Der Knochenmann: Hochkarätig besetzter morbider Krimi
Jetzt ist schon wieder was passiert
Mit diesem lakonisch hingemurmelten Satz Josef Haders beginnt traditionell jede Verfilmung der
Brenner - Romane des Bestseller - Autors Wolf Haas. Das Publikum kann sich auf zwei vergnügliche Stunden freuen, da diese Serie anspruchsvolle Unterhaltung, bitterbösen Humor und nicht zuletzt eine spannende Krimihandlung garantiert.
Das eingespielte Trio Wolf Haas (Autor von Romanvorlage und Drehbuch)/ Wolfgang Murnberger (Regisseur)/ Josef Hader (Hauptdarsteller und Co-Drehbuchautor) sorgte bereits mit den ersten beiden Teilen
Komm, süsser Tod! (2000) und
Silentium als einem der Publikumsrenner der Berlinale 2005 für hochkarätige Filmkunst made in Austria.
Für ihren neuen Film
Der Knochenmann gewannen sie nicht nur Burgtheater - Star Birgit Minichmayr und den alten Haudegen des Autorenfilms Josef Bierbichler als Geliebte bzw. Gegenspieler des Privatdetektivs Simon Brenner, der wieder unnachahmlich vom bekannten Kabarettisten Josef Hader verkörpert wird. Dieser bösartig funkelnde kleine Krimi ist außerdem bis in die Nebenrollen glänzend mit hoffnungsvollen Talenten wie Pia Hierzegger, Christoph Luser und Stipe Erceg besetzt. Vor allem Pia Hierzegger als schroffe Kellnerin empfahl sich mit ihrer Leistung nachdrücklich für weitere Kinoauftritte.
Der Plot dieses Films ist wie gewohnt eine zunächst harmlos scheinende Angelegenheit, in die Brenner arglos hineinschlittert, bis er in der steiermärkischen Provinz in menschliche Abgründe schaut. Diesmal verstrickt er sich in einen undurchsichtigen Familienzwist in einem Landgasthof mit obskuren Verbindungen in das Rotlicht - Milieu Bratislavas.
Neben den vielen pointierten Dialogen bildet vor allem ein Maskenball den furiosen Höhepunkt dieses Films. Ab dem 19.2. wird er auch bundesweit in den Kinos starten.
Fig trees: Außergewöhnliche Dokumentar - Oper über AIDS - Aktivisten
Dieser äußerst avantgardistische und vor Anspielungen überquellende Film hat einen hochbrisanten politischen Kern: Er stellt das Engagement von HIV - Positiven vor, die von ihren Regierungen politische Aktionspläne für mehr Aufklärung und bessere Medikamente einfordern. In den vergangenen Jahren standen vor allem der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki und seine Gesundheitsministerin im Kreuzfeuer der Kritik, die alle Sorgen vor der Pandemie herunterspielten und zur Prävention Knoblauch vorschlugen. Eine der Hauptfiguren in
Fig Trees ist deshalb Zackie Achmat, der mit seiner Bewegung und der moralischen Autorität Nelson Mandelas beharrlich gegen diese verantwortungslose Politik ankämpfte. Ende 2008 stürzte das unfähige Duo an der Staatsspitze über eine Reihe innerparteilicher Konflikte, so dass der Film sehr hoffnungsvoll mit einem Etappensieg der Basisbewegung endet.
Der Film ist aber Lichtjahre von einer klassischen Dokumentation entfernt, wie sie beispielsweise Greysons kanadischer Landsmann gestern mit
L´encerclement präsentierte. Die Dokumentarszenen und kurzen Interviews werden in ein surreales Geflecht von Motiven eingesponnen, in denen ein weißes Eichhörnchen und die Niagara - Fälle eine zentrale Rolle spielen. Vor allem ist der Film aber eine Hommage an die US-amerikanische Dichterin Gertrude Stein, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Paris als Mäzenin kubistische Malerei förderte und auch selbst mit ihren sprachspielerischen, philosophisch angehauchten Gedichten Ruhm erntete.
Die Grundidee des Films ist es, dass Gertrude Stein in der Gegenwart auftaucht und eine Dokumentar - Oper über die Bürgerrechtler im Kampf gegen HIV entwirft: Sie setzt einzelne Wörter, Sätze und Gedanken aus den Reden neu zusammen und komponiert daraus schrille Arien. Vor allem aber bedient sich diese Oper bei bekannten Pop - Songs der vergangenen Dekaden von Michael Jackson bis Bruce Springsteen, die auf sehr komische Weise adaptiert werden.
Der Film polarisiert stark, da er mit den üblichen Sehgewohnheiten bricht und eine eigene Mixtur aus Kunstgenres anstrebt. Ohne sich vorher in die Gedanken des Regisseurs und seiner Ikone Gertrude Stein etwas eingelesen zu haben, könnten sich viele Zuschauer irritiert und abgestoßen fühlen.