Google: Datenkrake und Wardriver?

Ein typisches Google Street View Auto für die Aufnahmen (und mehr). Foto:Uri Sharf
Muss sich Google fragen lassen: Wie konnte sowas (dämliches) passieren? Und das gleich in doppelter Hinsicht: Wie kann ein Unternehmen, dass scheinbar einzig und allein das Thema Datenschutz aufhalten kann, auf die Idee kommen, erstens Daten von offenen Funknetzwerken faktisch auszuspähen und zweitens dann lapidar in der Tagesschau auftreten und von einem "Fehler" sprechen? Und auch wenn Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) in netzpolitischer Hinsicht bisher nicht immer adequat auf das Thema Datenschutz reagierte, ist ihr Unmut gegenueber dem Internetgiganten in diesem Fall vollkommen nachvollziehbar und richtig. Dieser hatte in einem Gespräch mit der Politikerin von einigen Wochen nochmals bekräftigt nur die SSID und MAC-Adresse der Funknetzwerke gesammelt zu haben. Google muss sich somit den Vorwurf der Lüge, mindestens aber der Unwissenheit gefallen lassen. Das Unernehmen scheint nicht immer darüber im Klaren zu sein, was seine Mitarbeiter tun und wie mit Daten (dem höchstem Gut) im eigenen Unternehmen umgegangen wird. Darüber hinaus wird zu klären sein, wie Google mit den Informationen umgegangen ist und welche Motivation hinter der Sammelwut der Street View Autos stand. Im offiziellen Blog von Google schiebt man das in diesem Fall auf die fälschliche Verwendung von Programmcode:
In 2006 an engineer working on an experimental WiFi project wrote a piece of code that sampled all categories of publicly broadcast WiFi data. A year later, when our mobile team started a project to collect basic WiFi network data like SSID information and MAC addresses using Google’s Street View cars, they included that code in their software—although the project leaders did not want, and had no intention of using, payload data.
Google hat sich damit für viele Datenschützer erstmal zum wahrscheinlich größten kommerziellen Wardriver gemacht. Auch wenn die rechtliche Situation bzgl. Wardriving in Deutschland nicht eindeutig geklärt ist, wäre eine strafrechtliche Verfolgung dennoch sehr interessant. Wenn man die Nutzung von offenen, privaten WLANs durch Google als unerlaubtes Abhören einer Funkanlage wertet, wäre das allerdings nach § 89 Telekommunikationsgesetz (TKG) klar verboten.
Dabei hatte man doch kürzlich erst begonnen einiges richtig zu machen und an dem Datenschutz-Thema zu arbeiten: Die Einführung des Google Dashboards zum Beispiel. Das in München entwickelte Produkt ermöglicht es jedem Nutzer, seine bei Google (unfreiwillig und ohne vorherige Ankündigung) gesammelten Daten zu entfernen. Das Team in München sollte sich dabei als eine Art Team für Datenschutz entwickeln. Darüber hinaus will man mit Collaboratory einen Multi-Stakeholder Dialog zum Thema Internet und Gesellschaft wagen. Doch dann dieser Gau.
Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen dieses "Fehlverhalten" auf Google insgesamt und Google Street View im Detail hat. Bleibt zu hoffen, dass Google in Zukunft weiter den Dialog sucht, offen aggiert und kommuniziert. Auch dieser Vorfall hat gezeigt, dass der Internetgigant nicht mehr um den ständigen Dialog herum kommt - aber auch noch nicht viel Erfahrung in dem Bereich mitbringt. In Bezug auf Google Street View zog man erstmal die Notbremse:
In addition, given the concerns raised, we have decided that it’s best to stop our Street View cars collecting WiFi network data entirely.
Eine einfache aber keine eloquente Lösung.
Gebührenfinanziertes Internet

Post von der GEZ: Schon mehr gezahlt? (Photo by: Zeitfixierer)
Sollte der Entwurf bei dem Treffen der Ministerpräsidenten am 12. Juni durchgewinkt werden, hat dies gewaltige Konsequenzen. Die Onlineredaktionen von ARD, ZDF und den Dritten verzerrten damit nicht nur die Marktbedingungen für die Wettbewerber im Printbereich, sondern ließen sich das auch noch vom Gebührenzahler finanzieren. Die nächste GEZ-Erhöhung auf 17,98 Euro gilt ab 2008. Noch können sich zwar Zeitungen, die im Lesermarkt beständig verlieren, mit ihren Internetauftritten aus den roten Zahlen retten. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage müssten aber um Nutzer bangen, die noch stärker als bisher zu den multimedial viel besser ausgerüsteten Angeboten von heute.de, tagesschau.de und dergleichen wechseln würden. Denn Live-Stream-Fernsehen können die Verlage nicht anbieten. Die Presse muss sich noch stärker gegen die subventionierte öffentlich-rechtliche Internetkonkurrenz wehren.
Pressesprecher rechnet ab

Scott McClellan bei seiner Verabschiedung durch Präsident Bush (Bildrechte: gemeinfrei)
"This document can not be delivered if you are from a developed country"
Jeder Student kennt die Zeit kurz vor Abgabe einer Arbeit. Das Papier schwebt wie Damokles Schwert über allem was man tut, scheint stündlich näher zu rücken. Da einem in diesen Fällen Halbwissen nur selten hilft, und der Dozent überdies mit vielen Fußnoten beeindruckt werden will, hilft keinem Studenten mehr die Bibliothek, sondern das Internet.
Die Suche nach einem Artikel zum Demokratisierungsprozess in Guatemala von S. Jonas per Google Scholar führte zur Webseite eines Projektes der John Hopkins Bloomberg School of Public Health und USAID (www.popline.org). Eine hervorragende Seite wenn die Zeit drängt, und Bücher wenig erfolgversprechend klingen. Anstatt jedoch Artikel frei herunterladen zu können, funktioniert das System derart, dass erst nach Angabe einiger persönlicher Details (mit Ausnahme der Schuhgröße eigentlich alles, inklusive des Zweckes der Anfrage) das Dokument innerhalb von maximal 3 Wochen zugesandt wird.
Soweit so gut, der ständig nahende Termin führte noch jeden Studenten zur Preisgabe seiner Privatsphäre, so auch hier. Name, Adresse, Verwendungszweck und Heimatland eingegeben, nur noch ein Klick bis der Prozess für den gesuchten Beitrag ins Rollen gebracht wird. Denkste. Ein neues Fenster taucht auf, mit der Nachricht: “This document can not be delivered if you are from a developed country“ – Wie bitte? Ja, in der Tat, nach Eingabe einiger interessanter Fantasiedetails und Wohnsitz in der Hauptstrasse von Addis Abeba läuft alles glatt. Warum nur? Verschwörungstheorien tauchen auf. Zuerst die für Idealisten: Vermutlich will das Projekt den ungleichen Zugang zu Bildung in der entwickelten und sich entwickelnden Ländern überbrücken. Das wäre schön. Für Verschwörungstheoretiker, und im vorliegenden Fall irgendwo auch naheliegend: Vielleicht hat da jemand kein Interesse, dass studentische oder sonstige „Muckraker“ sich mit den Fehlern liberaler Interventionen und dem notwendigerweise darauf Folgenden Demokratisierungsprozess zu beschäftigen. Fragt sich nur, wer daran kein Interesse haben könnte. Und der Autor wundert sich, ob er das Papier wohl jemals erhält, oder ob sich ein Bewohner der Hauptstrasse in Addis Abbeba darüber freuen kann.
Die Suche nach einem Artikel zum Demokratisierungsprozess in Guatemala von S. Jonas per Google Scholar führte zur Webseite eines Projektes der John Hopkins Bloomberg School of Public Health und USAID (www.popline.org). Eine hervorragende Seite wenn die Zeit drängt, und Bücher wenig erfolgversprechend klingen. Anstatt jedoch Artikel frei herunterladen zu können, funktioniert das System derart, dass erst nach Angabe einiger persönlicher Details (mit Ausnahme der Schuhgröße eigentlich alles, inklusive des Zweckes der Anfrage) das Dokument innerhalb von maximal 3 Wochen zugesandt wird.
Soweit so gut, der ständig nahende Termin führte noch jeden Studenten zur Preisgabe seiner Privatsphäre, so auch hier. Name, Adresse, Verwendungszweck und Heimatland eingegeben, nur noch ein Klick bis der Prozess für den gesuchten Beitrag ins Rollen gebracht wird. Denkste. Ein neues Fenster taucht auf, mit der Nachricht: “This document can not be delivered if you are from a developed country“ – Wie bitte? Ja, in der Tat, nach Eingabe einiger interessanter Fantasiedetails und Wohnsitz in der Hauptstrasse von Addis Abeba läuft alles glatt. Warum nur? Verschwörungstheorien tauchen auf. Zuerst die für Idealisten: Vermutlich will das Projekt den ungleichen Zugang zu Bildung in der entwickelten und sich entwickelnden Ländern überbrücken. Das wäre schön. Für Verschwörungstheoretiker, und im vorliegenden Fall irgendwo auch naheliegend: Vielleicht hat da jemand kein Interesse, dass studentische oder sonstige „Muckraker“ sich mit den Fehlern liberaler Interventionen und dem notwendigerweise darauf Folgenden Demokratisierungsprozess zu beschäftigen. Fragt sich nur, wer daran kein Interesse haben könnte. Und der Autor wundert sich, ob er das Papier wohl jemals erhält, oder ob sich ein Bewohner der Hauptstrasse in Addis Abbeba darüber freuen kann.
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