Der Regisseur Gunter Scholz und der Fotograf Gerhard Gäbler sind auf die Suche nach den Beauties from Leipzig gegangen. 18 Jahre nach der letzten Miss-Wahl in der ehemaligen DDR haben sie einige der 20 Teilnehmerinnen von damals gefunden. Neun von ihnen stellt der Dokumentarfilm
Sag mir, wo die Schönen sind€¦ vor.
Mittels Gäblers Tonbandaufnahmen und seinen Missen-Fotos von 1989 haben Scholz und sein Team die heute um die 40-jährigen Frauen mit ihren Wünschen und Hoffnungen von damals konfrontiert. Nicht alle haben sich erfüllt. Doch zeigen sich die Damen nicht enttäuscht darüber, dass sie nicht „entdeckt“ wurden oder „groß raus kamen“. Im Gegenteil: Sie waren eher amüsiert über ihre jugendlichen Einstellungen und fühlen sich mit ihrer heutigen Lebenssituation, ob in Leipzig, Zürich oder Dubai, recht wohl.
Der Film, der auf der Berlinale in der Rubrik Panorama Dokumente erfolgreich bei ausverkauftem Saal seine Premiere feierte, ist so durch eine Leichtigkeit sowie viel Witz charakterisiert. Über die DDR wird weder zerknirscht, verbittert noch abwertend nachgedacht. Zu aktuell sind die heutigen Lebensumstände, die Scholz jedoch nur anreißt anstatt zu analysieren. Eine Stärke des Films ist jedoch, dass die sozialistische Zeit nicht vorgeführt, sondern als Teil der eigenen Lebensgeschichte präsentiert wird. Aus diesem Grund bewerteten die Protagonistinnen, die zu Gast auf der Berlinale waren, den Dokumentarfilm als „positiv“.
Insgesamt bot der Film jedoch wenig Raum für kritischere Reflexionen. Er wirkt teilweise (musikalisch) überladen und verharrt oftmals an der Oberfläche. Zu viele Charaktere werden den gesamten Film über immer wieder eingeführt. Somit ist vielmehr eine neunzigminütige Collage als eine Dokumentation entstanden. Hauptsächlich richtet der Film ein Spotlight auf die Frage „Was machen Sie heute?“ und ist für einen Lacher bezüglich der Antwort auf die Frage „Was denken Sie, wenn Sie sich an 1989 zurückerinnern?“ allemal gut. Doch bleiben dadurch einige der Frauen fremd und schwer greifbar. Sie vergisst man schnell, wenn der Film vorbei ist. Andere hingegen berühren den Zuschauer durchaus, da sie sich der Kamera und ihren Erinnerungen sowie heutigen Wünschen und Hoffnungen stärker öffnen. Doch diese Damen wurden anscheinend öfter besucht, gefilmt und kommen dadurch im Film mehr zu Wort.