Eine Stadt in Quèbec, Kanada. Trist, staubig, industriell, mit grünem Umland. Hier leben fünf Jugendliche. Sie sind - nein, sie waren die besten Freunde. Denn eines Sommertages findet Josh (Maxime Dumontier) einen seiner Freunde erhangen in seinem Zimmer vor. Auch die anderen haben sich zur selben Zeit - jeder auf eine andere Art - das Leben genommen. Verzweifelt, geradezu ohnmächtig stehen Eltern und Freunde dem Ereignis gegenüber. Warum haben sie sich umgebracht? Warum wusste Josh nichts davon? Warum wurde er ausgeschlossen?
Mit diesen schwer im Magen liegenden Fragen wird der Zuschauer gleich zu Beginn des Dramas konfrontiert und für zwei Stunden in das Leben eines introvertierten und abgestumpften, vermutlich 17-Jährigen mitgenommen. Vergebens hofft das Publikum auf Antworten. Josh findet keine Worte für das, was geschehen ist. Er will sie auch nicht finden. Er verschließt sich seinen Eltern und dem Schulpsychologen. Tout est parfait. Auch die Annäherung zu der Ex-Freundin eines nun toten Kumpels, Mia (Chlóe Bourgeois), droht zu scheitern. Josh verliert zunächst die Bindung an seine Umgebung, dann an das Leben selbst. Frontal fährt er mit dem Auto gegen einen Strommast. - Er kommt schwer verletzt davon und schließt Frieden mit dem (Über-)Leben.
In vereinzelten Rückblenden zeigt der Regisseur Yves-Christian Fournier die Fünfer-Clique bei dem, was Jugendliche so machen: beim Skaten, beim Sprühen, beim Bier trinken auf Partys, beim Flirten, beim Raufen, aber auch bei ernsten Gesprächen. Dies sind die glücklichen Momente des Films, an die sich der Zuschauer klammern möchte, denn tout est parfait. So werden nach und nach die einzelnen Toten doch noch zum Leben erweckt, bleiben dem Zuschauer jedoch insoweit fern, als dass dieser keine Antworten auf die vielen Warum-Fragen erhält.
Fournier ist mit
Tout est parfait ein still schreiender, gesellschaftskritischer Film über die Jugend gelungen, der ohne ihre Probleme direkt und konkret aufzuzeigen, vermuten lässt, dass Jugendliche mit denen an sie gestellten Anforderungen nicht zurechtkommen - scheinbar nicht zurechtkommen wollen. Es ist auch ein Film über Freundschaft und Zusammenhalt, über Abschiede und Neuanfänge, über die Entscheidung für das Leben. Denn auch Josh wollte sich an diesem Tag umbringen, wie der Beobachter zuletzt erfährt. Er war nicht nur in die Pläne seiner Freunde eingeweiht, er hatte sie mit ihnen geschmiedet. Aber Josh tat es seinen Freunden an jenem alles verändernden Tag nicht gleich. Er hielt sich im entscheidenden Augenblick am Brückengeländer fest, während sich sein Freund hinabstürzte.
Bis zum Ende des Films erfährt der Zuschauer nicht, ob Josh aus Angst vor dem Tod oder aus Respekt vor dem Leben letztlich doch nicht sprang. Offen bleibt auch, warum er und die anderen nicht mehr leben wollten, ebenso ob er aus Schmerz über den Verlust seiner Freunde oder aus Scham, den Pakt als einziger gebrochen zu haben, das Auto gegen den Mast lenkt. Die Sehnsucht nach Verstehen stillt Fournier nicht und lässt den Zuschauer dadurch orientierungslos und verwirrt zurück - genauso wie sich manche Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsenwerden eben fühlen.