Die Zukunft des Journalismus
Tom Rosenstiel spricht über die Stärken und Schwächen von Journalismus im Internet. Er fordert eine Debatte über die Werte des traditionellen Journalismus und setzt sich für einen Perspektivenwechsel ein. Unbedingt sehenswert!
Tom Rosenstiel, Director of Pew Research Center's Project for Excellence in Journalism, on the Future of News at Minnesota Public Radio. Recorded November 16, 2009. (Youtube Video)
Tom Rosenstiel, Director of Pew Research Center's Project for Excellence in Journalism, on the Future of News at Minnesota Public Radio. Recorded November 16, 2009. (Youtube Video)
Geschrieben am 25.11.2009 um 11:04 von /e-politik.de/
in Qualitätsjournalismus im Internet -
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Journalismus im Internet
"Ergänzung statt Konkurrenz" - auf diese knappe Formel lassen sich die Ergebnisse einer Studie über "Journalismus im Internet" bringen, die am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster durchgeführt wurde.
Wird der Journalismus im Internet überflüssig? Bisher haben die Redaktionen von Presse und Rundfunk alleine darüber entschieden, welche Nachrichten veröffentlicht werden. Durch Weblogs, Twitter und soziale Netzwerke hat nun jeder einen Zugang zur Öffentlichkeit. Wie das offene Medium Internet den Journalismus verändert, ist in dem zweijährigen Forschungsprojekt am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster untersucht worden.
Im Rahmen der Studie wurden 183 Internetredaktionen aus Deutschland befragt. Damit haben sich 44 Prozent aller ermittelten Redaktionen an der Erhebung beteiligt. Zuvor wurden rund 1.200 Internetangebote inhaltsanalytisch ausgewertet.
Die erweiterte Partizipation ist nur ein Merkmal des Internets, das den Journalismus beeinflusst. "Technisierung" lautet ein anderes Stichwort: Google News und andere Suchmaschinen haben die Nachrichtenauswahl automatisiert. Die Ergebnisse der Studie lassen allerdings vermuten, dass weder partizipative noch technische Angebote den beruflich ausgeübten Journalismus verdrängen.
"Ergänzung statt Konkurrenz" - auf diese Formel lassen sich die Ergebnisse der Studie bringen. Im Kernbereich des Internetjournalismus dominieren nach wie vor die Online-Angebote der traditionellen Massenmedien. Nur wenige partizipative Angebote erfüllen journalistische Mindestanforderungen. Weblogs und Nutzerplattformen stellen insgesamt lediglich fünf Prozent der als journalistisch identifizierten Internetangebote. Auch die Zahl der Nachrichtensuchmaschinen, Portale und weiteren Nur-Internetangebote ist hier noch überschaubar.
"Weblogs und Redaktionen beobachten sich gegenseitig, sie übernehmen Themen und kommentieren einander", beschreibt Prof. Dr. Christoph Neuberger, der Leiter des Forschungsprojekts, die Beziehung. So ließ sich nachweisen, dass rund drei Viertel der Internetredaktionen in Weblogs recherchieren, sie suchen vor allem nach Themenideen. 99 Prozent der Redaktionen nutzen die Enzyklopädie Wikipedia, und zwar in erster Linie als Nachschlagewerk (83 Prozent). Ihre Zuverlässigkeit schätzen sie als hoch ein.
Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Studie ergab, dass viele Redaktionen mit den Möglichkeiten der Nutzerbeteiligung experimentieren. So gestatten zwei Fünftel der befragten Anbieter ihren Nutzern, redaktionelle Beiträge zu kommentieren. Auch "Web 2.0"-Anwendungen werden in das Angebot integriert: 55 Prozent der Angebote verfügen über Weblogs, Videoblogs oder Podcasts. Differenziert ermittelt wurde, in welchem Maße das technische Potenzial des Internets bei der Gestaltung der Internetangebote ausgeschöpft wird. Erforscht wurde auch, welche Konsequenzen die Nutzerbeteiligung hat.
Die Projektergebnisse zeigen, dass im Internet Marktgrenzen weiter gezogen werden als in den traditionellen Medien. Für Tageszeitungen, Publikumszeitschriften und Rundfunkanbieter stammen die wichtigsten Konkurrenten überwiegend nicht mehr aus dem Ursprungsmarkt. Auch im Internet setzen Qualitätsmedien die Maßstäbe: "Spiegel Online" wird von 61 Prozent der Befragten als Vorbild für die eigene Arbeit angegeben.
Zwar droht der professionelle Journalismus durch die neuen Anbieter im Internet nicht ersetzt zu werden, dennoch hat er ein gravierendes Problem: Werbekunden und Leser wandern ins Internet ab. Journalistische Websites erzielen hohe Reichweiten, aber das Publikum zeigt bisher keine Zahlungsbereitschaft. Vor allem die Tageszeitungen spüren den Wettbewerbsdruck, der vom Internet ausgeht. Der Journalismus, diesen Schluss lassen die Ergebnisse zu, gerät dadurch in ein Dilemma: Einerseits muss er sich im Internet engagieren, andererseits fehlt ihm dort ein Geschäftsmodell.
Das Forschungsprojekt "Journalismus im Internet" (Laufzeit: 2006-2008) wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Die Leitung hatte Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als wissenschaftliche Mitarbeiter waren Christian Nuernbergk und Melanie Rischke an der Studie beteiligt. Das zum Projektabschluss erscheinende Buch "Journalismus im Internet" (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden) umfasst neben den Ergebnissen des DFG-Projekts auch Gastbeiträge zum Thema, darunter eine auf Internetjournalisten bezogene Sonderauswertung der repräsentativen Befragung "Journalismus in Deutschland II".
Quelle: idw
Wird der Journalismus im Internet überflüssig? Bisher haben die Redaktionen von Presse und Rundfunk alleine darüber entschieden, welche Nachrichten veröffentlicht werden. Durch Weblogs, Twitter und soziale Netzwerke hat nun jeder einen Zugang zur Öffentlichkeit. Wie das offene Medium Internet den Journalismus verändert, ist in dem zweijährigen Forschungsprojekt am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster untersucht worden.
Im Rahmen der Studie wurden 183 Internetredaktionen aus Deutschland befragt. Damit haben sich 44 Prozent aller ermittelten Redaktionen an der Erhebung beteiligt. Zuvor wurden rund 1.200 Internetangebote inhaltsanalytisch ausgewertet.
Die erweiterte Partizipation ist nur ein Merkmal des Internets, das den Journalismus beeinflusst. "Technisierung" lautet ein anderes Stichwort: Google News und andere Suchmaschinen haben die Nachrichtenauswahl automatisiert. Die Ergebnisse der Studie lassen allerdings vermuten, dass weder partizipative noch technische Angebote den beruflich ausgeübten Journalismus verdrängen.
"Ergänzung statt Konkurrenz" - auf diese Formel lassen sich die Ergebnisse der Studie bringen. Im Kernbereich des Internetjournalismus dominieren nach wie vor die Online-Angebote der traditionellen Massenmedien. Nur wenige partizipative Angebote erfüllen journalistische Mindestanforderungen. Weblogs und Nutzerplattformen stellen insgesamt lediglich fünf Prozent der als journalistisch identifizierten Internetangebote. Auch die Zahl der Nachrichtensuchmaschinen, Portale und weiteren Nur-Internetangebote ist hier noch überschaubar.
"Weblogs und Redaktionen beobachten sich gegenseitig, sie übernehmen Themen und kommentieren einander", beschreibt Prof. Dr. Christoph Neuberger, der Leiter des Forschungsprojekts, die Beziehung. So ließ sich nachweisen, dass rund drei Viertel der Internetredaktionen in Weblogs recherchieren, sie suchen vor allem nach Themenideen. 99 Prozent der Redaktionen nutzen die Enzyklopädie Wikipedia, und zwar in erster Linie als Nachschlagewerk (83 Prozent). Ihre Zuverlässigkeit schätzen sie als hoch ein.
Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Studie ergab, dass viele Redaktionen mit den Möglichkeiten der Nutzerbeteiligung experimentieren. So gestatten zwei Fünftel der befragten Anbieter ihren Nutzern, redaktionelle Beiträge zu kommentieren. Auch "Web 2.0"-Anwendungen werden in das Angebot integriert: 55 Prozent der Angebote verfügen über Weblogs, Videoblogs oder Podcasts. Differenziert ermittelt wurde, in welchem Maße das technische Potenzial des Internets bei der Gestaltung der Internetangebote ausgeschöpft wird. Erforscht wurde auch, welche Konsequenzen die Nutzerbeteiligung hat.
Die Projektergebnisse zeigen, dass im Internet Marktgrenzen weiter gezogen werden als in den traditionellen Medien. Für Tageszeitungen, Publikumszeitschriften und Rundfunkanbieter stammen die wichtigsten Konkurrenten überwiegend nicht mehr aus dem Ursprungsmarkt. Auch im Internet setzen Qualitätsmedien die Maßstäbe: "Spiegel Online" wird von 61 Prozent der Befragten als Vorbild für die eigene Arbeit angegeben.
Zwar droht der professionelle Journalismus durch die neuen Anbieter im Internet nicht ersetzt zu werden, dennoch hat er ein gravierendes Problem: Werbekunden und Leser wandern ins Internet ab. Journalistische Websites erzielen hohe Reichweiten, aber das Publikum zeigt bisher keine Zahlungsbereitschaft. Vor allem die Tageszeitungen spüren den Wettbewerbsdruck, der vom Internet ausgeht. Der Journalismus, diesen Schluss lassen die Ergebnisse zu, gerät dadurch in ein Dilemma: Einerseits muss er sich im Internet engagieren, andererseits fehlt ihm dort ein Geschäftsmodell.
Das Forschungsprojekt "Journalismus im Internet" (Laufzeit: 2006-2008) wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Die Leitung hatte Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als wissenschaftliche Mitarbeiter waren Christian Nuernbergk und Melanie Rischke an der Studie beteiligt. Das zum Projektabschluss erscheinende Buch "Journalismus im Internet" (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden) umfasst neben den Ergebnissen des DFG-Projekts auch Gastbeiträge zum Thema, darunter eine auf Internetjournalisten bezogene Sonderauswertung der repräsentativen Befragung "Journalismus in Deutschland II".
Quelle: idw
Geschrieben am 23.04.2009 um 09:53 von /e-politik.de/
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Ist Qualitätsjournalismus im Internet nicht finanzierbar?
Dr. Robert Mayer-Lucht (u.a. Carta.info) interviewte den Journalisten Markus Peichl am Rande der LeadAwards-Jurysitzung Ende Januar. In dem Interview äussert sich Peichl (zu Recht) eher skeptisch zu der Frage der möglichen Refinanzierung von Qualitätsjournalismus im Internet. Auch er sieht bisher kaum Modelle der reinen Finanzierung nur durch Content.
Markus Peichl: "Ich bin skeptisch, was Modelle für den Qualitätsjournalismus im Netz angeht." from Carta on Vimeo.
Peichl ist seit 2003 Redaktionsleiter und Producer der ARD-Talksendung Beckmann. Außerdem leitet er seit 2002 die LeadAcademy für Mediendesign, die sich für die Förderung von Qualität im Print- und Online-Markt einsetzt, und den LeadAward vergibt.
Markus Peichl: "Ich bin skeptisch, was Modelle für den Qualitätsjournalismus im Netz angeht." from Carta on Vimeo.
Peichl ist seit 2003 Redaktionsleiter und Producer der ARD-Talksendung Beckmann. Außerdem leitet er seit 2002 die LeadAcademy für Mediendesign, die sich für die Förderung von Qualität im Print- und Online-Markt einsetzt, und den LeadAward vergibt.
Geschrieben am 01.02.2009 um 14:51 von Christian Heise
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