Krieg und Frieden
„Warum Krieg?“ fragte Albert Einstein Sigmund Freud, der dem Physiker das Irrationale im menschlichen Verhalten erklären sollte. „Womit Krieg?“ hätte Einstein ebenso fragen können, auch sich selbst – schließlich wurde aus dem, was er entwickelt und entdeckt hat, mitunter die eine Waffe gebaut, die keine Fragen offenläßt. Krieg schmeißt uns hin und her: Brechts Mutter Courage, die den Krieg verflucht und den Frieden fürchtet. Oder China unter Mao Tse-Tung, dessen Kommunismus mittels eines „revolutionären“ Krieges die Voraussetzung für die endgültige Beseitigung aller Kriege schaffen wollte. Und die Wirklichkeit konstruieren die Medien.
Krieg kennen wenige, Frieden verstehen nicht alle. Oft verwandeln sich Krieg und Frieden ineinander. Selten lässt sich das fernab der Begrifflichkeiten trennscharf ausmachen. Der Erste Weltkrieg wird zum Nachkriegsfrieden, der gleichzeitig Vorkriegsfrieden ist und in den Zweiten Weltkrieg übergeht, der in Russland anders genannt und verstanden wird. „Wir tragen den Frieden wie ein Gewand, an dem wir vorn flicken, während es hinten reißt“, schrieb Wilhelm Raabe. Die Geschichte zeigt, wer den Schleier des Krieges an der richtigen Stelle geflickt hat. Wenngleich das keine Sache banaler Metaphorik ist, ist es auch eine Sache der Erinnerung, des Erzählens und des Wortefindens. Ist Krieg Frieden? Ist kein Krieg einem Frieden gleich? Gibt es ein Zwischen-Krieg-und-Frieden? Gefragt sind Arbeiten, die sich theoretisch und am Beispiel auch mit definitorischen Fragen auseinandersetzen.
Nicht nur um den Verlust von Gewaltmonopolen und Staatszerfall soll es dabei in der kommenden Ausgabe von
360° gehen. Ressourcen und Interessen, Bono und Sido, die Neutralität der Schweiz, das Nirwana und der Dalai Lama, Atomenergie, Ahmadinedschad, Krieg gegen den eigenen Körper oder die Tour de France, Samuel Huntington und Tolstoi, Souveränität und Humanitäre Intervention, 1968 oder Terrorismus, Erinnerungskultur, der 14. Juli, Freud oder Einstein können unter anderem Thema der Einsendungen sein.
Wir wünschen uns kritische und differenzierte Beiträge aus allen Teildisziplinen der Soziologie, Ethnologie, Pädagogik, Psychologie, Philosophie, Philologien, Geographie, Architektur, Theologie, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft, Anthropologie, Geschichte, Informatik, Kunstwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Sportwissenschaften und anderen Fächern und Fächerkombinationen mit sozialkritischer Perspektive.
Einsendeschluss ist der 1. Dezember 2008.
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