Als ein Höhepunkt der
9. Französischen Filmwoche wurde heute die Aufführung von
Bellamy erwartet: In dem aktuellsten Film des
Altmeisters Claude Chabrol spielt Publikumsliebling
Gérard Depardieu einen Polizeiinspektor, der sich mit einem undurchsichtigen Fall herumschlägt.
Was sich auf den ersten Blick nach einem klassischen Kriminalfilm anhört, entpuppt sich als ein sehr stilles Werk, das sich keinem Genre klar zuordnen lässt. Im Zentrum steht vor allem Gérard Depardieu, der es sich mit seiner Leibesfülle im Fernsehsessel gemütlich macht, als er durch einen dubiosen Anruf aus der südfranzösischen Urlaubsidylle in eine ungewöhnliche Geschichte verstrickt wird. Ein Mann behauptet, dass er sich eines Mordes schuldig gemacht hat.
Der Film widmet sich in aller Ausführlichkeit und langen Einstellungen dem Privatleben des Kommissars: Die ständigen Reibereien mit dem nervigen Halbbruder, Einladungen zum Abendessen und die Höhen und Tiefen der Beziehung zu seiner Ehefrau werden ausgeleuchtet. Eher nebenbei kommen neue Puzzle - Teile des ungelösten Falles ans Tageslicht: Handelt es sich um Versicherungsbetrug? Welche Rolle spielen die Ehefrau und die Geliebte des Anrufers? Was steckt hinter dem Unfallauto, das in der ersten Filmeinstellung ausgebrannt an einem Steilhang liegt?
Alles in allem ist Bellamy ein recht unterhaltsamer Film, der auf seine unkonventionelle Art mit Zuschauererwartungen spielt.
Claude Chabrol erreicht in dieser Neuerscheinung, die am 9. Juli bundesweit in den Kinos starten wird, leider nicht die Raffinesse früherer Psychodramen wie
Süßes Gift oder
Geheime Staatsaffären, mit denen er die Abgründe hinter den Fassaden des bürgerlichen Establishments sezierte und politische Akzente setzte.
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