Der
Regisseur Rosa von Praunheim wurde vor kurzem in die Akademie der Künste aufgenommen und
stellte aus diesem Anlass seinen neuen Film Höllenfahrt in deren Studiokino vor.
Das
Enfant terrible des deutschen Kinos schuf diesmal ein sehr lehrreiches und sachliches Kaleidoskop über die Vorstellungen von Jenseits und Hölle in den verschiedenen Kulturen und Religionen. Sein Ausgangspunkt sind die eigenen Erinnerungen an seine Jugend als Meßdiener in den 1950er Jahren, als noch Angstszenarien von Fegefeuern und Höllenstrafen in den Kirchen gepredigt wurden.
An solche Drohbotschaften glauben heute natürlich nur noch die wenigsten in unserer Gesellschaft. Auf seinen Reisen zum Katholikentag oder Gesprächen mit Priestern erhält er meist sehr aufgeklärte Antworten: Der Begriff "Hölle" wird nicht mehr als realer Ort mit einem Teufel, der das Feuer anheizt, gesehen.
Nonnen sprechen stattdessen eher von einer Metapher, die für jeden etwas anderes bedeutet. Nur
Uta Ranke - Heinemann, exkommunizierte ehemalige Theologie - Professorin und Bundespräsidententochter, kann sich noch mit ihrer bekannten Wut über die Verfehlungen der katholischen Amtskirche aufregen.
Die spannendsten Passagen dieser Dokumentarreise sind Rosa von Praunheims Expeditionen zu anderen Religionen. In ausführlichen, dennoch kurzweiligen Interviews mit Geistlichen, Kulturwissenschaftlern und Soziologen spannt er einen Bogen vom mesopotamischen Gilgamesch - Epos über das Totenreich der Ägypter und Homer bis zum Judentum und zum Islam. Überraschenderweise kennt selbst der Buddhismus ähnliche Vorstellungen von Strafe zur Besserung des Menschen.
Dazwischen sind Ausflüge in die Literatur (
Dantes Göttliche Komödie) und Malerei (
Hieronymus Bosch) sowie kleine Spielszenen mit einer Theatergruppe eingebaut. Die Dreharbeiten wurden jedoch selbst von einem Todesfall überschattet: Die junge Schauspielerin
Melek Diehl, die im Film arglos über ihre Ansichten zu Glauben und Tod spricht, wurde auf dem Heimweg von einer der Theateraufzeichnungen vor genau einem Jahr von einem Auto erfasst und verblutete am Straßenrand.
Rosa von Praunheim gelang mit
Höllenfahrt ein sehr anregender kleiner Film, der seit November in ausgewählten Kinos läuft und sicher auch demnächst bei den koproduzierenden TV - Sendern ZDF und arte zu sehen sein wird.
Das anschließende Publikumsgespräch im kalten Foyer der Akademie der Künste brachte dagegen kaum neue Einsichten. Der Regisseur hielt sich zurück, so dass das Gespräch mehr zu einem zickigen Privatduell zwischen der Kultursoziologin Viola Altrichter und dem katholischen Journalisten Ingo Langner mutierte.
Die Akademie der Künste