Alumni-Netzwerk
Auf dieser Seite stellen wir ehemalige E-politiker vor, die inzwischen nicht mehr aktiv in den Redaktionen tätig sein können. Dennoch stehen sie unseren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. In den Kurzportraits erzählen unsere Alumni wie sie zu /e-politik.de/ gekommen sind und warum sie das Projekt weiterhin unterstützen.
Nina Bludau – Freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung
Als ich mich bei /e-politik.de/ für die Mitarbeit an den Lernforen interessiert habe, und darüber das damalige Team mit Gunnar Herrmann, Nikolaus Röttger und Florian Wachter kennengelernt habe, gefiel mir die Idee der Mitarbeit bei einem politischen Online-Magazin. Mit der Zeit habe ich bei /e-politik.de/ viele, viele wichtige Dinge gelernt, den Umgang mit einem Content Management System, den Unterschied zwischen Print- und Onlinejournalismus, Redaktionsarbeit, etc. Selber schreiben, selber redigieren, selber Themen erarbeiten, in all diesen Bereichen war /e-politik.de/ letztendlich für mich selbst ein schönes Lernforum in einem super Team.
Bei /e-politik.de/ haben von Anfang an engagierte und gute Journalisten und Politikwissenschaftler mitgearbeitet. Die Qualität der veröffentlichten Artikel zeigt das unverändert bis heute. Ich lese einfach sehr gerne gut recherchierte Artikel und oftmals andere Perspektiven zu den gängigen Print- und Onlinemagazinen. Außerdem finde ich es von Seiten der Journalisten wichtig, dass es eine Möglichkeit gibt, durch Eigenarbeit Onlinejournalismus zu lernen und zu praktizieren. Schließlich muss ein Artikel im Internet eine andere Erwartungshaltung erfüllen, als ein Artikel in einer Tageszeitung oder einem Printmagazin.
Susanne Schulz – Freie Journalistin und Deutschlehrerin in Schweden
Als ich zu /e-politik.de/ kam, schrieb ich gerade an meiner Magisterarbeit im Fach Politologie. Ich wollte danach gerne Journalistin werden. Da ich aber über keinerlei journalistische Erfahrung verfügte, gestaltete es sich als etwas schwierig, den „Fuß in die Tür“ zu bekommen. Bei den Redaktionen hieß es bloß immerzu: „Sie können bei uns erst ein journalistisches Praktikum machen, wenn Sie schon wo anders ein journalistisches Praktikum gemacht haben.“ Ein unlösbares Problem für mich. Aus der Klemme half mir /e-politik.de/, denn hier konnte ich ohne von irgendwas eine Ahnung zu haben, Artikel veröffentlichen und mich im Verein, den wir dann gegründet haben, engagieren. Das hat mir bei Bewerbungen um Praktika die Tür geöffnet und sogar zu einem Volontariat verholfen.
Deshalb unterstütze ich auch heute noch /e-politik.de/. Wer in den Beruf reinschnuppern möchte, soll dazu eine einfache Gelegenheit haben. /e-politik.de/ ist zwar inzwischen viel größer und professioneller geworden. Aber um so besser. Hier kann man richtig was lernen und sich selber einbringen. Nach wie vor finde ich, dass /e-politik.de/ ein tolles Team von begeisterten Journalisten und politisch interessierten Menschen ist, mit denen das Schreiben und Diskutieren Spaß macht!
Gunnar Herrmann – Auslandskorrespondent für die Süddeutsche Zeitung
Das Büro in der Ottostraße war ein bisschen unordentlich und es war klein. Genau genommen war es gar kein Büro, sondern Nickls (Nikolaus Röttger) ehemalige Studentenbude, die er mit ein paar Regalen und wackeligen Tischen so verändert hatte, dass sie nun wie etwas aussah, das gerne ein Büro sein möchte, aber noch wachsen muss. Als ich dort zum ersten Mal auf einem quietschenden Stuhl vor einem vollen Aschenbecher und einer Tasse mit lauwarmen Filterkaffee Platz nahm, war es um mich geschehen. Der Raum in der Ottostraße sah eben genau so aus, wie man sich damals – es war Mitten in der Hochphase New Economy – den Beginn von etwas ganz, ganz Großem vorstellte. So ähnlich, dachte ich mir, muss es auch in der Garage ausgesehen haben, in der Steve Jobs einst den ersten Apple-Rechner zusammenschraubte. Als ich gefragt wurde, ob ich mitmachen will, sagte ich ohne Zögern ja. Von nun an trank ich fast täglich lauwarmen Filterkaffee auf dem quietschenden Stuhl, schrieb dort, redigierte, bastelte mit HTML, brütete über hochtrabenden Business-Plänen und lernte in der Ottostraße mehr als in so manchem Uni-Seminar.
Trotzdem wurde aus /e-politik.de/ nie ein schickes New-Economy-Start-Up. Was vielleicht ein Glück war, denn vieles, was in der wilden Jugendzeit des Webs modern und erfolgreich war, ist heute, zwei Finanzkrisen später, verschwunden. /e-politik.de/ aber gibt es immer noch. Und es ist sogar ein bisschen gewachsen: Heute wird nicht mehr in einer Studentenbude in der Ottostraße produziert. Sondern in Studentenbuden in der ganzen Republik – in Bonn, Heidelberg und Leipzig, in München, Greifswald und Berlin. Die Webseite ist seit dem Start 1999 unzählige Male erneuert und verbessert worden. Fertig wurde sie aber nie. Das ist wohl das Geheimnis von /e-politik.de/: Dass man sich trotz des ehrwürdigen Alters (zehn Jahre sind viel für ein Internetprojekt) irgendwie immer noch in einer Gründungsphase befindet. Ich hoffe, dass diese Phase noch recht lange andauert. Denn das Beste an /e-politik.de/ ist ja nach wie vor, dass man dort Neues ausprobieren und eigene Ideen verwirklichen kann; ohne Chefredakteur, ohne Verleger. Und meistens auch ohne Büro.
Nikolaus Röttger – Redaktionsleiter Business Punk und Out of Office Editor Financial Times Deutschland
Kurz dachten wir, man könne reich werden mit /e-politik.de/. Alle wurden reich, damals Ende der 90er Jahre in der New Economy. Ein bisschen Internet, ein bisschen Inhalte und schon ist man ein bisschen reich. Das war damals die Formel – und das können wir auch, dachten wir, nachdem wir die ersten politikwissenschaftlichen Skripte 1999 ins Internet gestellt hatten. Ja, /e-politik.de/ begann mit politikwissenschaftlichen Skripten, Zusammenfassungen über die Theorien von Platon, Aristoteles, Macchiavelli und Co., die wir im Netz veröffentlichten und ergänzten, damit sie alle zum Lernen für politikwissenschaftliche Prüfungen nutzen konnten. Schnell erweiterten wir die Sammlung dann aber um Artikel, Kommentare und Reportagen, bauten eine Redaktion in München auf, hatten unzählige Helfer, die die Seite pflegten, programmierten, gestalteten.
/e-politik.de/ wuchs zum Onlinemagazin, wurde größer, wir bastelten an unserem Business Plan, schrieben astronomische Summen auf, die wir mit Hilfe von Werbung einnehmen wollten, kalkulierten, rechneten – und dann platzte die New Economy Blase. Venture Capital hatten wir nie gesehen – und das war unser Glück. /e-politik.de/ wurde kein Boo.com, /e-politik.de/ überlebte alle Krisen der Nuller-Jahre. Wir gründeten einen Verein, heute gibt es gleich mehrere Redaktionen in Deutschland, die unsere Anfangsarbeit nicht nur weiterführen, sondern noch dazu professionalisiert haben. Und so sind wir doch reich geworden: reich an Erfahrung, reich an netten, spannenden Leuten, die wir kennen lernten, reich an interessanten, spannenden Texten. Danke an alle, die mitgemacht haben, mitmachen und mitmachen werden. Für mich kann ich sagen: Es hat sich gelohnt. Es hat Türen in den Journalismus geöffnet. Und vor allem: Es hat Spaß gemacht.
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