Am Berlinale-Abschlusswochenende lagen filmische Höhen und Tiefen eng beieinander. Den Goldenen Bären gewann nicht der Topfavorit, sondern der brasilianische Film
Tropa de Elite.
Arumdabda
Bei der Berlinale 2008 waren nur sehr wenige südkoreanische Filme vertreten, obwohl die Filmkultur in diesem Land momentan eine besonders kreative Phase erlebt und in den vergangenen Jahren für Furore am Potsdamer Platz sorgte. Der Debütfilm von Juhn Jaihong, einem Regieassistenten des bei Cineasten bekanntesten Südkoreaners Kim Ki-Duk, präsentiert das Drama einer Frau, die an den Schattenseiten ihrer bezaubernden Schönheit leidet. Die Männer stellen ihr als Stalker nach, sie wird sogar Opfer einer Vergewaltigung. Die Frauen reagieren neidisch auf ihre Strahlkraft. Eunyoung zerbricht an ihren Konflikten, malträtiert ihren Körper mit
Fast-Food-Fressattacken und Hungerkuren. Bis sie schließlich sich und andere in einem Amoklauf in den Abgrund reißt.
Fazit: Wie man es aus Südkorea gewohnt ist, bietet auch dieser Panorama-Beitrag sehr harte Kost mit schonungslosen Bildern. Er ist jedoch nicht so vielschichtig und experimentierfreudig wie andere
Werke aus diesem Land.
The other Boleyn Girl
Eine völlig andere Zielgruppe hat Justin Chadwick mit seinem Historienfilm "The other Boleyn Girl" im Auge. Er bietet einen opulenten Kostümfilm mit zwei Hollywood-Diven als Dreh- und Angelpunkt: Natalie Portman und Scarlett Johansson. Die beiden Schauspielerinnen verkörpern die historischen Figuren Anne und Mary Boleyn, die in der Geschichte des englischen Königshauses eine sehr markante Rolle einnahmen.
Der Regisseur liefert trotz einiger Längen alles in allem gelungenes Popcorn-Kino für Multiplex-Paläste, opfert seinem bunten Reigen von Intrigen die historische Genauigkeit: Er stützt sich ausschließlich auf eine zweifelhafte Romanvorlage von Philippa Gregory, deren Sympathien sehr eindeutig zugunsten von Mary Boleyn verteilt sind.
Fazit: Nett gemachter Historienschinken, der sehr frei mit historischen Personen und Tatsachen umgeht.
Man Jeuk
Johnnie Tos Gangsterdrama "Man Jeuk" war eine der Enttäuschungen des Berlinale-Wettbewerbs 2008.
Die Handlung erschöpft sich über weite Strecken in Slapstick- Einlagen. Das Potenzial Hongkongs als ein Schauplatz spannender Geschichten, wo die gesellschaftlichen Gegensätze wie unter einem Brennglas sichtbar werden könnten, wurde für diesen Film überhaupt nicht genutzt.
Fazit: Ein solcher Film hat wenig Chancen bei der Preisverleihung.
Auge in Auge - Eine deutsche Filmgeschichte
Als Berlinale Special präsentierten der FAZ-Redakteur Michael Althen und der Direktor des Filmmuseums Berlin Hans Helmut Prinzler einen Streifzug durch die deutsche Kinogeschichte.
Der Film war kurzweilig und ordnete vor allem die Klassiker von Fritz Lang oder Murnau in einen schlüssigen Kontext ein. Teilweise fehlte während der knapp 100 Minuten jedoch der rote Faden.
Fazit: Ein spannendes Mosaik, das zum Eintauchen in die Filmgeschichte verlocken möchte, dem aber an manchen Stellen die Stringenz fehlt.
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