The One Man Village: Streckenweise zähe Dokumentation aus dem Libanon
Die Presseinformationen zu Simon El Habres
The One Man Village klingen viel versprechend: Seine Dokumentation porträtiert den einzigen Bewohner eines vom Bürgerkrieg verwüsteten libanesischen Bergdorfes.
Wer hoffte, mehr Klarheit über die seit Jahren schwelende Dauerkrise zwischen den verschiedenen Religions- und Bevölkerungsgruppen in diesem Schlüsselstaat für den Nahostkonflikt zu bekommen, wird leider enttäuscht.
Der Film bleibt doch allzu sehr auf die private Existenz seiner Hauptfigur fokussiert. In langen Einstellungen folgt der Regisseur seinem Onkel Semaan beim Melken oder beim Kaffeekochen.
Zwischendurch treten immer wieder ehemalige Bewohner des Dorfes auf, die bei seiner Zerstörung 1982 geflüchtet sind. Auch in diesen Interviews wird der politische Kontext des libanesischen Bürgerkrieges und die Rolle der Nachbarstaaten wie Israel und Syrien nur schemenhaft angedeutet.
Sobald der Regisseur nach den Ursachen der Spannungen fragt und warum gerade dieses Dorf so stark getroffen wurde, weichen seine Gesprächspartner, häufig ebenfalls Mitglieder seiner Großfamilie, aus.
So bleibt das Ergebnis zwangsläufig hinter den Erwartungen zurück. Für die mageren politischen Erkenntnisse wird man lediglich durch schöne Landschaftsaufnahmen besonders in der kurvenreichen Kamerafahrt am Schluss und vereinzelte amüsante Statements entschädigt.
Milk: Oscar – Favorit portraitiert die wilden 70er Jahre
Gus van Sant begann seine Karriere mit dem Independentfilm
Mala noche: verwaschene Schwarz – weiß – Bilder, karge Dialoge, ein fordernder Film für ein Nischenpublikum. Die Aufführung auf der Berlinale 1985 war die erste Stufe seiner erfolgreichen Karriere, die ihn mittlerweile bis zum großen Oscar – Favoriten führt.
Sein neuester Film
Milk wurde heute als Gala – Premiere aufgeführt, startet kommende Woche bundesweit in den Kinos und ist bei der Oscar – Verleihung in acht Kategorien nominiert.
Dementsprechend hat die Ästhetik nichts mehr mit dem Frühwerk zu tun, schlug an einer Stelle aber allzu sehr in ihr Gegenteil um: Der Klangteppich von Danny Elfman ist der charakteristische schwülstige Brei, mit dem dieser Komponist auch sonst die Filmhandlung überdeckt.
Das ist in dem Fall besonders schade, denn die hat es in sich: Im Zentrum steht die Biographie von Harvey Milk, der als erster offen homosexueller US - Politiker Stadtrat in San Francisco wurde. Das Drehbuch zeichnet mit viel Liebe zum Detail die politischen Auseinandersetzungen der 1970er Jahre nach: Minderheiten fordern ihre Rechte ein, Milk schließt strategische Bündnisse und ist einer der führenden Köpfe der neuen sozialen Bewegungen.
Dokumentarisches Archivmaterial wird sinnvoll eingesetzt und lässt die Emotionalität der Debatten nachvollziehbar werden. Dem Film und seinem Hauptdarsteller Sean Penn gelingen ein insgesamt überzeugendes Porträt von Harvey Milk als politischer Person mit all seinen Erfolgen und als Privatmann, dessen Beziehungen fast tragisch scheitern. Bis hin zum tödlichen Ende durch ein Attentat von Dan White, dessen Motiv für die Schüsse auf den ehemaligen Bündnispartner und späteren Rivalen auch dieser Film nicht völlig schlüssig erklären kann.
Vinganca: Die Pflicht zur Vergeltung
Miguel wird vom Vater und Bruder seiner Verlobten gezwungen, nach Rio de Janeiro aufzubrechen und den Vergewaltiger seiner Freundin umzubringen. Nach dem archaischen "Auge um Auge" - Prinzip kann nur so die Familienehre wiederhergestellt werden.
Der junge Mann aus der Provinz fühlt sich in der Partymetropole völlig fremd und gerät in zwei schwerwiegende Dilemmata: Er fühlt sich zwischen den völlig verschiedenen Wertvorstellungen und Lebensstilen innerhalb Brasiliens hin und hergerissen. Außerdem flirtet er heftig mit der Schwester des Täters. Das ruft sofort den Vater und Bruder seiner Verlobten auf den Plan, die ihm seine Pflicht zur Rache nachdrücklich klarmachen.
Dieser Low - Budget - Debütfilm
Vinganca zeichnet die Gefühle der Beteiligten recht plastisch nach, hätte aber an manchen Stellen noch einer präziseren Bearbeitung bedurft.