Bilder wie diese sind uns bekannt aus den Medien. Situationen wie diese haben wir jedoch nie erlebt.
Noch bis zum 28.02.10 präsentiert
C/O Berlin im ehemaligen Postfuhramt die Retrospektive „Don McCullin. The Impossible Peace”. Die Fotografien des 1935 in London geborenen Fotojournalisten holen die Kriege und humanitären Katastrophen der Jahre 1958 bis 2008 nach Berlin Mitte und kontrastieren sie mit Szenen aus dem Heimatland des Fotografen – gesellschaftliche Realitäten und landschaftliche Schönheit. Während sich rechter Hand Berlin 1961 zerbombt und besetzt erstreckt, Kriegsszenen aus Zypern und Kongo im Jahr 1964 aneinanderreihen, gefolgt von Vietnam und Biafra 1968, zeigen die Fotos gegenüber Szenen aus der Heimat des Fotografen, dem Londoner East End oder Somerset, wo er heute lebt.
Don McCullin habe seine schwarz-weiß Bilder selbst entwickelt und dabei die Kontraste verstärkt, schreibt der
Guardian und zitiert den Fotografen: "So that the thing really comes at you - a kind of hit and run. I don't want you to be hurt by it, but I want those images to be with you. I want them to contaminate your thoughts."
Es gelingt diesen Bildern auch heute noch, Gedanken in Besitz zu nehmen, auch wenn sie dabei weniger vergiften, sondern eher wunde Punkte treffen – mit Momentaufnahmen menschlicher Schicksale, die Betrachter betroffen machen. Sie machen uns bewusst, dass wir hinschauen, ohne zu helfen, dass wir uns jederzeit abwenden und weiterschlendern können, zum nächsten Bild, zum nächsten Krieg, um die grausamen Eindrücke auf dem Heimweg gegen Alltagssorgen einzutauschen.
McCullin begann seine Karriere getrieben und ambitioniert. Die Kriegs und Ereignisschauplätze dieser Welt ließen ihm keine Ruhe: „Ich wollte unbedingt dabei sein“, sagt der Fotograf über seine Berlin-Aufnahmen. "Genau das hab ich später immer versucht, dabei sein." Eine Arbeitswut oder Sucht nach Kriegsschauplätzen, die weder Privatleben noch Idealismus unbeschadet überstanden, wurden begleitet von zwei gescheiterten Ehen und einer Einsicht: "You will always get it wrong". Um die Scheinheiligkeit und Ignoranz zuhause brechen zu können, ist der Fotograf selbst scheinheilig, muss geschützt durch sein Objektiv zusehen, wie andere sterben. Dabei war McCullin ausgezogen, “to break the hearts and spirits of secure people".

Auch wenn ethische Fragen der Kriegsberichterstattung immer mitschwingen, steht die Kunst der Fotografie im Vordergrund der Werkschau und nicht die Politik der Bilder. Dadurch treten allerdings die Beschreibungen der Situationen, in denen die Fotografien entstanden, die aber doch Teil der Bildreportage sind, in den Hintergrund. Kontext und Kommentare müssen meist aus den Originalmagazinen, die in Vitrinen zwischen den Fotografien ausgestellt sind, rekonstruiert werden.
Es spricht für das C/O Team und den Kurator Robert Pledge, dass sie die Ausstellung nicht mit Sensation und Tränendrüse bewerben. Als Poster- und Postkartenmotiv dient kein leidgeprüftes Kriegsbild, sondern ein Gesicht aus McCullins Heimat. Kraftvoll und eindrücklich, bemerkens- und bedenkenswert sind McCullins Bilder allesamt.
Don McCullin . The Impossible Peace
außerdem: Jonas Bendiksen . The Places We Live
Termin: bis 28. Februar 2010
Eintritt: 12 Euro . ermäßigt 9 Euro
Öffnungszeiten: täglich . 11 bis 20 Uhr
Eintritt: 8 Euro . ermäßigt 5 Euro
Veranstalter: C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues
Ort: C/O Berlin . Postfuhramt, Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin