Amerika hat sein neues altes Gesicht. Es ist, so wünscht der 44. Präsident in seiner Inaugurationsrede, das Gesicht eines Freundes aller Nationen und Menschen, die "Frieden und Würde" suchen.
Am 20. Januar 2009, dem ebenso kühl geplanten wie heiß ersehnten Tag der Inauguration, gilt die Freude und Freundschaf erst einmal ganz Barack Hussein Obama. Gespannt wartet die Welt auf seinen multimedial ausgestrahlten Anblick, um die hochgesteckten Erwartungen mit ersten Eindrücken abzugleichen – und im perfekten Bild nach
Fehlern zu suchen. Die erste Hürde lauert schon beim Amtseid: Der Auserwählte kann die sieben Silben seines Namens kaum abwarten. Voreilig und vorbildlich vorbereitet fällt er seinem Vorsager vom obersten Gerichtshof während der Metamorphose zur Nr. 1 erst ins Wort und kennt dann den
Text des Schwurs besser als
Justice Robert selbst. Hätte der ihm nur die Bibel hingehalten, hätte Obama sicher souveräner gelobt, seinem Land zu dienen. Welch sympathische Irritation bei so viel perfekt einstudierter Langatmigkeit! Und wie irrelevant, wo nur Taten den „
Change we believe in“ bewirken können. Denn die politischen Herausforderungen nennt Obama klarsichtig „echt, ernst und zahlreich“. Hinter der aktuellen, ramponierten Oberfläche Amerikas sieht er dessen guten Kern bewahrt: Patriotismus legt Obama seinem nationalen Millionenpublikum ebenso ans Herz wie harte Arbeit, Ehrlichkeit, Mut, Fairness, Toleranz und auch Neugier. Heute lieben die USA und die Welt dieses Amerika mit dem alten, neuen Gesicht. Bleibt zu hoffen, dass an der Begeisterung mehr dran ist als wasserlösliches Make-up.