Wir sind schon mittendrin: Was verbindet die 30jährigen?
Elmar Szücs stand kurz vor dem 30. Geburtstag und war immer noch mitten im Studium an der Filmakademie. Seinen drei besten Schulkameraden ging es nicht besser: Keiner hatte einen Abschluss. Einer versuchte sich an Biologie, der nächste hatte gerade mit Politikwissenschaft begonnen und der dritte schlug sich mit Unterricht an der Musikschule für Kinder durch, nachdem er an der Uni kein Bein auf den Boden bekommen hatte.
Die jungen Männer stilisieren sich in der Dokumentation
Wir sind schon mittendrin zu Repräsentanten einer
Generation Undecided . Damit schießen sie aber offensichtlich weit über das Ziel hinaus: Die vier schildern ihre eigene Orientierungslosigkeit und ihre Unfähigkeit, aus der Vielzahl der Möglichkeiten ihren eigenen Lebensstil zu finden. In ihrem unsympathischen Narzissmus und ihrer Trägheit, überhaupt etwas anzupacken, können sie sicher nicht für sich in Anspruch nehmen, für eine ganze Generation zu sprechen.
Stattdessen sind es offensichtlich individuelle Fehler, die dazu führen, dass sie vor sich hin schlingern.
Letters to the President: Der Iran vor der Präsidentenwahl
Die Dokumentation
Letters to the President wirft einige Schlaglichter auf die iranische Gesellschaft. Leider fehlen dem Film der rote Faden und vor allem eine Einordnung der Beobachtungen.
Regisseur Petr Lom beschränkt sich darauf, einzelne Phänomene aneinanderzureihen, die mal mehr, mal weniger interessant sind.
Die aufschlussreichsten Passagen sind die Gespräche mit Theologen über die messianische Erwartung der Ankunft des Mahdi, die in Präsident Ahmadinejads Denken und Reden eine zentrale Rolle spielt, sowie die Aufnahmen aus einem Regierungsbüro, das alle Briefe an den Präsidenten beantworten soll.
Ahmadinejad gewann die Wahl 2005 vor allem, da er sich rhetorisch geschickt von den Eliten absetzte und sich - wie auch bei den Kundgebungen im Film - als "Diener des Volkes" inszenierte. Er ruft dazu auf, dass jeder Bürger ihm seine Anliegen in einem persönlichen Brief schreiben kann. Dafür hat er eigens einen Arbeitsstab eingerichtet, der die mehreren Millionen Anfragen pro Jahr beantworten soll: Häufig geht es um die steigenden Preise und um die Bewilligung von Krediten.
Die Momentaufnahmen aus diesem Büro, das in Deutschland kaum bekannt ist, machen den Reiz dieses ansonsten durchschnittlichen Dokumentarfilms aus.
Ander: Entwicklungsdrama aus dem Baskenland
Sehr viel Applaus bekam Roberto Castón für
Ander. Mit eindrucksvollen Bildern und ruhiger Dramaturgie zeichnet der Regisseur das Bild einer baskischen Bergbauernfamilie um die Hauptfigur Ander. Die autoritäre Mutter, die alles Fremde ablehnt und kaum Spanisch spricht, steht für ein starres Festhalten an den Traditionen. Bis José, ein junger Peruaner, als Hilfsarbeiter auf den Hof kommt und das gesamte Beziehungsgefüge ins Wanken bringt.
In einer Art baskischem
Brokeback Mountain ringt Ander mit sich, wie er künftig leben will. Am Ende des Films findet sich eine überraschende Lösung: Eine sehr ungewöhnliche Konstellation des Zusammenlebens könnte ein Neuanfang sein.
Überraschend stilsicherer Debütfilm, der in Spanien schon deshalb für Aufregung sorgte, weil über weite Strecken Baskisch gesprochen wird.