Vom 4. bis zum 21. Dezember findet im Kreuzberger
Ballhaus Naunynstraße das Festival
Happy Revolution - views on Iran. 30 years later mit einigen spannenden Theateraufführungen, Filmen, Diskussionen und Lesungen statt.
Zur Eröffnung feierte der Einakter
Und der Herr schuf die Kuh von
Abbas Maroufi seine Uraufführung. Dieses Stück schrieb der iranische Autor während seiner Haftzeit 1995 in Teheran, seit 1996 lebt und arbeitet Maroufi im Berliner Exil. Dass der Text bereits knapp anderthalb Jahrzehnte alt ist, merkt man ihm kaum an. Die erste Szene kommt einem aus dem Sommer 2009 nur allzu bekannt vor: Laute Protestrufe hallen in den Laden des Uhrmachers (Peter von Strombeck) und kehren während der ca. 70 Minuten als eine Art Hintergrundrauschen immer wieder.
Einen starken Kontrast zu dieser aufgewühlten äußeren Atmosphäre bildet die minimalistische Handlung des Dramas
Und der Herr schuf die Kuh: Zwei Personen stehen sich in dem karg eingerichteten Bühnenraum gegenüber. Der Regisseur Mehdi Moinzadeh, der 1978 im Iran geboren ist und an deutschen Schauspielschulen und Theatern gelernt hat, verzichtet auf jede Form üppiger Ausschmückung und lässt den Text möglichst pur wirken.
Dementsprechend sperrig wirkt der Beginn. Ohne die Informationen aus dem Werkstattgespräch vor Beginn des Stücks wäre der Dialog zwischen dem Uhrmacher und einem dubiosen jungen Besucher, der sich als Philosoph ausgibt, schwer zugänglich. Für die Rolle des Besuchers konnte das Festival - Team
Pegah Ferydoni gewinnen, die in der Rolle der frommen Yagmur in der deutsch - türkischen Patchworkfamilie der ARD - Vorabendserie
Türkisch für Anfänger auf sich aufmerksam machte und im Sommer 2009 mit dem
Silbernen Löwen beim Filmfestival von Venedig für ihre Hauptrolle in
Women without men ausgezeichnet wurde.
Das Kammerspiel entspinnt sich als langes Gespräch zwischen den beiden Figuren, sie umschleichen sich und sprechen zunächst über scheinbar alltägliche Probleme. Es wird deutlich, dass der alte Uhrmacher früher ein politischer Aktivist war, aber von der Stagnation des Mullah - Regimes tief enttäuscht ist und sich ganz ins Private und seinen kleinen Handwerksbetrieb zurückgezogen hat. Das Drama steuert jedoch auf ein überraschendes Finale zu, dessen Ausgang hier deshalb nicht verraten werden soll. Aber selbst in seiner Schlussepisode bleibt der Abend bewusst vieldeutig und lässt Raum für verschiedene Interpretationen.
Einen Hinweis auf eine explizit politische Intention des Stückes gibt der Autor
Maroufi im Programmheft:
"Wenn Sie im Iran leben, können Sie sich noch so sehr ins Private zurückziehen, wie Sie wollen. Das System wird Sie in die politischen Geschehnisse verwickeln, ohne dass Sie sich aus ihnen befreien können. Und zwar in erster Linie deshalb, weil das Regime sich entsetzlich vor der Bevölkerung fürchtet."
In den kommenden Wochen werden weitere Stimmen der iranischen Opposition zu hören sein: Am 12. Dezember wird beispielsweise die bekannte deutsch - iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai aus dem im Iran verbotenen Buch
Opium von Shiva Arastuie lesen.
Weitere Informationen zum Stück Und der Herr schuf die Kuh
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