Eine
besondere Matinee fand an diesem kalten Wintertag im
Deutschen Theater statt:
Ulrich Matthes, einer der gefragtesten Sprecher von Hörbüchern und herausragendes Ensemble - Mitglied, trug einige Kapitel aus
Atemschaukel, dem neuen
Roman der frisch gekürten Literatur - Nobelpreisträgerin Herta Müller vor.
Die Lesung setzte mit der Deportation des Ich - Erzählers ein, der als junger Mann kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs aus Siebenbürgen in Stalins sibirische Straflager verschleppt wurde. Aus der naiven Sicht eines 17jährigen erscheint diese Aktion zunächst als kleines Abenteuer und ersehnte Befreiung aus der provinziellen Enge seiner Heimat.
In den folgenden Miniaturen entfaltet sich jedoch das ganze
Grauen des Gulags von den unmenschlichen Zuständen in den Güterwaggons bis zu den Schikanen beim Morgenappell und der Brutalität der Aufseher. Herta Müller fand für diese Abgründe eindringliche Metaphern wie den in vielen Würdigungen erwähnten
Hungerengel, der die Lagerinsassen quält.
Herta Müller wollte diesen Roman ursprünglich zusammen mit
Oscar Pastior schreiben, der ebenso wie sie der deutschen Minderheit in Rumänien entstammt und wie sie vor dem
Ceaucescu - Regime in den Westen floh. Seine Deportation zwischen 1945 und 1949 ist der historische Kern dieses Buches. Da der Büchner - Preisträger leider im Oktober 2006 starb, musste Herta Müller diesen Text alleine zu Ende bringen. Der Roman über das Leiden des Ich - Erzählers lässt sich somit als Denkmal für ihren langjährigen Weggefährten lesen.
Wer diese Lesung verpasst hat, kann
Ulrich Matthes noch am 18. Dezember beim
Fest für Herta Müller im Haus der Berliner Festspiele erleben. Dann werden die Autorin und ihr Verleger Michael Krüger auch persönlich anwesend sein.
Das Buch Atemschaukel