Maledivas neues Programm im tipi am Kanzleramt
Es ist bereits gute Tradition, dass das Berliner Chanson - Duo Malediva seine neuen Programme mit einem Heimspiel im tipi in unmittelbarer Nachbarschaft des Kanzleramts und des Reichstags vorstellt.
Der Titel Die fetten Jahre ließ auf den ersten Blick vermuten, dass sich Tetta Müller und Lo Malinke in Begleitung ihres Pianisten Florian Ludewig mit der allgemeinen Krisenstimmung auseinandersetzen.
Stattdessen beginnen die beiden Künstler, die auch außerhalb der Bühne ein Paar sind und seit 2001 in eingetragener Partnerschaft leben, sehr privat am Küchentisch. Bei diesem homosexuellen Bilderbuchpärchen aus dem Prenzlauer Berg geht es genau so gepflegt langweilig zu wie bei den Hetero - Familien nebenan: Befreundete Paare kommen zum Abendessen, man hat sich eigentlich nichts zu sagen, fühlt sich längst von einander angeödet. Aber man ist diesmal einfach dran. Diese Eröffnungsszenen sind wie aus einem der bissigen Lieder von Rainald Grebe über das Bionade - Bürgertum in den schickeren Berliner Bezirken entnommen.
Im Mittelteil nimmt der Abend langsam Fahrt auf. Die Lieder werden poetischer. Malediva singen über das Ver- und Entlieben, den Alltagstrott, den Streit und die Versöhnung: Mal melancholisch, mal witzig, mal mit bösen Seitenhieben.
Außerdem darf natürlich das permanente Zickenduell der beiden Diven nicht fehlen: Immer wieder kriegen sie sich in die Haare, sticheln über die Macken des Partners und die nervtötende Schwiegermutter.
Diese Passagen sind schon festes Ritual jedes ihrer Programme seit 1997. Diesmal wirkt aber vieles zu sehr mit dem Holzhammer. Der Dialogwitz war in früheren Programmen subtiler und auch einige Lieder erreichen nicht das Niveau früherer Abende. An die feinen Beobachtungen und poetischen Texte ihres vorigen Programms Ungeschminkt von 2008, mit dem sie noch regelmäßig im deutschen Sprachraum auftreten, können sie diesmal oft nicht mehr anknüpfen.
Stellenweise wird es auch richtig albern, so z.B. als sie minutenlang nur auf der Bühne herumsitzen und rauchen und zwischendurch die Raucher im Publikum nach dem Motto provozieren "Bäh, wir dürfen hier oben mit Sondergenehmigung auf der Bühne rauchen, und ihr nicht."
Malediva erreicht zwar diesmal nicht die gewohnte Klasse, bietet aber alles in allem doch nette Unterhaltung und einige schöne Chansons. In Berlin gastieren sie noch täglich bis zum 4.10., danach werden sie auf Tour gehen.
Weitere Informationen und Termine
Der Titel Die fetten Jahre ließ auf den ersten Blick vermuten, dass sich Tetta Müller und Lo Malinke in Begleitung ihres Pianisten Florian Ludewig mit der allgemeinen Krisenstimmung auseinandersetzen.
Stattdessen beginnen die beiden Künstler, die auch außerhalb der Bühne ein Paar sind und seit 2001 in eingetragener Partnerschaft leben, sehr privat am Küchentisch. Bei diesem homosexuellen Bilderbuchpärchen aus dem Prenzlauer Berg geht es genau so gepflegt langweilig zu wie bei den Hetero - Familien nebenan: Befreundete Paare kommen zum Abendessen, man hat sich eigentlich nichts zu sagen, fühlt sich längst von einander angeödet. Aber man ist diesmal einfach dran. Diese Eröffnungsszenen sind wie aus einem der bissigen Lieder von Rainald Grebe über das Bionade - Bürgertum in den schickeren Berliner Bezirken entnommen.
Im Mittelteil nimmt der Abend langsam Fahrt auf. Die Lieder werden poetischer. Malediva singen über das Ver- und Entlieben, den Alltagstrott, den Streit und die Versöhnung: Mal melancholisch, mal witzig, mal mit bösen Seitenhieben.
Außerdem darf natürlich das permanente Zickenduell der beiden Diven nicht fehlen: Immer wieder kriegen sie sich in die Haare, sticheln über die Macken des Partners und die nervtötende Schwiegermutter.
Diese Passagen sind schon festes Ritual jedes ihrer Programme seit 1997. Diesmal wirkt aber vieles zu sehr mit dem Holzhammer. Der Dialogwitz war in früheren Programmen subtiler und auch einige Lieder erreichen nicht das Niveau früherer Abende. An die feinen Beobachtungen und poetischen Texte ihres vorigen Programms Ungeschminkt von 2008, mit dem sie noch regelmäßig im deutschen Sprachraum auftreten, können sie diesmal oft nicht mehr anknüpfen.
Stellenweise wird es auch richtig albern, so z.B. als sie minutenlang nur auf der Bühne herumsitzen und rauchen und zwischendurch die Raucher im Publikum nach dem Motto provozieren "Bäh, wir dürfen hier oben mit Sondergenehmigung auf der Bühne rauchen, und ihr nicht."
Malediva erreicht zwar diesmal nicht die gewohnte Klasse, bietet aber alles in allem doch nette Unterhaltung und einige schöne Chansons. In Berlin gastieren sie noch täglich bis zum 4.10., danach werden sie auf Tour gehen.
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Geschrieben am 01.10.2009 um 16:49 von Konrad Kögler
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"Königin der Macht" im Berliner Mehringhoftheater
Reiner Kröhnert, einer der besten Parodisten unseres politischen Personals, gastiert diese Woche im Kreuzberger Mehringhoftheater.
Wer vom TV - Duell zwischen Merkel und Steinmeier gelangweilt ist, wird sicher bei den messerscharfen Beobachtungen und den vielen Pointen dieses knapp zweistündigen Stückes auf seine Kosten kommen. Alles beginnt mit anonymen Liebesbriefen, die unsere Kanzlerin aus der Fassung bringen und auch ihre engen Vertrauten Ronald Pofalla und Peter Hintze erröten lassen.
Temporeich springt der Abend zwischen zwei Strängen hin und her: Der liebestrunkenen Kanzlerin auf der Suche nach dem Verehrer und Wolfgang Schäuble als Kopf eines hochrangigen Krisenstabs, der die Kanzlerin aus dem Amt drängen will, da er über seine Abhörkameras Besorgnis Erregendes erfahren hat...
Für diesen Plan reaktiviert er zahlreiche politische Schwergewichte und altgediente Merkel - Gegner: Von Friedrich Merz über Edmund Stoiber bis hin zu den beiden Altkanzlern Kohl und Schröder.
Vor allem die Alphamännchen - Posen von Gerhard Schröder, sein hämisches Lachen und charakteristische Wendungen imitiert Reiner Kröhnert meisterhaft.
Fazit: Ein absolut empfehlenswerter Kabarettabend!
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Wer vom TV - Duell zwischen Merkel und Steinmeier gelangweilt ist, wird sicher bei den messerscharfen Beobachtungen und den vielen Pointen dieses knapp zweistündigen Stückes auf seine Kosten kommen. Alles beginnt mit anonymen Liebesbriefen, die unsere Kanzlerin aus der Fassung bringen und auch ihre engen Vertrauten Ronald Pofalla und Peter Hintze erröten lassen.
Temporeich springt der Abend zwischen zwei Strängen hin und her: Der liebestrunkenen Kanzlerin auf der Suche nach dem Verehrer und Wolfgang Schäuble als Kopf eines hochrangigen Krisenstabs, der die Kanzlerin aus dem Amt drängen will, da er über seine Abhörkameras Besorgnis Erregendes erfahren hat...
Für diesen Plan reaktiviert er zahlreiche politische Schwergewichte und altgediente Merkel - Gegner: Von Friedrich Merz über Edmund Stoiber bis hin zu den beiden Altkanzlern Kohl und Schröder.
Vor allem die Alphamännchen - Posen von Gerhard Schröder, sein hämisches Lachen und charakteristische Wendungen imitiert Reiner Kröhnert meisterhaft.
Fazit: Ein absolut empfehlenswerter Kabarettabend!
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Geschrieben am 10.09.2009 um 13:45 von Konrad Kögler
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Baal: Mirco Kreibich tobt über die Bühne in die Charité
Wer Mirco Kreibich in Caligula erlebt hat, weiß, dass dieser junge Schauspieler bis an die Schmerzgrenze geht.
Die Rolle des anarchistischen Künstlers Baal schien ihm deshalb wie auf den Leib geschrieben. In der ersten halben Stunde liefert er wieder eine Kostprobe seiner Bewegungsfreude: Er tobt über die Bühne, springt mehrmals aus dem Stand auf ein Podest und lässt sich von seinen Groupies als wildes Dichter - Genie feiern.
In einer seiner harmloseren Aktionen lässt der Schauspieler ein Glas auf dem Boden zerschellen. Seine Hand verfärbt sich rot. Für das Publikum sieht es nach künstlichem Theaterblut aus. Er murmelt etwas vor sich hin, räumt die Scherben weg und scheint noch ganz in seiner Titelrolle zu sein. Als die Hauptfigur von der Bühne verschwindet und das Licht im Zuschauerraum angeht, wird klar: Mirco Kreibich hat diesmal die Kontrolle verloren. Die Schnittwunde ist echt.
Michael Schweighöfer als alter Haudegen im Ensemble des Deutschen Theaters nimmt das Heft in die Hand, stellt sich in die Bühnenmitte und erzählt einige Kantinenanekdoten wie z.B. den peinlichsten Versprecher oder den schrillsten Abgang einer Kritikerin. Für einen Moment kommen noch mal Zweifel: Ist das alles Teil der Inszenierung? Immerhin handelt es sich bei dem Stück Baal um ein Frühwerk von Bertolt Brecht, der für sein Stilmittel des Verfremdungseffektes bekannt ist: Schauspieler treten aus ihrer Rolle heraus, wenden sich direkt ans Publikum und brechen damit die Handlung.
Als Franz Konstantin Beil kurz hinter dem Vorhang verschwindet und Michael Schweighöfer anschließend etwas ins Ohr flüstert, ist es Gewissheit: Die Schnittwunde des Hauptdarstellers ist so tief, dass er in die Charité eingeliefert und die Inszenierung abgebrochen werden muss.
Es ist symptomatisch, dass ein solcher Unfall ausgerechnet bei diesem Stück passiert: Baal kennt für sich keine Grenzen an und lebt seine Exzesse aus. Dementsprechend fordernd ist diese Rolle für den Hauptdarsteller. Die Kritiken nach den ersten Vorstellungen schrieben begeistert von einer nahezu artistischen Leistung von Mirco Kreibich, der springt, hüpft und tobt und dennoch seine Texte klar artikuliert, wo andere längst außer Atem wären.
Auch wenn die Verletzung hoffentlich nicht so gravierend ist, dass die weiteren Vorführungen dieser Spielzeit ausfallen müssen, wird Mirco Kreibich wahrscheinlich künftig zunächst mit angezogener Handbremse spielen und diese Inszenierung somit eine andere Dynamik bekommen.
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Die Rolle des anarchistischen Künstlers Baal schien ihm deshalb wie auf den Leib geschrieben. In der ersten halben Stunde liefert er wieder eine Kostprobe seiner Bewegungsfreude: Er tobt über die Bühne, springt mehrmals aus dem Stand auf ein Podest und lässt sich von seinen Groupies als wildes Dichter - Genie feiern.
In einer seiner harmloseren Aktionen lässt der Schauspieler ein Glas auf dem Boden zerschellen. Seine Hand verfärbt sich rot. Für das Publikum sieht es nach künstlichem Theaterblut aus. Er murmelt etwas vor sich hin, räumt die Scherben weg und scheint noch ganz in seiner Titelrolle zu sein. Als die Hauptfigur von der Bühne verschwindet und das Licht im Zuschauerraum angeht, wird klar: Mirco Kreibich hat diesmal die Kontrolle verloren. Die Schnittwunde ist echt.
Michael Schweighöfer als alter Haudegen im Ensemble des Deutschen Theaters nimmt das Heft in die Hand, stellt sich in die Bühnenmitte und erzählt einige Kantinenanekdoten wie z.B. den peinlichsten Versprecher oder den schrillsten Abgang einer Kritikerin. Für einen Moment kommen noch mal Zweifel: Ist das alles Teil der Inszenierung? Immerhin handelt es sich bei dem Stück Baal um ein Frühwerk von Bertolt Brecht, der für sein Stilmittel des Verfremdungseffektes bekannt ist: Schauspieler treten aus ihrer Rolle heraus, wenden sich direkt ans Publikum und brechen damit die Handlung.
Als Franz Konstantin Beil kurz hinter dem Vorhang verschwindet und Michael Schweighöfer anschließend etwas ins Ohr flüstert, ist es Gewissheit: Die Schnittwunde des Hauptdarstellers ist so tief, dass er in die Charité eingeliefert und die Inszenierung abgebrochen werden muss.
Es ist symptomatisch, dass ein solcher Unfall ausgerechnet bei diesem Stück passiert: Baal kennt für sich keine Grenzen an und lebt seine Exzesse aus. Dementsprechend fordernd ist diese Rolle für den Hauptdarsteller. Die Kritiken nach den ersten Vorstellungen schrieben begeistert von einer nahezu artistischen Leistung von Mirco Kreibich, der springt, hüpft und tobt und dennoch seine Texte klar artikuliert, wo andere längst außer Atem wären.
Auch wenn die Verletzung hoffentlich nicht so gravierend ist, dass die weiteren Vorführungen dieser Spielzeit ausfallen müssen, wird Mirco Kreibich wahrscheinlich künftig zunächst mit angezogener Handbremse spielen und diese Inszenierung somit eine andere Dynamik bekommen.
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Geschrieben am 14.05.2009 um 23:18 von Konrad Kögler
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Armida: Geschlechterkrieg in der Komischen Oper
Calixto Bieito, das Enfant terrible unter den Opernregisseuren, ist eigentlich immer für einen Skandal gut. Als der Katalane 2004 die Handlung von Mozarts Entführung aus dem Serail in ein Bordell verlegte, war die Empörung in einigen Medien und bei traditionsbewussten Abonnenten, die ihren Wolfgang Amadeus nicht wieder erkannten, groß.
Bei seiner Armida - Inszenierung an der Komischen Oper Berlin gab es diesmal jedoch keine zugeschlagenen Türen. Der große Aufschrei blieb aus. Aber auch diese Inszenierung fiel aus dem Rahmen der Stadttheater - Ästhetik: Die Zauberin Armida und zwei Helferinnen konfrontieren das Publikum, allen voran den Talk - Altmeister Alfred Biolek, im ersten Akt mit einer Sexparty der ungewöhnlichen Art: 15 nackte Männer kriechen über die Bühne, werden als Lustsklaven gehalten, getreten und geschlagen.
Daran schieden sich in den Rezensionen nach der Premiere erwartungsgemäß die Geister: Was den einen als geschmacklos und effekthascherisch erschien, lobten die anderen als Teil des inszenatorischen Gesamtkonzepts.
Ein Mal mehr geht es für Bieito um die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und die Unmöglichkeit glücklicher Beziehungen. Die Titelfigur Armida, beeindruckend verkörpert von der schwedischen Sopranistin Maria Bengtsson, sehnt sich nach Liebe, ist aber unfähig, sich auf eine echte Bindung einzulassen. Zunächst flüchtet sie sich in die Oberflächlichkeit dominanter Rollenspiele und Orgien mit wechselnden Partnern.
Erwartungsgemäß passiert Armida jedoch genau das, wovor sie am meisten Angst hatte: Sie verliebt sich in Rinaldo und lässt ihren Gefühlen freien Lauf. Wie es ihr vom personifizierten Hass prophezeit wird, lässt Rinaldo sie kurz darauf fallen wie eine heiße Kartoffel. Das tödliche Finale nimmt seinen Lauf.
An dieser Inszenierung beeindruckte neben der sängerischen Leistung von Maria Bengtsson vor allem das Orchester unter der Leitung von Konrad Junghänel.
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Bei seiner Armida - Inszenierung an der Komischen Oper Berlin gab es diesmal jedoch keine zugeschlagenen Türen. Der große Aufschrei blieb aus. Aber auch diese Inszenierung fiel aus dem Rahmen der Stadttheater - Ästhetik: Die Zauberin Armida und zwei Helferinnen konfrontieren das Publikum, allen voran den Talk - Altmeister Alfred Biolek, im ersten Akt mit einer Sexparty der ungewöhnlichen Art: 15 nackte Männer kriechen über die Bühne, werden als Lustsklaven gehalten, getreten und geschlagen.
Daran schieden sich in den Rezensionen nach der Premiere erwartungsgemäß die Geister: Was den einen als geschmacklos und effekthascherisch erschien, lobten die anderen als Teil des inszenatorischen Gesamtkonzepts.
Ein Mal mehr geht es für Bieito um die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und die Unmöglichkeit glücklicher Beziehungen. Die Titelfigur Armida, beeindruckend verkörpert von der schwedischen Sopranistin Maria Bengtsson, sehnt sich nach Liebe, ist aber unfähig, sich auf eine echte Bindung einzulassen. Zunächst flüchtet sie sich in die Oberflächlichkeit dominanter Rollenspiele und Orgien mit wechselnden Partnern.
Erwartungsgemäß passiert Armida jedoch genau das, wovor sie am meisten Angst hatte: Sie verliebt sich in Rinaldo und lässt ihren Gefühlen freien Lauf. Wie es ihr vom personifizierten Hass prophezeit wird, lässt Rinaldo sie kurz darauf fallen wie eine heiße Kartoffel. Das tödliche Finale nimmt seinen Lauf.
An dieser Inszenierung beeindruckte neben der sängerischen Leistung von Maria Bengtsson vor allem das Orchester unter der Leitung von Konrad Junghänel.
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Geschrieben am 08.05.2009 um 15:57 von Konrad Kögler
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Nathan Messias: Abrechnung mit den Religionen
Das Ballhaus Naunynstraße belebt mit seinen Inszenierungen einen schwierigen Kiez: Nur wenige Meter vom Kottbusser Tor entfernt setzt das Team um Sherin Langhoff auf spannende Stoffe für ein junges Publikum. Die Eigenproduktionen stammen häufig aus der Feder von Autoren mit Migrationshintergrund und berühren die Themen vor Ort.
In ihrem neuesten Stück Nathan Messias steht das Verhältnis der Religionen zur Gesellschaft im Zentrum. Dass dies für Kreuzberg 36 ein brennendes Thema ist, versteht sich von selbst. Aber auch der Zeitpunkt ist gut gewählt: An der einen Ecke lächeln einem im Endspurt vor dem Pro Reli/Pro Ethik - Volksentscheid Promis wie Günther Jauch entgegen und mahnen, wie wichtig doch der Religionsunterricht sei, bevor dann gleich gegenüber fröhliche Kinder in Multi-Kulti-Idylle für eine gemeinsame Ethik - Stunde eintreten.
Während die Debatte in Berlin noch halbwegs zivilisiert abläuft, taucht diese Inszenierung des Regisseurs Neco Celik in den brisantesten religiösen Schmelztiegel ein: Jerusalem, das gleich von drei Weltreligionen als heilige Stadt beansprucht wird und in der es fast ebenso viele religiöse Weltanschauungen wie Einwohner gibt. Mit dieser nur leicht überspitzten Bemerkung beklagt sich der fiktive säkulare Bürgermeister über sein schwieriges Amt: Er hat ohnehin schon alle Hände voll zu tun, die religiösen Spannungen im Zaum zu halten. Jetzt gehen auch noch Gerüchte um, dass vor der Stadt ein charismatischer religiöser Prediger auftaucht...
Das Establishment wird unruhig. Adolfo Assor verkörpert in einer Person muslimische, jüdische und christliche Geistliche: Abgehoben dreht er sich auf Stelzen im Kreis. Der Dialog der Religionen wird zum Selbstgespräch. In seiner brüchigen Stimme zeigt sich seine schwindende Kraft. Die Gegenfigur ist der junge
Murat Seven: Mit wortgewaltigen Tiraden beschimpft er die Hierarchien der Amtskirchen, ihre Heuchelei und ihre erstarrten Traditionen. Ein Rundumschlag mit den Klassikern der Religions- und Kirchenkritik!
Als er so richtig in Fahrt kommt, ist der Abend aber auch schon wieder vorbei: Nach etwas mehr als einer Stunde endet das Stück des Autorenduos Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. Ein wichtiges Thema wurde aufgeworfen, aber bis zu dem Zeitpunkt hörte man vor allem viel Bekanntes. Der Abend wirkt deshalb noch etwas unfertig. Ein interessanter Diskussionsanstoß, gerade für Schüler- und Jugendgruppen, aber der Funke springt am Ende nicht ganz über.
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In ihrem neuesten Stück Nathan Messias steht das Verhältnis der Religionen zur Gesellschaft im Zentrum. Dass dies für Kreuzberg 36 ein brennendes Thema ist, versteht sich von selbst. Aber auch der Zeitpunkt ist gut gewählt: An der einen Ecke lächeln einem im Endspurt vor dem Pro Reli/Pro Ethik - Volksentscheid Promis wie Günther Jauch entgegen und mahnen, wie wichtig doch der Religionsunterricht sei, bevor dann gleich gegenüber fröhliche Kinder in Multi-Kulti-Idylle für eine gemeinsame Ethik - Stunde eintreten.
Während die Debatte in Berlin noch halbwegs zivilisiert abläuft, taucht diese Inszenierung des Regisseurs Neco Celik in den brisantesten religiösen Schmelztiegel ein: Jerusalem, das gleich von drei Weltreligionen als heilige Stadt beansprucht wird und in der es fast ebenso viele religiöse Weltanschauungen wie Einwohner gibt. Mit dieser nur leicht überspitzten Bemerkung beklagt sich der fiktive säkulare Bürgermeister über sein schwieriges Amt: Er hat ohnehin schon alle Hände voll zu tun, die religiösen Spannungen im Zaum zu halten. Jetzt gehen auch noch Gerüchte um, dass vor der Stadt ein charismatischer religiöser Prediger auftaucht...
Das Establishment wird unruhig. Adolfo Assor verkörpert in einer Person muslimische, jüdische und christliche Geistliche: Abgehoben dreht er sich auf Stelzen im Kreis. Der Dialog der Religionen wird zum Selbstgespräch. In seiner brüchigen Stimme zeigt sich seine schwindende Kraft. Die Gegenfigur ist der junge
Murat Seven: Mit wortgewaltigen Tiraden beschimpft er die Hierarchien der Amtskirchen, ihre Heuchelei und ihre erstarrten Traditionen. Ein Rundumschlag mit den Klassikern der Religions- und Kirchenkritik!
Als er so richtig in Fahrt kommt, ist der Abend aber auch schon wieder vorbei: Nach etwas mehr als einer Stunde endet das Stück des Autorenduos Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. Ein wichtiges Thema wurde aufgeworfen, aber bis zu dem Zeitpunkt hörte man vor allem viel Bekanntes. Der Abend wirkt deshalb noch etwas unfertig. Ein interessanter Diskussionsanstoß, gerade für Schüler- und Jugendgruppen, aber der Funke springt am Ende nicht ganz über.
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Geschrieben am 22.04.2009 um 14:43 von Konrad Kögler
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Gysi trifft Aust: Viel Raum für Selbstdarsteller
Nach seinem kurzen Intermezzo als Wirtschaftssenator von Berlin startete der wegen seiner scharfzüngigen Bemerkungen begehrte Talkshow - Gast Gregor Gysi 2002 seine eigene kleine Gesprächsreihe: Circa ein Mal monatlich trifft er im meist ausverkauften Deutschen Theater Berlin prominente Zeitgenossen. Die Liste reicht von politischen Gegnern wie Jürgen Trittin oder gar Guido Westerwelle bis zu interessanten Köpfen aus Kunst und Kultur wie Benno Besson und Peter Zadek.
Diese Woche kündigte sich Stefan Aust als Interviewpartner an: Mehr als zehn Jahre lang lenkte er als Chefredakteur die Geschicke des SPIEGELS. Viele Beobachter warfen ihm eine merkliche Verflachung des einst so stolzen Magazins vor. Nach dem Tod des Übervater - Herausgebers Rudolf Augstein entspann sich ein zäher Machtkampf um das Verlagshaus an der Brandstwiete. Die Erben Franziska und Jakob Augstein, beide selbst erfolgreiche Journalisten bei anderen Zeitungen, und die Mitarbeiter KG des Blattes nahmen den intern als abgehobener Sonnengott kritisierten Chefredakteur unter Beschuss und sorgten schließlich für sein unerwartetes Karriereende im Winter 2007/08.
Seitdem war er vor allem durch den großen Medienrummel um Bernd Eichingers Kinofilm Der Baader - Meinhof - Komplex in den Medien präsent: Dieser umstrittene Streifen basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch - Bestseller Austs, dessen erste Auflage er bereits 1985 veröffentlichte. Früh war er mit Ulrike Meinhof in Kontakt gekommen: 1967 - 1969, als die Studentenproteste ihren Höhepunkt erreichten, arbeitete er als Redakteur beim Hamburger Magazin konkret, dessen führende Köpfe die streitbare Publizistin Ulrike Meinhof und ihr Mann Klaus Rainer Röhl waren.
An diesem sonnigen Frühlings - Vormittag plauderte Stefan Aust über einige kuriose Anekdoten aus den bewegten Zeiten: Natürlich durfte seine legendäre Befreiungsaktion von Ulrike Meinhofs Töchtern nicht fehlen. Als sie sich der RAF angeschlossen hatte und in ein arabisches Ausbildungslager abgetaucht war, brachten die linken Terroristen die beiden Kinder vorübergehend nach Sizilien. Aust kam über Umwege an Informationen über das Versteck und das Codewort, brachte die Kinder in einer abenteuerlichen Nacht- und Nebel - Aktion zurück nach Hamburg und wäre angeblich aus Rache beinahe von Horst Mahler und anderen Mitgliedern der Gruppierung liquidiert worden, wenn er nicht rechtzeitig gewarnt worden wäre.
Die stärksten Passagen dieses Gesprächs sind die Erinnerungen an die 1960er und 1970er Jahre, als Aust aus nächster Nähe die Auseinandersetzungen beobachtete. Trotz der Nähe zu Meinhof oder auch Rudi Dutschke, mit dem er unmittelbar vor dem Attentat auf ihn einen gemeinsamen Artikel schreiben wollte, verstand sich der Journalist Aust nach eigener Aussage nie als politisch links und will sich auch nie an den Aktionen beteiligt haben.
Allerdings muss das Publikum für diese interessanten zeitgeschichtlichen Schilderungen auch die enorme Selbstgefälligkeit des Publizisten hinnehmen, der bis heute seine Fehler als SPIEGEL - Chef nicht einräumen will und mit seinem starken Ego kokettiert.
Spannung verspricht auch das nächste Gespräch der Reihe: Dann empfängt Gysi den TV - Kommissar Peter Sodann, der sich im Auftrag seiner Partei Die LINKE gerade als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten versucht. Diese Veranstaltung findet am 24. Mai statt - genau einen Tag nach der voraussichtlichen Wieder - Wahl Horst Köhlers in der Bundesversammlung...
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Diese Woche kündigte sich Stefan Aust als Interviewpartner an: Mehr als zehn Jahre lang lenkte er als Chefredakteur die Geschicke des SPIEGELS. Viele Beobachter warfen ihm eine merkliche Verflachung des einst so stolzen Magazins vor. Nach dem Tod des Übervater - Herausgebers Rudolf Augstein entspann sich ein zäher Machtkampf um das Verlagshaus an der Brandstwiete. Die Erben Franziska und Jakob Augstein, beide selbst erfolgreiche Journalisten bei anderen Zeitungen, und die Mitarbeiter KG des Blattes nahmen den intern als abgehobener Sonnengott kritisierten Chefredakteur unter Beschuss und sorgten schließlich für sein unerwartetes Karriereende im Winter 2007/08.
Seitdem war er vor allem durch den großen Medienrummel um Bernd Eichingers Kinofilm Der Baader - Meinhof - Komplex in den Medien präsent: Dieser umstrittene Streifen basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch - Bestseller Austs, dessen erste Auflage er bereits 1985 veröffentlichte. Früh war er mit Ulrike Meinhof in Kontakt gekommen: 1967 - 1969, als die Studentenproteste ihren Höhepunkt erreichten, arbeitete er als Redakteur beim Hamburger Magazin konkret, dessen führende Köpfe die streitbare Publizistin Ulrike Meinhof und ihr Mann Klaus Rainer Röhl waren.
An diesem sonnigen Frühlings - Vormittag plauderte Stefan Aust über einige kuriose Anekdoten aus den bewegten Zeiten: Natürlich durfte seine legendäre Befreiungsaktion von Ulrike Meinhofs Töchtern nicht fehlen. Als sie sich der RAF angeschlossen hatte und in ein arabisches Ausbildungslager abgetaucht war, brachten die linken Terroristen die beiden Kinder vorübergehend nach Sizilien. Aust kam über Umwege an Informationen über das Versteck und das Codewort, brachte die Kinder in einer abenteuerlichen Nacht- und Nebel - Aktion zurück nach Hamburg und wäre angeblich aus Rache beinahe von Horst Mahler und anderen Mitgliedern der Gruppierung liquidiert worden, wenn er nicht rechtzeitig gewarnt worden wäre.
Die stärksten Passagen dieses Gesprächs sind die Erinnerungen an die 1960er und 1970er Jahre, als Aust aus nächster Nähe die Auseinandersetzungen beobachtete. Trotz der Nähe zu Meinhof oder auch Rudi Dutschke, mit dem er unmittelbar vor dem Attentat auf ihn einen gemeinsamen Artikel schreiben wollte, verstand sich der Journalist Aust nach eigener Aussage nie als politisch links und will sich auch nie an den Aktionen beteiligt haben.
Allerdings muss das Publikum für diese interessanten zeitgeschichtlichen Schilderungen auch die enorme Selbstgefälligkeit des Publizisten hinnehmen, der bis heute seine Fehler als SPIEGEL - Chef nicht einräumen will und mit seinem starken Ego kokettiert.
Spannung verspricht auch das nächste Gespräch der Reihe: Dann empfängt Gysi den TV - Kommissar Peter Sodann, der sich im Auftrag seiner Partei Die LINKE gerade als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten versucht. Diese Veranstaltung findet am 24. Mai statt - genau einen Tag nach der voraussichtlichen Wieder - Wahl Horst Köhlers in der Bundesversammlung...
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Geschrieben am 21.04.2009 um 14:07 von Konrad Kögler
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Gefährliche Liebschaften
In harmlosen Häschenkostümen lässt die Regisseurin Karin Henkel ihre beiden Hauptdarsteller Constanze Becker und Wolfram Koch in der ersten Szene über die Bühne tapsen. Hinter diesen Masken kommt Stück für Stück die Grausamkeit der beiden Figuren zum Vorschein. Die Marquise de Merteuil (Constanze Becker) und der Vicomte de Valmont (Wolfram Koch) mischen als zynische Gefühlsterroristen den französischen Adel am Vorabend der Revolution auf.
Alle übrigen Schauspieler der Gefährlichen Liebschaften sind lediglich Marionetten der Machtspiele dieser beiden. Valmont sucht seine narzisstische Bestätigung darin, die Frauen zu verführen und eiskalt abzuservieren, sobald er sein Vergnügen bekommen hat. Er hält sich seinen Mitmenschen für meilenweit überlegen und belächelt die damaligen Moralvorstellungen, die den Frauen kaum Freiräume gaben und sie zwangen, ihre Lust zu unterdrücken.
Nur unwesentlich sympathischer wirkt die ihm in einer seltsamen Hassliebe verbundene Marquise de Merteuil: Auch sie benutzt die Männer wie z.B. den jungen Musiker nur als Spielzeug, geht aber noch subtiler vor. Sie ist den gesamten Abend über vor allem in der Rolle der Strippenzieherin, die den Vicomte dazu anstachelt, Ehen zu unterminieren und ihn damit lockt, dass sie selbst am Ende seine Trophäe sein könnte. Sie sitzt genüsslich beobachtend daneben, als die Präsidentin de Tourvel (Meike Droste) oder Cécile (Angelika Richter) verzweifelt zusammenbrechen, da ihnen klar wird, dass sie nur für die Ego - Trips benutzt wurden.
Unter den Häschenkostümen kommt nach und nach alltäglichere Kleidung zum Vorschein, bis die Marquise und der Vicomte zum Finale in Brautkleider steigen, die deutliche Blutspuren zeigen: Wie Vampire haben sie ihre Mitmenschen ausgesaugt.
Der Regisseurin wurde wegen solcher Stilmittel in einigen Rezensionen vorgeworfen, dass ihre Inszenierung zu sehr mit dem Holzhammer arbeite. Außerdem wurde ihre Charakterisierung des Vicomte de Valmont als ziemlich männerfeindlich empfunden. Das ganze Geschehen wie bei einer Sprechprobe nur rund um einen Tisch ablaufen zu lassen, wurde als einfallslos kritisiert.
Diese Details kann man so bewerten, unter dem Strich kam dennoch eine sehenswerte Inszenierung eines brutalen Liebes- und Machtkampfs heraus, die beim Publikum viel Beifall fand.
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Die Bildrechte liegen beim Deutschen Theater Berlin.
Alle übrigen Schauspieler der Gefährlichen Liebschaften sind lediglich Marionetten der Machtspiele dieser beiden. Valmont sucht seine narzisstische Bestätigung darin, die Frauen zu verführen und eiskalt abzuservieren, sobald er sein Vergnügen bekommen hat. Er hält sich seinen Mitmenschen für meilenweit überlegen und belächelt die damaligen Moralvorstellungen, die den Frauen kaum Freiräume gaben und sie zwangen, ihre Lust zu unterdrücken.
Nur unwesentlich sympathischer wirkt die ihm in einer seltsamen Hassliebe verbundene Marquise de Merteuil: Auch sie benutzt die Männer wie z.B. den jungen Musiker nur als Spielzeug, geht aber noch subtiler vor. Sie ist den gesamten Abend über vor allem in der Rolle der Strippenzieherin, die den Vicomte dazu anstachelt, Ehen zu unterminieren und ihn damit lockt, dass sie selbst am Ende seine Trophäe sein könnte. Sie sitzt genüsslich beobachtend daneben, als die Präsidentin de Tourvel (Meike Droste) oder Cécile (Angelika Richter) verzweifelt zusammenbrechen, da ihnen klar wird, dass sie nur für die Ego - Trips benutzt wurden.
Unter den Häschenkostümen kommt nach und nach alltäglichere Kleidung zum Vorschein, bis die Marquise und der Vicomte zum Finale in Brautkleider steigen, die deutliche Blutspuren zeigen: Wie Vampire haben sie ihre Mitmenschen ausgesaugt.
Der Regisseurin wurde wegen solcher Stilmittel in einigen Rezensionen vorgeworfen, dass ihre Inszenierung zu sehr mit dem Holzhammer arbeite. Außerdem wurde ihre Charakterisierung des Vicomte de Valmont als ziemlich männerfeindlich empfunden. Das ganze Geschehen wie bei einer Sprechprobe nur rund um einen Tisch ablaufen zu lassen, wurde als einfallslos kritisiert.
Diese Details kann man so bewerten, unter dem Strich kam dennoch eine sehenswerte Inszenierung eines brutalen Liebes- und Machtkampfs heraus, die beim Publikum viel Beifall fand.
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Geschrieben am 09.03.2009 um 23:13 von Konrad Kögler
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Der Futurologische Kongress in der Box des Deutschen Theaters
Selbstironisch steht Thomas Schmidt auf der kleinen Bühne der Box des Deutschen Theaters und wendet sich an das Publikum: Sie denken sich, wie lange dauert das Ganze noch?
Nach dieser Unterbrechung steigt er wieder in seinen Monolog ein, der sich sehr minimalistisch durch den Abend zieht. Phasenweise begleitet ihn Kornelius Heidebrecht am Klavier, mit eingespielten Geräuschen und Slapstick.
Diese Adaptation von Stanislaw Lems Roman Der futurologische Kongress ist also nichts für Freunde opulenter Bühnenbilder und turbulenter Dialoge. Der Abend konzentriert sich ganz auf die groteske Schilderung einer Zeitreise des Raumfahrers Ijon Tichy.
Der Text quillt regelrecht über von surrealen Details: Der Diktator einer Bananenrepublik setzt chemische Glücks - Stoffe ein, um sein Volk bei Laune zu halten. Nach einem Stickstoffbad wacht die Hauptfigur in einer zukünftigen Gesellschaft auf, in der Luxusgegenstände nur durch Psychopharmaka als Halluzinationen erzeugt werden. Sobald er die Pillen absetzt, wird er mit Dreck und Armut konfrontiert.
Diese skurrilen Wendungen des Roman - Bestsellers von 1971 lassen sich kaum auf der Bühne darstellen. Der karge Verzicht auf fast alle visuellen Mittel einer Theaterinszenierung fällt aber ins andere Extrem: Der lange Monolog der Hauptfigur, den Thomas Schmidt, wirkt sehr sperrig und erfordert viel Konzentration.
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Nach dieser Unterbrechung steigt er wieder in seinen Monolog ein, der sich sehr minimalistisch durch den Abend zieht. Phasenweise begleitet ihn Kornelius Heidebrecht am Klavier, mit eingespielten Geräuschen und Slapstick.
Diese Adaptation von Stanislaw Lems Roman Der futurologische Kongress ist also nichts für Freunde opulenter Bühnenbilder und turbulenter Dialoge. Der Abend konzentriert sich ganz auf die groteske Schilderung einer Zeitreise des Raumfahrers Ijon Tichy.
Der Text quillt regelrecht über von surrealen Details: Der Diktator einer Bananenrepublik setzt chemische Glücks - Stoffe ein, um sein Volk bei Laune zu halten. Nach einem Stickstoffbad wacht die Hauptfigur in einer zukünftigen Gesellschaft auf, in der Luxusgegenstände nur durch Psychopharmaka als Halluzinationen erzeugt werden. Sobald er die Pillen absetzt, wird er mit Dreck und Armut konfrontiert.
Diese skurrilen Wendungen des Roman - Bestsellers von 1971 lassen sich kaum auf der Bühne darstellen. Der karge Verzicht auf fast alle visuellen Mittel einer Theaterinszenierung fällt aber ins andere Extrem: Der lange Monolog der Hauptfigur, den Thomas Schmidt, wirkt sehr sperrig und erfordert viel Konzentration.
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Geschrieben am 02.03.2009 um 14:19 von Konrad Kögler
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Groteske "Donna Davison"

Heraus kam die Inszenierung Donna Davison, eine schrille Groteske, bei der man sich inhaltlich und ästhetisch einige Kilometer weiter an die Volksbühne versetzt fühlt: Die Regisseurin Hanna Rudolph übernimmt die dortige Marotte, Teile der Handlung auf große Videoleinwände über der Drehbühne zu projizieren. In der Hauptrolle der Donna Davison, einer Pornodarstellerin mit Ambitionen auf eine Karriere in künstlerisch anspruchsvollen Filmen, hätte man sich auch einige der Castorf - Groupies vorstellen können, wenn nicht Alwara Höfels aus dem DT - Ensemble diesen schillernden Charakter so gekonnt verkörpert hätte.
Neben ihr fällt vor allem Katharina Schmalenberg auf, die von Frisur bis Gestik die perfekte Besetzung einer neurotischen Regisseurin ist. Aus ihrem Mund blubbern nur Phrasen, in die sie zwanghaft ihren Lieblingsbegriff Authentizität einbaut. Das Scheitern ihres Filmprojektes ist somit vorprogrammiert.
In seiner überdrehten Art kann dieser Abend das Publikum nicht so recht überzeugen. Beim Verlassen des Theaters murmeln die meisten, dass sie mit dieser Groteske wenig anfangen konnten.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Ein Wagnis, das nur teilweise gelingt und vor allem ein Nischenpublikum anspricht.
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Geschrieben am 02.02.2009 um 14:11 von Konrad Kögler
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Kathrin Wehlisch singt als "Diva"
Ganz in schwarz tritt Kathrin Wehlisch auf die improvisierte Bühne vor der Bar des Deutschen Theaters. In ihrem eleganten Abendkleid und mit ihrer Frisur macht sie dem Titel des einstündigen Abends alle Ehre, eine echte Diva.Vor allem romantische Liebeslieder von Hildegard Knef bis Queen stehen auf dem Programm. Nach welchen Kriterien Sabine auf der Heyde als Regisseurin des Abends und die Künstlerin die Titel ausgewählt haben, erschließt sich jedoch nicht ganz. Zu Knefs Für mich solls rote Rosen regnen passt der Oberbegriff Diva sicher perfekt. Aber in der zweiten Hälfte präsentiert Wehlisch dann eher ein buntes Potpourri von Paolo Contes Azzurro bis Rio Reisers Für immer und Dich, bei dem ein roter Faden nicht mehr recht erkennbar ist.
Aber sei es drum. Da die Schauspielerin bis auf einige Unsicherheiten bei Azzurro ihre Lieder mit Grandezza und beeindruckender Stimme präsentiert, gelingt dennoch ein stimmungsvoller Abend.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Kathrin Wehlisch stand bisher eher im Schatten des Ensembles, ihre Rolle in der Hexenjagd zählte zu den größeren Auftritten. Schön, dass sie mit diesem Liederabend neue Facetten ihres Könnens präsentieren kann.
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Geschrieben am 25.01.2009 um 19:58 von Konrad Kögler
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Ingmar Bergmans "Persona" als Kammerspiel

Alle Zeichen stehen schon von Beginn auf schwerer Theaterkost: Anstrengung statt Zerstreuung ist angesagt. Der Monolog der Diva endet mit ihrem plötzlichen Verstummen: Die Theaterschauspielerin Elisabeth Vogler (Almut Zilcher) beendet ihren Vortrag abrupt, reagiert auch nicht auf die hektischen Einwürfe der Souffleuse und verfällt in ein monatelanges Schweigen.
Nach diesem Stück im Stück als Prolog beginnt nun das eigentliche Kammerspiel Persona: Die Star - Schauspielerin landet in einer Klinik, später auf einem Landsitz und wird dort von einer Ärztin (Margit Bendokat) und einer jungen Krankenschwester (Valery Tscheplanowa) umsorgt.

Das Duell der beiden wird immer wieder von den schnarrenden Einwürfen der Chefärztin unterbrochen, die Margit Bendokat in ihrer unverwechselbaren schnoddrigen Stimmlage als abgebrühte und überlegene Beobachterin des Ganzen zeigt.
Diese Inszenierung von Philipp Preuss erreicht nie die Intensität der Vorlage, des Film - Klassikers Persona eines der größten Regisseure, des Schweden Ingmar Bergman. Bei seinem Debüt am Deutschen Theater setzte Preuss ebenfalls einen Kinofilm in Szene, bewies dabei aber ein glücklicheres Händchen: Seine Adaption von Rainer Werner Faßbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant spielt sehr gekonnt mit den Möglichkeiten der Theaterbühne, versetzt die gesamte Handlung auf einen Laufsteg und besticht vor allem mit dem gekonnten Einsatz suggestiver Musik.
Bei seiner Persona - Inszenierung wirkt dagegen vieles zu statisch und zu wenig experimentierfreudig. Die Scheu vor dem großen Vorbild des kürzlich verstorbenen Altmeisters Bergman ist dem Abend deutlich anzumerken.

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Geschrieben am 25.01.2009 um 19:03 von Konrad Kögler
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Shakespeares unterhaltsame Komödie "Wie es euch gefällt"
Die beiden großen Privattheater am Kudammkarree, die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm, sorgten in den vergangenen Jahren vor allem mit ihrem Überlebenskampf für Schlagzeilen.
Eine Tochter der Deutschen Bank kündigte die Mietverträge der traditionsreichen Bühnen, die noch auf Max Reinhardt zurückgehen: Viele Prominente und Berliner Bürger setzten sich für den Fortbestand ein, bis schließlich Ende des Jahres 2008 eine tragfähige Lösung mit den neuen Eigentümern gefunden wurde.
Seitdem ist wieder Erfreulicheres aus dem tiefen Westen der Hauptstadt zu berichten und wir können uns wieder auf die Kunst konzentrieren. Für den Start ins Neue Jahr gewann die Leitung des Theaters eine Regisseurin mit klangvollem Namen: Katharina Thalbach. Sie sorgt seit Jahrzehnten für interessante Regiearbeiten auf Theater- und Opernbühnen und ist außerdem auch eine Schauspielerin von Format.
Sie inszeniert die beschwingteste Komödie aus William Shakespeares umfangreichem Werk: Wie es euch gefällt. Mit viel Liebe zum Detail, stimmiger musikalischer Untermalung und vor allem mit sehr gelungenem Bühnenbild und Kostümen setzt sie diesen Liebesreigen in Szene. Der besondere Clou ihrer Inszenierung: Zu Shakespeares Zeiten wurden alle Rollen ausnahmslos von Männern gespielt. Katharina Thalbach dreht den Spieß um und besetzt nur Frauen, was sie immer wieder durch mehr oder minder subtile Anspielungen unterstreicht.
Leider ging das Konzept, auch jüngere Zuschauer anzusprechen, noch nicht ganz auf. Es dominieren im Publikum eher die ergrauten Köpfe älterer Herrschaften. Aber dank der guten Öffentlichkeitsarbeit für dieses Stück sowie dank des Witzes und Temporeichtums dieser Inszenierung sind die Chancen gut, auch neue Zuschauerschichten zu gewinnen.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Ein unterhaltsamer Komödienabend. Der Stoff fordert nicht so viel Konzentration, wie viele Inszenierungen an den großen, staatlichen Bühnen, z.B. Tschechows Möwe. Stattdessen ist es ein vergnüglicher Einstieg, der vielleicht Appetit auf mehr Theaterbesuche macht und Schwellenangst nimmt.
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Eine Tochter der Deutschen Bank kündigte die Mietverträge der traditionsreichen Bühnen, die noch auf Max Reinhardt zurückgehen: Viele Prominente und Berliner Bürger setzten sich für den Fortbestand ein, bis schließlich Ende des Jahres 2008 eine tragfähige Lösung mit den neuen Eigentümern gefunden wurde.
Seitdem ist wieder Erfreulicheres aus dem tiefen Westen der Hauptstadt zu berichten und wir können uns wieder auf die Kunst konzentrieren. Für den Start ins Neue Jahr gewann die Leitung des Theaters eine Regisseurin mit klangvollem Namen: Katharina Thalbach. Sie sorgt seit Jahrzehnten für interessante Regiearbeiten auf Theater- und Opernbühnen und ist außerdem auch eine Schauspielerin von Format.
Sie inszeniert die beschwingteste Komödie aus William Shakespeares umfangreichem Werk: Wie es euch gefällt. Mit viel Liebe zum Detail, stimmiger musikalischer Untermalung und vor allem mit sehr gelungenem Bühnenbild und Kostümen setzt sie diesen Liebesreigen in Szene. Der besondere Clou ihrer Inszenierung: Zu Shakespeares Zeiten wurden alle Rollen ausnahmslos von Männern gespielt. Katharina Thalbach dreht den Spieß um und besetzt nur Frauen, was sie immer wieder durch mehr oder minder subtile Anspielungen unterstreicht.
Leider ging das Konzept, auch jüngere Zuschauer anzusprechen, noch nicht ganz auf. Es dominieren im Publikum eher die ergrauten Köpfe älterer Herrschaften. Aber dank der guten Öffentlichkeitsarbeit für dieses Stück sowie dank des Witzes und Temporeichtums dieser Inszenierung sind die Chancen gut, auch neue Zuschauerschichten zu gewinnen.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Ein unterhaltsamer Komödienabend. Der Stoff fordert nicht so viel Konzentration, wie viele Inszenierungen an den großen, staatlichen Bühnen, z.B. Tschechows Möwe. Stattdessen ist es ein vergnüglicher Einstieg, der vielleicht Appetit auf mehr Theaterbesuche macht und Schwellenangst nimmt.
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Geschrieben am 23.01.2009 um 14:09 von Konrad Kögler
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Tschechows Möwe als Koproduktion an der Volksbühne
Regiearbeit zu Anton Tschechows Onkel Wanja wird zum Liebling der Feuilletons und mit dem Titel Inszenierung des Jahres ausgezeichnet.
Winter 2009: Jürgen Gosch will auf dieser Welle des Erfolgs weiter reiten und studiert Die Möwe vom selben Regisseur ein.
Beide Stücke haben eine sehr ähnliche Grundstimmung und kreisen um die Lethargie in der russischen Provinz zur Zeit der letzten Jahrhundertwende. Die Figuren trauern ihrem nichtgelebten Leben hinterher, verlieben sich unglücklich, vor allem aber räsonieren sie endlos statt zu handeln.
Damals wirkte der ganze Jubel über diese ach so herausragende Arbeit schon etwas unverständlich. Die Schauspieler boten natürlich sehr gute Leistungen, aber der Abend war doch streckenweise sehr langatmig.
Diesmal wurde die Sache noch schlimmer: Drei Stunden fühlten sich an wie fünf und zogen sich wie Kaugummi. Der Lebensüberdruss und die Tristesse der Figuren wirken zermürbend, am liebsten möchte man sie an der Hand nehmen, damit sie endlich mehr Elan kriegen.
Wie schon in Onkel Wanja steht auch hier wieder das gesamte Ensemble als regungslose Zuschauer am Bühnenrand, wenn sie gerade nicht in die "Handlung" einbezogen sind. Das gibt der gesamten Szenerie etwas noch Statischeres und Bedrückenderes.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Ein Abend für Fans elegischer Melodramen. Man muss die Leere dieser Figuren aushalten können.
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Winter 2009: Jürgen Gosch will auf dieser Welle des Erfolgs weiter reiten und studiert Die Möwe vom selben Regisseur ein.
Beide Stücke haben eine sehr ähnliche Grundstimmung und kreisen um die Lethargie in der russischen Provinz zur Zeit der letzten Jahrhundertwende. Die Figuren trauern ihrem nichtgelebten Leben hinterher, verlieben sich unglücklich, vor allem aber räsonieren sie endlos statt zu handeln.
Damals wirkte der ganze Jubel über diese ach so herausragende Arbeit schon etwas unverständlich. Die Schauspieler boten natürlich sehr gute Leistungen, aber der Abend war doch streckenweise sehr langatmig.
Diesmal wurde die Sache noch schlimmer: Drei Stunden fühlten sich an wie fünf und zogen sich wie Kaugummi. Der Lebensüberdruss und die Tristesse der Figuren wirken zermürbend, am liebsten möchte man sie an der Hand nehmen, damit sie endlich mehr Elan kriegen.
Wie schon in Onkel Wanja steht auch hier wieder das gesamte Ensemble als regungslose Zuschauer am Bühnenrand, wenn sie gerade nicht in die "Handlung" einbezogen sind. Das gibt der gesamten Szenerie etwas noch Statischeres und Bedrückenderes.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Ein Abend für Fans elegischer Melodramen. Man muss die Leere dieser Figuren aushalten können.
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Geschrieben am 22.01.2009 um 00:09 von Konrad Kögler
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Kaminski on Air: Livehörspiel - Parodie zu Wagners Ring

Nach seinen Parodien auf Film - Klassiker wie Der weiße Hai und King Kong wagt er sich nun an das Allerheiligste der Bayreuther Festspielgemeinde und parodiert Richard Wagners Ring des Nibelungen.
Diese Woche hatte der dritte Teil der Tetralogie an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Premiere: Siegfried. Unterstützt von den beiden Musikern Stefan Brandenburg (Synthesizer) und Sebastian Hilken (Percussion) schlüpft der Schauspieler Stefan Kaminski in die Rollen des jungen Helden Siegfried, des Zwergs Mime oder des donnernden Wotan.
Die Kunst des Trios besteht darin, die stundenlange, verwirrende Opernhandlung auf knappe 80 Minuten einzudampfen, die wesentlichen Konflikte herauszuarbeiten und die Charaktere sehr genau zu zeichnen.
Besonders gelungen sind die Passagen des verschlagenen Giftzwergs Mime, dessen Hinterhältigkeit bei der Instrumentalisierung des naiven Siegfried in jedem Wort bei Kaminski hörbar mitschwingt. Im nächsten Moment wechselt er dann zum dröhnenden Bass Wotans, der mit seinem Speer wutschnaubend aufstampft, oder zum Riesen Fafner.
Das /e-politik.de/ - Fazit: Ein sehr lustiger Abend, der dem Stammpublikum der Kaminski - Fans die gewohnte gute Unterhaltung auf hohem musikalischem und stimmlichem Niveau bietet.
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Geschrieben am 19.01.2009 um 15:09 von Konrad Kögler
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Matinee zum 80. Geburtstag von Heiner Müller
Der bedeutende Dramatiker Heiner Müller wäre diese Woche 80 Jahre alt geworden, wenn er nicht im Dezember 1995 an einer Krebserkrankung gestorben wäre. Aus diesem Anlass widmete ihm das Deutsche Theater Berlin die Matinee Die Kunst ist letztlich nicht kontrollierbar!
Zeitlebens machte er es sich und anderen schwer, er nahm oft zwischen den Stühlen Platz, wurde aber dennoch oder zum Teil auch gerade deswegen mit höchsten Auszeichnungen dekoriert. Seine Stücke wie die Hamletmaschine, die derzeit im Repertoire der Kammerspiele des DT läuft, wirken oft sehr unzugänglich. Legendär sind seine Fernsehauftritte, als er den Einigungsprozess nach 1989 hinter dickem Zigarrenqualm orakelhaft und häufig sarkastisch begleitete.
Zum Regime der DDR hatte er ein sehr ambivalentes Verhältnis: Sein Stück Die Umsiedlerin wurde im Jahr des Mauerbaus 1961 verboten. Der Autor wurde aus dem Schriftstellerverband und der SED ausgeschlossen, Der Regisseur der Uraufführung, B. K. Tragelehn, wurde zur Bewährung in die Produktion geschickt. Ausgerechnet er hat jedoch die Ehre, an diesem Vormittag einen Auszug aus dem umstrittenen Werk zu lesen.
In den 1980er Jahren wendete sich das Blatt: Müller wurde an westdeutschen Bühnen zum gefeierten Star, die Bühnen rissen sich um die Uraufführung seiner Stücke. Auch im Osten wurden seine Schriften nach und nach publiziert. 1986 erhielt er sogar von Erich Honecker den Nationalpreis Erster Klasse.
In knapp zwei Stunden kann man den großen Höhen und Tiefen dieses Lebenswerkes natürlich nur schwer gerecht werden. Deshalb beschränken sich die Schauspieler auf einige Lieblingstexte, die Schlaglichter auf bestimmte Lebensphasen werfen.
Neben dem erwähnten Ausschnitt aus Die Umsiedlerin ragen vor allem zwei Texte heraus:
Jürgen Holtz trägt Passagen aus dem Auftrag vor, worin sich Müller sehr geschichtsskeptisch mit Verrat und Scheitern im Verlauf der Französischen Revolution auseinandersetzt.
Besonders theatralisch wird es bei Valery Tscheplanovas Traumtext: Atemlos hastet sie durch diesen panischen Angsttraum, den Heiner Müller als letztes Prosawerk und düstere Vorahnung wenige Wochen vor seinem Tod veröffentlichte.
Das /e-politik/-Fazit: Eine stimmungsvolle Matinee zu Ehren eines großen Dichters, der für das Berliner Kulturleben sicher eine große Bereicherung gewesen wäre, wenn er nicht so früh verstorben wäre. Nur die musikalische Begleitung durch Cello und Saxophon war etwas schrill und gewöhnungsbedürftig. Aber Heiner Müller hätte das sicher gefallen. Und als sein Schüler Dimiter Gottschef zwischendurch hektisch in seiner Tasche nach dem klingelnden Handy kramte, wäre das sicher eine Steilvorlage für eine seiner trockenen, knappen Bemerkungen gewesen, die er zwischen zwei Zügen an der Zigarre hervorzustoßen pflegte.
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Zeitlebens machte er es sich und anderen schwer, er nahm oft zwischen den Stühlen Platz, wurde aber dennoch oder zum Teil auch gerade deswegen mit höchsten Auszeichnungen dekoriert. Seine Stücke wie die Hamletmaschine, die derzeit im Repertoire der Kammerspiele des DT läuft, wirken oft sehr unzugänglich. Legendär sind seine Fernsehauftritte, als er den Einigungsprozess nach 1989 hinter dickem Zigarrenqualm orakelhaft und häufig sarkastisch begleitete.
Zum Regime der DDR hatte er ein sehr ambivalentes Verhältnis: Sein Stück Die Umsiedlerin wurde im Jahr des Mauerbaus 1961 verboten. Der Autor wurde aus dem Schriftstellerverband und der SED ausgeschlossen, Der Regisseur der Uraufführung, B. K. Tragelehn, wurde zur Bewährung in die Produktion geschickt. Ausgerechnet er hat jedoch die Ehre, an diesem Vormittag einen Auszug aus dem umstrittenen Werk zu lesen.
In den 1980er Jahren wendete sich das Blatt: Müller wurde an westdeutschen Bühnen zum gefeierten Star, die Bühnen rissen sich um die Uraufführung seiner Stücke. Auch im Osten wurden seine Schriften nach und nach publiziert. 1986 erhielt er sogar von Erich Honecker den Nationalpreis Erster Klasse.
In knapp zwei Stunden kann man den großen Höhen und Tiefen dieses Lebenswerkes natürlich nur schwer gerecht werden. Deshalb beschränken sich die Schauspieler auf einige Lieblingstexte, die Schlaglichter auf bestimmte Lebensphasen werfen.
Neben dem erwähnten Ausschnitt aus Die Umsiedlerin ragen vor allem zwei Texte heraus:
Jürgen Holtz trägt Passagen aus dem Auftrag vor, worin sich Müller sehr geschichtsskeptisch mit Verrat und Scheitern im Verlauf der Französischen Revolution auseinandersetzt.
Besonders theatralisch wird es bei Valery Tscheplanovas Traumtext: Atemlos hastet sie durch diesen panischen Angsttraum, den Heiner Müller als letztes Prosawerk und düstere Vorahnung wenige Wochen vor seinem Tod veröffentlichte.
Das /e-politik/-Fazit: Eine stimmungsvolle Matinee zu Ehren eines großen Dichters, der für das Berliner Kulturleben sicher eine große Bereicherung gewesen wäre, wenn er nicht so früh verstorben wäre. Nur die musikalische Begleitung durch Cello und Saxophon war etwas schrill und gewöhnungsbedürftig. Aber Heiner Müller hätte das sicher gefallen. Und als sein Schüler Dimiter Gottschef zwischendurch hektisch in seiner Tasche nach dem klingelnden Handy kramte, wäre das sicher eine Steilvorlage für eine seiner trockenen, knappen Bemerkungen gewesen, die er zwischen zwei Zügen an der Zigarre hervorzustoßen pflegte.
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Geschrieben am 11.01.2009 um 18:32 von Konrad Kögler
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