Pedro: Spielfilmporträt eines prominenten AIDS - Toten
Pedro Zamora beherrschte 1994 die Schlagzeilen in den USA: Der 22jährige Latino war einer der ersten Insassen der MTV - Show
The Real World: San Francisco, einem Vorläufer des
Big Brother - Containers.
Der sympathische junge Exilkubaner beschäftigte die großen Fernsehstationen und Magazine, weil er der AIDS - Krankheit ein neues Gesicht gab. HIV - Infektionen schienen für den Durchschnittsamerikaner bis dahin vor allem ein Problem Drogenabhängiger, promiskuitiver Homosexueller und exzentrischer Promis zu sein.
Da Pedro, der nette Junge von nebenan, in der Sendung so offen mit seiner Erkrankung umging und sich vor allem nicht von dem Mobbing eines anderen Teilnehmers unterkriegen ließ, gewann er die Sympathien. Sein Engagement für bessere HIV - Prävention würdigte selbst Präsident Clinton in einer Rede vor dem Kongress.
Nick Oceanos Erstlingsfilm ist eine Hommage an seine Hauptfigur
Pedro, der noch im selben Jahr kurz nach Ende der Fernsehshow an den Komplikationen seiner Krankheit starb. Teilweise gerät der Regisseur in die Gefahr, zu sehr ins Pathos abzugleiten. Deshalb wäre eine Dokumentation wohl das geeignetere Format für sein Anliegen gewesen.
Der Film überzeugt künstlerisch nur teilweise, aber demonstriert erneut das gesellschaftspolitische Engagement der Berlinale - Programmkommissionen, die gerade in Zeiten steigender Neuinfektionen mit mehreren Filmen über AIDS diese tückische Krankheit ins Gedächtnis rufen.
Igla: DER Kultfilm der Perestroika - Ära
Genau 20 Jahre nach seiner internationalen Premiere kehrte Raschid Nugmanow mit seinem Sensations - Erfolg nach Berlin zurück.
Damals war dieser ungeschminkte Blick ins Drogenmilieu und die hektische Schnittfolge dieses Films ein unerhörtes Ereignis. Im Zoo - Palast mitten im damals noch eingemauerten West - Berlin sorgte dieser junge sowjetische Filmstudent für großes Aufsehen: Sein Werk
Igla/Die Nadel wurde weltweit als Symbol für Gorbatschows Perestroika und Glasnost gefeiert und entwickelte sich in der UdSSR zum Publikumshit mit mehr als 20 Mio. Besuchern innerhalb weniger Wochen.
Im sehr informativen Publikumsgespräch erklärte Nugmanow, dass der Film noch zwei Jahre zuvor niemals die Zensur passiert hätte und wahrscheinlich stark verstümmelt in den Regalen vergammelt wäre. Er nutzte die Gunst des Augenblicks und überrumpelte die völlig verunsicherte Kultur - Bürokratie mit einem experimentellen
Film noir, in dem er statt der üblichen Profis kurzerhand befreundete Rockmusiker aus der aufkeimenden Subkultur jener Jahre als Schauspieler verpflichtete.
Heraus kam ein atemloser Krimi, der nichts mehr mit dem sozialistischen Realismus gemein hat, und demnächst vom Regisseur in einer Remix - Fassung neu herausgebracht wird. Der Student Momo kehrt in seine Heimatstadt zurück und muss erkennen, dass eine frühere Freundin zum Junkie geworden ist und von einem dubiosen Arzt und der Drogenmafia in Abhängigkeit gehalten wird. Der Film zeigt Momos Kampf gegen diese kriminellen Strukturen, die nach offizieller Lesart gar nicht existieren, in beeindruckender Kompromisslosigkeit.
Leider hat Nugmanow nach dem frühen Erfolg bisher kaum noch Filme gedreht. Er war zu sehr damit beschäftigt, sich in die kasachische und russische Politik einzumischen und vor allem gegen die Rückkehr autoritärer Strukturen zu kämpfen.
Aus den Verhaftungen und Morden an mehreren Freunden zog er nun die Konsequenz, sich wieder mehr auf die Regiearbeit zurückzuziehen und die Verhältnisse durch seine künstlerische Arbeit zu beeinflussen.