Berlinale 2009: Die Eröffnungsfilme
The International: Politthriller im Bankenmilieu
Die Eröffnungsgala der Berlinale war in den vergangenen Jahren oft ein heikler Termin, da einige Filme wie z.B. Scorseses Dokumentation über die Rolling Stones die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnten.
Diesmal bewies das Auswahlgremium um Dieter Kosslick ein besseres Händchen: Mit Tom Tykwers Thriller The International trafen sie voll ins Schwarze des Zeitgeistes. Das derzeit alles beherrschende politische Diskussionsthema, die Krise der Finanzinstitute, steht im Zentrum dieses Films.
Der Interpol - Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) sind dubiosen Geschäften eines Global Players auf der Spur, denen sie in einer Tour de Force von Berlin über Mailand und New York bis Istanbul hinterherjagen. Drehbuchautor Eric Warren Singer und Regisseur Tom Tykwer fahren in ihrem fiktiven Fall sehr schwere Geschütze auf und arbeiten sich gleich an einer ganzen Reihe der weltpolitischen Krisenherde ab. Die titelgebende Großbank The International hat über Tarnfirmen ihre schmutzigen Finger in Bürgerkriegen und Rohstoffkonflikten Afrikas im Spiel und rüstet außerdem sowohl Israel als auch viele seiner nahöstlichen Gegenspieler wie Syrien und Iran auf.
Die Stärke des Films ist es, dass die Handlung trotz dieser sehr ambitionierten Konstruktion stringent wirkt. Auch die Mischung aus intensiven Dialogen, in denen die Hintergründe ausgeleuchtet werden, und rasanten Actionszenen ist gelungen. Ein besonderes Highlight ist die Verfolgungsjagd durch die Rotunde des Guggenheim Museums, die eigens in Potsdam - Babelsberg nachgebaut wurde.
So entsteht ein rasanter Politkrimi, der als pessimistischer Kommentar zur Lage der Welt sehr wohl zum Nachdenken anregt und eine gute Balance zwischen Hollywood - Massenwirksamkeit und inhaltlichem Anspruch findet.
Interessant ist, dass der Film etwas quer zum Schwerpunkt der aktuellen Debatten steht: Ökonomen und Politiker arbeiten sich derzeit an den komplexen Mechanismen ab, wie die Finanzinstitute und Börsen durch faule Kredite und deren geschickte Verschleierung in die Schieflage geraten konnten und wie die Branche besser reguliert werden kann. In dem Film geht es aber vor allem um die Verstrickung der Banken in politische Machtkämpfe und ihren Profit aus militärischen Rüstungsspiralen, was heute in den Medien im Vergleich zur Globalisierungsdebatte vor einigen Jahren eher etwas in den Hintergrund gerückt ist.
Love Exposure: Opulentes Drama aus Japan
Sono Sion, das Enfant Terrible des japanischen Kinos, ist regelmäßigen Berlinale - Besuchern ein Begriff: Seine bildgewaltigen Filme, die an die Tabus der fernöstlichen Traditionen rühren und stark von den Mangas, den japanischen Comic - Kunst inspiriert sind, laufen immer wieder in der Festtival - Reihe Forum, die sich experimentellen und jungen Formen öffnet und die ganze Stilvielfalt des internationalen Kinos abbilden möchte.
Love Exposure oder im Originaltitel Ai no mukidashi ist ein knapp vierstündiges Feuerwerk der Ideen, das sich nur schwer beschreiben lässt. Wenn man sich vorstellt, Ingmar Bergmans Dramen über die strenge Erziehung in Pfarrhäusern mit Punk, einem Schuss Klassik und einigen Motiven aus der Comic - Kultur zu mischen, kommt man diesem Film etwas näher.
Der Film verheddert sich manchmal etwas in der Fülle seiner Figuren und Motive von Kindesmissbrauch über die Gehirnwäsche bei Sekten bis zur Liebesgeschichte zwischen Yu und Yoko, aber vor allem im ersten und dritten Viertel besticht er durch Esprit. Für Heiterkeit sorgte vor allem die verzweifelte Suche des anständigen kleinen Jungen nach Sünden, als sein Vater ihn immer nachdrücklicher ermahnt, dass er sein Gewissen nicht gründlich genug erforscht hat, wenn ihm bei der Beichte kaum etwas einfällt.
Ein Filmerlebnis, wie es für Festivals typisch ist. Im Kino an der Ecke hat so ein Film sicher keine Chance.
Human Zoo: Das Kriegstrauma einer Frau aus dem Kosovo
Die Sektion Panorama setzt traditionell auf Independent - Filme mit politischem Anspruch. Zur Eröffnung wurde das Regiedebüt der Dänin Rie Rasmussen gezeigt, die auch das Drehbuch zu Human Zoo schrieb und die Hauptrolle spielt.
Ein sehr brutaler und düsterer Film, der das Schicksal der jungen Frau Adria Shala zeigt: Zur Hälfte Serbin, zur Hälfte Albanerin geriet sie im Kosovo - Krieg zwischen die Fronten, wird vergewaltigt, erlebt harte Jahre als Geliebte eines Ganoven, der mit zwielichtigen Geschäften Kapital aus den Wirren der Balkan - Krise schlägt. Schließlich landet sie in Marseille, jedoch ohne legalen Aufenthaltsstatus. Obwohl sie in einer Affäre mit dem Lebenskünstler Shawn Reagan neue Lebensfreude gewinnt, kann sie doch nicht Fuss fassen und scheitert.
Die Struktur des Films strengt sehr an, da die Handlung sehr häufig zwischen den verschiedenen zeitlichen und örtlichen Ebenen wechselt. Dadurch bekommt der Film nur schwer einen Rhythmus. Die drastischen Gewaltszenen rütteln immer wieder auf.
Die Bildrechte liegen bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin.
Die Eröffnungsgala der Berlinale war in den vergangenen Jahren oft ein heikler Termin, da einige Filme wie z.B. Scorseses Dokumentation über die Rolling Stones die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnten.
Diesmal bewies das Auswahlgremium um Dieter Kosslick ein besseres Händchen: Mit Tom Tykwers Thriller The International trafen sie voll ins Schwarze des Zeitgeistes. Das derzeit alles beherrschende politische Diskussionsthema, die Krise der Finanzinstitute, steht im Zentrum dieses Films.
Der Interpol - Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) sind dubiosen Geschäften eines Global Players auf der Spur, denen sie in einer Tour de Force von Berlin über Mailand und New York bis Istanbul hinterherjagen. Drehbuchautor Eric Warren Singer und Regisseur Tom Tykwer fahren in ihrem fiktiven Fall sehr schwere Geschütze auf und arbeiten sich gleich an einer ganzen Reihe der weltpolitischen Krisenherde ab. Die titelgebende Großbank The International hat über Tarnfirmen ihre schmutzigen Finger in Bürgerkriegen und Rohstoffkonflikten Afrikas im Spiel und rüstet außerdem sowohl Israel als auch viele seiner nahöstlichen Gegenspieler wie Syrien und Iran auf.
Die Stärke des Films ist es, dass die Handlung trotz dieser sehr ambitionierten Konstruktion stringent wirkt. Auch die Mischung aus intensiven Dialogen, in denen die Hintergründe ausgeleuchtet werden, und rasanten Actionszenen ist gelungen. Ein besonderes Highlight ist die Verfolgungsjagd durch die Rotunde des Guggenheim Museums, die eigens in Potsdam - Babelsberg nachgebaut wurde.
So entsteht ein rasanter Politkrimi, der als pessimistischer Kommentar zur Lage der Welt sehr wohl zum Nachdenken anregt und eine gute Balance zwischen Hollywood - Massenwirksamkeit und inhaltlichem Anspruch findet.
Interessant ist, dass der Film etwas quer zum Schwerpunkt der aktuellen Debatten steht: Ökonomen und Politiker arbeiten sich derzeit an den komplexen Mechanismen ab, wie die Finanzinstitute und Börsen durch faule Kredite und deren geschickte Verschleierung in die Schieflage geraten konnten und wie die Branche besser reguliert werden kann. In dem Film geht es aber vor allem um die Verstrickung der Banken in politische Machtkämpfe und ihren Profit aus militärischen Rüstungsspiralen, was heute in den Medien im Vergleich zur Globalisierungsdebatte vor einigen Jahren eher etwas in den Hintergrund gerückt ist.
Love Exposure: Opulentes Drama aus Japan
Sono Sion, das Enfant Terrible des japanischen Kinos, ist regelmäßigen Berlinale - Besuchern ein Begriff: Seine bildgewaltigen Filme, die an die Tabus der fernöstlichen Traditionen rühren und stark von den Mangas, den japanischen Comic - Kunst inspiriert sind, laufen immer wieder in der Festtival - Reihe Forum, die sich experimentellen und jungen Formen öffnet und die ganze Stilvielfalt des internationalen Kinos abbilden möchte.
Love Exposure oder im Originaltitel Ai no mukidashi ist ein knapp vierstündiges Feuerwerk der Ideen, das sich nur schwer beschreiben lässt. Wenn man sich vorstellt, Ingmar Bergmans Dramen über die strenge Erziehung in Pfarrhäusern mit Punk, einem Schuss Klassik und einigen Motiven aus der Comic - Kultur zu mischen, kommt man diesem Film etwas näher.
Der Film verheddert sich manchmal etwas in der Fülle seiner Figuren und Motive von Kindesmissbrauch über die Gehirnwäsche bei Sekten bis zur Liebesgeschichte zwischen Yu und Yoko, aber vor allem im ersten und dritten Viertel besticht er durch Esprit. Für Heiterkeit sorgte vor allem die verzweifelte Suche des anständigen kleinen Jungen nach Sünden, als sein Vater ihn immer nachdrücklicher ermahnt, dass er sein Gewissen nicht gründlich genug erforscht hat, wenn ihm bei der Beichte kaum etwas einfällt.
Ein Filmerlebnis, wie es für Festivals typisch ist. Im Kino an der Ecke hat so ein Film sicher keine Chance.
Human Zoo: Das Kriegstrauma einer Frau aus dem Kosovo
Die Sektion Panorama setzt traditionell auf Independent - Filme mit politischem Anspruch. Zur Eröffnung wurde das Regiedebüt der Dänin Rie Rasmussen gezeigt, die auch das Drehbuch zu Human Zoo schrieb und die Hauptrolle spielt.
Ein sehr brutaler und düsterer Film, der das Schicksal der jungen Frau Adria Shala zeigt: Zur Hälfte Serbin, zur Hälfte Albanerin geriet sie im Kosovo - Krieg zwischen die Fronten, wird vergewaltigt, erlebt harte Jahre als Geliebte eines Ganoven, der mit zwielichtigen Geschäften Kapital aus den Wirren der Balkan - Krise schlägt. Schließlich landet sie in Marseille, jedoch ohne legalen Aufenthaltsstatus. Obwohl sie in einer Affäre mit dem Lebenskünstler Shawn Reagan neue Lebensfreude gewinnt, kann sie doch nicht Fuss fassen und scheitert.
Die Struktur des Films strengt sehr an, da die Handlung sehr häufig zwischen den verschiedenen zeitlichen und örtlichen Ebenen wechselt. Dadurch bekommt der Film nur schwer einen Rhythmus. Die drastischen Gewaltszenen rütteln immer wieder auf.
Die Bildrechte liegen bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin.
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