Studie der Universität Hohenheim belegt: Bedeutung des Internets für politische Meinungsbildung im Wahlkampf ist überraschend gering.
Trotz aller Web 2.0-Aktivitäten der Wahlkämpfer: Das Internet wird den geringsten Beitrag leisten, um NRWs künftigen Regierungschef zu küren. Zu dieser Prognose kommt Prof. Dr. Thorsten Quandt vom Lehrstuhl für interaktive Medien- und Onlinekommunikation der Universität Hohenheim nach sorgfältiger Analyse des Online-Wahlkampfes der vergangenen Bundestagswahl. Demnach bleiben Fernsehen und Zeitung bislang die wichtigste Informationsquelle der Wähler.
Ohne Blogs, YouTube-Kanäle und Facebook-Profile scheinen Politiker und Parteien gar nicht mehr auszukommen - so der aktuelle Eindruck, den Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Quandt im Landtagswahlkampf von Nordrhein-Westfalen erneut bestätigt sieht. "Vor diesem Hintergrund wollten wir analysieren, was vom Internetwahlkampf wirklich übrig bleibt, wenn sich der Hype einmal gelegt hat", so seine Motivation, den Online-Wahlkampf der jüngsten Bundestagswahl einmal mit den Ergebnissen zu vergleichen.
Für Wahlkampfstrategen fallen die Ergebnisse eher ernüchternd aus:
1. Trotz hoher Internetabdeckung informiert sich nur ein Drittel der Bevölkerung online über den Wahlkampf.
2. Als Hauptinformationsquelle nennen die Wähler das Fernsehen (52%) und die Zeitung (22%). Das Internet folgt erst an dritter Stelle mit 13 %, jedoch vor dem Radio (11%).
3. Wichtigste Informationsquelle im Netz sind Nachrichten auf Portalseiten, gefolgt vom Internet-Angebot der Massenmedien. Foren, Blogs und Soziale Netzwerke folgen erst an letzter Stelle.
4. Anders als in den USA: Dort nutzen 2/3 das Netz, um sich im Wahlkampf auf dem Laufenden zu halten. Soziale Netzwerke werden dreimal so intensiv zur Meinungsbildung vor der Wahl genutzt, wie hierzulande.
5. Foren, Blogs und Sozialen Netzwerken sind zwar Schlusslicht, wahlkampfstrategisch jedoch noch der beste Weg, politisch desinteressierte Online-User zu erreichen.
6. Aber: da sich die meisten User in Foren, Blogs und Sozialen Netzwerken passiv verhalten, kann eine vergleichsweise kleine Gruppe hier sehr leicht die Meinungsführerschaft an sich ziehen.
7. Die vergleichsweise hohe Zahl junger Online-User lässt jedoch vermuten, dass die Bedeutungssteigerung des Internets noch bevorsteht.
Grundlage der jetzt veröffentlichten Analyse ist eine repräsentative Befragung von 1.000 Wahlberechtigten durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa von Dezember 2009 durchgeführt. Der Termin einige Wochen - nach der Bundestagswahl erlaubt, im Nachhinein eine Bilanz zu ziehen, und ermöglicht gleichzeitig den Vergleich mit einer von der Universität Princeton im Dezember 2008, nach der amerikanischen Präsidentenwahl, durchgeführten Repräsentativbefragung (Pew Internet and American Life Project 2008).
Quelle:
idw