Berlinale 2010: Jugendreihe Generation zwischen Lateinamerika, Australien und Neukölln
Diesen Beitrag finden Sie seit dem 1.1.2010 im neuen Kulturblog von /e-politik.de/.
Berlinale 2010: Weltpremieren von Scorsese und Polanski als Höhepunkte
Die ersten sieben Titel für den Wettbewerb der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest. Die bislang eingeladenen Filme kommen aus Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Iran, Kroatien, Österreich, Türkei und USA.
Eine junge Filmemachergeneration, Stars und Regie-Meister wie Martin Scorsese und Roman Polanski prägen die ersten Filme im Wettbewerb.
„Der Wettbewerb zum 60. Geburtstag wird von einem Mix der Stile und Genres geprägt, von aufregenden Newcomern und renommierten Regisseuren“, sagt Festivaldirektor Dieter Kosslick.
Folgende Filme sind für das Wettbewerbsprogramm bislang bestätigt:
Bal (Honey) Türkei / Deutschland
Von Semih Kaplanoglu (Süt/Milk, Yumurta/Egg, Melegin Düsüsü/Angel’s Fall)
Mit Bora Altas, Erdal Besikcioglu, Tülin Özen, Alev Ucarer, Ayse Altay
Weltpremiere
Der Räuber Österreich / Deutschland
Von Benjamin Heisenberg (Schläfer, Max-Ophüls-Preis 2006)
Mit Andreas Lust, Franziska Weisz
Weltpremiere
My Name Is Khan Indien
Von Karan Johar
Mit Shah Rukh Khan, Kajol
Außer Konkurrenz
Na Putu (On the Path) Bosnien und Herzegowina / Österreich / Deutschland / Kroatien
Von Jasmila Žbanić (Grbavica - Esmas Geheimnis, Goldener Bär 2006)
Mit Zrinka Cvitešić (Shooting Star 2010), Leon Lucev, Ermin Bravo, Mirjana Karanović
Weltpremiere
Shekarchi (The Hunter) Deutschland / Iran
Von Rafi Pitts (Zemestan - Es ist Winter)
Mit Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat, Hassan Ghalenoi
Weltpremiere
Shutter Island USA
Von Martin Scorsese (The Departed, Aviator, Kap der Angst)
Mit Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Sir Ben Kingsley, Michelle Williams, Patricia Clarkson, Max von Sydow
Weltpremiere / Außer Konkurrenz
The Ghost Writer (Der Ghostwriter) Frankreich / Deutschland / Großbritannien
Von Roman Polanski (Der Pianist, Oscar 2002, China Town, Wenn Katelbach kommt..., Goldener Bär 1966)
Mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall, Olivia Williams
Weltpremiere
26 Filme werden ins Wettbewerbsprogramm der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen. Weitere Programmentscheidungen für den Wettbewerb werden im Januar 2010 bekanntgegeben.
Eine junge Filmemachergeneration, Stars und Regie-Meister wie Martin Scorsese und Roman Polanski prägen die ersten Filme im Wettbewerb.
„Der Wettbewerb zum 60. Geburtstag wird von einem Mix der Stile und Genres geprägt, von aufregenden Newcomern und renommierten Regisseuren“, sagt Festivaldirektor Dieter Kosslick.
Folgende Filme sind für das Wettbewerbsprogramm bislang bestätigt:
Bal (Honey) Türkei / Deutschland
Von Semih Kaplanoglu (Süt/Milk, Yumurta/Egg, Melegin Düsüsü/Angel’s Fall)
Mit Bora Altas, Erdal Besikcioglu, Tülin Özen, Alev Ucarer, Ayse Altay
Weltpremiere
Der Räuber Österreich / Deutschland
Von Benjamin Heisenberg (Schläfer, Max-Ophüls-Preis 2006)
Mit Andreas Lust, Franziska Weisz
Weltpremiere
My Name Is Khan Indien
Von Karan Johar
Mit Shah Rukh Khan, Kajol
Außer Konkurrenz
Na Putu (On the Path) Bosnien und Herzegowina / Österreich / Deutschland / Kroatien
Von Jasmila Žbanić (Grbavica - Esmas Geheimnis, Goldener Bär 2006)
Mit Zrinka Cvitešić (Shooting Star 2010), Leon Lucev, Ermin Bravo, Mirjana Karanović
Weltpremiere
Shekarchi (The Hunter) Deutschland / Iran
Von Rafi Pitts (Zemestan - Es ist Winter)
Mit Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat, Hassan Ghalenoi
Weltpremiere
Shutter Island USA
Von Martin Scorsese (The Departed, Aviator, Kap der Angst)
Mit Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Sir Ben Kingsley, Michelle Williams, Patricia Clarkson, Max von Sydow
Weltpremiere / Außer Konkurrenz
The Ghost Writer (Der Ghostwriter) Frankreich / Deutschland / Großbritannien
Von Roman Polanski (Der Pianist, Oscar 2002, China Town, Wenn Katelbach kommt..., Goldener Bär 1966)
Mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall, Olivia Williams
Weltpremiere
26 Filme werden ins Wettbewerbsprogramm der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen. Weitere Programmentscheidungen für den Wettbewerb werden im Januar 2010 bekanntgegeben.
Berlinale 2010: Erste Filme der Nachwuchsreihe "Perspektive Deutsches Kino"
Die neunte Ausgabe der Perspektive Deutsches Kino beginnt mit einer guten Nachricht: Drama geht auch anders. Renn, wenn du kannst heißt der Eröffnungsfilm der Reihe. Der Regisseur Dietrich Brüggemann (Absolvent der HFF „Konrad Wolf“ in Babelsberg) war 2006 mit seiner grandiosen Stilübung Neun Szenen bereits zu Gast im Programm. Jetzt hat er zusammen mit seiner Schwester, der Schauspielerin Anna Brüggemann, eine Dreiecksgeschichte entwickelt, die aus einer dramatischen Situation auch heitere und romantische Momente zieht. Die Männer in dieser Geschichte werden von Robert Gwisdek und Jacob Matschenz gespielt.
Die zweite gute Nachricht ist allmählich eine Selbstverständlichkeit im jüngsten deutschen Kino: Der Dokumentarfilm bleibt stark und wird dabei immer vielfältiger und unterhaltsamer.
Das geht besonders gut, wenn man wie die Regisseurin Saara Waasner drei kluge und selbstbewusste Prostituierte jenseits der für das Gewerbe üblichen Altersgrenze dazu bringt, frei und reflektiert über ihren Beruf und ihren Lebensalltag zu sprechen. Frauenzimmer ist ein Dokumentarfilm, der Türen öffnet.
Und während man in einem Film vom Filmemacher ganz nah zu den Protagonisten gebracht wird, macht sich in einem anderen der Filmemacher selber zum Protagonisten. Weil Jan Raiber (Filmakademie Baden-Württemberg) in Alle meine Väter seine persönliche Geschichte ins Zentrum des Films stellt, eine Geschichte, die er gar nicht beherrschen und kontrollieren kann, erlebt der Zuschauer mit dem Filmemacher manch eine Überraschung.
Ein Programm mit drei mittellangen Filmen beschäftigt sich auf höchst unterschiedliche Weise mit dem Filmemachen selbst. Glebs Film von Christian Hornung (Hochschule für bildende Künste, Hamburg) ist ein Film über einen Film, den es noch gar nicht gibt. Der Hamburger Friseur Gleb hat ihn aber schon lange im Kopf und erzählt ihn – unter der diskreten, aber genauen Beobachtung des Regisseurs – seinen Kundinnen und Kunden.
The Boy Who Wouldn`t Kill klingt nicht nur wie der Titel eines Westerns, der Film sieht auch so aus. Linus de Paoli (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) hat mit Pit Bukowski in der Hauptrolle eine auf allen Ebenen filmischer Effekte beeindruckend gespielte Variation über die Muster und Methoden des Genres, das immer wieder neu erfunden zu werden scheint, gedreht.
Der junge Schauspieler Sergei Moya hat nicht nur Spaß am Filmemachen, er weiß auch, wie man diesen dem Publikum vermittelt. Sein Film Hollywood Drama mit Clemens Schick und Carlo Ljubek ist eine treffsicher inszenierte und gespielte Satire auf den Traum vieler Vertreter der Generation von Filmemachern, die das Programm der Perspektive Deutsches Kino bestimmen und so lebendig machen.
Die zweite gute Nachricht ist allmählich eine Selbstverständlichkeit im jüngsten deutschen Kino: Der Dokumentarfilm bleibt stark und wird dabei immer vielfältiger und unterhaltsamer.
Das geht besonders gut, wenn man wie die Regisseurin Saara Waasner drei kluge und selbstbewusste Prostituierte jenseits der für das Gewerbe üblichen Altersgrenze dazu bringt, frei und reflektiert über ihren Beruf und ihren Lebensalltag zu sprechen. Frauenzimmer ist ein Dokumentarfilm, der Türen öffnet.
Und während man in einem Film vom Filmemacher ganz nah zu den Protagonisten gebracht wird, macht sich in einem anderen der Filmemacher selber zum Protagonisten. Weil Jan Raiber (Filmakademie Baden-Württemberg) in Alle meine Väter seine persönliche Geschichte ins Zentrum des Films stellt, eine Geschichte, die er gar nicht beherrschen und kontrollieren kann, erlebt der Zuschauer mit dem Filmemacher manch eine Überraschung.
Ein Programm mit drei mittellangen Filmen beschäftigt sich auf höchst unterschiedliche Weise mit dem Filmemachen selbst. Glebs Film von Christian Hornung (Hochschule für bildende Künste, Hamburg) ist ein Film über einen Film, den es noch gar nicht gibt. Der Hamburger Friseur Gleb hat ihn aber schon lange im Kopf und erzählt ihn – unter der diskreten, aber genauen Beobachtung des Regisseurs – seinen Kundinnen und Kunden.
The Boy Who Wouldn`t Kill klingt nicht nur wie der Titel eines Westerns, der Film sieht auch so aus. Linus de Paoli (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) hat mit Pit Bukowski in der Hauptrolle eine auf allen Ebenen filmischer Effekte beeindruckend gespielte Variation über die Muster und Methoden des Genres, das immer wieder neu erfunden zu werden scheint, gedreht.
Der junge Schauspieler Sergei Moya hat nicht nur Spaß am Filmemachen, er weiß auch, wie man diesen dem Publikum vermittelt. Sein Film Hollywood Drama mit Clemens Schick und Carlo Ljubek ist eine treffsicher inszenierte und gespielte Satire auf den Traum vieler Vertreter der Generation von Filmemachern, die das Programm der Perspektive Deutsches Kino bestimmen und so lebendig machen.
Berlinale 2010: Ehrenbären für Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase
Im Jubiläumsjahr 2010 widmet die 60. Berlinale ihre Hommage zwei Filmkünstlern, die über Jahrzehnte hinweg auf unterschiedliche Weise das deutsche Nachkriegskino maßgeblich beeinflusst haben.
„Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase stehen beide gleichermaßen für Erneuerung und Aufbruch – im Westen und im Osten Deutschlands. Hanna Schygullas Name ist untrennbar mit den Filmen Rainer Werner Fassbinders verbunden. Wolfgang Kohlhaase schlug bereits in seinen ersten gemeinsamen Arbeiten mit dem Regisseur Gerhard Klein eine für die DEFA neue Richtung ein“, kommentiert Berlinale-Direktor Dieter Kosslick die Ehrung.
Anlässlich der Hommage werden Wolfgang Kohlhaase am 17. Februar und Hanna Schygulla am 18. Februar 2010 mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Eine Auswahl von je fünf Filmen begleitet die Hommage.
Hanna Schygulla kam durch Rainer Werner Fassbinder 1967 zum Münchner Action-Theater und spielte zwischen 1969 und 1980 in 20 seiner Filme. Im Rahmen der Hommage wird Rio das Mortes (1970/71) gezeigt, ein rares Frühwerk, das Utopien und Lebensgefühl der siebziger Jahre mit bizarrer Komik einfängt. Späte Fassbinder-Filme wie Die Ehe der Maria Braun (1978/79), für den sie 1979 in Berlin den Silbernen Bären erhielt, und Lili Marleen (1980/81) begründeten vor allem in den USA Schygullas Ruf als "Nachfolgerin der Dietrich". Sie galt als Fassbinders Muse; durch ihn wurde sie zu einer Ikone des Neuen Deutschen Films und international zu "der Schygulla". Sie arbeitete mit namhaften deutschen Regisseurinnen und Regisseuren wie Reinhard Hauff, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta und Wim Wenders. Nach Fassbinders frühem Tod drehte sie mit internationalen Regiegrößen wie Jean-Luc Godard, Carlos Saura, Ettore Scola und Andrzej Wajda. Für die Rolle der Eugenia in Marco Ferreris Storia di Piera (Die Geschichte der Piera, 1982/83) wurde sie 1983 in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. Nach längerer Pause ist die seit 1981 in Paris lebende Künstlerin auch wieder in deutschen Filmen zu sehen – zuletzt in Fatih Akins Auf der anderen Seite (2006/07). Schygullas Vielseitigkeit zeigt sich nicht zuletzt auch in eigenen Bühnenprojekten und Regiearbeiten: ihre Traumprotokolle (1976/2005) haben Eingang in die Sammlung des MoMA gefunden und sind Teil eines Programms mit Videoarbeiten, die Hanna Schygulla realisiert hat und in Berlin präsentieren wird.
Der in Berlin geborene, heute 78jährige Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase hat das Filmschaffen der DEFA stark geprägt. Er gehört zu jenen ostdeutschen Filmkünstlern, die auch nach dem Fall der Mauer in der Branche erfolgreich blieben. Kohlhaase pflegte die langjährige partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Gerhard Klein, Konrad Wolf und Frank Beyer. Später schrieb er für Regisseure wie Bernhard Wicki und Volker Schlöndorff, in jüngster Zeit für Andreas Dresen. Seine ersten Kinoerfolge hatte Kohlhaase, gemeinsam mit Gerhard Klein, mit den berühmten "Berlin-Filmen". Aus Arbeiten wie Berlin – Ecke Schönhauser (Gerhard Klein, 1956/57) sprechen Begeisterung für den Neorealismus und ein Sinn für soziale Realität. Sie gehören zu den ersten authentischen Gegenwartsfilmen der DEFA und brachten eine neue Tonlage in die Kinos der DDR. Das Leben in der geteilten und nun wieder vereinten Stadt Berlin durchzieht Kohlhaases Werk seither wie ein roter Faden, der bis zu Sommer vorm Balkon (Andreas Dresen, 2004/05) reicht. Eine zweite Konstante, die Beschäftigung mit dem deutschen Faschismus und seinen Folgen, führte ihn mit Konrad Wolf zusammen, mit dem er vier Filme realisierte. Bei Wolfs letzter Arbeit, Solo Sunny (1978 - 80), der 1980 auf der Berlinale einen Silbernen Bären gewann, war der Autor Kohlhaase erstmals auch Co-Regisseur. Einem anderen Kohlhaase-Film, Der Aufenthalt (Frank Beyer, 1982/83), blieb die Berlinale-Teilnahme seinerzeit verwehrt: nach einem Einspruch der polnischen Regierung zog die DDR den Film, der die Geschichte eines deutschen Soldaten in einem polnischen Gefängnis am Ende des Krieges erzählt, zurück.
„In Wolfgang Kohlhaase findet sich der seltene Fall eines Autoren, dessen Name stets in einem Atemzug mit dem des Regisseurs genannt wird. Das Gespür für Authentizität in seinen Figuren wie in seinen Geschichten, seine lakonische, sehr ökonomische Sprache und seine feine Ironie sind ein Glücksfall für das deutsche Kino. Mit Hanna Schygulla ehren wir eine Darstellerin, die, von Fassbinder in seinen frühen Filmen als Anti-Star inszeniert, mit ihrem sinnlichen Spiel und ihrer gefühlvollen Stimme zu einer der aufregendsten europäischen Schauspielerinnen wurde“, erklärt Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, die die Hommage verantwortet.
„Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase stehen beide gleichermaßen für Erneuerung und Aufbruch – im Westen und im Osten Deutschlands. Hanna Schygullas Name ist untrennbar mit den Filmen Rainer Werner Fassbinders verbunden. Wolfgang Kohlhaase schlug bereits in seinen ersten gemeinsamen Arbeiten mit dem Regisseur Gerhard Klein eine für die DEFA neue Richtung ein“, kommentiert Berlinale-Direktor Dieter Kosslick die Ehrung.
Anlässlich der Hommage werden Wolfgang Kohlhaase am 17. Februar und Hanna Schygulla am 18. Februar 2010 mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Eine Auswahl von je fünf Filmen begleitet die Hommage.
Hanna Schygulla kam durch Rainer Werner Fassbinder 1967 zum Münchner Action-Theater und spielte zwischen 1969 und 1980 in 20 seiner Filme. Im Rahmen der Hommage wird Rio das Mortes (1970/71) gezeigt, ein rares Frühwerk, das Utopien und Lebensgefühl der siebziger Jahre mit bizarrer Komik einfängt. Späte Fassbinder-Filme wie Die Ehe der Maria Braun (1978/79), für den sie 1979 in Berlin den Silbernen Bären erhielt, und Lili Marleen (1980/81) begründeten vor allem in den USA Schygullas Ruf als "Nachfolgerin der Dietrich". Sie galt als Fassbinders Muse; durch ihn wurde sie zu einer Ikone des Neuen Deutschen Films und international zu "der Schygulla". Sie arbeitete mit namhaften deutschen Regisseurinnen und Regisseuren wie Reinhard Hauff, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta und Wim Wenders. Nach Fassbinders frühem Tod drehte sie mit internationalen Regiegrößen wie Jean-Luc Godard, Carlos Saura, Ettore Scola und Andrzej Wajda. Für die Rolle der Eugenia in Marco Ferreris Storia di Piera (Die Geschichte der Piera, 1982/83) wurde sie 1983 in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. Nach längerer Pause ist die seit 1981 in Paris lebende Künstlerin auch wieder in deutschen Filmen zu sehen – zuletzt in Fatih Akins Auf der anderen Seite (2006/07). Schygullas Vielseitigkeit zeigt sich nicht zuletzt auch in eigenen Bühnenprojekten und Regiearbeiten: ihre Traumprotokolle (1976/2005) haben Eingang in die Sammlung des MoMA gefunden und sind Teil eines Programms mit Videoarbeiten, die Hanna Schygulla realisiert hat und in Berlin präsentieren wird.
Der in Berlin geborene, heute 78jährige Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase hat das Filmschaffen der DEFA stark geprägt. Er gehört zu jenen ostdeutschen Filmkünstlern, die auch nach dem Fall der Mauer in der Branche erfolgreich blieben. Kohlhaase pflegte die langjährige partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Gerhard Klein, Konrad Wolf und Frank Beyer. Später schrieb er für Regisseure wie Bernhard Wicki und Volker Schlöndorff, in jüngster Zeit für Andreas Dresen. Seine ersten Kinoerfolge hatte Kohlhaase, gemeinsam mit Gerhard Klein, mit den berühmten "Berlin-Filmen". Aus Arbeiten wie Berlin – Ecke Schönhauser (Gerhard Klein, 1956/57) sprechen Begeisterung für den Neorealismus und ein Sinn für soziale Realität. Sie gehören zu den ersten authentischen Gegenwartsfilmen der DEFA und brachten eine neue Tonlage in die Kinos der DDR. Das Leben in der geteilten und nun wieder vereinten Stadt Berlin durchzieht Kohlhaases Werk seither wie ein roter Faden, der bis zu Sommer vorm Balkon (Andreas Dresen, 2004/05) reicht. Eine zweite Konstante, die Beschäftigung mit dem deutschen Faschismus und seinen Folgen, führte ihn mit Konrad Wolf zusammen, mit dem er vier Filme realisierte. Bei Wolfs letzter Arbeit, Solo Sunny (1978 - 80), der 1980 auf der Berlinale einen Silbernen Bären gewann, war der Autor Kohlhaase erstmals auch Co-Regisseur. Einem anderen Kohlhaase-Film, Der Aufenthalt (Frank Beyer, 1982/83), blieb die Berlinale-Teilnahme seinerzeit verwehrt: nach einem Einspruch der polnischen Regierung zog die DDR den Film, der die Geschichte eines deutschen Soldaten in einem polnischen Gefängnis am Ende des Krieges erzählt, zurück.
„In Wolfgang Kohlhaase findet sich der seltene Fall eines Autoren, dessen Name stets in einem Atemzug mit dem des Regisseurs genannt wird. Das Gespür für Authentizität in seinen Figuren wie in seinen Geschichten, seine lakonische, sehr ökonomische Sprache und seine feine Ironie sind ein Glücksfall für das deutsche Kino. Mit Hanna Schygulla ehren wir eine Darstellerin, die, von Fassbinder in seinen frühen Filmen als Anti-Star inszeniert, mit ihrem sinnlichen Spiel und ihrer gefühlvollen Stimme zu einer der aufregendsten europäischen Schauspielerinnen wurde“, erklärt Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, die die Hommage verantwortet.
Werner Herzog wird Jurypräsident der Berlinale 2010
Werner Herzog, einer der bedeutendsten Filmemacher des Autorenkinos, wird Jury-Präsident der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin.
Als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des Neuen Deutschen Films prägte er eine ganze Ära von Filmschaffenden. In seiner knapp 50jährigen Filmkarriere schuf Herzog über 50 Filme, neben den bekannten Spielfilmen stehen dabei ebenso beeindruckende dokumentarische Arbeiten. Zudem machte er sich als Opernregisseur, Autor, Produzent und Schauspieler einen Namen und engagiert sich mit seiner Rogue Film School für den Filmnachwuchs. Das TIME Magazin wählte Werner Herzog 2009 zu einer der 100 einflussreichsten Personen weltweit.
„Werner Herzogs Filme zeugen von der künstlerischen Kraft des Kinos. Ich freue mich, dass wir diesen herausragenden Regisseur als Jury-Präsidenten für unser 60. Jubiläum gewinnen konnten“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
Bereits für sein Spielfilmdebüt Lebenszeichen (1968) wurde er mit dem Silbernen Bären für den Besten Erstlingsfilm auf der Berlinale 1968 und mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Erster Film ausgezeichnet. Herzogs Werk umfasst neben internationalen Spielfilmen wie Aguirre, der Zorn Gottes (1972), Jeder für sich und Gott gegen alle (Spezialpreis der Jury 1975 in Cannes), Nosferatu–Phantom der Nacht (1979), Fitzcarraldo (1982, Silberne Palme in Cannes für die beste Regie), Cobra Verde (1987) und Rescue Dawn (2006) auch zahlreiche Dokumentarfilme, darunter Grizzly Man (2005) und Encounters at the End of the World (2007), für den er 2009 eine Oscar-Nominierung erhielt. Über seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski, der in fünf seiner Filme die Hauptrolle spielte, drehte er 1999 den Dokumentarfilm Mein liebster Feind. Seit Mitte der 80er Jahre widmet sich Werner Herzog auch der Oper und inszenierte unter anderem bei den Bayreuther Festspielen und an der Mailänder Scala, außerdem hat er in den vergangenen Jahren auch zunehmend als Schauspieler gearbeitet, u.a. in Harmony Korines Julien Donkey Boy (1999).
Werner Herzog wurde mit zahlreichen Auszeichnungen großer internationaler Filmfestivals geehrt. Bei der Berlinale präsentierte er 1968 Lebenszeichen und 1979 Nosferatu–Phantom der Nacht im Wettbewerb. Zuletzt war er 2009 mit zwei Filmen im Wettbewerb der Filmfestspiele in Venedig: My Son, My Son, What Have Ye Done (2009) und Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans (2009).
Als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des Neuen Deutschen Films prägte er eine ganze Ära von Filmschaffenden. In seiner knapp 50jährigen Filmkarriere schuf Herzog über 50 Filme, neben den bekannten Spielfilmen stehen dabei ebenso beeindruckende dokumentarische Arbeiten. Zudem machte er sich als Opernregisseur, Autor, Produzent und Schauspieler einen Namen und engagiert sich mit seiner Rogue Film School für den Filmnachwuchs. Das TIME Magazin wählte Werner Herzog 2009 zu einer der 100 einflussreichsten Personen weltweit.
„Werner Herzogs Filme zeugen von der künstlerischen Kraft des Kinos. Ich freue mich, dass wir diesen herausragenden Regisseur als Jury-Präsidenten für unser 60. Jubiläum gewinnen konnten“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
Bereits für sein Spielfilmdebüt Lebenszeichen (1968) wurde er mit dem Silbernen Bären für den Besten Erstlingsfilm auf der Berlinale 1968 und mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Erster Film ausgezeichnet. Herzogs Werk umfasst neben internationalen Spielfilmen wie Aguirre, der Zorn Gottes (1972), Jeder für sich und Gott gegen alle (Spezialpreis der Jury 1975 in Cannes), Nosferatu–Phantom der Nacht (1979), Fitzcarraldo (1982, Silberne Palme in Cannes für die beste Regie), Cobra Verde (1987) und Rescue Dawn (2006) auch zahlreiche Dokumentarfilme, darunter Grizzly Man (2005) und Encounters at the End of the World (2007), für den er 2009 eine Oscar-Nominierung erhielt. Über seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski, der in fünf seiner Filme die Hauptrolle spielte, drehte er 1999 den Dokumentarfilm Mein liebster Feind. Seit Mitte der 80er Jahre widmet sich Werner Herzog auch der Oper und inszenierte unter anderem bei den Bayreuther Festspielen und an der Mailänder Scala, außerdem hat er in den vergangenen Jahren auch zunehmend als Schauspieler gearbeitet, u.a. in Harmony Korines Julien Donkey Boy (1999).
Werner Herzog wurde mit zahlreichen Auszeichnungen großer internationaler Filmfestivals geehrt. Bei der Berlinale präsentierte er 1968 Lebenszeichen und 1979 Nosferatu–Phantom der Nacht im Wettbewerb. Zuletzt war er 2009 mit zwei Filmen im Wettbewerb der Filmfestspiele in Venedig: My Son, My Son, What Have Ye Done (2009) und Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans (2009).
60 Jahre Berlinale - Retrospektive im Jahr 2010
1960 lief im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin ein Film, der mit allen filmischen Konventionen brach und die Kritiker sprachlos machte. Mit A bout de souffle (Außer Atem, Frankreich 1959/60) gelang dem jungen Godard nicht nur der internationale Durchbruch − der Einzug der Nouvelle Vague stellt rückblickend auch einen der markantesten Wendepunkte in der Geschichte des Festivals dar. Mit einem Streifzug durch 60 Jahre Berlinale-Vergangenheit bringt die Retrospektive PLAY IT AGAIN ...! Entdeckungen von einst auf die große Leinwand zurück und wirft exemplarisch Schlaglichter auf die Entwicklung des Festivals: von den ersten Dekaden, die im Zeichen des Kalten Kriegs standen, über die Öffnung für Filme aus sozialistischen Ländern bis hin zum Ende der politischen Teilung Europas, das das Festival vor rund 20 Jahren aus dem Balanceakt zwischen kultureller Offenheit und politischer Einflussnahme befreite. In den 1980er und 90er Jahren hatte sich die Berlinale als Plattform für das osteuropäische und asiatische Kino etabliert und in jüngster Vergangenheit stellte sie verstärkt deutsche Filme gleichberechtigt neben internationale Produktionen.
Die Retrospektive präsentiert die Vielfalt des Festivals mit rund 40 Filmen aus den Sektionen Wettbewerb, Forum, Panorama sowie Generation. Zusammengestellt hat das Programm der renommierte britische Filmkritiker David Thomson: „Ein Festival wie die Berlinale zeigt, wie umstrittene Filme von gestern zu den Klassikern von heute wurden. Daneben stelle ich Filme, die auch heute noch überraschen und provozieren, und freue mich auf angeregte Diskussionen in Berlin”, kommentiert der in den USA lebende Kurator seine Auswahl. Raritäten aus den Pionierjahren des Festivals wie Il Cristo proibito von Curzio Malaparte (Der verbotene Christus, Italien 1950/51), Fröken Julie von Alf Sjöberg (Fräulein Julie, Schweden 1950/51) und Ikiru von Akira Kurosawa (Einmal wirklich leben, Japan 1952) treffen auf Filme aus der jüngsten Dekade wie Niels Arden Oplevs Drømmen (Der Traum, Dänemark/Großbritannien 2005/06), eine ergreifende Vater-Sohn-Geschichte nicht nur für die junge Generation, und Paul Thomas Andersons Magnolia (USA 1999), der 2000 mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde. „Interessiert hat uns der Blick von außen: Welche Filme repräsentieren für den versierten Filmkenner David Thomson die Festivalgeschichte? Welche Filme sind in seiner persönlichen Erinnerung prägend gewesen? Seine Auswahl ist ein spannender Blick auf die Filmgeschichte“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
„Von außergewöhnlicher Brisanz waren jene Filme, die die Festivalroutine aus politischen oder ästhetischen Gründen aus den Fugen geraten ließen und dadurch besonders im Gedächtnis geblieben sind“, ergänzt Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek und Leiter der Retrospektive.
Aufsehen erregte beispielsweise 1976 Nagisa Oshimas Ai no corrida (Im Reich der Sinne, Japan/Frankreich 1975/76): Nach der ersten Vorstellung des Films wurde die Kopie von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, und gegen den Leiter des Internationalen Forums des Jungen Films, Ulrich Gregor, wurde Anklage wegen „Verbreitung von Pornographie“ erhoben. Ebenfalls für Aufruhr sorgte 1979 Michael Ciminos Antikriegsdrama The Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen, USA 1978). Als der Film trotz sowjetischen Protests im Wettbewerb gezeigt wurde, zogen mehrere sozialistische Länder ihre Filme aus dem Programm zurück, und ihre Delegationen reisten ab.
Zu David Thomsons Auswahl gehören auch Höhepunkte des europäischen Autorenkinos wie Werner Herzogs Spielfilmdebüt Lebenszeichen (BRD 1967/68) und Alain Tanners melancholisch-subtiler Film Dans la ville blanche (In der weißen Stadt, Schweiz/Polen 1982/83) sowie cineastische Glanzpunkte aus Asien wie Zhang Yimous Hong gaoliang (Rotes Kornfeld, 1987/88), der 1988 als erster Film aus der Volksrepublik China zu internationalen Festivalehren kam und mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde. Das komplette Filmprogramm der Retrospektive PLAY IT AGAIN …! wird Mitte Januar auf www.berlinale.de und www.deutsche-kinemathek.de veröffentlicht.
Die Filmvorführungen der Retrospektive finden im CinemaxX am Potsdamer Platz und im Zeughauskino statt. Das Filmprogramm wird durch eine Veranstaltungsreihe in der Deutschen Kinemathek ergänzt. Das Buch zur Retrospektive mit einem einleitenden Essay von David Thomson und zahlreichen Fotos erscheint als zweisprachige Ausgabe (deutsch und englisch) der Reihe „FilmHeft” im Berliner Verlag Bertz + Fischer. Ein umfangreicher Datenteil dokumentiert die zur Aufführung kommenden Filme mit detaillierten filmografischen Angaben und zeitgenössischen Festival-Kritiken. Die Retrospektive und die Publikation werden von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen verantwortet.
Die Retrospektive präsentiert die Vielfalt des Festivals mit rund 40 Filmen aus den Sektionen Wettbewerb, Forum, Panorama sowie Generation. Zusammengestellt hat das Programm der renommierte britische Filmkritiker David Thomson: „Ein Festival wie die Berlinale zeigt, wie umstrittene Filme von gestern zu den Klassikern von heute wurden. Daneben stelle ich Filme, die auch heute noch überraschen und provozieren, und freue mich auf angeregte Diskussionen in Berlin”, kommentiert der in den USA lebende Kurator seine Auswahl. Raritäten aus den Pionierjahren des Festivals wie Il Cristo proibito von Curzio Malaparte (Der verbotene Christus, Italien 1950/51), Fröken Julie von Alf Sjöberg (Fräulein Julie, Schweden 1950/51) und Ikiru von Akira Kurosawa (Einmal wirklich leben, Japan 1952) treffen auf Filme aus der jüngsten Dekade wie Niels Arden Oplevs Drømmen (Der Traum, Dänemark/Großbritannien 2005/06), eine ergreifende Vater-Sohn-Geschichte nicht nur für die junge Generation, und Paul Thomas Andersons Magnolia (USA 1999), der 2000 mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde. „Interessiert hat uns der Blick von außen: Welche Filme repräsentieren für den versierten Filmkenner David Thomson die Festivalgeschichte? Welche Filme sind in seiner persönlichen Erinnerung prägend gewesen? Seine Auswahl ist ein spannender Blick auf die Filmgeschichte“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
„Von außergewöhnlicher Brisanz waren jene Filme, die die Festivalroutine aus politischen oder ästhetischen Gründen aus den Fugen geraten ließen und dadurch besonders im Gedächtnis geblieben sind“, ergänzt Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek und Leiter der Retrospektive.
Aufsehen erregte beispielsweise 1976 Nagisa Oshimas Ai no corrida (Im Reich der Sinne, Japan/Frankreich 1975/76): Nach der ersten Vorstellung des Films wurde die Kopie von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, und gegen den Leiter des Internationalen Forums des Jungen Films, Ulrich Gregor, wurde Anklage wegen „Verbreitung von Pornographie“ erhoben. Ebenfalls für Aufruhr sorgte 1979 Michael Ciminos Antikriegsdrama The Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen, USA 1978). Als der Film trotz sowjetischen Protests im Wettbewerb gezeigt wurde, zogen mehrere sozialistische Länder ihre Filme aus dem Programm zurück, und ihre Delegationen reisten ab.
Zu David Thomsons Auswahl gehören auch Höhepunkte des europäischen Autorenkinos wie Werner Herzogs Spielfilmdebüt Lebenszeichen (BRD 1967/68) und Alain Tanners melancholisch-subtiler Film Dans la ville blanche (In der weißen Stadt, Schweiz/Polen 1982/83) sowie cineastische Glanzpunkte aus Asien wie Zhang Yimous Hong gaoliang (Rotes Kornfeld, 1987/88), der 1988 als erster Film aus der Volksrepublik China zu internationalen Festivalehren kam und mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde. Das komplette Filmprogramm der Retrospektive PLAY IT AGAIN …! wird Mitte Januar auf www.berlinale.de und www.deutsche-kinemathek.de veröffentlicht.
Die Filmvorführungen der Retrospektive finden im CinemaxX am Potsdamer Platz und im Zeughauskino statt. Das Filmprogramm wird durch eine Veranstaltungsreihe in der Deutschen Kinemathek ergänzt. Das Buch zur Retrospektive mit einem einleitenden Essay von David Thomson und zahlreichen Fotos erscheint als zweisprachige Ausgabe (deutsch und englisch) der Reihe „FilmHeft” im Berliner Verlag Bertz + Fischer. Ein umfangreicher Datenteil dokumentiert die zur Aufführung kommenden Filme mit detaillierten filmografischen Angaben und zeitgenössischen Festival-Kritiken. Die Retrospektive und die Publikation werden von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen verantwortet.
WCF - Spotlight - Festival im Kino Hackesche Höfe
Der Berlinale - Direktor Dieter Kosslick eröffnete in seiner gewohnt launigen Art ein kleines, aber feines Festival: Der World Cinema Fund feiert seinen fünften Geburtstag und stellt zehn ausgewählte Filme von jungen, von dieser Institution geförderten Regisseuren aus Regionen, die im internationalen Kino oft zu kurz kommen, wie Lateinamerika, Asien, Afrika oder dem Nahen Osten vor.
Eigentlich sollte anschließend der Kameramann Michael Ballhaus eine Laudatio halten. Wegen seiner Erkrankung sprang kurzfristig der deutsch - türkische Regisseur Fatih Akin ein, der mit Gegen die Wand auf der Berlinale 2004 seinen Durchbruch feierte und statt der üblichen getragenen Festworte kurze Anekdoten über einen kurdischen Freund und Kollegen improvisierte. Daran zeigte sich, wie wichtig derartige Fördermittel sind, wenn man nicht erleben will, dass die Familie zur Finanzierung ein Haus verkaufen muss.
Zur Feier des Tages wurde anschließend Claudia Llosas Film La teta asustada präsentiert, der unter dem Titel Eine Perle Ewigkeit ab dem heutigen Donnerstag bundesweit in 30 Kinos starten wird. Leider konnte die peruanische Regisseurin und Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa nicht anwesend sein, da am selben Tag ihr Kind zur Welt kam.
La teta asustada gewann völlig überraschend den Goldenen Bären bei der Berlinale 2009. Wie schon in mehreren Jahren zuvor war auch diese Jury - Entscheidung nicht ganz nachvollziehbar. Im Wettbewerb liefen doch einige reifere und künstlerisch interessantere Filme als dieses zweite Werk der jungen Regisseurin, das wohl kaum den Weg über einige Programmkinos hinaus finden wird.
Der Film behandelt das Schicksal einer traumatisierten Frau: Fausta (Magaly Solier) hat die Angst ihrer Mutter vererbt bekommen, die während der bürgerkriegsartigen Wirren zwischen Regierungstruppen und der maoistischen Terrororganisation Leuchtender Pfad wie so viele Frauen in den vergangenen Jahrzehnten vergewaltigt wurde. In den knapp 90 Minuten folgt die Kamera Faustas Leidensweg, die nach dem Tod ihrer Mutter dringend Geld für die Überführung und das Begräbnis in ihrem Heimatdorf braucht und deshalb als Dienstmädchen bei einer reichen Pianistin in der Stadt arbeitet. Immer wieder beginnt sie zu bluten: Sobald sie unter Stress gerät, brechen ihre seelischen Wunden auf und das Blut tropft aus ihrer Nase.
Ein sehr bedrückender Film, in dem äußerlich wenig passiert und der sich ganz auf die Hauptdarstellerin Magaly Solier konzentriert. Ein Film, über dem das Trauma, das gleich in der ersten Szene in einem Lied verarbeitet wird, wie ein Leichentuch liegt, wie die Süddeutsche Zeitung treffend formulierte.
Die Website zum Film
Am zweiten Festivaltag stellte Raya Martin von den Philippinen seinen Beitrag Independencia vor, der bereits auf dem renommierten Festival in Cannes lief. In getragenem Erzählduktus und Schwarz - Weiß - Farben taucht der Film tief in die Geschichte dieses südostasiatischen Landes ein: Ende des 19. Jahrhunderts wagten die Einheimischen einen Aufstand gegen die knapp 300 Jahre währende Kolonialherrschaft der Spanier. Die proklamierte Unabhängigkeit wurde aber international nicht anerkannt. Nach einem mehrjährigen Krieg, der ca. 1 Million Tote forderte, besetzten die USA das Land zwischen 1902 und 1942. Diese Okkupation schildert der Regisseur im anschließenden Publikumsgespräch als noch grausamer. Die USA werden auf dem Inselstaat heute deshalb sehr ambivalent gesehen: einerseits sind die damaligen Wunden noch spürbar, andererseits ist der amerikanische Lifestyle mit seinen Exportprodukten sehr tief in der Gesellschaft verankert. Außerdem nutzen die USA bis heute dort wichtige Militärstützpunkte.
Independencia schildert das Leben einer Frau, die mit ihrem Sohn vor den anrückenden US - Truppen in den Dschungel flüchtet. Die Ästhetik dieser Bilder ist sehr ungewohnt, da sie sich am Stil der philippinischen Filmproduktion der 1920er Jahre orientiert, mit der sich der Vater des jungen Regisseurs wissenschaftlich befasste und von der heute nur noch wenige Werke erhalten sind.
Die melancholische Grundstimmung des Films mündet in einen aufkommenden Tropensturm und die Eroberung des Urwald - Rückzugsortes durch die amerikanischen Truppen. Die Hauptfiguren sterben, der Jüngste springt von der Klippe in den Tod. Dennoch beharrte der Regisseur darauf, dass es ein lustiger Film sei und kicherte während der Fragerunde oft.
Ein Höhepunkt des WCF - Spotlights war Ajami am dritten Festivaltag. An dieser Produktion ist allein schon die Herkunft des Regie - Duos bemerkenswert: Der Palästinenser Scandar Copti arbeitete mit seinem israelischen Kollegen Yaron Shani zusammen. Dem zweistündigen Film merkt man an, dass viel Geld und Sachverstand investiert wurden: Neben dem WCF kofinanzierten ihn auch die israelische Regierung, arte und das Kleine Fernsehspiel des ZDF.
Es ist teilweise etwas schwierig, in der komplexen Konstruktion aus fünf Kapiteln den Überblick zu behalten, deren Erzählstränge in Rückblenden und Querverweisen immer wieder aufeinander Bezug nehmen, neue Exkurse starten und schließlich in einem blutigen Finale sowie einem meditativen, ernüchterten Fazit eines Hauptdarstellers münden. Die Handlung fokussiert sich zunächst auf Clanrivalitäten in Ajami, dem titelgebenden Stadtbezirk Jaffas, der arabischen Nachbarstadt von Tel Aviv. Um seine Schuld zu begleichen verstrickt sich der junge Omar in Drogengeschäfte und Schießereien mit der israelischen Polizei.
Die Gewaltspirale dieses Films funktioniert als Thriller, kann aber auch als Parabel auf den Nahost – Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gesehen werden, der schon seit Jahrzehnten genauso verfahren erscheint wie die Lage der Figuren dieses Films. Wie sie sich auch entscheiden: Sie verstricken sich nur immer tiefer in Gewalt.
Der Film sorgte bereits bei seiner Präsentation auf dem Festival von Cannes im Mai 2009 für Furore, wurde in fünf Kategorien mit dem wichtigsten israelischen Filmpreis ausgezeichnet und soll im März 2010 auch in deutschen Kinos starten.
Mit dem Nahost - Konflikt befasst sich auch der palästinensische Film Paradise Now, der bei seiner Premiere 2005 wegen der kritischen Auseinandersetzung mit dem heißen Eisen der Selbstmordattentate für Schlagzeilen sorgte, worüber wir ausführlich berichteten.
Etwas schwächer war der Abschlussbeitrag Pandora´s Box der jungen Türkin Yesim Ustaoglu. sie schildert in ihrem Familiendrama, wie schwer sich die erwachsenen Kinder damit tun, als sich ihre Mutter wegen Altersdemenz in ihrem Bergdorf nicht mehr allein zurecht findet. Sie sind in der Metropole Istanbul viel zu sehr mit ihren Karrieren, ihren Affären, ihrem Stress mit dem Ehemann oder einfach nur ihrem alternativen Selbstverwirklichungstrip beschäftigt, als dass sie sich um die gebrechliche Mutter kümmern könnten. Als sie sie in ein Heim abschieben wollen, nimmt sie der rebellische Enkel mit zurück in ihr Bergdorf: Er findet als einziger Zugang zu der Frau.
Der Film lebt vor allem von der schauspielerischen Leistung der bereits 91jährigen Französin Tsilla Chelton, für die sie zuletzt auf den Festivals von San Sebastian und Manila mit dem Preis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet werde.
Eigentlich sollte anschließend der Kameramann Michael Ballhaus eine Laudatio halten. Wegen seiner Erkrankung sprang kurzfristig der deutsch - türkische Regisseur Fatih Akin ein, der mit Gegen die Wand auf der Berlinale 2004 seinen Durchbruch feierte und statt der üblichen getragenen Festworte kurze Anekdoten über einen kurdischen Freund und Kollegen improvisierte. Daran zeigte sich, wie wichtig derartige Fördermittel sind, wenn man nicht erleben will, dass die Familie zur Finanzierung ein Haus verkaufen muss.
Zur Feier des Tages wurde anschließend Claudia Llosas Film La teta asustada präsentiert, der unter dem Titel Eine Perle Ewigkeit ab dem heutigen Donnerstag bundesweit in 30 Kinos starten wird. Leider konnte die peruanische Regisseurin und Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa nicht anwesend sein, da am selben Tag ihr Kind zur Welt kam.
La teta asustada gewann völlig überraschend den Goldenen Bären bei der Berlinale 2009. Wie schon in mehreren Jahren zuvor war auch diese Jury - Entscheidung nicht ganz nachvollziehbar. Im Wettbewerb liefen doch einige reifere und künstlerisch interessantere Filme als dieses zweite Werk der jungen Regisseurin, das wohl kaum den Weg über einige Programmkinos hinaus finden wird.
Der Film behandelt das Schicksal einer traumatisierten Frau: Fausta (Magaly Solier) hat die Angst ihrer Mutter vererbt bekommen, die während der bürgerkriegsartigen Wirren zwischen Regierungstruppen und der maoistischen Terrororganisation Leuchtender Pfad wie so viele Frauen in den vergangenen Jahrzehnten vergewaltigt wurde. In den knapp 90 Minuten folgt die Kamera Faustas Leidensweg, die nach dem Tod ihrer Mutter dringend Geld für die Überführung und das Begräbnis in ihrem Heimatdorf braucht und deshalb als Dienstmädchen bei einer reichen Pianistin in der Stadt arbeitet. Immer wieder beginnt sie zu bluten: Sobald sie unter Stress gerät, brechen ihre seelischen Wunden auf und das Blut tropft aus ihrer Nase.
Ein sehr bedrückender Film, in dem äußerlich wenig passiert und der sich ganz auf die Hauptdarstellerin Magaly Solier konzentriert. Ein Film, über dem das Trauma, das gleich in der ersten Szene in einem Lied verarbeitet wird, wie ein Leichentuch liegt, wie die Süddeutsche Zeitung treffend formulierte.
Die Website zum Film
Am zweiten Festivaltag stellte Raya Martin von den Philippinen seinen Beitrag Independencia vor, der bereits auf dem renommierten Festival in Cannes lief. In getragenem Erzählduktus und Schwarz - Weiß - Farben taucht der Film tief in die Geschichte dieses südostasiatischen Landes ein: Ende des 19. Jahrhunderts wagten die Einheimischen einen Aufstand gegen die knapp 300 Jahre währende Kolonialherrschaft der Spanier. Die proklamierte Unabhängigkeit wurde aber international nicht anerkannt. Nach einem mehrjährigen Krieg, der ca. 1 Million Tote forderte, besetzten die USA das Land zwischen 1902 und 1942. Diese Okkupation schildert der Regisseur im anschließenden Publikumsgespräch als noch grausamer. Die USA werden auf dem Inselstaat heute deshalb sehr ambivalent gesehen: einerseits sind die damaligen Wunden noch spürbar, andererseits ist der amerikanische Lifestyle mit seinen Exportprodukten sehr tief in der Gesellschaft verankert. Außerdem nutzen die USA bis heute dort wichtige Militärstützpunkte.
Independencia schildert das Leben einer Frau, die mit ihrem Sohn vor den anrückenden US - Truppen in den Dschungel flüchtet. Die Ästhetik dieser Bilder ist sehr ungewohnt, da sie sich am Stil der philippinischen Filmproduktion der 1920er Jahre orientiert, mit der sich der Vater des jungen Regisseurs wissenschaftlich befasste und von der heute nur noch wenige Werke erhalten sind.
Die melancholische Grundstimmung des Films mündet in einen aufkommenden Tropensturm und die Eroberung des Urwald - Rückzugsortes durch die amerikanischen Truppen. Die Hauptfiguren sterben, der Jüngste springt von der Klippe in den Tod. Dennoch beharrte der Regisseur darauf, dass es ein lustiger Film sei und kicherte während der Fragerunde oft.
Ein Höhepunkt des WCF - Spotlights war Ajami am dritten Festivaltag. An dieser Produktion ist allein schon die Herkunft des Regie - Duos bemerkenswert: Der Palästinenser Scandar Copti arbeitete mit seinem israelischen Kollegen Yaron Shani zusammen. Dem zweistündigen Film merkt man an, dass viel Geld und Sachverstand investiert wurden: Neben dem WCF kofinanzierten ihn auch die israelische Regierung, arte und das Kleine Fernsehspiel des ZDF.
Es ist teilweise etwas schwierig, in der komplexen Konstruktion aus fünf Kapiteln den Überblick zu behalten, deren Erzählstränge in Rückblenden und Querverweisen immer wieder aufeinander Bezug nehmen, neue Exkurse starten und schließlich in einem blutigen Finale sowie einem meditativen, ernüchterten Fazit eines Hauptdarstellers münden. Die Handlung fokussiert sich zunächst auf Clanrivalitäten in Ajami, dem titelgebenden Stadtbezirk Jaffas, der arabischen Nachbarstadt von Tel Aviv. Um seine Schuld zu begleichen verstrickt sich der junge Omar in Drogengeschäfte und Schießereien mit der israelischen Polizei.
Die Gewaltspirale dieses Films funktioniert als Thriller, kann aber auch als Parabel auf den Nahost – Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gesehen werden, der schon seit Jahrzehnten genauso verfahren erscheint wie die Lage der Figuren dieses Films. Wie sie sich auch entscheiden: Sie verstricken sich nur immer tiefer in Gewalt.
Der Film sorgte bereits bei seiner Präsentation auf dem Festival von Cannes im Mai 2009 für Furore, wurde in fünf Kategorien mit dem wichtigsten israelischen Filmpreis ausgezeichnet und soll im März 2010 auch in deutschen Kinos starten.
Mit dem Nahost - Konflikt befasst sich auch der palästinensische Film Paradise Now, der bei seiner Premiere 2005 wegen der kritischen Auseinandersetzung mit dem heißen Eisen der Selbstmordattentate für Schlagzeilen sorgte, worüber wir ausführlich berichteten.
Etwas schwächer war der Abschlussbeitrag Pandora´s Box der jungen Türkin Yesim Ustaoglu. sie schildert in ihrem Familiendrama, wie schwer sich die erwachsenen Kinder damit tun, als sich ihre Mutter wegen Altersdemenz in ihrem Bergdorf nicht mehr allein zurecht findet. Sie sind in der Metropole Istanbul viel zu sehr mit ihren Karrieren, ihren Affären, ihrem Stress mit dem Ehemann oder einfach nur ihrem alternativen Selbstverwirklichungstrip beschäftigt, als dass sie sich um die gebrechliche Mutter kümmern könnten. Als sie sie in ein Heim abschieben wollen, nimmt sie der rebellische Enkel mit zurück in ihr Bergdorf: Er findet als einziger Zugang zu der Frau.
Der Film lebt vor allem von der schauspielerischen Leistung der bereits 91jährigen Französin Tsilla Chelton, für die sie zuletzt auf den Festivals von San Sebastian und Manila mit dem Preis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet werde.
Berlinale: Präsentation von 10 internationalen Filmen vom 4. - 7. November
Zusammen mit der Kulturstiftung des Bundes zeigt der Berlinale World Cinema Fund anlässlich seines fünften Geburtstages, welche außergewöhnlichen Filme bisher durch die Förderung des WCF entstanden sind. Diese Filme, die bei internationalen Festivals und in einigen Ländern der Welt im Kino gelaufen sind, sollen nun dem Berliner Publikum und Cineasten, die sich für ganz besondere Filme interessieren, gezeigt werden: starke, authentische Geschichten aus Lateinamerika, Afrika, dem Nahen/Mittleren Osten und Zentral- und Südostasien sowie innovative visuelle Konzepte - künstlerisch anspruchsvoll und international erfolgreich zugleich.
Der WCF hat 10 herausragende Filme nach Berlin eingeladen und freut sich, sie vom 4.-7.11.2009 im Rahmen des WCF Spotlights "Filme, die anstecken" in den Hackeschen Höfen zu zeigen.
4.11. Mittwoch
20 Uhr
Eröffnung des WCF–Spotlight
mit Hortensia Völckers (künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes) und Dieter Kosslick (Intendant der Internationalen Filmfestspiele Berlin)
Laudator: Michael Ballhaus
Ehrengäste: Salif Traoré (Regisseur, Mali), Raya Martin (Regisseur, Philippinen), Kiko Goifman (Regisseur, Brasilien)
Preview:
Eine Perle Ewigkeit
Peru 2009
100 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Claudia Llosa; Produzenten: Wanda Vision, Oberon Cinematográfica, Vela Films
Deutscher WCF-Partner: The Match Factory
Deutscher Verleih: Neue Visionen
Eine Perle Ewigkeit ist die Geschichte eines Erwachens, einer Befreiung und einer Freiheitssuche. Zwischen Erinnern und Vergessen begleitet der Zuschauer Fausta auf einer hypnotisierenden Reise durch eine Welt voller Sagen, Mythen und Geheimnisse.
5.11. Donnerstag
18 Uhr
Faro – Göttin des Wassers
Mali 2007
97 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Salif Traoré; Produzenten: Sarama Films, P.A.V. Communication, Boréal Films, Bärbel Mauch Film
Deutscher Verleih: Arsenal
Gäste: Salif Traoré (Regisseur), Bärbel Mauch (Produzentin)
Der unehelich geborene Zanga ist als Kind aus seinem Dorf vertrieben worden. Nach vielen Jahren kehrt er dorthin zurück, um herauszufinden, wer sein Vater ist. Innerhalb der Chronik eines Dorfes bringt uns der Film die im Wandel begriffenen ländlichen Regionen Afrikas näher.
20 Uhr
Independencia
Philippinen 2009
77 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Raya Martin; Produzenten: Cinematografica, Atopic, Razor Film
Gäste: Raya Martin (Regisseur), Gerhard Meixner & Roman Paul (Produzenten)
Vorgestellt von Robert Thalheim
Philippinen, Anfang des 20. Jhd.: Eine Mutter und ihr Sohn fliehen vor den nahenden amerikanischen Besatzern in den Urwald, um dort zu überleben. Eines Tages findet der Sohn eine verwundete Frau und nimmt sie mit nach Hause. Jahre vergehen, und die Familie lebt isoliert von dem in den Städten herrschenden Chaos. Doch dann bedroht ein heftiger Sturm ihre Existenz, und auch die amerikanischen Besatzer kommen näher und näher.
22 Uhr
Liverpool
Argentinien 2008
84 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Lisandro Alonso; Produzenten: Slot Machine, Fortuna Films, 4L, Black Forest Films, Eddie Saeta
Zwanzig Jahre lang hat Farrell als Seemann gearbeitet, sich in die Bewusstlosigkeit getrunken, die Frauen bezahlt, mit denen er geschlafen hat, keine Freunde gehabt. Als er nun von seinem Frachter an seinen Geburtsort in der südlichsten Stadt Argentiniens zurückkehrt, entdeckt er, dass seine Mutter tatsächlich noch lebt und dass es ein weiteres Familienmitglied gibt.
6.11. Freitag
18 Uhr
Hamaca Paraguaya
Paraguay 2006
78 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Paz Encina; Produzenten: Slot Machine, Fortuna Films, ARTE France Cinema, New Crowned Hope, Lita Stantic, Silencio Cine, Wanda Vision, Black Forest Films
Es ist schon Herbst und es ist immer noch heiß – die Hitze vergeht nicht. In einem abgelegenen Ort in Paraguay wartet ein ältliches Bauernpaar auf ihren Sohn, der sie verließ, um in den Chaco-Krieg zu ziehen. Sie warten auch auf den angekündigten Regen, aber er kommt nicht; und auf den Wind, der nicht kommt; und darauf, dass die Hitze endlich vergeht; sie warten darauf, dass der Hund aufhört zu bellen, doch er hört nie auf. Sie warten auf bessere Zeiten.
20 Uhr
The Wind Journeys
Kolumbien 2009
117 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Ciro Guerra; Produzenten: Ciudad Lunar, Cine-Ojo Films, Razor Film, Volya Films
Gäste: Marciano Martínez (Hauptdarsteller), Gerhard Meixner und Roman Paul (Produzenten)
Vorgestellt von Hannes Stöhr
Nach dem Tod seiner Frau schwört der begnadete alte Musiker Ignacio, sein Akkordeon nie wieder anzurühren. Zusammen mit dem jungen Fermin und einem Esel begibt er sich auf die Reise in den Norden Kolumbiens, um sein legendäres, aber auch verfluchtes Akkordeon zurück zu seinem ehemaligen Lehrer Guerro zu bringen. Ihr beschwerlicher Weg führt Ignacio und Fermin durch die verschiedenen (musikalischen) Landschaften Kolumbiens, und immer wieder muss Ignacio „noch ein letztes Mal“ zu seinem Akkordeon greifen…
22 Uhr
Ajami
Israel & Palestina 2009
120 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Yaron Shani, Scandar Copti; Produzenten: Inosan, Twenty Twenty Vision
Deutscher Verleih: Neue Visionen
Schicksal, Schuld, Rache und die unauflösliche Spirale aus Hoffnung, Glück und Gewalt werden in einer virtuosen Dramaturgie ineinander verwoben, die dem Zuschauer ein fesselndes und überwältigendes Kinoerlebnis verschafft. Dem israelisch-palästinensischen Regie-Duo gelang ein moderne Opus mit so intimen wie panoramischen Einsichten in die Tragik menschlicher Existenz.
7.11. Samstag
18 Uhr
Paradise Now
Palästina 2005
91 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Hany Abu-Assad; Produzenten: Augustus Film, Razor Film, Lumen Films, Lama Films
Deutscher Verleih: Constantin Film
Die Palästinenser Khaled und Saïd sind seit ihrer Kindheit gute Freunde. Jetzt hat man sie dazu bestimmt, sich als Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Doch dann verläuft die Aktion nicht wie geplant: Die beiden Freunde verlieren sich aus den Augen. Getrennt und auf sich allein gestellt müssen sie ihr jeweils eigenes Schicksal meistern und am Ende eine erneute Entscheidung über Leben oder Tod fällen.
20 Uhr
Pandora’s Box
Türkei 2008
112 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Yesim Ustaoglu; Produzenten: Ustaoglu Film, Silkroad Production, Les Petites Lumières, Stromboli Pictures, The Match Factory
Deutscher Verleih: Kairos Film
Gäste: Yesim Ustaoglu (Regisseurin), Serkan Cakarer (Produzent)
Vorgestellt von Emily Atef
Großmutter Nusret lebt in einem kleinen Bergdorf am Schwarzen Meer, doch als sie eines Tages verwirrt in den Bergen gefunden wird, ist schnell klar, dass ihre drei erwachsenen Kinder, die in Istanbul leben, sie in der Stadt aufnehmen müssen. Doch alle drei haben kaum Zeit für die alte Frau, denn sie sind zu dicht in ihr eigenes Leben eingebunden. Nur der rebellische Enkel findet Zugang zu seiner Großmutter und beschließt, die alte Frau aus dem Heim zu entführen, in dem sie untergebracht wurde. Eine Großstadtgeschichte aus Istanbul, die jedoch ganz universell in jeder Metropole dieser Welt spielen könnte.
22 Uhr
Filmphobia
Brasilien 2008
80 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Kiko Goifman; Produzenten: Paleo TV e Plateau Produções, Autentika Films
Gast: Kiko Goifman (Regisseur)
Ein Filmregisseur will einen Dokumentarfilm über Phobien drehen. Dazu konfrontiert er Betroffene mit ihrer Phobie - in ausgeklügelten Installationen – denn nur so bekommt man deren wahres Bild. Ein Film über Angst in der heutigen Gesellschaft.
Eintrittspreise
7,50 € / bzw. ermäßigt mit Gildepass, Berlin Card und KBB-Ausweis
Der WCF hat 10 herausragende Filme nach Berlin eingeladen und freut sich, sie vom 4.-7.11.2009 im Rahmen des WCF Spotlights "Filme, die anstecken" in den Hackeschen Höfen zu zeigen.
4.11. Mittwoch
20 Uhr
Eröffnung des WCF–Spotlight
mit Hortensia Völckers (künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes) und Dieter Kosslick (Intendant der Internationalen Filmfestspiele Berlin)
Laudator: Michael Ballhaus
Ehrengäste: Salif Traoré (Regisseur, Mali), Raya Martin (Regisseur, Philippinen), Kiko Goifman (Regisseur, Brasilien)
Preview:
Eine Perle Ewigkeit
Peru 2009
100 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Claudia Llosa; Produzenten: Wanda Vision, Oberon Cinematográfica, Vela Films
Deutscher WCF-Partner: The Match Factory
Deutscher Verleih: Neue Visionen
Eine Perle Ewigkeit ist die Geschichte eines Erwachens, einer Befreiung und einer Freiheitssuche. Zwischen Erinnern und Vergessen begleitet der Zuschauer Fausta auf einer hypnotisierenden Reise durch eine Welt voller Sagen, Mythen und Geheimnisse.
5.11. Donnerstag
18 Uhr
Faro – Göttin des Wassers
Mali 2007
97 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Salif Traoré; Produzenten: Sarama Films, P.A.V. Communication, Boréal Films, Bärbel Mauch Film
Deutscher Verleih: Arsenal
Gäste: Salif Traoré (Regisseur), Bärbel Mauch (Produzentin)
Der unehelich geborene Zanga ist als Kind aus seinem Dorf vertrieben worden. Nach vielen Jahren kehrt er dorthin zurück, um herauszufinden, wer sein Vater ist. Innerhalb der Chronik eines Dorfes bringt uns der Film die im Wandel begriffenen ländlichen Regionen Afrikas näher.
20 Uhr
Independencia
Philippinen 2009
77 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Raya Martin; Produzenten: Cinematografica, Atopic, Razor Film
Gäste: Raya Martin (Regisseur), Gerhard Meixner & Roman Paul (Produzenten)
Vorgestellt von Robert Thalheim
Philippinen, Anfang des 20. Jhd.: Eine Mutter und ihr Sohn fliehen vor den nahenden amerikanischen Besatzern in den Urwald, um dort zu überleben. Eines Tages findet der Sohn eine verwundete Frau und nimmt sie mit nach Hause. Jahre vergehen, und die Familie lebt isoliert von dem in den Städten herrschenden Chaos. Doch dann bedroht ein heftiger Sturm ihre Existenz, und auch die amerikanischen Besatzer kommen näher und näher.
22 Uhr
Liverpool
Argentinien 2008
84 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Lisandro Alonso; Produzenten: Slot Machine, Fortuna Films, 4L, Black Forest Films, Eddie Saeta
Zwanzig Jahre lang hat Farrell als Seemann gearbeitet, sich in die Bewusstlosigkeit getrunken, die Frauen bezahlt, mit denen er geschlafen hat, keine Freunde gehabt. Als er nun von seinem Frachter an seinen Geburtsort in der südlichsten Stadt Argentiniens zurückkehrt, entdeckt er, dass seine Mutter tatsächlich noch lebt und dass es ein weiteres Familienmitglied gibt.
6.11. Freitag
18 Uhr
Hamaca Paraguaya
Paraguay 2006
78 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Paz Encina; Produzenten: Slot Machine, Fortuna Films, ARTE France Cinema, New Crowned Hope, Lita Stantic, Silencio Cine, Wanda Vision, Black Forest Films
Es ist schon Herbst und es ist immer noch heiß – die Hitze vergeht nicht. In einem abgelegenen Ort in Paraguay wartet ein ältliches Bauernpaar auf ihren Sohn, der sie verließ, um in den Chaco-Krieg zu ziehen. Sie warten auch auf den angekündigten Regen, aber er kommt nicht; und auf den Wind, der nicht kommt; und darauf, dass die Hitze endlich vergeht; sie warten darauf, dass der Hund aufhört zu bellen, doch er hört nie auf. Sie warten auf bessere Zeiten.
20 Uhr
The Wind Journeys
Kolumbien 2009
117 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Ciro Guerra; Produzenten: Ciudad Lunar, Cine-Ojo Films, Razor Film, Volya Films
Gäste: Marciano Martínez (Hauptdarsteller), Gerhard Meixner und Roman Paul (Produzenten)
Vorgestellt von Hannes Stöhr
Nach dem Tod seiner Frau schwört der begnadete alte Musiker Ignacio, sein Akkordeon nie wieder anzurühren. Zusammen mit dem jungen Fermin und einem Esel begibt er sich auf die Reise in den Norden Kolumbiens, um sein legendäres, aber auch verfluchtes Akkordeon zurück zu seinem ehemaligen Lehrer Guerro zu bringen. Ihr beschwerlicher Weg führt Ignacio und Fermin durch die verschiedenen (musikalischen) Landschaften Kolumbiens, und immer wieder muss Ignacio „noch ein letztes Mal“ zu seinem Akkordeon greifen…
22 Uhr
Ajami
Israel & Palestina 2009
120 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Yaron Shani, Scandar Copti; Produzenten: Inosan, Twenty Twenty Vision
Deutscher Verleih: Neue Visionen
Schicksal, Schuld, Rache und die unauflösliche Spirale aus Hoffnung, Glück und Gewalt werden in einer virtuosen Dramaturgie ineinander verwoben, die dem Zuschauer ein fesselndes und überwältigendes Kinoerlebnis verschafft. Dem israelisch-palästinensischen Regie-Duo gelang ein moderne Opus mit so intimen wie panoramischen Einsichten in die Tragik menschlicher Existenz.
7.11. Samstag
18 Uhr
Paradise Now
Palästina 2005
91 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Hany Abu-Assad; Produzenten: Augustus Film, Razor Film, Lumen Films, Lama Films
Deutscher Verleih: Constantin Film
Die Palästinenser Khaled und Saïd sind seit ihrer Kindheit gute Freunde. Jetzt hat man sie dazu bestimmt, sich als Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Doch dann verläuft die Aktion nicht wie geplant: Die beiden Freunde verlieren sich aus den Augen. Getrennt und auf sich allein gestellt müssen sie ihr jeweils eigenes Schicksal meistern und am Ende eine erneute Entscheidung über Leben oder Tod fällen.
20 Uhr
Pandora’s Box
Türkei 2008
112 Minuten / Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Yesim Ustaoglu; Produzenten: Ustaoglu Film, Silkroad Production, Les Petites Lumières, Stromboli Pictures, The Match Factory
Deutscher Verleih: Kairos Film
Gäste: Yesim Ustaoglu (Regisseurin), Serkan Cakarer (Produzent)
Vorgestellt von Emily Atef
Großmutter Nusret lebt in einem kleinen Bergdorf am Schwarzen Meer, doch als sie eines Tages verwirrt in den Bergen gefunden wird, ist schnell klar, dass ihre drei erwachsenen Kinder, die in Istanbul leben, sie in der Stadt aufnehmen müssen. Doch alle drei haben kaum Zeit für die alte Frau, denn sie sind zu dicht in ihr eigenes Leben eingebunden. Nur der rebellische Enkel findet Zugang zu seiner Großmutter und beschließt, die alte Frau aus dem Heim zu entführen, in dem sie untergebracht wurde. Eine Großstadtgeschichte aus Istanbul, die jedoch ganz universell in jeder Metropole dieser Welt spielen könnte.
22 Uhr
Filmphobia
Brasilien 2008
80 Minuten / Original mit englischen Untertiteln
Regie: Kiko Goifman; Produzenten: Paleo TV e Plateau Produções, Autentika Films
Gast: Kiko Goifman (Regisseur)
Ein Filmregisseur will einen Dokumentarfilm über Phobien drehen. Dazu konfrontiert er Betroffene mit ihrer Phobie - in ausgeklügelten Installationen – denn nur so bekommt man deren wahres Bild. Ein Film über Angst in der heutigen Gesellschaft.
Eintrittspreise
7,50 € / bzw. ermäßigt mit Gildepass, Berlin Card und KBB-Ausweis
Berlinale 2010: Restaurierte Fassung von Metropolis
Fritz Langs Originalfassung von Metropolis von 1927 kehrt bei den 60. Internationalen Filmfestspielen Berlin 2010 auf die Kinoleinwand zurück. In einer Galavorstellung am 12. Februar 2010 im Friedrichstadtpalast wird die von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung des Stummfilmklassikers 83 Jahre nach dessen Uraufführung ihre Premiere feiern. Nach der Originalpartitur von Gottfried Huppertz wird die Aufführung vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Dirigent Frank Strobel begleitet. Zur Premiere wird Kulturstaatsminister Bernd Neumann kommen.
Zeitgleich zur Berlinale findet am 12. Februar die Uraufführung in Frankfurt am Main statt, die Vorstellung in der Alten Oper wird von dem Staatsorchester Braunschweig unter Leitung von Helmut Imig begleitet.
Über Jahrzehnte hinweg galten entscheidende Teile des Films, dessen Restaurierung von 2001 als erster Film in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde, als verschollen. Durch den sensationellen Fund eines 16-mm-Negativs in Buenos Aires 2008 und die aktuelle Restaurierung kann Metropolis in der ursprünglichen, um mehr als 30 Minuten längeren Fassung, nahezu vollständig restauriert gezeigt werden.
„Kaum ein anderer deutscher Film hat die Filmgeschichte so bewegt und geprägt wie Fritz Langs Metropolis. Es ist eine besondere Freude und Ehre, dass wir die restaurierte Originalfassung dieses legendären und stilbildenden Filmklassikers beim 60. Festivaljubiläum präsentieren können“ sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
„Der Film Metropolis ist einer der Klassiker der Filmgeschichte, der Maßstäbe für die gesamte Filmkunst weltweit gesetzt hat. Die UNESCO hat auch aus diesem Grund Metropolis als ersten Film überhaupt in das Register “Memory of the World“ aufgenommen. Er steht symbolisch für die Tradition und die hohe Qualität des deutschen Filmerbes, dessen Bewahrung für uns einen hohen Stellenwert besitzt. Deshalb war es mir sehr wichtig, die Vervollständigung von Metropolis zu ermöglichen und damit eine große Lücke im Filmerbe Deutschlands zu schließen. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung wird vom BKM deswegen bei der Restaurierung des Stummfilmklassikers Metropolis mit einer Förderung von rund 200.000 Euro unterstützt“, sagt Kulturstaatsminister Bernd Neumann.
Bis zum heutigen Tag fasziniert Metropolis und beeinflusst auch aktuelle Filmschaffende. Zum Mythos des Klassikers hat sicherlich beigetragen, dass man dank der vielen überlieferten Quellen über Jahrzehnte hinweg von der längeren Fassung wusste, von der aber keine Kopie aufzufinden war. Bis zum Fund von Buenos Aires blieben entscheidende Teile von Metropolis – in einer Länge von nahezu 30 Minuten – trotz zahlreicher Recherchen durch Generationen von Filmhistorikern und Archivaren verschollen. So musste auch die Restaurierung der Murnau-Stiftung und ihrer damaligen Partner vor wenigen Jahren – bei der es erstmals gelang, Metropolis in bis dahin nicht bekannter fotografischer Güte zu präsentieren – unvollständig bleiben.
Die Verstümmelung des Monumentalfilmes hatte unmittelbar nach seiner Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo begonnen. Die von der Filmprüfstelle mit einer Länge von 4189 Metern genehmigte Fassung lief dort vier Monate ohne Erfolg, weshalb die Ufa den Film zurückzog und eine deutlich gekürzte Fassung mit einer Länge von 3241 Metern für den landesweiten Kinostart im Sommer 1927 herstellte.
„Der über Jahrzehnte nie aufgegebene Wunsch und die unermüdlichen Anstrengungen, Fritz Langs unwiederbringlich verloren geglaubte Originalfassung von Metropolis zu restaurieren, stehen symbolisch für die Verpflichtung der Murnau-Stiftung, unser reiches filmisches Erbe zu pflegen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Restaurierung und Wiederaufführung von Metropolis geht nun ein Traum in Erfüllung“, so Eberhard Junkersdorf, Kuratoriumsvorsitzender der Murnau-Stiftung.
Seit ihrer Gründung vor 43 Jahren setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Erhalt, die Pflege und die Zugänglichmachung eines Großteils des deutschen Filmerbes von herausragender kultur- und filmhistorischer Bedeutung vom Beginn der Laufbilder bis zum Anfang der 1960er Jahre, nämlich 2000 Stummfilme, 1000 Tonfilme und rund 3000 Kurzfilme (Werbe-, Kultur-, Dokumentarfilme), ein. Darunter finden sich neben Metropolis die großen Klassiker des deutschen Kinos wie Das Cabinet des Dr. Caligari, Die Nibelungen, Der blaue Engel, Die Drei von der Tankstelle, Münchhausen, Große Freiheit Nr. 7 und Helden.
Zeitgleich zur Berlinale findet am 12. Februar die Uraufführung in Frankfurt am Main statt, die Vorstellung in der Alten Oper wird von dem Staatsorchester Braunschweig unter Leitung von Helmut Imig begleitet.
Über Jahrzehnte hinweg galten entscheidende Teile des Films, dessen Restaurierung von 2001 als erster Film in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde, als verschollen. Durch den sensationellen Fund eines 16-mm-Negativs in Buenos Aires 2008 und die aktuelle Restaurierung kann Metropolis in der ursprünglichen, um mehr als 30 Minuten längeren Fassung, nahezu vollständig restauriert gezeigt werden.
„Kaum ein anderer deutscher Film hat die Filmgeschichte so bewegt und geprägt wie Fritz Langs Metropolis. Es ist eine besondere Freude und Ehre, dass wir die restaurierte Originalfassung dieses legendären und stilbildenden Filmklassikers beim 60. Festivaljubiläum präsentieren können“ sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
„Der Film Metropolis ist einer der Klassiker der Filmgeschichte, der Maßstäbe für die gesamte Filmkunst weltweit gesetzt hat. Die UNESCO hat auch aus diesem Grund Metropolis als ersten Film überhaupt in das Register “Memory of the World“ aufgenommen. Er steht symbolisch für die Tradition und die hohe Qualität des deutschen Filmerbes, dessen Bewahrung für uns einen hohen Stellenwert besitzt. Deshalb war es mir sehr wichtig, die Vervollständigung von Metropolis zu ermöglichen und damit eine große Lücke im Filmerbe Deutschlands zu schließen. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung wird vom BKM deswegen bei der Restaurierung des Stummfilmklassikers Metropolis mit einer Förderung von rund 200.000 Euro unterstützt“, sagt Kulturstaatsminister Bernd Neumann.
Bis zum heutigen Tag fasziniert Metropolis und beeinflusst auch aktuelle Filmschaffende. Zum Mythos des Klassikers hat sicherlich beigetragen, dass man dank der vielen überlieferten Quellen über Jahrzehnte hinweg von der längeren Fassung wusste, von der aber keine Kopie aufzufinden war. Bis zum Fund von Buenos Aires blieben entscheidende Teile von Metropolis – in einer Länge von nahezu 30 Minuten – trotz zahlreicher Recherchen durch Generationen von Filmhistorikern und Archivaren verschollen. So musste auch die Restaurierung der Murnau-Stiftung und ihrer damaligen Partner vor wenigen Jahren – bei der es erstmals gelang, Metropolis in bis dahin nicht bekannter fotografischer Güte zu präsentieren – unvollständig bleiben.
Die Verstümmelung des Monumentalfilmes hatte unmittelbar nach seiner Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo begonnen. Die von der Filmprüfstelle mit einer Länge von 4189 Metern genehmigte Fassung lief dort vier Monate ohne Erfolg, weshalb die Ufa den Film zurückzog und eine deutlich gekürzte Fassung mit einer Länge von 3241 Metern für den landesweiten Kinostart im Sommer 1927 herstellte.
„Der über Jahrzehnte nie aufgegebene Wunsch und die unermüdlichen Anstrengungen, Fritz Langs unwiederbringlich verloren geglaubte Originalfassung von Metropolis zu restaurieren, stehen symbolisch für die Verpflichtung der Murnau-Stiftung, unser reiches filmisches Erbe zu pflegen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Restaurierung und Wiederaufführung von Metropolis geht nun ein Traum in Erfüllung“, so Eberhard Junkersdorf, Kuratoriumsvorsitzender der Murnau-Stiftung.
Seit ihrer Gründung vor 43 Jahren setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Erhalt, die Pflege und die Zugänglichmachung eines Großteils des deutschen Filmerbes von herausragender kultur- und filmhistorischer Bedeutung vom Beginn der Laufbilder bis zum Anfang der 1960er Jahre, nämlich 2000 Stummfilme, 1000 Tonfilme und rund 3000 Kurzfilme (Werbe-, Kultur-, Dokumentarfilme), ein. Darunter finden sich neben Metropolis die großen Klassiker des deutschen Kinos wie Das Cabinet des Dr. Caligari, Die Nibelungen, Der blaue Engel, Die Drei von der Tankstelle, Münchhausen, Große Freiheit Nr. 7 und Helden.
Berlinale feiert 2010 den 60. Geburtstag
Nach dem erfolgreichen Abschluss des diesjährigen Festivals gibt es für die Internationalen Filmfestspiele Berlin im kommenden Jahr ein besonderes Ereignis zu feiern: Die Berlinale wird 60!
Die 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 11. bis 21. Februar 2010 statt.
Die 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 11. bis 21. Februar 2010 statt.
Berlinale 2009: Das Abschlusswochenende
Deutschland 09: Kurzfilme 13 bekannter Regisseure
Als eine der letzten Premieren im Berlinale - Palast lief die Gemeinschaftsproduktion Deutschland 09: auf Anregung von NDR und arte produzierten 13 namhafte deutsche Regisseure von Fatih Akin über Tom Tykwer bis hin zu Vertretern der Berliner Schule wie Angela Schanelec oder Christoph Hochhäusler kurze Filme über die Lage der Nation.
Das große Vorbild dieses Werks ist der legendäre Film Deutschland im Herbst, eine auch heute noch hochinteressante Reflexion der großen Regisseure jener Jahre wie Fassbinder und Schlöndorff über den RAF - Terror und das gesellschaftliche Klima 1977/78.
Der neue Film Deutschland 09 ist demgegenüber wesentlich weniger stringent: Sehr verschiedene Handschriften und Blickwinkel ergeben ein buntes Potpourri, das nie langweilig wird, aber etwas sprunghaft ist.
Am Politischsten sind die Beiträge von Fatih Akin und Hans Weingartner: Akin verfilmte das Interview des in Bremen aufgewachsenen Ex - Guantánamo - Häftlings Murat Kurnaz, das er der SZ gab. Darin macht der junge Mann den SPD - Politikern Schily und vor allem Steinmeier sehr harte Vorwürfe, dass sie sich zu wenig für seine Freilassung eingesetzt haben.
Hans Weingartner widmet sich in Der Gefährder dem dramatischen Fall des Soziologen Andrej Holm, der unter dem Verdacht, in Verbindung mit einer linksradikalen Gruppe zu stehen, monatelang überwacht und später verhaftet wurde. Der Fall schlug sehr hohe Wellen, da der Bundesgerichtshof den Sicherheitsbehörden vorwarf, eklatante Fehler begangen zu haben und keine ausreichenden Verdachtsmomente vorlegen zu können. Mit diesem Film warnt Weingartner sehr drastisch vor der Einschränkung von Bürgerrechten und präventiven Verhaftungen.
Der beste und witzigste Film von Deutschland 09 ist Hans Steinbichlers Fraktur: Ein reicher, konservativer Unternehmer ist stocksauer, als die FAZ ihr verstaubtes Layout relauncht: Auf der Titelseite tauchten plötzlich bunte Bilder auf, die geliebte Frakturschrift über den Leitartikeln wurde entsorgt. In seiner Wut lässt er von seinen Angestellten alle Exemplare der Zeitung aufkaufen und vor dem Verlagsgebäude verbrennen, bis er zum finalen Amoklauf ansetzt.
Satirisch und mit Hang zur Groteske arbeiten auch Wolfgang Becker in Krankes Haus und Dani Levy in Joshua, der als Schlusspointe seines phantasievollen Kurzfilms eine depressive Kanzlerin beim Therapeuten zeigt.
Trotz einiger schwächerer Beiträge wie Erster Tag und Feierlich reist ist die Kompilation der Filme insgesamt gelungen und anregend. Am 26. März wird sie bundesweit in den Kinos starten.
Sólo quiero caminar: Rasanter mexikanisch-spanischer Gangsterfilm
Agustín Dáz Yanes Film Sólo quiero caminar/Just walking merkt man sehr deutlich den Geist seines Lehrmeisters an: Der spanische Regisseur war lange Zeit Assistent von Pedro Almodóvar und setzt auf ebenso schrille Charaktere, skurrile Dialoge und vor allem starke Frauen.
Die vier Komplizinnen Gloria, Aurora, Paloma und Ana spezialisieren sich auf Raubüberfälle und legen sich dabei mit einem mexikanischen Drogenkartell an. Der Film lebt von seiner hervorragenden Besetzung, allen voran Latino - Star Diego Luna als Mafioso Gabriel. Er hat den Film auch zusammen mit seinem prominenten Freund Gael García Bernal produziert.
Die rasanten Schnitte und die schwungvolle Handlung bieten gute Unterhaltung. Gegen Ende zeigt das Drehbuch jedoch einige Schwächen auf, die bei Almodóvar so nicht passiert wären: Einige Passagen sind noch zu holprig und nicht alle Wendungen schlüssig.
Krieg der Welten - Das nächste Jahrhundert: Polnische Parabel aus der Zeit des Kriegsrechts
Piotr Szulkins Film Wojna swiatów/Krieg der Welten - das nächste Jahrhundert hatte keine Chancen, die Zensur zu passieren. Er wurde im Dezember 1981 sofort nach seiner Fertigstellung verboten: Die Eisen, die der Regisseur anpackte waren viel zu heiß. Außerdem hatte General Jaruzelski gerade das Kriegsrecht verhängt und Lech Walesas Solidarnosc verboten.
In der Parabel, die auf der Berlinale erstmals in Deutschland gezeigt wurde, landen Marsmenschen auf der Erde und errichten eine Bürokratie, deren Anspielungen auf den real existierenden Sozialismus überdeutlich sind. Der TV - Moderator Iron Idem muss sich entscheiden, wie stark er sich den neuen Machthabern anpasst, als er gedrängt wird, sich mit einer Ohrmarke zur "Völkerfreundschaft" mit den extraterrestrischen Besuchern zu bekennen.
Der Film besticht durch seinen großen Mut, die Verhältnisse in Form einer Science - Fiction - Parabel so ungeschminkt zu kritisieren. Außerdem beeindruckt auch seine düstere Filmsprache, die ohne großes Budget eine faszinierende Anti - Utopie eines totalitären Staates zeichnet.
Eine Wiederentdeckung eines wichtigen Films, der leider zu lange in den Schubladen vergraben war!
Als eine der letzten Premieren im Berlinale - Palast lief die Gemeinschaftsproduktion Deutschland 09: auf Anregung von NDR und arte produzierten 13 namhafte deutsche Regisseure von Fatih Akin über Tom Tykwer bis hin zu Vertretern der Berliner Schule wie Angela Schanelec oder Christoph Hochhäusler kurze Filme über die Lage der Nation.
Das große Vorbild dieses Werks ist der legendäre Film Deutschland im Herbst, eine auch heute noch hochinteressante Reflexion der großen Regisseure jener Jahre wie Fassbinder und Schlöndorff über den RAF - Terror und das gesellschaftliche Klima 1977/78.
Der neue Film Deutschland 09 ist demgegenüber wesentlich weniger stringent: Sehr verschiedene Handschriften und Blickwinkel ergeben ein buntes Potpourri, das nie langweilig wird, aber etwas sprunghaft ist.
Am Politischsten sind die Beiträge von Fatih Akin und Hans Weingartner: Akin verfilmte das Interview des in Bremen aufgewachsenen Ex - Guantánamo - Häftlings Murat Kurnaz, das er der SZ gab. Darin macht der junge Mann den SPD - Politikern Schily und vor allem Steinmeier sehr harte Vorwürfe, dass sie sich zu wenig für seine Freilassung eingesetzt haben.
Hans Weingartner widmet sich in Der Gefährder dem dramatischen Fall des Soziologen Andrej Holm, der unter dem Verdacht, in Verbindung mit einer linksradikalen Gruppe zu stehen, monatelang überwacht und später verhaftet wurde. Der Fall schlug sehr hohe Wellen, da der Bundesgerichtshof den Sicherheitsbehörden vorwarf, eklatante Fehler begangen zu haben und keine ausreichenden Verdachtsmomente vorlegen zu können. Mit diesem Film warnt Weingartner sehr drastisch vor der Einschränkung von Bürgerrechten und präventiven Verhaftungen.
Der beste und witzigste Film von Deutschland 09 ist Hans Steinbichlers Fraktur: Ein reicher, konservativer Unternehmer ist stocksauer, als die FAZ ihr verstaubtes Layout relauncht: Auf der Titelseite tauchten plötzlich bunte Bilder auf, die geliebte Frakturschrift über den Leitartikeln wurde entsorgt. In seiner Wut lässt er von seinen Angestellten alle Exemplare der Zeitung aufkaufen und vor dem Verlagsgebäude verbrennen, bis er zum finalen Amoklauf ansetzt.
Satirisch und mit Hang zur Groteske arbeiten auch Wolfgang Becker in Krankes Haus und Dani Levy in Joshua, der als Schlusspointe seines phantasievollen Kurzfilms eine depressive Kanzlerin beim Therapeuten zeigt.
Trotz einiger schwächerer Beiträge wie Erster Tag und Feierlich reist ist die Kompilation der Filme insgesamt gelungen und anregend. Am 26. März wird sie bundesweit in den Kinos starten.
Sólo quiero caminar: Rasanter mexikanisch-spanischer Gangsterfilm
Agustín Dáz Yanes Film Sólo quiero caminar/Just walking merkt man sehr deutlich den Geist seines Lehrmeisters an: Der spanische Regisseur war lange Zeit Assistent von Pedro Almodóvar und setzt auf ebenso schrille Charaktere, skurrile Dialoge und vor allem starke Frauen.
Die vier Komplizinnen Gloria, Aurora, Paloma und Ana spezialisieren sich auf Raubüberfälle und legen sich dabei mit einem mexikanischen Drogenkartell an. Der Film lebt von seiner hervorragenden Besetzung, allen voran Latino - Star Diego Luna als Mafioso Gabriel. Er hat den Film auch zusammen mit seinem prominenten Freund Gael García Bernal produziert.
Die rasanten Schnitte und die schwungvolle Handlung bieten gute Unterhaltung. Gegen Ende zeigt das Drehbuch jedoch einige Schwächen auf, die bei Almodóvar so nicht passiert wären: Einige Passagen sind noch zu holprig und nicht alle Wendungen schlüssig.
Krieg der Welten - Das nächste Jahrhundert: Polnische Parabel aus der Zeit des Kriegsrechts
Piotr Szulkins Film Wojna swiatów/Krieg der Welten - das nächste Jahrhundert hatte keine Chancen, die Zensur zu passieren. Er wurde im Dezember 1981 sofort nach seiner Fertigstellung verboten: Die Eisen, die der Regisseur anpackte waren viel zu heiß. Außerdem hatte General Jaruzelski gerade das Kriegsrecht verhängt und Lech Walesas Solidarnosc verboten.
In der Parabel, die auf der Berlinale erstmals in Deutschland gezeigt wurde, landen Marsmenschen auf der Erde und errichten eine Bürokratie, deren Anspielungen auf den real existierenden Sozialismus überdeutlich sind. Der TV - Moderator Iron Idem muss sich entscheiden, wie stark er sich den neuen Machthabern anpasst, als er gedrängt wird, sich mit einer Ohrmarke zur "Völkerfreundschaft" mit den extraterrestrischen Besuchern zu bekennen.
Der Film besticht durch seinen großen Mut, die Verhältnisse in Form einer Science - Fiction - Parabel so ungeschminkt zu kritisieren. Außerdem beeindruckt auch seine düstere Filmsprache, die ohne großes Budget eine faszinierende Anti - Utopie eines totalitären Staates zeichnet.
Eine Wiederentdeckung eines wichtigen Films, der leider zu lange in den Schubladen vergraben war!
Berlinale 2009: Publikumsfavoriten The Yes Men
Die Bären werden erst heute Abend vergeben. Das Publikum hat seinen Favoriten aber bereits gewählt:
The Yes Men fix the world wird am 15.2. um 17 Uhr im Cinemaxx mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichhnet, der gemeinsam von der Panorama - Sektion, radio eins und tip ausgelobt wird.
Dieser gelungene Dokumentarfilm über die kreativen Auftritte dieser Polit - Aktivisten ist ein würdiger Preisträger und einer der besten Filme des Jahres 2009, der mit dem Rückenwind dieser wichtigen Auszeichnung hoffentlich bald in die Kinos kommt und mit seinen wichtigen Themen ein breites Publikum erreicht.
Die Filmkritik vom zweiten Festivaltag zu The Yes Men fix the world
The Yes Men fix the world wird am 15.2. um 17 Uhr im Cinemaxx mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichhnet, der gemeinsam von der Panorama - Sektion, radio eins und tip ausgelobt wird.
Dieser gelungene Dokumentarfilm über die kreativen Auftritte dieser Polit - Aktivisten ist ein würdiger Preisträger und einer der besten Filme des Jahres 2009, der mit dem Rückenwind dieser wichtigen Auszeichnung hoffentlich bald in die Kinos kommt und mit seinen wichtigen Themen ein breites Publikum erreicht.
Die Filmkritik vom zweiten Festivaltag zu The Yes Men fix the world
Berlinale 2009: HIV in Dokusoap und Drogenmafia in der Perestroika - Ära am neunten Festivaltag

Pedro Zamora beherrschte 1994 die Schlagzeilen in den USA: Der 22jährige Latino war einer der ersten Insassen der MTV - Show The Real World: San Francisco, einem Vorläufer des Big Brother - Containers.
Der sympathische junge Exilkubaner beschäftigte die großen Fernsehstationen und Magazine, weil er der AIDS - Krankheit ein neues Gesicht gab. HIV - Infektionen schienen für den Durchschnittsamerikaner bis dahin vor allem ein Problem Drogenabhängiger, promiskuitiver Homosexueller und exzentrischer Promis zu sein.
Da Pedro, der nette Junge von nebenan, in der Sendung so offen mit seiner Erkrankung umging und sich vor allem nicht von dem Mobbing eines anderen Teilnehmers unterkriegen ließ, gewann er die Sympathien. Sein Engagement für bessere HIV - Prävention würdigte selbst Präsident Clinton in einer Rede vor dem Kongress.
Nick Oceanos Erstlingsfilm ist eine Hommage an seine Hauptfigur Pedro, der noch im selben Jahr kurz nach Ende der Fernsehshow an den Komplikationen seiner Krankheit starb. Teilweise gerät der Regisseur in die Gefahr, zu sehr ins Pathos abzugleiten. Deshalb wäre eine Dokumentation wohl das geeignetere Format für sein Anliegen gewesen.
Der Film überzeugt künstlerisch nur teilweise, aber demonstriert erneut das gesellschaftspolitische Engagement der Berlinale - Programmkommissionen, die gerade in Zeiten steigender Neuinfektionen mit mehreren Filmen über AIDS diese tückische Krankheit ins Gedächtnis rufen.
Igla: DER Kultfilm der Perestroika - Ära
Genau 20 Jahre nach seiner internationalen Premiere kehrte Raschid Nugmanow mit seinem Sensations - Erfolg nach Berlin zurück.

Im sehr informativen Publikumsgespräch erklärte Nugmanow, dass der Film noch zwei Jahre zuvor niemals die Zensur passiert hätte und wahrscheinlich stark verstümmelt in den Regalen vergammelt wäre. Er nutzte die Gunst des Augenblicks und überrumpelte die völlig verunsicherte Kultur - Bürokratie mit einem experimentellen Film noir, in dem er statt der üblichen Profis kurzerhand befreundete Rockmusiker aus der aufkeimenden Subkultur jener Jahre als Schauspieler verpflichtete.
Heraus kam ein atemloser Krimi, der nichts mehr mit dem sozialistischen Realismus gemein hat, und demnächst vom Regisseur in einer Remix - Fassung neu herausgebracht wird. Der Student Momo kehrt in seine Heimatstadt zurück und muss erkennen, dass eine frühere Freundin zum Junkie geworden ist und von einem dubiosen Arzt und der Drogenmafia in Abhängigkeit gehalten wird. Der Film zeigt Momos Kampf gegen diese kriminellen Strukturen, die nach offizieller Lesart gar nicht existieren, in beeindruckender Kompromisslosigkeit.
Leider hat Nugmanow nach dem frühen Erfolg bisher kaum noch Filme gedreht. Er war zu sehr damit beschäftigt, sich in die kasachische und russische Politik einzumischen und vor allem gegen die Rückkehr autoritärer Strukturen zu kämpfen.
Aus den Verhaftungen und Morden an mehreren Freunden zog er nun die Konsequenz, sich wieder mehr auf die Regiearbeit zurückzuziehen und die Verhältnisse durch seine künstlerische Arbeit zu beeinflussen.
Berlinale 2009: Kriegsverbrechertribunale und epischer Kampf gegen das Böse am siebten Festivaltag

Der Kanadier Christophe Gargot dokumentiert in D´Arusha à Arusha die Zeugenaussagen vor dem UN - Sondertribunal, das die Kriegsverbrechen in Ruanda verhandelt. Zwischen das juristische Ping-Pong von Richtern, Staatsanwälten, Verteidigern und Zeugen flicht der Regisseur immer wieder Archivaufnahmen von 1994, dem Jahr des Genozids, ein.
Aus der Montage der Szenen ist eine deutliche Skepsis zu spüren, ob die Strafverfahren in ihrer Schwerfälligkeit ein geeignetes Instrument zur Aufarbeitung der Massaker sein können. Der Regisseur verzichtet jedoch auf jeglichen eigenen Kommentar.
Wer sich für das Völkerrecht und die juristischen Feinheiten der Prozesse interessiert, wird hier sehr viel über die Prozesse in Arusha erfahren, die in der deutschen Öffentlichkeit viel weniger beachtet wurden als die parallelen Verhandlungen in Den Haag zu den Balkankriegen. Die Details sind auf die Dauer aber auch etwas ermüdend für Leute, die nicht so tief in die Materie einsteigen wollen.
Rabioso sol, rabioso cielo: Epos über die bedingungslose Liebe
Der Mexikaner Julián Hernández ist einer der Berlinale - Stammgäste. Mit Rabioso sol, rabioso cielo wurde auch sein dritter Spielfilm zum Festival eingeladen.

Hernández geht es in diesem neuen Werk darum, die Stärke einer bedingungslosen Liebe darzustellen. Sie ist seiner Meinung nach aber nur durch Opfer und Leid zu gewinnen. Er verknüpft Motive des sumerischen Gilgamesch - Epos und der lateinamerikanischen Mythologie zu einem Kampf des Liebespaares Kieri und Ryo gegen das Böse, das von Tari verkörpert wird.
Über weite Strecken verzichtet der Film auf Farben. Erst als sich die Liebe durchzusetzen beginnt, wird die Leinwand bunter.
Da dieser Film in seiner Ästhetik und in den zugrunde liegenden Ideen so weit von den üblichen Sehgewohnheiten weg ist, spaltet er das Publikum, so dass sich der Saal bis zum Ende fast zur Hälfte leert.
Berlinale 2009: Orientierungslosigkeit, Messianismus und baskisches Qualitätskinound am siebten Festivaltag
Wir sind schon mittendrin: Was verbindet die 30jährigen?
Elmar Szücs stand kurz vor dem 30. Geburtstag und war immer noch mitten im Studium an der Filmakademie. Seinen drei besten Schulkameraden ging es nicht besser: Keiner hatte einen Abschluss. Einer versuchte sich an Biologie, der nächste hatte gerade mit Politikwissenschaft begonnen und der dritte schlug sich mit Unterricht an der Musikschule für Kinder durch, nachdem er an der Uni kein Bein auf den Boden bekommen hatte.
Die jungen Männer stilisieren sich in der Dokumentation Wir sind schon mittendrin zu Repräsentanten einer Generation Undecided . Damit schießen sie aber offensichtlich weit über das Ziel hinaus: Die vier schildern ihre eigene Orientierungslosigkeit und ihre Unfähigkeit, aus der Vielzahl der Möglichkeiten ihren eigenen Lebensstil zu finden. In ihrem unsympathischen Narzissmus und ihrer Trägheit, überhaupt etwas anzupacken, können sie sicher nicht für sich in Anspruch nehmen, für eine ganze Generation zu sprechen.
Stattdessen sind es offensichtlich individuelle Fehler, die dazu führen, dass sie vor sich hin schlingern.
Letters to the President: Der Iran vor der Präsidentenwahl
Die Dokumentation Letters to the President wirft einige Schlaglichter auf die iranische Gesellschaft. Leider fehlen dem Film der rote Faden und vor allem eine Einordnung der Beobachtungen.
Regisseur Petr Lom beschränkt sich darauf, einzelne Phänomene aneinanderzureihen, die mal mehr, mal weniger interessant sind.
Die aufschlussreichsten Passagen sind die Gespräche mit Theologen über die messianische Erwartung der Ankunft des Mahdi, die in Präsident Ahmadinejads Denken und Reden eine zentrale Rolle spielt, sowie die Aufnahmen aus einem Regierungsbüro, das alle Briefe an den Präsidenten beantworten soll.
Ahmadinejad gewann die Wahl 2005 vor allem, da er sich rhetorisch geschickt von den Eliten absetzte und sich - wie auch bei den Kundgebungen im Film - als "Diener des Volkes" inszenierte. Er ruft dazu auf, dass jeder Bürger ihm seine Anliegen in einem persönlichen Brief schreiben kann. Dafür hat er eigens einen Arbeitsstab eingerichtet, der die mehreren Millionen Anfragen pro Jahr beantworten soll: Häufig geht es um die steigenden Preise und um die Bewilligung von Krediten.
Die Momentaufnahmen aus diesem Büro, das in Deutschland kaum bekannt ist, machen den Reiz dieses ansonsten durchschnittlichen Dokumentarfilms aus.
Ander: Entwicklungsdrama aus dem Baskenland
Sehr viel Applaus bekam Roberto Castón für Ander. Mit eindrucksvollen Bildern und ruhiger Dramaturgie zeichnet der Regisseur das Bild einer baskischen Bergbauernfamilie um die Hauptfigur Ander. Die autoritäre Mutter, die alles Fremde ablehnt und kaum Spanisch spricht, steht für ein starres Festhalten an den Traditionen. Bis José, ein junger Peruaner, als Hilfsarbeiter auf den Hof kommt und das gesamte Beziehungsgefüge ins Wanken bringt.
In einer Art baskischem Brokeback Mountain ringt Ander mit sich, wie er künftig leben will. Am Ende des Films findet sich eine überraschende Lösung: Eine sehr ungewöhnliche Konstellation des Zusammenlebens könnte ein Neuanfang sein.
Überraschend stilsicherer Debütfilm, der in Spanien schon deshalb für Aufregung sorgte, weil über weite Strecken Baskisch gesprochen wird.
Elmar Szücs stand kurz vor dem 30. Geburtstag und war immer noch mitten im Studium an der Filmakademie. Seinen drei besten Schulkameraden ging es nicht besser: Keiner hatte einen Abschluss. Einer versuchte sich an Biologie, der nächste hatte gerade mit Politikwissenschaft begonnen und der dritte schlug sich mit Unterricht an der Musikschule für Kinder durch, nachdem er an der Uni kein Bein auf den Boden bekommen hatte.
Die jungen Männer stilisieren sich in der Dokumentation Wir sind schon mittendrin zu Repräsentanten einer Generation Undecided . Damit schießen sie aber offensichtlich weit über das Ziel hinaus: Die vier schildern ihre eigene Orientierungslosigkeit und ihre Unfähigkeit, aus der Vielzahl der Möglichkeiten ihren eigenen Lebensstil zu finden. In ihrem unsympathischen Narzissmus und ihrer Trägheit, überhaupt etwas anzupacken, können sie sicher nicht für sich in Anspruch nehmen, für eine ganze Generation zu sprechen.
Stattdessen sind es offensichtlich individuelle Fehler, die dazu führen, dass sie vor sich hin schlingern.

Die Dokumentation Letters to the President wirft einige Schlaglichter auf die iranische Gesellschaft. Leider fehlen dem Film der rote Faden und vor allem eine Einordnung der Beobachtungen.
Regisseur Petr Lom beschränkt sich darauf, einzelne Phänomene aneinanderzureihen, die mal mehr, mal weniger interessant sind.
Die aufschlussreichsten Passagen sind die Gespräche mit Theologen über die messianische Erwartung der Ankunft des Mahdi, die in Präsident Ahmadinejads Denken und Reden eine zentrale Rolle spielt, sowie die Aufnahmen aus einem Regierungsbüro, das alle Briefe an den Präsidenten beantworten soll.
Ahmadinejad gewann die Wahl 2005 vor allem, da er sich rhetorisch geschickt von den Eliten absetzte und sich - wie auch bei den Kundgebungen im Film - als "Diener des Volkes" inszenierte. Er ruft dazu auf, dass jeder Bürger ihm seine Anliegen in einem persönlichen Brief schreiben kann. Dafür hat er eigens einen Arbeitsstab eingerichtet, der die mehreren Millionen Anfragen pro Jahr beantworten soll: Häufig geht es um die steigenden Preise und um die Bewilligung von Krediten.
Die Momentaufnahmen aus diesem Büro, das in Deutschland kaum bekannt ist, machen den Reiz dieses ansonsten durchschnittlichen Dokumentarfilms aus.

Sehr viel Applaus bekam Roberto Castón für Ander. Mit eindrucksvollen Bildern und ruhiger Dramaturgie zeichnet der Regisseur das Bild einer baskischen Bergbauernfamilie um die Hauptfigur Ander. Die autoritäre Mutter, die alles Fremde ablehnt und kaum Spanisch spricht, steht für ein starres Festhalten an den Traditionen. Bis José, ein junger Peruaner, als Hilfsarbeiter auf den Hof kommt und das gesamte Beziehungsgefüge ins Wanken bringt.
In einer Art baskischem Brokeback Mountain ringt Ander mit sich, wie er künftig leben will. Am Ende des Films findet sich eine überraschende Lösung: Eine sehr ungewöhnliche Konstellation des Zusammenlebens könnte ein Neuanfang sein.
Überraschend stilsicherer Debütfilm, der in Spanien schon deshalb für Aufregung sorgte, weil über weite Strecken Baskisch gesprochen wird.
« vorherige Seite
(Seite 1 von 5, insgesamt 64 Einträge)
nächste Seite »

