Der Berlinale-Dienstag hatte einige sehr rätselhafte Filme und ein beeindruckendes Zeitdokument aus den wilden 1970er Jahren zu bieten.
Corroboree
Im Forum stellte der Australier Ben Hackworth
diesen Film mit dem ungewöhnlichen Titel vor, der auf ein Ritual der Aborigines zurückgeht. Über 90 Minuten zieht sein Werk immer rätselhaftere Schleifen, was mal wieder zu Publikumsströmen in Richtung Ausgang führte.
Wer dennoch blieb, wurde mit einem eigenwilligen Drama konfrontiert, in das ein 20-Jähriger hineinschlittert: Er soll in einer merkwürdigen Villa mit dubiosen Schauspielerinnen das Leben eines todkranken Regisseurs nachspielen.
Fazit: Das mehrdimensionale Spiel im Spiel mit all seinen Brechungen und Spiegelungen macht den Film anstrengend. Die Zuschauer wissen ebenso wenig wie der Hauptdarsteller, worauf das Ganze abzielen wird.
Sleep Dealer
Der
Debütfilm von Alex Rivera nimmt sich eine Vielzahl kontroverser Themen vor und konfrontiert die Zuschauer mit immer skurrileren Einfällen: Die Problematik der Mexikaner, die illegal in die USA einreisen wollen, taucht ebenso auf wie "Aqua-Terroristen", seltsame High-Tech-Drohnen oder Schaltstellen an den Körpern einiger Menschen, über die sie sich direkt ins Internet einwählen können. Etwas viel für 90 Minuten, wenn man nicht den Überblick verlieren will.
Fazit: Dieser politische Science-Fiction-Film hat zwar vor zwei Wochen den Drehbuchpreis beim Sundance-Festival gewonnen, überzeugte das Berliner Publikum aber nur zum Teil. Erstaunlich viele Plätze
blieben von vornherein leer.
Jesus Christus Erlöser
Der Nachlassverwalter von Klaus Kinski bringt einen restaurierten Mitschnitt des legendären Rezitations-Abends in der Berliner Deutschlandhalle, wo der umstrittene Schauspieler im November 1971 einen selbstverfassten Monolog über das Neue Testament vortragen wollte, in die Programmkinos.
Einzelne Filmausschnitte waren schon häufiger in Fernsehrückblicken auf die turbulenten Nach-68-Jahre: APO-Studenten störten die Veranstaltung immer wieder gezielt, provozierten Kinski mit Beschimpfungen als "Faschist" und "Psychopath" und lieferten sich mit ihm erbitterte Rededuelle. Die gesamte Dynamik des spannungsgeladenen Events kann man erst durch diesen Film nachempfinden.
Fazit: Ein
sehenswertes Dokument. Bei der heutigen Veranstaltung war zufälligerweise ein Radiojournalist anwesend, der den denkwürdigen Abend als junger Student miterlebt hat und somit vieles aus erster Hand kommentieren konnte.
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