Die Intendanten und die Hausregisseure des
Deutschen Theaters Berlin wechselten in der Vergangenheit mehrmals, einige der Konstanten ist aber die Gesprächsreihe
Gregor Gysi trifft Zeitgenossen: Ein Mal im Monat lädt
der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Deutschen Bundestag Prominente aus Politik, Kultur und Gesellschaft ein.
Fast immer ergeben sich unterhaltsame Gespräche über die Biographie des Gastes, die wenig bekannte Hintergründe beleuchten. Fast immer ist das Deutsche Theater Berlin zu dieser Matinee ausverkauft.
Dieses Mal war jedoch im Foyer kaum noch ein Durchkommen möglich: Zu lang wand sich die Schlange derer, die noch auf Restkarten hofften. Kein Wunder bei der Popularität des aktuellen Gastes: Der derzeit wohl beste deutsche Komiker und Entertainer
Hape Kerkeling versprach einen munteren Schlagabtausch mit dem scharfzüngigen Politiker.
Kerkeling präsentierte sich dabei sehr authentisch von seiner nachdenklichen und ernsten Seite, sprach über seine Privatreligion, eine Mischung aus Buddhismus und Bergpredigt, seine Sorge über latente Homophobie auch in Zeiten offen homosexueller Spitzenpolitiker wie Wowereit, von Beust und Westerwelle sowie über seine große Krise in den 1990er Jahren, als plötzlich der Erfolg ausblieb und Hape Kerkeling angeblich schon zum Heilpraktiker umsatteln wollte.
Was dem Publikum damit entgangen wäre, zeigte ein Blick auf die Perlen, die inzwischen TV - Klassiker sind, mit denen Kerkeling in der Sendung
Total normal seinen Durchbruch feierte: Der Staatsbesuch als falsche Königin Beatrix, die Parodie auf zeitgenössische Musik im Hurz - Konzert oder die Bambi - Verleihung.
Auch in diesem Gespräch stellte Kerkeling noch mal klar: In einigen Jahren ab dem 50. Geburtstag soll mit den Bühnenauftritten Schluss sein, weil er fürchtet, dann nicht mehr schlagfertig genug zu sein.
Die Figur des penetranten Lokaljournalisten
Horst Schlämmer will er schon früher einmotten.
Die größte Heiterkeit im Publikum kam auf, als sich Kerkeling dazu bekannte, bei der Bundestagswahl SPD gewählt zu haben, und die beiden in einem Wortgefecht über die Krise dieser Partei und die Zukunft des Duos Gysi und Lafontaine spekulierten.
In der
nächsten Ausgabe dieses politischen Salons wird der niederländische Schriftsteller
Cees Nooteboom zu Gast sein.