 5 Lessons and 9 Questions about
Daniel Nocke, Drehbuchautor und Filmemacher, erforscht mit 12 Jahre den Kern einer Beziehung. In dem Dokumentarfilm Geliebt widmet sich Jan Soldat der Frage, welche Rolle Tiere spielen können, wenn der Mensch unfähig ist, einen anderen Menschen zu lieben.
2010 bietet Berlinale Shorts zum ersten Mal die Möglichkeit, sich über die herausfordernden Filme des Programms auseinander zu setzen: Mit „Berlinale Shorts goes Arsenal“ gibt es an drei Tagen Filmgespräche im Kino Arsenal.
Anlässlich des 60. Jubiläums der Berlinale präsentiert Berlinale Shorts im Rahmen der Retrospektive PLAY IT AGAIN …! zwei Kurzfilm-Programme: PLAY IT … SHORT! |1 & PLAY IT … SHORT! |2. Als der Neue Deutsche Film mit Regisseuren wie Fassbinder, Herzog und Kluge in den 1970er Jahren weltweit für Furore sorgte, gab es in der BRD „anteilsmäßig mehr weibliche Filmemacher als in irgendeinem anderen filmproduzierenden Land“ wie der Filmwissenschaftler Thomas Elsässer 1985 schrieb. Dies spiegelte sich auch im Festival wider. Den Anfang macht Geschichten vom Kübelkind, Episode 17: „Niedrig gilt das Geld auf dieser Erde“ aus dem Jahr 1971 von Ula Stöckl mit dem diesjährigen Jurypräsidenten Werner Herzog in der Hauptrolle. Weiter im Programm ist u.a.: Pia Frankenberg, die mit Der Anschlag 1983 einen Publikumserfolg feierte. Eine Entdeckung sind die Filmperlen von Hedda Rinneberg und Hans Sachs, die als Kollektiv über die Jahre mit Filmen im Festival vertreten waren. 1977 gewannen sie mit Ortsfremd den Goldenen Bären. Helke Sander erhielt 1985 für Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste – Nr.1 den Goldenen Bären. Birgit Durban, Archivleiterin von bildwechsel, wird in die Programme einführen.
Jury
Die diesjährige internationale Kurzfilmjury besteht aus der brasilianischen Festivalleiterin und Produzentin Zita Carvalhosa, dem Autor und Spex-Chefredakteur Max Dax sowie dempolnischen Regisseur Xavery Żuławksi. Die Preisverleihung von Berlinale Shorts wird am 16. Februar im CinemaxX 3 stattfinden.
Zita Carvalhosa / Brasilien
Die Gründerin und Leiterin des São Paulo International Short Film Festivals ist auch als Produzentin erfolgreich. Die Geschäftsführerin der brasilianischen Superfilmes brachte unter anderem das Drama A Casa de Alice (Alice's House, Panorama 2007) in die Kinos. 2009 produzierte und inszenierte sie das Tela Digital Video Festival, einen Kurzfilmwettbewerb für Film, TV und neue Medien. Zita Carvalhosa ist auch als Filmkuratorin und Herausgeberin tätig.
Max Dax / Deutschland
Als Chefredakteur des Popkulturmagazins Spex ist Max Dax ein Kenner der Jugend- und Popkulturen. Er war mehrere Jahre lang Chefredakteur der Interview-Zeitschrift Alert und ist Autor mehrerer Bücher. Zu seinen Veröffentlichungen zählen eine Biographie über Nick Cave und eine Geschichte der Band Einstürzende Neubauten. Max Dax hat außerdem die CD-Compilation „Il Canto di Malavita - La Musica della Mafia“ produziert.
Xavery Żuławksi / Polen
Der Absolvent der Filmhochschule in Lodz erhielt 2006 für seinen Erstlingsfilm Chaos den Preis als Best Debut Director beim Polnischen Film Festival in Gdynia. Sein nächster Film Wojna polsko-ruska (Schneeweiß & Russenrot) wurde zu einem großen Kassenerfolg in Polen. Żuławski, Sohn des polnischen Meisterregisseurs Andrej Żuławski, gilt bereits als wichtige Stimme des jungen polnischen Kinos.
Berlinale Shorts Programm:
I/ ca. 82' + Einführungen
Aramaki, Isamu Hirabayashi, Japan, 26' (WP)
Akai Mori no Uta, Akihito Izuhara, Japan, 6' (außer Konkurrenz)
Žuti mjesec, Zvonimir Jurić, Kroatien, 16'
In the Air, Liza Johnson,
Giardini di Luce, Davide Pepe & Lucia Pepe, Italien, 12'
II/ ca. 74' + Einführungen
Paradise Later, Ascan Breuer, Österreich, 13'
A
Suhaksihum, Jung Yumi, Republik Korea, 2' (WP)
El segundo Amanecer de la Ceguera, Mauricio Franco Tosso,
Long Live the New Flesh, Nicolas Provost, Belgien, 15' (WP)
III/ ca. 79' + Einführungen
5 Lessons and 9 Questions about Chinatown, Shelly Silver,
Wo ich bin ist oben, Bettina Schöller, BRD, 18' (WP)
Out in that
Hayerida, Shai Miedzinsi, Israel, 20'
Geliebt, Jan Soldat, BRD, 15' (WP)
IV/ ca. 84' + Einführungen
Nachalnik, Yuriy Bykov, Russische Föderation, 20'
Händelse Vid Bank, Ruben Östlund, Schweden, 12' (WP)
Photos of God, Paul Wright, Großbritannien, 28' (WP)
Ich muss mich künstlerisch gesehen regenerieren, Ute Schall & Christine Groß, BRD, 20' (WP)
12 Jahre, Daniel Nocke, BRD, 4' (WP)
V/ ca. 89' + Einführungen
The Tunnel, Jenna Bass, Südafrika, 25'
Tussilago, Jonas Odell, Schweden, 15'
Venus vs Me, Nathalie Teirlinck, Belgien, 26'
Colivia, Adrian Sitaru, Rumänien/Niederlande, 17' (WP)
Unplay, Joanna Rytel, Schweden, 6' (WP)
PLAY IT … SHORT! |1 / ca. 66’
Geschichten vom Kübelkind, Episode 17: „Niedrig gilt das Geld auf dieser Erde“, Ula Stöckl, 1971, 17'
Zum Glück gibt's kein Patent, Monika Funke-Stern, 1985, 15'
SSZZZTTT, Wilma Kottusch, 1986, 10'
Soldaten, Soldaten, Elfi Mikesch, 1994,14'
Annie, Monika Treut, 1990, 10'
PLAY IT … SHORT! |2 / ca.74’
Die Lösung, Sieglinde Hamacher, 1989, 4'
Der Anschlag, Pia Frankenberg, 1983, 11'
Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste – Nr.1, Helke Sander, 1985, 10'
Ortsfremd … wohnhaft vormals Mainzerlandstraße, Hedda Rinneberg und Hans Sachs, 1971, 12'
Parachute, Sabine Eckhardt, 1986,13'
Chloé, Angie Welz-Rommel,1985, 8'
Camilla Horn sieht sich als Gretchen in Murnaus Stummfilm FAUST, Hedda Rinneberg und Hans Sachs, 1982, 16'
An diesem Wochenende hätte Rio Reiser (1950 - 1996) seinen 60. Geburtstag feiern können. Die Party zu Ehren des Frontmanns der legendären Ton, Steine, Scherben wäre bestimmt spannend geworden! Wie hätten ihn wohl langjährige Weggefährten, z.B. die ehemalige Tourmanagerin der Band und heutige Bundesvorsitzende von BÜNDNIS ´90/DIE GRÜNEN, Claudia Roth, gewürdigt? Welche neuen Songs wären ihm zu den Themen Mietsteigerung, Gentrifizierung und brennende Autos in Kreuzberg eingefallen?
Leider wird das nur Phantasie bleiben: wir müssen uns mit der Hommage begnügen, die das Deutsche Theater Berlin für den Ausnahme - Musiker ausrichtete. Das Große Haus wurde zum Konzertsaal umfunktioniert und der Hamburger Musiker Jan Plewka mit seiner Band Schwarz - Rote Heilsarmee performten die bekanntesten Lieder aus den 1970er und 1980er Jahren. Das meist ergraute Publikum wippte dazu nostalgisch im Takt.
Den Künstlern gelang es sehr gut, die gesamte Bandbreite des Schaffens von Rio Reiser widerzuspiegeln: Seine Sehnsuchts- und Liebeskummerliedern wie Junimond oder Für immer und dich wechselten sich mit kämpferischen Abrechnungen mit der Politik des damaligen West - Berliner Senats im Konflikt die Hausbesetzerszene im Rauch - Haus - Song oder dem Klassiker anarchistischer Demos Macht kaputt, was euch kaputt macht!, dessen Refrain von vielen im Publikum lauthals mitgesungen wurde.
Etwas aufgesetzt wirkten allerdings die Posen des Sängers Jan Plewka, der z.B. eine Frau auf die Bühne bat, sie zu Boden zog und küsste. Ob es Rio Reiser gefallen hätte, als die Zuschauerin überrascht mit den Händen ruderte, den Künstler über sich? Ziemlich sicher nicht!
Alte und neue Meister sowie Neuentdeckungen bestimmen zum Geburtstag der Berlinale das Programm der Sektion Panorama. Neben den Regisseuren Lothar Lambert und Peter Kern melden sich auch das Regiepaar Jacques Martineau und Olivier Ducastel ebenso wie Isao Yukisada, E J-Yong und Sébastien Lifshitz mit ihren neuen Werken zurück. Der junge Spielfilm wird von Mat Whitecross, Anahí Berneri und Scud repräsentiert - Lucy Walker, Tamara Trampe/Johann Feindt und Michael Stock stehen für eindrucksvolle Panorama Dokumente.
Nach Auswahlreisen durch Asien, Nord- und Südamerika sowie Europa steht inzwischen die Hälfte der insgesamt 50 Filme fest. Sie bieten einen lebendigen Einblick in das Weltkino-Schaffen zur Zeit der Krise und auch 2010 bestätigt sich, dass der Dokumentarfilm weiter stark bleibt: er stellt etwa ein Drittel des Programms. Das Kinoprogramm der kommenden Arthouse-Saison zu entdecken und den Markt zu inspirieren, ist originäre Aufgabe des Panoramas.
Alle Filme werden als Weltpremieren oder Europa-Premieren präsentiert. Bislang wurden folgende Filme für Hauptprogramm, Panorama Special und Panorama Dokumente ausgewählt:
HAUPTPROGRAMM + PANORAMA SPECIAL
Amphetamine von Scud, Hongkong, China (WP)
mit Thomas Price, Byron Pang, Winnie Leung
Besouro von João Daniel Tikhomiroff, Brasilien
mit Aílton Carmo, Jessica Barbosa, Anderson Santos de Jesus, Flávio Rocha, Irandhir Santos
Blutsfreundschaft (Initiation) von Peter Kern, Österreich
mit Helmut Berger, Harry Lampl, Melanie Kretschmann, Michael Steinocher, Manuel Rubey, Matthias Franz Stein, Oliver Rosskopf, Heribert Sasse, Gregor Seberg
El mal ajeno von Oskar Santos, Spanien (WP)
mit Eduardo Noriega, Belén Rueda, Angie Cepeda, Cristina Plazas, Clara Lago
Golden Slumber von Yoshihiro Nakamura, Japan
mit Masato Sakai, Yuko Takeuchi, Hidetaka Yoshioka, Gekidan Hitori, Nao Omori, Sango Kitamura
Just Another Love Story von Kaushik Ganguly, Rituparno Ghosh, Indien (WP)
mit Rituparno Ghosh, Indraneel Sengupta, Chapal Bhaduri, Raima Sen, Jisshu Sengupta
Kawasakiho růže (Kawasaki's Rose) von Jan Hřebejk, Tschechische Republik (WP)
mit Daniela Kolářová, Martin Huba, Lenka Vlasákova, Milan Mikulčík
Kosmos von Reha Erdem, Türkei/Bulgarien
mit Sermet Yeşil, Türkü Turan, Hakan Altuntaş, Sabahat Doğanyılmaz, Korel Kubilay
L'arbre et la forêt (Family Tree) von Olivier Ducastel, Jacques Martineau, Frankreich (WP)
mit Guy Marchand, Françoise Fabian, Sabrina Seyvecou, Yannick Renier
Nacidas para sufrir (Born To Suffer) von Miguel Albaladejo, Spanien
mit Adriana Ozores, Petra Martinez, Malena Alterio, Ricard Borrás, Jorge Calvo, Marta Fernández Muro, Maria Elena Flores
Parade von Isao Yukisada, Japan
mit Tatsuya Fujiwara, Karina, Shihori Kanjiya, Kento Hayashi, Keisuke Koide
Phobidilia von Doron Paz, Yoav Paz, Israel
mit Ofer Shechter, Efrat Baumwald, Shlomo Bar Shavit, Efrat Dor
Plein sud (Going South) von Sébastien Lifshitz, Frankreich
mit Yannick Renier, Léa Seydoux, Nicole Garcia, Théo Frilet, Pierre Périer
Por tu culpa (It's Your Fault) von Anahí Berneri, Argentinien/Frankreich (WP)
mit Erica Rivas, Ruben Viani, Nicasio Galán, Zenón Galán, Osmar Núñez
Sex & Drugs & Rock & Roll von Mat Whitecross, Großbritannien
mit Andy Serkis, Naomie Harris, Olivia Williams, Bill Milner, Tom Hughes
Son Of Babylon von Mohamed Al-Daradji, Irak/Großbritannien/Frankreich/Vereinigte Arabische Emirate/Niederlande/Ägypten/Palästinensische Gebiete
mit Yassir Talib, Shazada Hussein, Bashir Al-Majid
The Man Who Sold The World von Swel Noury, Imad Noury, Marokko
mit Said Bey, Fehd Benchemsi, Audrey Marnay, Latifa Ahrrare, Hakim Noury
Yeobaewoodle (The Actresses) von E J-Yong, Republik Korea
mit Yoon Yeo-jeong, Lee Mi-sook, Ko Hyun-joung, Choi Ji-woo, Kim Ok-vin, Kim Min-hee
PANORAMA DOKUMENTE
Alle meine Stehaufmädchen - Von Frauen, die sich was trauen
(All My Tumbler Girls Or All About Women Who Dare To...)
von Lothar Lambert, Deutschland (WP)
Beautiful Darling: The Life And Times Of Candy Darling, Andy Warhol Superstar von James Rasin, USA (WP)
Hazman havarod (Gay Days) von Yair Qedar, Israel
Making The Boys von Crayton Robey, USA (WP)
mit Mart Crowley, Edward Albee, Tony Kushner, Terrence McNally, Dominic Dunne, William Friedkin, Robert Wagner
Postcard To Daddy von Michael Stock, Deutschland (WP)
Waste Land von Lucy Walker, Co-Regisseure: João Jardim, Karen Harley, Großbritannien/Brasilien
Wiegenlieder (Lullaby) von Tamara Trampe, Johann Feindt, Deutschland (WP)
mit Detlef Jablonski, Helmut Oehring, Santos, Apti Bisultanov, Jocelyn B. Smith
Seit Jahren ist Jürgen Kuttners Videoschnipselvortrag Von Mainz bis an die Memel eine feste Institution im Spielplan der Berliner Volksbühne.
Wenn sich der langjährige Radiomoderator durch seine langen Assoziationsketten in hektischem Schnellfeuerstaccato berlinert, ist das Theater fast immer ausverkauft. Ganz so wie es am Rosa - Luxemburg - Platz in den goldenen Zeiten des Volksbühnen - Hypes, als Castorf, Schlingensief und Marthaler im Nach - Wende - Berlin als Theatererneuerer gefeiert wurden, an der Tagesordnung war.
In seiner neuesten Auflage widmete sich Kuttner einem eher unpolitischen Thema: Er grub in den Archiven des ost- und westdeutschen Fernsehens nach alten Aufzeichnungen aus Schlagersendungen. Die unfreiwillig komische Spießigkeit einiger Moderationen aus den 50ern und 60ern wurde mit viel Gelächter quittiert, die verfeindeten Lager im Kalten Krieg schenkten sich in puncto Biederkeit und missglückter Auftritte weg.
Traditionell leitet Jürgen Kuttner jeden Schnipsel mit einer ausufernden Vorbemerkung ein: Obwohl der Clip oft nur 1 - 2 Minuten dauert, verheddert sich der Moderator schon mal in Gedankensprüngen, die ein Vielfaches an Zeit brachen. Zwangsläufig sitzt nicht jede Pointe, manchmal ist es schlicht banal, aber gerade das macht wohl auch den Kultfaktor für sein meist junges Stammpublikum aus.
Ab und zu gibt es aber auch gelungene kleine Kabinettstückchen, z.B. wenn Kuttner einen Auftritt von Karel Gott in Dieter Thomas Hecks ZDF - Hitparade auf seine theologischen Bezüge abklopft oder ein solches Juwel wie ein aus dem Ruder laufendes Publikumsgespräch zwischen Udo Jürgens und einem Werkzeugmacher kommentiert, der die Texte des Schlagersängers auseinandernahm. Der Schlusspunkt seines Vortrags war - wie immer - der Wahlkampfspot aus den Kindertagen der Grünen, als sich Joseph Beuys durch das Lied Wir wollen Sonne statt Reagan dilettierte.
Alles in allem war dies wieder ein typischer Kuttner - Abend, der mit seinen Schwächen und versandenden Pointen kokettierte und doch oft genug amüsante, schräge Sichtweisen auf Archivbilder aufzeigte.
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