Nord: Skurriles Roadmovie im skandinavischen Schnee
Rune Dengstad Langlos Debüt
Nord ist ein unterhaltsamer, schräger, kleiner Film. Er schickt seine Hauptfigur Jomar Henriksen (glaubwürdig gespielt von Anders Baasmo Christiansen) mit einem Schneemobil Richtung Nordkap, wo er seine Frau und sein Kind wiederfinden möchte. Wie er sich auf dem holprigen Gefährt durch die endlosen Weiten quält und welch eigenbrötlerischen Gestalten er dort begegnet, gehört zum Skurrilsten dieses Festivals. Vor allem die Dialoge mit seinen Zufallsbekanntschaften und die zögerliche Art, mit der sie sich dem Fremden langsam öffnen machen den Charme dieses Films aus.
The Yes Men fix the world: Politaktivisten halten den Konzernen den Spiegel vor
Ein besonderes Highlight des Festivals war der Auftritt von Andy Bichlbaum und Mike Bonanno. Als
Yes Men sorgen sie in den USA seit Jahren für Furore und bringen so einflussreiche Konzerne wie Dow Chemical, Halliburton und Exxon Mobil immer wieder in Verlegenheit.
In ihrer Dokumentation
The Yes Men fix the world geben die Kommunikations - Guerilleros einen tiefen Einblick in ihre Denk- und Arbeitsweise und schildern ihre größten Coups. Dow Chemical stand vor der Weltöffentlichkeit als hartherziger Industriemulti blamiert da, als sich die
Yes Men gegenüber der BBC als Pressesprecher des Konzerns ausgaben und die seit langem geforderte Entschädigung für die Opfer des verheerenden Chemie - Unfalls im indischen Bhopal ankündigten: Nach einigen Stunden reagierte das Unternehmen mit einem schmallippigen Dementi. Der Börsenkurs war aber bereits in den Keller gerauscht.
Ein sehr informativer Dokumentarfilm, der den Bekanntheitsgrad der Gruppe auch hierzulande steigern wird. Am Samstag, 7.2., werden die
Yes Men ihre Arbeiten ab 20 Uhr im Beta Haus (Prinzessinnenstraße 19-20) vorstellen und bei Videoinstallationen und Musik feiern. Dort werden sie auch weitere Exemplare ihrer mittlerweile berühmten fiktiven Ausgabe der
New York Times verteilen, mit der sie einige Tage nach dem Wahlsieg Barack Obamas für weltweite Schlagzeilen sorgten.
El nino pez: Kunstvolles Drama aus Argentinien
Lucía Puenzo: Diesen Namen muss man sich merken. Vergangenes Jahr räumte sie mit ihrem Erstlingswerk
XXY einen der Hauptpreise in Cannes ab. Jetzt wurde sie mit
El nino pez (Das Fischkind) im Zoo - Palast gefeiert.
Dieser kunstvoll konstruierte Film entfaltet seine Dramatik auf leisen Sohlen: Lala, die Tochter aus gutbürgerlichem Haus, (Inés Efron) und das Dienstmädchen Guayi (Mariela Vitale) beginnen eine Affäre, klauen sich Schritt für Schritt ein kleines Vermögen zusammen und träumen von einer gemeinsamen Zukunft in Paraguay. Dabei geht so ziemlich alles schief: Eifersucht und der mysteriöse Tod von Lalas Vater bringen das gesamte Beziehungsgeflecht durcheinander.
Der Film zeigt in einfühlsamen Bildern das Ringen der beiden Frauen mit sich, ihrer Umwelt und der Wahrheit. Ganz nebenbei gelingt auch ein Panorama der Schattenseiten der argentinischen Gesellschaft: Korruption in der Justiz wird ebenso angesprochen wie die große Kluft zwischen Arm und Reich.
Die Bären werden erst heute Abend vergeben. Das Publikum hat seinen Favoriten aber bereits gewählt: The Yes Men fix the world wird am 15.2. um 17 Uhr im Cinemaxx mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichhnet, der gemeinsam von der Panorama - Sektion,
Aufgenommen: Feb 14, 13:33