Die Studenten der renommierten
Schauspielschule HFS Ernst Busch erhalten jedes Jahr die Gelegenheit, in einer Inszenierung am
Deutschen Theater Berlin ihr Können zu zeigen. Diesmal wählten sie zusammen mit dem Hausregisseur
Andreas Kriegenburg den
Shakespeare - Klassiker Hamlet aus.
Schon beim Blick auf das Bühnenbild wird klar, dass dieser Abend weit von der Ästhetik der berühmten, traditionellen Aufführungen dieses Stücks entfernt ist: Die gesamte Bühne der Kammerspiele ist mit umgedrehten Holzkisten übersät. Wenn man genauer hinsieht, kann man auch erkennen, wie sich die Schauspieler bereits vor Beginn des Stücks in den Kisten eingezwängt haben.
Der erste Auftritt gehört Aenne Schwartz als Rosencrantz und Marco Portmann als Guildenstern: Mit Clownsbemalung und wirren langen Haaren tauchen sie aus ihren Kisten auf und begrüßen das Publikum als Conferéncières, die in einer Mischung aus der
Sesamstraßen - Figur Oscar in seiner Mülltonne und den beiden Opis auf dem Balkon der
Muppet - Show die Handlung erklären, neue Szenen ankündigen und teilweise auch ins Spiel eingreifen. Neben der erfahrenen Ensemble - Schauspielerin
Natali Seelig in der Rolle der Gertrud, der zugedröhnten Mutter Hamlets, ernten die beiden Studenten die meisten Lacher.
Dieses Konzept, aus der blutigen Tragödie eine vergnügliche Komödie für die junge Zielgruppe zu machen, geht aber nur teilweise auf: Wenn sich
Michael Schweighöfer, der im DT - Ensemble mit seinem langen Bart und Übergewicht seit Jahren auf die Rolle des kauzigen Alten abonniert ist, in seinen Kalauern vergaloppiert, verdrehen viele im Publikum nur die Augen. Deshalb halten sich zur Pause Buhrufe und Applaus die Waage. Immerhin dürfen Rosencrantz und Guildenstern beim Wiederbeginn erleichtert feststellen, dass trotz einiger frei gewordener Plätze die meisten Zuschauer geblieben sind.
Die Komik, die teilweise in den Klamauk kippt, drängt die Figur des Titelhelden Hamlet etwas an den Rand:
Auch Thomas Halles Gesicht ist in Clownsfarben bemalt, aber bei ihm weisen die Mundwinkel als einzigem nach unten. Im fröhlichen Schnattern des restlichen dänischen Hofstaats kommt seine grübelnde Melancholie etwas kurz.
An der Inszenierung werden vor allem Englisch - Abiturklassen ihre Freude haben, die das verstaubte Stück mal in einer anderen Version mit fast gleichaltrigen Hauptdarstellern sehen können. Das grauköpfige Stammpublikum der Abonnenten blieb mit zwiespältigen Eindrücken zurück oder ging schon zur Pause nach Hause.
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