Google ist in Vergangenheit häufig für fehlende Transparenz und zu wenig Dialog mit Internetnutzern
kritisiert worden. So hat man bei Google zwar fleissig Daten über die digitalen Bürgerinnen und Bürger gesammelt, aber nur selten die gesellschaftliche Debatte gesucht um über den Einfluss und die Veränderungen in einer vernetzten Welt, in der Google eine große Rolle spielt, offen zu reden. Der Grund für den schweigenden Riesen lag wahrscheinlich auch in einem der Erfolgsfaktoren von Google. Die hohe Innovationsgeschwindigkeit und die Strategie die Internetnutzer trotz Beta-Stadium immer wieder vor vollendete Tatsachen zu setzten (siehe z.B. das viel beachtete
Google Buzz), hat in der schier unendlichen Wachstumsphase, viel bewirkt ist aber nicht mehr angemessen und eher kontraproduktiv, sobald eine Organisation wie Google fast unumgänglich wird. Die aktuelle
Google Streetview-Debatte zeigt dabei schön die negativen Auswirkungen der Strategie. Die Debatte geht dabei voll am Thema vorbei und ob Google jetzt Daten von (Update:
und in) Funknetzwerken sammelt oder nicht ändert nichts an den Grundproblemen der digitalen Gesellschaft mit dem Thema Datenschutz und Media Litracy, vorallem bei jüngeren Netzbewohnern und vor allem in Deutschland.
Jetzt hat Google Deutschland auf die Kritik an der Offenheit sowie dem fehlenden Dialog reagiert und vor einigen Wochen eine Art Multistakeholder Think-Tank gestartet in dem Themen rund um Netzpolitik offen diskutiert werden sollen. Das
Collaboratory ist im ersten Ansatz ein Expertenkreis, der Akteure aus Wissenschaft, Verbänden, Daten- und Verbraucherschutz sowie aus Internetunternehmen zusammenbringt. Die Gruppe wurde von Google's Policy Team ins Leben gerufen und soll sich intensiv mit alle Beteiligten mit den Fragen rund um das Internet und die Bedeutung für die moderne Gesellschaft beschäftigen. Selbst gestecktes Ziel ist es, "gemeinsam an Lösungsansätzen zu gesellschaftlichen Fragen rund um das Internet zu arbeiten."
Die erste Initiative ist eine
Umfrage zu "Internet, Gesellschaft und Innovationskultur". In Zusammenarbeit mit einem
interessanten Line-Up an Experten wurde diese Umfrage erstellt. Diese soll ausgewertet und die Ergebnisse am ersten "Collaboratory"-Abend Mitte Mai mit Politikern und staatlichen Experten thematisiert werden.
Es bleibt abzuwarten, welche Ziele Google mit dem Dialog genau verfolgt und ob man dem Anspruch "Lösungsansätzen zu gesellschaftlichen Fragen rund um das Internet zu (er)arbeiten" gerecht werden kann. Wir sollten aber dringend mit Google darüber
reden!
Mehr im
Google Blog einen Post zum Thema.