Den Franken reicht's: Gedemütigt von den Oberbayern innerhalb der CSU und allgemein von allen Nicht-Franken im bayerischen Freistaat haben sich am Wochenende wagemutige Männern und Frauen in Bamberg zusammengefunden. Am Samstagabend wurde die "Partei der Franken" geboren, die das fränkische Selbstbewußtsein stärken und vor allem eine intensivere wirtschaftliche Förderung der drei fränkischen Regierungsbezirke anstreben soll.
Während Altkanzler Helmut Kohl, der ehemalige US-Präsident George Bush und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow am Wochenende in Berlin zusammen kamen und im Berliner über den Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands sprachen, ereignete sich knapp 400 Kilometer weiter südlich eine ebenfalls als historisch zu bezeichnende Zusammenkunft. 51 Mitglieder gründeten die "Partei der Franken", die sich nicht weniger als
eine Alternative zu bestehenden Parteien sieht und den fränkischen Interessen und Themen mehr politisches Gewicht in Bayern verschaffen möchte.
Vorfahrt für Franken
Dies ist ob der
"seriös recherchierten Zahlen" auch unbedingt von Nöten: Politisch von der CSU in das Abseits gedrängt, erleidt die fränkische Seele auch wirtschaftlichen Schaden. Der
Parteivorsitzende Robert Gattenlöhner, Ex-SPDler, präzisiert gegenüber der
SZ, was er selbst als eine "wirtschaftliche Benachteiligung" bezeichnet:
"Ein fränkischer Betrieb nach dem anderen zerbröselt und kaum einen in München interessiert es."
Diese Unzufriedenheit wollen sich die neuen Parteimitglieder zu nutze machen, ohne dabei in links- oder rechtsextremen Lagern zu fischen. Die "Partei der Franken" möchte eine Alternative zu den bereits bestehenden Parteien mit demokratischem Grundverständnis werden. Mit welchen Themen die fränkischen Parteifreunde Akzente setzen wollen, wird nur angedeutet. Neben der
wirtschaftlichen Komponente und der Besinnung auf christliche Werte wird noch nicht allzuviel Preis gegeben, womit die 4,2 Millionen Franken im Freistaat zur Stimmabgabe überredet werden sollen.
Passt scho', wenn auch erst 2013
Womöglich langt dem Franken, dessen größtes Lob ein nicht zu deutendes "Passt scho'" ist, zunächst die geglückte Mobilisierung und Parteigründung. Dennoch wird der Einzug in den bayerischen Landtag anvisiert, auch wenn dieses Vorhaben womöglich erst 2013 realisiert werden könnte. Der Wille ist bei den mutigen 51 vorhanden, die sich bereits an einem ersten Ziel wähnen, wenn
"wir nur endlich auf gleicher Augenhöhe mit den Altbayern agieren könnten", so Gattenlähner. Sollte dieses Vorhaben Scheitern, könnten die Franken doch noch einen lang gehegten und immer wieder aufgewärmten Traum verfolgen: Ein eigenes Bundesland.
(atz)