Georg Büchners Fragment
Woyzeck hat eine kuriose, steile Karriere hinter sich: Der junge Schriftsteller hatte in seiner Streitschrift
Der Hessische Landbote gegen die ungerechten Verhältnisse der restaurativen Epoche gewettert. Als er wegen seiner revolutionären Gedanken und Aktionen verfolgt wurde, brachte er 1836 in wenigen Monaten kurz vor seinem frühen Tod dieses Drama zu Papier. Damals hätte er wohl selbst nicht geglaubt, dass sich sein Text zu einer der meist gespielten Säulen des Repertoires deutscher Bühnen entwickeln würde.
Im Zentrum des Stückes stehen die ständigen Erniedrigungen, unter denen der Soldat Woyzeck leidet. Der berühmte Kritiker
Alfred Kerr brachte sein Schicksal treffend auf den Punkt: "Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln. Somit ein Behandelter, nicht ein Handelnder."
Moritz Grove verkörpert bei seinem Debüt am
Deutschen Theater Berlin diese verängstigte Kreatur: Mit hochgezogenen Schultern stolpert er von einer Schikane zur nächsten, hetzt zwischendurch immer wieder atemlos durch eine Art Amphitheater: Das Hamsterrad, aus dem er nicht entkommen kann.
Sein Gegenpol ist
Christoph Franken: Auch er ein neues Gesicht auf den Berliner Bühnen, der in der Rolle des bis zum Ekel selbstgefälligen Tambourmajors aufgeht und mit seinem gehässigen Lachen Akzente setzt.
Zwischen den beiden Männern steht Marie: Sie wirkt zunächst wie die Unschuld vom Lande und ist die Geliebte von Woyzeck. Sobald sie aber die Chance eines gesellschaftlichen Aufstiegs wittert, wirft sie sich dem Tambourmajor in die Arme. Das muss sie mit einem Mord aus Eifersucht bezahlen, zu dem sich Woyzeck nach all seinen Niederlagen getrieben fühlt. Die Marie verkörpert
Maren Eggert, die bereits mehrfach mit wichtigen Preisen ausgezeichnet wurde und einem größeren Publikum auch als Psychologin Frieda Jung im
Kieler Tatort bekannt ist.
Diese Schauspielhandlung wird immer wieder durch schräge Auftritte seltsamer Figuren unterbrochen, die das Publikum zunächst irritieren. Vor allem aber werden die Szenen mit den Songs unterlegt, die der US - Musiker
Tom Waits im Jahr 2000 komponierte, als er zusammen mit dem Regisseur
Robert Wilson eine moderne Version des
Woyzeck am Kopenhagener Theater inszenierte.
Auf diese Text- und Musikfassung stützt sich
Jorinde Dröse, die in Berlin ebenfalls noch ein recht unbeschriebenes Blatt ist, aber bereits einige Erfahrungen als Regieassistentin und Regisseurin in anderen Städten gesammelt hat.
Der altbekannte Stoff, der schon fast zu häufig auf den Bühnen zu sehen ist, bekommt durch die schönen Lieder, die von der Band und den Schauspielern vorgetragen werden, eine interessanten Dreh. Somit entsteht ein recht kurzweiliger, solider Theaterabend, der vom Publikum mit freundlichem Applaus bedacht wurde.
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