Studie "Zukunft der Arbeitswelt 2030"
Welche Einstellungen zu Jobs, Karriere und Einkommen zeichnen sich in Zukunft ab? Wie verändern neue Technologien und grenzenlose Kommunikation Arbeitsplätze? Was müssen Unternehmen in der Personalentwicklung ändern? Wissenschaftler von der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz wollen das Thema nicht selbsternannten Zukunftsforschern überlassen und gehen im Rahmen der interdisziplinären Großstudie "Zukunft der Arbeitswelt 2030" diesen wichtigen Fragen nach. Die Forschungsarbeiten sind bis zum Jahr 2015 angelegt, erste Ergebnisse sind jedoch schon jetzt verfügbar.
Unternehmen müssen sich zwangsläufig stärker mit künftigen Arbeitsmarkt-Trends befassen: Fach- und Führungskräftemangel, demographischer Wandel, Globalisierung und Arbeiten über Zeitzonen hinweg, permanente Erreichbarkeit für Kunden, veränderte Wertehaltungen und Lebensweisen der arbeitenden Menschen - all das stellt Firmen vor neue Herausforderungen, um Mitarbeiter langfristig halten zu können.
Hinzu kommt: Viele Führungskräfte und Beschäftigte haben Probleme mit der zunehmenden Vermischung von Beruf und Privatleben. Die Raten an psychischen Erkrankungen und Fälle von "Workaholismus" steigen. Es wächst der Druck auf Firmen, ein systematisches Health Care Management aufzubauen.
Im Rahmen der Studie ergab eine Expertenbefragung unter Führungskräften zum Thema "Bindung zum Unternehmen", dass einerseits mit einer wachsenden Anzahl von Freelancern zu rechnen ist, die zum Teil sogar für mehrere Unternehmen tätig sind. Andererseits wird der Trend zur stärkeren Beziehung der Beschäftigten an Unternehmen aufgrund zunehmender politischer und wirtschaftlicher Verunsicherung erwartet.
In einer Studie mit 260 Managern hat Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg, Leiterin des Fachgebiets Marketing und Personalmanagement an der TU Darmstadt, zeigen können, dass nicht alle Führungskräfte gleichermaßen in der Lage sind, die Möglichkeiten flexiblen Arbeitens zu Hause oder auf Reisen optimal und kreativ auszufüllen. So wird beispielsweise für perfektionistisch orientierte Führungskräfte die fehlende Trennung zwischen Beruf und Privatleben sehr schnell zum Hemmschuh, wenn sie nicht mehr abschalten können.
"Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen liegt also darin, einerseits gewisse Grenzen von Führungskräften und Mitarbeitern im Hinblick auf deren Erreichbarkeit zu akzeptieren. Andererseits müssen die Beschäftigten hinsichtlich der Fähigkeit, mit flexiblen Arbeitszeiten und -orten umzugehen, seitens des Personalmanagements gefördert werden", erläutert Stock-Homburg.
Selbstmanagement gefordert
Die interdisziplinäre Studie nimmt auch eine zu erwartende neue Zweiteilung der Gesellschaft in den Blick: Einerseits wird es unter den Erwerbstätigen die erfolgreichen "Selbstmanager" geben, die aufgrund immer komplexerer Aufgaben zunehmend mehr Entscheidungs- und Handlungsspielräume haben, an ihren Aufgaben wachsen und psychosozial gesund bleiben. Die Mehrzahl aber wird mehr Schwierigkeiten mit ihrem "Emotionsmanagement" haben - die Wahrscheinlichkeit, von der Arbeit zerrieben zu werden, wird drastisch steigen.
Die Wissenschaftler befassen sich auch mit der Frage, wie man in das rechte Maß zwischen Arbeit und dem schonenden Umgang mit menschlichen Ressourcen findet: Wie viel technische Unterstützung ist sinnvoll und ab welcher Grenze wird zu viel Technik zu einer erhöhten Belastung? Wie lang sollten kontinuierliche Arbeitsblöcke am Tag, in der Woche, im Jahr, im Berufsleben und darüber hinaus minimal und maximal sein? Wie flexibel können und sollten Beschäftigungsverhältnisse sein und welche Standards werden weiterhin benötigt?
Papierorientierte Computerarbeit
Und auch den Aspekt der Arbeitsumgebung greift die Großstudie auf. Klare Aussage: Das papierlose Büro wird vorerst ein Mythos bleiben. Informatiker beschäftigen sich mit "paper centric computing", also damit, wie Papier-basierte und elektronische Dokumentbearbeitung intelligent kombiniert werden kann. Wie können beispielsweise bewährte Praktiken der papierbasierten Dokumentenarbeit, vor allem in Teams, optimal elektronisch ergänzt werden?
Eine Schlüsseltechnologie sind Computer-bewehrte Kugelschreiber: diese funken das elektronische Abbild des auf Papier Geschriebenen ("electronic ink") an ein Computernetz im Hintergrund. Neben der elektronischen Tinte werden auch Dokument, Seite, exakte Position, und Zeit des Schreibens erfasst. Technologischer Spitzenreiter sind Pens, die auch kleinstes Gekritzel erfassen.
Die zweite Schlüsseltechnologie ist geeignete Software-Unterstützung. Ein Durchbruch gelang hier, als Entsprechungen von Software-Benutzeroberflächen effizient entwickelt und auf Papier mit ausgedruckt werden konnten. Pens können damit nicht nur zum Beschreiben und Annotieren benutzt werden, ein "Klick" oder Strichzug auf Papier kann nun auch Kommandos bei der elektronischen Hintergrund-Verarbeitung auslösen. Am Fachbereich Telekooperation der TU wurden ethnographische Studien bei universitären Lerngruppen durchgeführt und mit professioneller Wissensarbeit verglichen; auf dieser Grundlage wurden vielfältige hybride Bearbeitungsformen entwickelt, z.B. "Links" zwischen Web-Seiten und Papier.
weitere Informationen
Quelle: idw
#1 - kligqpbrd besagt:
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#1.3 - jtsfds311 besagt:
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#2 - Korwisi besagt:
15.02.2009 01:29 - (Antwort)
Interessant, dass das Ende des papierlosen Büros immer noch nicht in Sicht ist. Allerdings wurde Rom ja auch nicht an einem Tag erbaut und die Idee, Papier bzw. das Geschriebene drauf sozusagen "live" zu digitalisieren, ist sicherlich ein erster richtiger Schritt, um uns das Papier zukünftig abzugewöhnen.

