Am Schlusstag der
9. Französischen Filmwoche präsentierten Gustave Kervern und Benoît Delépine die Groteske
Louise hires a Contract Killer: Mitten in der strukturschwachen französischen Provinz schließt eine Fabrik. Die transsexuelle Louise und ihre Kolleginnen empören sich über die geringe Abfindung und beschließen, das Geld zusammenzulegen, um damit einen Profi - Killer für die Liquidierung ihres Chefs anzuheuern. Daraufhin dreht der Plot immer wildere Kapriolen: Der vermeintliche Experte entpuppt sich als schrulliger Stümper. Statt selbst abzudrücken überredet er Todkranke, als letzten Akt den
bösen Kapitalisten umzubringen. Leider stoßen Louise und der Auftragsmörder bei ihrem Rachefeldzug auf einige Hürden: In der globalisierten Weltwirtschaft lässt sich der eigentliche Verantwortliche nicht so leicht ausmachen. Das schrille Roadmovie führt sie aus der Picardie über Brüssel bis nach
Jersey, das für seine Briefkastenfirmen bekannt ist.
Ein sehr eigenwilliger Film voll bitterer und anarchischer Komik, der die Wut von Belegschaften, deren Standorte wegrationalisiert werden, auf unkonventionelle Weise thematisiert. Der Film ist voll skurriler Ideen, schafft es aber trotzdem, einen klaren roten Faden zu behalten.
Außerdem stellte Sylvie Verheyde ihren Film
Stella vor: Darin verarbeitet sie autobiographische Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend zwischen zwei Milieus. Die Eltern arbeiten in einer schäbigen Bar, der Alkohol fließt in Strömen, die Stimmung ist rau und um die heranwachsende Tochter kümmert sich kaum jemand. Stella schlägt sich mehr schlecht als recht an einem Gymnasium in einem gutbürgerlichen Viertel durch. Die Lehrer der 1970er Jahre pflegen einen autoritären Unterrichtsstil, Stellas Schulleistungen sacken ab, bis sie Freundschaft mit der Balzac - Leserin und Klassenkameradin Gladys schließt und langsam Fuß fasst.
Der Film ist über weite Strecken etwas zu langatmig und betulich. Ein deutlicher Kontrast zur Rasanz von
Louise hires a Contract Killer. Aber gerade solche stilistischen Gegensätze machen den Reiz von Filmfestivals aus.