Vom 7. bis zum 17.02.2008 finden in Berlin die 58. Internationalen Filmfestspielen statt. Die Berlinale präsentierte an ihrem dritten Tag in allen wichtigen Sektionen sehenswerte Filme aus sehr unterschiedlichen Genres.
Julia
Dieser Film passt in keine Schublade. Nach den ersten zwanzig Minuten meint man, dass es wohl auf ein sozialkritisches Drama über eine Alkoholikerin hinausläuft. Danach nimmt die Handlung jedoch immer neue Wendungen und ist mal eher Kriminialfilm, mal eher Road-Movie quer durch das US-amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet.
Mit dem Wettbewerbs-Beitrag
Julia ließ der französische Regisseur Eric Zonca nah achtjähriger Schaffenspause endlich wieder ein Lebenszeichen verlauten. Es war merkwürdig still um ihn geworden, nachdem er 1998 in Cannes mit
Liebe das Leben eine Silberne Palme gewonnen hatte.
Fazit: Ein sehenswerter Film mit vielen Überraschungen, den man am ehesten als bunte Mischung aus
Fargo von Joel und Ethan Coen,
Amores perros von Alejandro González Iñárritu und
Gloria von John Cassevetes beschreiben könnte.
Herausragend ist wie schon so oft die sehr wandlungsfähige Hauptdarstellerin Tilda Swinton, die sich für diese Leistung den Silbernen Bären als Beste Hauptdarstellerin verdient hätte.
Himlens Hjärta
Als Berlinale Special präsentierten die Programm-Verantwortlichen einen besonderen Leckerbissen: Der junge dänische Regisseur Simon Staho stellte sein intensives Kammerspiel
Himlens Hjärta vor.
In der besten Tradition der skandinavischen Filmkunst sezierte er die Ehekrisen zweier befreundeter Paare mit messerscharfer Beobachtungsgabe und beeindruckenden Wortgefechten. Das einzige Manko dieses Films ist, dass der Schluss das Publikum sehr polarisiert; Während einige die Versöhnung stimmig fanden, wirkte er auf die Mehrheit eher unrealistisch und somit unpassend.
Fazit: Ein herausragender, psychologisch beeindruckender Film eines aufstrebenden Regietalents, das bereits auf mehreren kleineren Festivals wie San Sebastian und Chicago mit seinen früheren Filmen ausgezeichnet wurde. Nur die Schluss-Sequenz kann den guten Eindruck trüben.
Transsiberian
Ein weiteres Highlight des Festivals war die Premiere von
Transsiberian im Zoo-Palast. In diesem düsteren Thriller schlittert ein unbedarftes Paar aus den USA während einer Bahnreise von Peking nach Moskau mitten in die Auseinandersetzung zwischen Drogenschmugglern und dubiosen Sicherheitskräften. Aus dem starken Ensemble ragen vor allem Ben Kingsley als Ilya Grinko sowie Woody Harrelson und Emily Mortimer als Roy und Jessie hervor.
Fazit: Dieser Film erhielt zurecht einen besonders lautstarken Applaus. Er bietet phantastische Landschaftsaufnahmen aus Sibirien und eine intelligente, hochspannende Thrillerhandlung. Einige blutige Szenen sind aber für Zuschauer mit besonders schwachen Nerven nur bedingt geeignet.